I.1.1 Wozu ein Zahnradgetriebe

Stell dir den Antriebsstrang eines Elektrofahrzeugs vor. Der Elektromotor liefert sehr hohe Drehzahl bei kleinem Drehmoment. Das Rad am Boden braucht das Gegenteil: niedrige Drehzahl, hohes Drehmoment. Zwischen Motor und Rad sitzt ein Getriebe, das die hohe Motor-Drehzahl in die niedrige Rad-Drehzahl wandelt und dabei das Drehmoment vergrössert.

Allgemein gesprochen: ein Zahnradgetriebe wandelt eine Drehbewegung in eine andere Drehbewegung. Vier Grössen können dabei verändert werden: Drehrichtung (links- oder rechtsdrehend), Drehachse (parallel, rechtwinklig, windschief), Drehzahl nn und Drehmoment MtM_t. Welche dieser vier Grössen wie verändert wird, entscheidet die Bauform des Getriebes.

Definition Zahnradgetriebe
Mechanismus aus mindestens zwei kämmenden Zahnrädern, der eine Drehbewegung von einer Welle auf eine andere überträgt und dabei Drehrichtung, Drehachse, Drehzahl oder Drehmoment ändern kann.
Merke Vier Stellschrauben: Drehrichtung, Drehachse, Drehzahl, Drehmoment.

I.1.2 Drehachsen-Orientierung und Bauformen

Welche Bauform ein Getriebe hat, hängt davon ab, wie die beiden Drehachsen im Raum zueinander liegen. Zwei Achsen können parallel sein, sich rechtwinklig schneiden, oder windschief im Raum verlaufen (also weder parallel noch sich schneidend). Für jede dieser drei Lagen gibt es ein Standard-Zahnrad.

Bauform Achsen-Lage Typische Anwendung
Stirnradpaar parallel Getriebe in Industrie und Fahrzeug
Kegelradpaar rechtwinklig sich schneidend Differential im Auto, Handbohrer
Schraubradsatz windschief Nockenwellenantrieb
Schneckenradsatz windschief, extreme Übersetzung Hebebühne, Schneckengetriebe
Vier Bauformen von Zahnrädern und ihre Achsen-Orientierung.

Drehrichtung wird durch die Art der Verzahnung bestimmt. Zwei aussenverzahnte Stirnräder, die kämmen, drehen gegenläufig (Drehrichtungs-Wechsel). Paart man ein aussenverzahntes Stirnrad mit einem innenverzahnten Hohlrad, drehen sie gleichsinnig (kein Wechsel).

Definition Stirnrad
Zahnrad mit parallelen Achsen. Standardfall in fast jedem Industriegetriebe.
Definition Hohlrad
Innenverzahntes Rad. Zähne zeigen nach innen. Zähnezahl wird negativ gezählt.
Merke Aussen + aussen = Drehrichtungs-Wechsel. Aussen + Hohlrad = kein Wechsel.

I.1.3 Drehzahl, Drehmoment, Übersetzung

Wenn zwei Räder mit Radien r1r_1 und r2r_2 am Berührpunkt schlupffrei abrollen, müssen ihre Umfangsgeschwindigkeiten gleich gross sein: v1=v2v_1 = v_2. Daraus folgt der Zusammenhang zwischen Drehzahlen und Durchmessern.

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I.1.3.1 Drehzahl-Übersetzung
v1=v2    ω1r1=ω2r2  n2=r1r2n1=d1d2n1\begin{aligned} v_1 = v_2 \;&\Rightarrow\; \omega_1 r_1 = \omega_2 r_2 \\[3pt] &\Rightarrow\; n_2 = \frac{r_1}{r_2} \, n_1 = \frac{d_1}{d_2} \, n_1 \end{aligned}
Das grössere Rad dreht langsamer. Bei einem Verhältnis d2/d1=3d_2/d_1 = 3 dreht das grosse Rad nur ein Drittel so schnell wie das kleine.

Am Berührpunkt kann auch eine Tangentialkraft FtF_t übertragen werden. Sie erzeugt am Rad ein Drehmoment Mt=FtrM_t = F_t \cdot r. Da FtF_t bei beiden Rädern gleich ist (actio = reactio), ergibt sich das Drehmoment am grösseren Rad als das r2/r1r_2/r_1-Fache.

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I.1.3.2 Drehmoment-Übersetzung
Ft1=Ft2    M1r1=M2r2  M2=r2r1M1=d2d1M1\begin{aligned} F_{t1} = F_{t2} \;&\Rightarrow\; \frac{M_1}{r_1} = \frac{M_2}{r_2} \\[3pt] &\Rightarrow\; M_2 = \frac{r_2}{r_1} \, M_1 = \frac{d_2}{d_1} \, M_1 \end{aligned}
Das grössere Rad sieht mehr Drehmoment. Drehzahl und Drehmoment werden im umgekehrten Verhältnis getauscht.
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I.1.3.3 Übersetzungsverhältnis ii
i  =  ω1ω2  =  n1n2  =  d2d1  =  z2z1  =  M2M1\begin{aligned} i &\;=\; \frac{\omega_1}{\omega_2} \;=\; \frac{n_1}{n_2} \;=\; \frac{d_2}{d_1} \\[4pt] &\;=\; \frac{z_2}{z_1} \;=\; \frac{M_2}{M_1} \end{aligned}
Diese Gleichungskette gilt ohne Reibungsverluste. Mit Wirkungsgrad η\eta wird das Drehmoment-Verhältnis zu M2=iηM1M_2 = i \cdot \eta \cdot M_1 (siehe I.5.5).
Formel Übersetzung
i=n1/n2=d2/d1=z2/z1i = n_1/n_2 = d_2/d_1 = z_2/z_1
Vier Schreibweisen für dieselbe Grösse.
Merke Energie-Erhaltung: Drehzahl-Reduktion ↔ Drehmoment-Erhöhung im gleichen Verhältnis.
Definition Drehmoment MtM_t
Drehwirkung einer Tangentialkraft am Hebelarm: Mt=FtrM_t = F_t \cdot r. Einheit Nm.

I.1.4 Verzahnungsgesetz und Wälzpunkt C

Ein reibungsloser Zylinder, der auf einem anderen Zylinder rollt, überträgt nur dann eine konstante Übersetzung, wenn die Berührfläche eben und glatt ist. Echte Zahnräder haben aber Zähne, und im Eingriff wandert der Berührpunkt entlang einer gekrümmten Kurve. Damit die Übersetzung trotzdem konstant bleibt, muss die Zahngeometrie eine bestimmte Bedingung erfüllen.

Im Berührpunkt zweier Zahnflanken kann nur eine Kraft normal zur Flanke übertragen werden. Die Normalrichtung im Berührpunkt heisst Normale. Auf dieser Normalen liegt die Eingriffslinie, längs derer sich der Berührpunkt von Eingriffsbeginn AA bis Eingriffsende EE bewegt.

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I.1.4 Verzahnungsgesetz
Normale durch Ci=konstant\begin{aligned} &\text{Normale durch } C \\[3pt] \Longrightarrow\quad &i = \text{konstant} \end{aligned}
In Worten: nur wenn die Berührnormale jedes Zahnkontakts durch den Wälzpunkt CC läuft, bleibt die Übersetzung ii konstant. Bei beliebiger Zahnform würde ii während eines Zahneingriffs schwanken und das Getriebe ruckartig laufen.

Der Wälzpunkt CC ist ein fester Punkt auf der Verbindungslinie der beiden Wellenmittelpunkte. Er teilt diese Strecke im Verhältnis r1:r2r_1 : r_2 und liegt auf den Wälzkreisen beider Räder. Auf dem Wälzkreis-Berührkontakt verhalten sich die beiden Räder so, als würden sie schlupffrei aufeinander abrollen.

Welche Zahnform erfüllt das Verzahnungsgesetz? Es gibt mehrere mathematisch korrekte Lösungen (Zykloide, Triebstockverzahnung, Wildhaber-Novikov, Kreisbogen). In der industriellen Praxis hat sich aber eine einzige Form durchgesetzt: die Evolvente. Sie kommt in Kap. I.2 dran.

Definition Wälzpunkt CC
Fester Punkt auf der Verbindungsstrecke der beiden Wellenmittelpunkte. Liegt auf den Wälzkreisen beider Räder. Teilt die Strecke im Verhältnis r1:r2r_1 : r_2.
Definition Eingriffslinie
Kurve, auf der sich der Berührpunkt vom Eingriffsbeginn AA bis zum Eingriffsende EE bewegt.
Merke Verzahnungsgesetz: Normale durch CC ⇒ konstante Übersetzung.

I.1.5 Reibung an der Zahnflanke. Wälzen

Wenn der Berührpunkt über die Zahnflanke wandert, treten zwei Bewegungs-Anteile auf: ein Roll-Anteil (wie zwei abrollende Zylinder) und ein Gleit-Anteil (wie zwei aufeinander reibende Flächen). Die Kombination dieser beiden Anteile heisst Wälzen.

Wie gross der Gleit-Anteil im Vergleich zum Roll-Anteil ist, beschreibt das spezifische Gleiten s=vgleit/vrolls = v_{gleit}/v_{roll}.

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I.1.5 Spezifisches Gleiten
s  =  vgleitvrolls \;=\; \frac{v_{gleit}}{v_{roll}}
Am Wälzpunkt CC ist s=0s = 0, die Bewegung ist dort reines Rollen ohne Gleiten. Bei Eingriffsbeginn AA und Eingriffsende EE ist s|s| maximal.
Definition Wälzen
Kombination von Rollen und Gleiten an der Zahnflanke.
Definition Spezifisches Gleiten ss
Verhältnis Gleit- zu Roll-Geschwindigkeit. s=0s = 0 am Wälzpunkt CC.
Merke Maximal: s|s| bei Eingriffsbeginn AA und Eingriffsende EE.

I.2.1 Konstruktion der Evolvente

Stell dir vor, du wickelst eine Schnur, die um einen Zylinder gewickelt ist, vom Zylinder ab. Am Ende der Schnur ist ein Bleistift. Wenn du den Bleistift während des Abwickelns auf einem Papier nachzeichnest, entsteht eine bestimmte Kurve: die Evolvente (Kreisevolvente).

Diese Kurve ist die Standard-Zahnform in praktisch jedem modernen Industriegetriebe. Ihre besondere Eigenschaft: der Zylinder, von dem die Schnur abgewickelt wird, heisst Grundkreis dbd_b, und die Tangente an die Evolvente in jedem Punkt steht senkrecht auf der gerade abgewickelten Schnur. Daraus folgt eine sehr nützliche Eigenschaft im nächsten Abschnitt.

Definition Evolvente
Kurve, die entsteht, wenn ein Punkt am Ende einer Tangente von einem Kreis (dem Grundkreis) abrollt.
Merke Konstruktion: Schnur am Grundkreis abwickeln, Endpunkt zeichnet die Evolvente.

I.2.2 Grundkreis dbd_b und Eingriffswinkel α\alpha

Bei einer Evolventen-Verzahnung berührt der Grundkreis eines Zahnrads die Eingriffslinie in genau einem Punkt. Die Eingriffslinie ist eine Gerade (das ist die zentrale Eigenschaft der Evolventen-Verzahnung). Diese Gerade ist gegen die Verbindungslinie der Wellenmittelpunkte um den Eingriffswinkel α\alpha geneigt.

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I.2.2 Grundkreisdurchmesser
db  =  dcos(α)d_b \;=\; d \, \cos(\alpha)
Der Grundkreisdurchmesser ergibt sich aus dem Teilkreisdurchmesser und dem Eingriffswinkel. Standard: α=20°\alpha = 20°, also db=dcos20°0,94dd_b = d \cdot \cos 20° \approx 0{,}94 \, d.

Der Eingriffswinkel ist also nicht eine beliebige Wahl, sondern ein Werkzeug-Parameter. Wenn das Werkstück mit einem α=20°\alpha = 20°-Wälzfräser hergestellt wurde, hat das fertige Zahnrad ebenfalls einen Eingriffswinkel von 20°20°. Praktisch alle Norm-Zahnräder weltweit nutzen α=20°\alpha = 20°, deshalb können sie miteinander gepaart werden.

Definition Grundkreis dbd_b
Der Kreis, von dem die Evolvente abgewickelt wird. Berührt die Eingriffslinie tangential.
Formel db=dcos(α)d_b = d \cos(\alpha)
db=dcos(α)d_b = d \cos(\alpha)
Grundkreis aus Teilkreis und Eingriffswinkel.
Definition Eingriffswinkel α\alpha
Werkzeug-Parameter. Standardwert α=20°\alpha = 20°. Bestimmt die Neigung der Eingriffslinie.

I.2.3 Vorteile der Evolventenverzahnung

Warum hat sich gerade die Evolvente als Standard durchgesetzt? Zwei Gründe sind entscheidend für die industrielle Anwendung.

Vorteil Konsequenz
Eingriffslinie ist eine Gerade Einfache Werkzeug-Geometrie. Verzahnung kann mit einem geradlinigen Wälzfräser hergestellt werden.
Achsabstand-Toleranz Kleine Änderungen des Achsabstands aa beeinflussen die Übersetzung nicht. Die Eingriffslinie verschiebt sich, aber die Übersetzung bleibt i=z2/z1i = z_2/z_1 konstant.
Kombinierbarkeit von Normzahnrädern Jedes Evolventen-Norm-Zahnrad (α=20°\alpha = 20°) kann mit jedem anderen Evolventen-Norm-Zahnrad gepaart werden, unabhängig von der Zähnezahl.
Vorteile der Evolventenverzahnung gegenüber anderen Zahnformen.
Merke Drei Vorteile: gerade Eingriffslinie, achsabstandstolerant, Norm-kombinierbar.

I.2.4 Andere Zahngeometrien (kurzer Vergleich)

Die Evolvente ist nicht die einzige Zahnform, die das Verzahnungsgesetz erfüllt. Es gibt vier weitere Geometrien, die in bestimmten Nischen-Anwendungen eingesetzt werden. Wer in einer Klausur-Aufgabe nach 'Vorteilen der Evolvente' gefragt wird, sollte mindestens diese vier kennen.

Zahnform Eigenschaft Anwendung
Zykloide Eingriffslinie ist eine Kurve. Empfindlich gegen Achsabstands-Änderungen. Uhrwerke, Spezialgetriebe
Triebstock Antriebsrad mit Bolzen, kämmt mit Gegenrad mit Aussparungen. Historische Mühlen, Hebewerke
Wildhaber-Novikov Bogenförmige Flankenkontur, hohe Tragfähigkeit, aber empfindlich gegen Toleranzen. Schwerlastantriebe, Marine
Kreisbogen Punkt- statt Linienkontakt. Sehr hohe Pressung, kleine Kontaktfläche. Sonderbau, Forschung
Alternative Zahngeometrien zur Evolventenverzahnung.
Merke Evolvente: robust bei Achsabstandsabweichung, gute Austauschbarkeit, sehr wirtschaftliche Herstellung.
Definition Spezialprofile
Zykloide, Wildhaber-Novikov, Kreisbogen, Triebstock. Selten, in Nischen-Anwendungen.

I.3.1 Übersicht. Geometrische Kenngrössen am Zahnrad

Bevor wir Formeln aufschreiben, brauchen wir Namen für die Stellen am Zahnrad, die wir gleich rechnen werden. An jedem Zahnrad gibt es drei Kreise und drei Höhen, die zueinander gehören. Wer die einmal verinnerlicht hat, hat den Rest des Kapitels schon halb verstanden.

Kreis Bezeichnung Wozu er da ist
Kopfkreis dad_a Aussenkante des Zahnkopfs Geometrische Aussenkontur, Werkzeug-Anlauf
Teilkreis dd Wälzkreis bei Nullgetriebe, geometrische Referenz Hier liegt der Wälzpunkt CC. d=mzd = m \cdot z.
Fusskreis dfd_f Innenkante des Zahnfusses Bestimmt Zahnhöhe, kritisch für Werkzeug-Auslauf und Spannung
Die drei Kreise am Zahnrad (Geradverzahnung).

Zusätzlich definieren wir den Grundkreis dbd_b (aus dem die Evolvente entspringt) und den Wälzkreis dwd_w (auf dem sich das Zahnrad effektiv abwälzt). Bei einem Nullgetriebe ist dw=dd_w = d, bei einem V-Getriebe gilt dwdd_w \neq d (Kap. I.4).

Definition Teilkreis dd
Geometrische Referenz. Auf ihm liegt der Wälzpunkt CC und die Teilung pp. d=mzd = m \cdot z.
Definition Kopf- und Fusskreis
da>d>dfd_a > d > d_f. Differenz dadfd_a - d_f = Zahnhöhe 2\cdot 2.

I.3.2 Teilung pp und Modul mm

Wie messen wir die Grösse eines Zahns? Eine Möglichkeit ist die Teilung pp: der Abstand zwischen zwei aufeinanderfolgenden Zähnen, gemessen entlang des Teilkreises. Pro Umfang von dπd \pi passen genau zz Teilungen rein.

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I.3.2.1 Teilung und Umfang
U  =  dπ  =  pz            d  =  zpπU \;=\; d \, \pi \;=\; p \cdot z \;\;\;\Rightarrow\;\;\; d \;=\; \frac{z \, p}{\pi}
Umfang gleich Teilkreis mal π\pi gleich Teilung mal Zähnezahl. Direkt aus der Definition.

Statt pp direkt zu verwenden, definiert die Norm den Modul m=p/πm = p/\pi. Das schluckt den π\pi-Faktor und macht die Formeln deutlich übersichtlicher.

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I.3.2.2 Modul-Definition
m  =  pπ            d  =  mzm \;=\; \frac{p}{\pi} \;\;\;\Rightarrow\;\;\; d \;=\; m \cdot z
Der Modul mm in mm ist die Standard-Kennzahl für die Zahngrösse. Klein mm = kleine Zähne, gross mm = grosse Zähne.
Definition Teilung pp
Abstand zweier benachbarter Zähne auf dem Teilkreis. p=πmp = \pi m.
Formel d=mzd = m \cdot z
d=mzd = m \cdot z
Teilkreis aus Modul und Zähnezahl.
Merke Nur gleicher Modul: zwei Räder können nur kämmen, wenn m1=m2m_1 = m_2.

I.3.3 Durchmesser-Familie. Aus mm und zz folgt alles

Aus zwei Eingaben (mm, zz) lassen sich alle drei Durchmesser am Zahnrad berechnen. Die Zahnhöhe folgt einer einfachen Regel: ha=mh_a = m (Zahnkopf) und hf=1,11,3mh_f = 1{,}1 \ldots 1{,}3 \cdot m (Zahnfuss, mit Kopfspiel).

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I.3.3.1 Teilkreis und Kopfkreis
d=mzda=d+2ha  =  m(z+2)\begin{aligned} d &= m \cdot z \\[2pt] d_a &= d + 2 \, h_a \;=\; m \, (z + 2) \end{aligned}
Standardannahme: Zahnkopfhöhe ha=mh_a = m. Daher dad=2md_a - d = 2m.
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I.3.3.2 Fusskreis und Grundkreis
df=d2hf    m(z2,5)db=dcos(α)\begin{aligned} d_f &= d - 2 \, h_f \;\approx\; m \, (z - 2{,}5) \\[2pt] d_b &= d \, \cos(\alpha) \end{aligned}
Mit hf=1,25mh_f = 1{,}25 \, m (typischer Wert) wird df=m(z2,5)d_f = m(z - 2{,}5). Der Grundkreis dbd_b liegt zwischen Teilkreis und Fusskreis.
Formel Durchmesser-Familie
d=mz,    da=m(z+2),    df=m(z2,5)d = m z, \;\; d_a = m(z+2), \;\; d_f = m(z-2{,}5)
Drei Durchmesser aus Modul und Zähnezahl.
Merke Kopfspiel: c0,25mc \approx 0{,}25 m. Ohne wäre der Eingriff blockiert.

I.3.4 Zähnezahl zz und Grenzzähnezahl zgz_g

Die Zähnezahl zz ist immer eine ganze Zahl. Bei der Paarung zweier Räder ergibt das Verhältnis z2/z1z_2/z_1 die Übersetzung ii. Bei einem Hohlrad zählen wir zz als negativ (Konvention für die Innenverzahnung).

Wie wenige Zähne darf ein Zahnrad haben? Bei sehr kleinen Zähnezahlen beginnt der Wälzfräser den Zahnfuss zu unterschneiden (er fräst Material ab, das eigentlich tragend sein sollte). Dieses Phänomen heisst Unterschnitt und passiert ab einer bestimmten Grenze.

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I.3.4 Theoretische Grenzzähnezahl
zg  =  2sin2α      =α=20°      17z_g \;=\; \frac{2}{\sin^2 \alpha} \;\;\;\stackrel{\alpha = 20°}{=}\;\;\; 17
Bei α=20°\alpha = 20° entsteht ab z<17z < 17 ein Unterschnitt am Zahnfuss. Praktisch wird zg=14z'_g = 14 als Untergrenze akzeptiert, dann ist die Belastbarkeit nur leicht reduziert.
Definition Unterschnitt
Ungewolltes Wegfräsen von Material am Zahnfuss bei zu kleiner Zähnezahl. Schwächt den Zahn.
Formel Grenzzähnezahl
zg=2/sin2α=17  (α=20°)z_g = 2/\sin^2 \alpha = 17 \; (\alpha = 20°)
Theoretische Untergrenze für Geradverzahnung.
Merke Praktisch: zg=14z'_g = 14 noch akzeptabel (mit etwas Tragfähigkeits-Verlust).

I.3.5 Involut-Funktion

An vielen Stellen, vor allem bei Profilverschiebung (Kap. I.4) und Achsabstands-Änderungen, taucht eine spezielle Funktion auf: die Involut-Funktion invα\operatorname{inv} \alpha. Sie beschreibt den Wickelwinkel der Evolvente und ist mathematisch eine Differenz zwischen Tangens und Winkel selbst.

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I.3.5.1 Involut-Funktion
invα  =  tan(α)    απ180°\operatorname{inv} \alpha \;=\; \tan(\alpha) \;-\; \alpha \cdot \frac{\pi}{180°}
α\alpha wird in Grad eingesetzt, der Faktor π/180°\pi/180° rechnet in Radiant um. In manchen Skripten steht direkt invα=tan(α)αrad\operatorname{inv} \alpha = \tan(\alpha) - \alpha_{\text{rad}} mit α\alpha in Radiant.

Die Funktion ist nicht elementar umkehrbar. Wenn die Aufgabe invαw\operatorname{inv} \alpha_w gibt und αw\alpha_w gesucht ist, brauchen wir eine Näherung.

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I.3.5.2 Näherung der Umkehrfunktion
α    (3invα325invα)  180°π\begin{aligned} \alpha &\;\approx\; \left( \sqrt[3]{3 \, \operatorname{inv} \alpha} - \tfrac{2}{5} \operatorname{inv} \alpha \right) \\[4pt] &\quad \cdot\; \frac{180°}{\pi} \end{aligned}
Genaue Näherung für den Bereich α14°30°\alpha \approx 14° \ldots 30°. Reicht für alle Vorlesungs-Aufgaben mit α=20°\alpha = 20° als Ausgangspunkt.
Formel Involut-Funktion
invα=tan(α)απ/180°\operatorname{inv} \alpha = \tan(\alpha) - \alpha \pi/180°
Differenz Tangens minus Winkel (in Radiant).
Merke Standardwert: inv(20°)0,0149\operatorname{inv}(20°) \approx 0{,}0149. Auswendig lernen!

I.4.1 Herstellung mit Wälzfräser

Bevor wir die Profilverschiebung verstehen, müssen wir kurz wissen, wie ein Zahnrad überhaupt entsteht. Das Standard-Verfahren ist das Wälzfräsen: ein zahnstangenförmiger Fräser (Wälzfräser) dreht sich, während das Werkstück synchron mitrotiert. Der Fräser schält die Zahnlücken aus dem Rohling heraus.

Der Wälzfräser hat einen festen Eingriffswinkel (Standard α=20°\alpha = 20°) und einen festen Modul mnm_n. Beide werden direkt auf das fertige Zahnrad übertragen. Der einzige Freiheitsgrad bei der Fertigung ist: wie weit vom Werkstück-Zentrum der Fräser steht. Genau das ist die Profilverschiebung.

Definition Wälzfräsen
Standard-Fertigungsverfahren für Zahnräder. Zahnstangenförmiger Fräser wälzt am Werkstück ab.
Merke Freiheitsgrad bei der Fertigung: Abstand zwischen Werkzeug und Werkstück-Zentrum.

I.4.2 Profilverschiebung V=xmV = x \cdot m

Die Profilverschiebung VV ist die Distanz, um die der Wälzfräser radial nach aussen oder innen verschoben ist (gegenüber dem Standard-Abstand). Sie wird in mm angegeben. Für dimensionslose Formeln dient der Profilverschiebungsfaktor xx als Modul-vielfache Grösse.

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I.4.2 Profilverschiebung und Faktor
V  =  xmV \;=\; x \cdot m
xx ist dimensionslos und meist im Bereich 1,2x+1,5-1{,}2 \le x \le +1{,}5. VV ergibt sich daraus in mm.

Eine positive Profilverschiebung (x>0x > 0) bedeutet, dass der Fräser weiter aussen ansetzt; der Zahn wird am Fuss breiter und am Kopf schmaler. Das vermeidet Unterschnitt bei kleinen Zähnezahlen. Eine negative Profilverschiebung (x<0x < 0) macht den Zahn am Fuss schmaler und am Kopf breiter.

Definition Profilverschiebungsfaktor xx
Dimensionsloses Mass für die Verschiebung. V=xmV = x \cdot m in mm.
Merke x>0x > 0: dicker Fuss, dünner Kopf. x<0x < 0: dünner Fuss, dicker Kopf.

I.4.3 Nullrad, V-plus-Rad, V-minus-Rad

Je nach Wert von xx unterscheiden wir drei Arten von Einzelrädern. Wichtig: das hängt nur vom einzelnen Rad ab, nicht von der Paarung. Wie sich V-Räder paarweise verhalten, kommt in I.4.4.

Bezeichnung Faktor Wann verwenden
Nullrad x=0x = 0 Standardfall. z17z \ge 17 ist erfüllt, keine Profilverschiebung nötig.
V-plus-Rad x>0x > 0 Kleine Zähnezahl (z<17z < 17), Unterschnitt soll vermieden werden. Auch zur Tragfähigkeits-Erhöhung.
V-minus-Rad x<0x < 0 Selten als Einzelmassnahme; meist im Paar mit einem V-plus-Rad bei festem Achsabstand (siehe V-Null-Getriebe).
Klassifikation einzelner Zahnräder nach Profilverschiebung.
Definition Nullrad
x=0x = 0. Standard-Profil, keine Verschiebung.
Definition V-plus-Rad
x>0x > 0. Fuss dicker, Kopf dünner.
Definition V-minus-Rad
x<0x < 0. Fuss dünner, Kopf dicker.

I.4.4 V-Getriebe vs V-Null-Getriebe

Wenn wir zwei Räder mit Profilverschiebung paaren, hängt die Eigenschaft des Getriebes von der Summe Σx=x1+x2\Sigma x = x_1 + x_2 ab, nicht von den einzelnen Faktoren.

Getriebe-Art Bedingung Auswirkung
V-Null-Getriebe Σx=0\Sigma x = 0 (z. B. x1=+0,5x_1 = +0{,}5, x2=0,5x_2 = -0{,}5) Achsabstand bleibt a=ada = a_d und αw=α\alpha_w = \alpha (wie bei Nullgetriebe). Nur die einzelnen Zahnformen sind verändert.
V-Getriebe Σx0\Sigma x \neq 0 (z. B. x1=+0,5x_1 = +0{,}5, x2=0x_2 = 0) Achsabstand a>ada > a_d, Betriebseingriffswinkel αw>α\alpha_w > \alpha. Räder werden 'auseinandergezogen'.
Zwei Arten von Getrieben mit Profilverschiebung.

Bedingung für flankenspielfreien Eingriff: sw1=ew2s_{w1} = e_{w2} und sw2=ew1s_{w2} = e_{w1} (Zahndicke des einen entspricht der Lückenweite des anderen am Wälzkreis). Diese Bedingung ist beim V-Null-Getriebe automatisch erfüllt; beim V-Getriebe muss der Achsabstand passend gewählt werden.

Definition V-Null-Getriebe
Σx=0\Sigma x = 0. Achsabstand und Eingriffswinkel wie Nullgetriebe.
Definition V-Getriebe
Σx0\Sigma x \neq 0. Achsabstand und Eingriffswinkel verändert.

I.4.5 Achsabstand aa und Betriebseingriffswinkel αw\alpha_w

Bei einem V-Getriebe ändern sich Achsabstand und Eingriffswinkel gegenüber dem Nullgetriebe. Die Übersetzung i=z2/z1i = z_2/z_1 bleibt aber erhalten. Das ist der Clou der Evolventenverzahnung: Achsabstands-Änderungen ändern die Übersetzung nicht.

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I.4.5.1 Null-Achsabstand
ad  =  d1+d22  =  m(z1+z2)2a_d \;=\; \frac{d_1 + d_2}{2} \;=\; \frac{m \, (z_1 + z_2)}{2}
Achsabstand ohne Profilverschiebung. Geometrische Referenzgrösse.
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I.4.5.2 Achsabstand bei V-Getriebe
a  =  adcos(α)cos(αw)a \;=\; a_d \, \frac{\cos(\alpha)}{\cos (\alpha_w)}
Aus dem Betriebseingriffswinkel αw\alpha_w folgt der reale Achsabstand. Bei Nullgetriebe ist αw=α\alpha_w = \alpha, also a=ada = a_d.
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I.4.5.3 Betriebseingriffswinkel aus Profilverschiebungssumme
invαw  =    2x1+x2z1+z2tan(α)+  invα\begin{aligned} \operatorname{inv} \alpha_w \;=\;\; & 2 \cdot \frac{x_1 + x_2}{z_1 + z_2} \, \tan(\alpha) \\[4pt] & +\; \operatorname{inv} \alpha \end{aligned}
Aus Σx=x1+x2\Sigma x = x_1 + x_2 und der bekannten Zähnezahlsumme ergibt sich invαw\operatorname{inv} \alpha_w. Die Umkehrung zu αw\alpha_w erfolgt über die Näherungsformel aus I.3.5.2.
Formel Null-Achsabstand
ad=(d1+d2)/2a_d = (d_1 + d_2)/2
Geometrische Referenz.
Formel αw\alpha_w aus Σx\Sigma x
invαw=2Σxz1+z2tan(α)+invα\operatorname{inv} \alpha_w = 2 \frac{\Sigma x}{z_1+z_2} \tan(\alpha) + \operatorname{inv} \alpha
Profilverschiebungs-Hauptgleichung.
Merke Übersetzung ii bleibt unverändert bei Profilverschiebung.

I.4.6 Profilverschiebungs-Faktoren nach DIN 3992

Wann nimmt der Konstrukteur welche Werte für x1,x2x_1, x_2? Die Norm DIN 3992 gibt Erfahrungs-Bereiche an, die nach den Zähnezahlen und dem Anwendungs-Ziel sortiert sind.

Bereich (P-Nr.) Eigenschaft Typ. Σx\Sigma x
P1...P3 hohe Profilüberdeckung, kleine Eingriffswinkel Σx0,40\Sigma x \approx -0{,}4 \ldots 0
P4...P5 ausgeglichene Verzahnung Σx00,4\Sigma x \approx 0 \ldots 0{,}4
P6...P8 hohe Tragfähigkeit, ausgeglichene Zahnform Σx0,41,0\Sigma x \approx 0{,}4 \ldots 1{,}0
P9 sehr hohe Tragfähigkeit, grosse Eingriffswinkel Σx1,01,5\Sigma x \approx 1{,}0 \ldots 1{,}5
Profilverschiebungs-Faktoren-Bereiche nach DIN 3992.
Merke P-Nummer: Erfahrungs-Bereich aus DIN 3992 für Σx\Sigma x je nach Anwendungs-Ziel.
Definition Verzahnungs-Auslegung
Wahl von x1,x2x_1, x_2 aus Diagrammen je nach Zähnezahl und Anwendung.

I.5.1 Kräfte am geradverzahnten Zahnrad

Bisher haben wir die Geometrie betrachtet. Jetzt fragen wir: welche Kräfte wirken im Zahnkontakt? Im Berührpunkt kann nur eine Kraft normal zur Zahnflanke übertragen werden, also in Richtung der Eingriffslinie. Diese Kraft heisst Normalkraft FnF_n. Sie zerlegt sich in zwei für die Wellenberechnung wichtige Komponenten.

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I.5.1.1 Tangentialkraft
Ft  =  2MtdF_t \;=\; \frac{2 \, M_t}{d}
Die Tangentialkraft erzeugt das nutzbare Drehmoment. Sie wirkt am Teilkreis tangential, also in Drehrichtung.
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I.5.1.2 Radialkraft und Normalkraft
Fr=Fttan(α)Fn=Ftcos(α)\begin{aligned} F_r &= F_t \, \tan(\alpha) \\[2pt] F_n &= \frac{F_t}{\cos(\alpha)} \end{aligned}
Die Radialkraft FrF_r drückt das Rad zum Wellenzentrum. Die Normalkraft FnF_n ist die Resultierende aus FtF_t und FrF_r, sie wirkt entlang der Eingriffslinie.

Beim getriebenen Rad sind Tangential- und Radialkraft betragsmässig gleich gross wie beim treibenden Rad: Ft2=Ft1F_{t2} = F_{t1} und Fr2=Fr1F_{r2} = F_{r1} (das ist actio = reactio). Nur die Richtungen drehen sich um.

Formel Tangentialkraft
Ft=2Mt/dF_t = 2 M_t / d
Erzeugt das nutzbare Drehmoment.
Formel Radial- und Normalkraft
Fr=Fttan(α),    Fn=Ft/cos(α)F_r = F_t \tan(\alpha), \;\; F_n = F_t / \cos(\alpha)
Komponenten der Zahnkraft.

I.5.2 Kräfte am schrägverzahnten Zahnrad

Bei einer Schrägverzahnung stehen die Zähne unter dem Schrägungswinkel β\beta angestellt (siehe Kap. I.6.3). Das hat eine wichtige Folge: zu Tangential- und Radialkraft kommt eine Axialkraft FaF_a dazu, die parallel zur Wellenachse drückt.

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I.5.2.1 Tangential- und Axialkraft
Ft=2MtdFa=Fttan(β)\begin{aligned} F_t &= \frac{2 \, M_t}{d} \\[2pt] F_a &= F_t \, \tan(\beta) \end{aligned}
Die Tangentialkraft folgt wie bei Geradverzahnung. Neu ist die Axialkraft FaF_a, die mit dem Schrägungswinkel β\beta wächst.
!!
I.5.2.2 Radialkraft (Schrägverzahnung)
Fr  =  Fttan(αn)cos(β)F_r \;=\; F_t \, \frac{\tan (\alpha_n)}{\cos(\beta)}
Hier steht der Normaleingriffswinkel αn\alpha_n (Werkzeug-Winkel), nicht αt\alpha_t. Der Faktor 1/cos(β)1/\cos(\beta) kommt von der Schrägstellung.

Die Axialkraft ist meist unerwünscht: sie belastet die Lager zusätzlich und braucht ein Axiallager. Ein Trick beseitigt sie: die Doppelschräg- oder Pfeilverzahnung. Dort sind zwei spiegelbildliche Schrägverzahnungen kombiniert, ihre Axialkräfte heben sich gegenseitig auf.

Formel Axialkraft Schrägverzahnung
Fa=Fttan(β)F_a = F_t \tan(\beta)
Wächst mit dem Schrägungswinkel.
Merke Pfeilverzahnung: zwei spiegelbildliche Schrägverzahnungen, Axialkräfte heben sich auf.

I.5.3 Kräfte am Kegelrad

Auch beim Kegelrad (Kap. I.6.6) wirken drei Kraftkomponenten. Sie werden am mittleren Teilkreis dmd_m ausgewertet, weil die Kegelradzähne über ihre Länge unterschiedlich gross sind. Der Teilkegelwinkel δ\delta taucht in den Komponenten auf.

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I.5.3 Kräfte am Kegelrad
Fmt=2MtdmFr=Fmttan(α)cos(δ)Fa=Fmttan(α)sin(δ)\begin{aligned} F_{mt} &= \frac{2 \, M_t}{d_m} \\[2pt] F_r &= F_{mt} \, \tan(\alpha) \, \cos(\delta) \\[2pt] F_a &= F_{mt} \, \tan(\alpha) \, \sin(\delta) \end{aligned}
Tangentialkraft am mittleren Teilkreis. Radial- und Axialkraft enthalten zusätzlich den Teilkegelwinkel δ\delta des jeweiligen Rads. Vorgriff auf Kap. I.6.6.
Formel Kegelrad-Kräfte
Fmt=2Mt/dmF_{mt} = 2M_t/d_m
Tangentialkraft am mittleren Teilkreis.
Merke Teilkegelwinkel δ\delta verteilt die Kraft auf Radial- und Axialkomponente.

I.5.4 Mechanische Leistung

Wie viel Leistung überträgt ein Getriebe? Leistung ist Arbeit pro Zeit, und bei einer Drehbewegung ist sie das Produkt aus Drehmoment und Winkelgeschwindigkeit.

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I.5.4.1 Mechanische Leistung
P  =  Mtω  =  Mt2πnP \;=\; M_t \cdot \omega \;=\; M_t \cdot 2 \pi n
PP in Watt, MtM_t in Nm, ω\omega in rad/s. Bei nn in Umdrehungen pro Sekunde gilt ω=2πn\omega = 2\pi n.
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I.5.4.2 Einheiten-Umrechnung
1W  =  1Js  =  1Nms  =  60Nmmin1 \, \text{W} \;=\; 1 \, \frac{\text{J}}{\text{s}} \;=\; 1 \, \frac{\text{Nm}}{\text{s}} \;=\; 60 \, \frac{\text{Nm}}{\text{min}}
Achtung bei der Drehzahl-Einheit. Wird nn in min⁻¹ angegeben (Praxis), muss durch 60 geteilt werden, um auf Sekunden zu kommen: ω=2πn/60\omega = 2\pi n / 60.
Formel Leistung
P=Mtω=Mt2πnP = M_t \cdot \omega = M_t \cdot 2\pi n
Drehmoment mal Winkelgeschwindigkeit.
Merke Einheit: nn vor dem Einsetzen in Umdrehungen pro Sekunde umrechnen.

I.5.5 Wirkungsgrad η\eta und Übersetzung mit Reibung

Bisher haben wir so getan, als ginge keine Leistung verloren. In Wirklichkeit treten in Zahnkontakt und Lagern Reibungsverluste auf. Die verlorene Leistung PVerlustP_{Verlust} wird in Wärme umgewandelt. Der Kennwert dafür ist der Wirkungsgrad η\eta.

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I.5.5.1 Wirkungsgrad
η  =  PabPan  <  1\eta \;=\; \frac{P_{ab}}{P_{an}} \;<\; 1
Verhältnis Abtriebsleistung zu Antriebsleistung. Immer kleiner als 1, weil Reibung Leistung in Wärme umwandelt.
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I.5.5.2 Übersetzung mit Wirkungsgrad
i  =  n1n2  =  d2d1  =  z2z1  =  M2ηM1i \;=\; \frac{n_1}{n_2} \;=\; \frac{d_2}{d_1} \;=\; \frac{z_2}{z_1} \;=\; \frac{M_2}{\eta \, M_1}
Der Wirkungsgrad taucht nur im Drehmoment-Verhältnis auf, nicht im Drehzahl-, Durchmesser- oder Zähnezahl-Verhältnis. Reibung kostet Drehmoment, nicht Drehzahl.
Bauform Wirkungsgrad η\eta
Stirnradgetriebe 0,90 ... 0,99
Kegelradgetriebe 0,90 ... 0,98
Schraubradgetriebe 0,50 ... 0,95
Schneckengetriebe 0,20 ... 0,97
Typische Wirkungsgrade verschiedener Zahnrad-Bauformen.
Formel Wirkungsgrad
η=Pab/Pan<1\eta = P_{ab}/P_{an} < 1
Abtrieb durch Antrieb.
Merke η\eta nur im Drehmoment-Verhältnis, nicht bei Drehzahl oder Zähnezahl.

I.5.6 Belastung am Zahn und typische Schäden

Wo bricht ein Zahnrad, wenn es überlastet wird? Es gibt zwei kritische Stellen: die Zahnflanke (die Kontaktfläche, an der sich die Zähne berühren) und der Zahnfuss (die Übergangsstelle zum Radkörper). Jede hat ihre eigenen Schadensbilder und ihren eigenen Werkstoff-Kennwert.

Stelle Schadensbild Werkstoff-Kennwert
Zahnflanke Pittings (Grübchen), Graufleckigkeit, Fressen σH\sigma_H (Flankenfestigkeit)
Zahnfuss Rissbildung, Zahnbruch σF\sigma_F (Zahnfussfestigkeit)
Die zwei kritischen Stellen am Zahn und ihre Schäden.

Die Zahnflanke versagt durch Ermüdung der Oberfläche: kleine Grübchen (Pittings) brechen aus, die Fläche wird grau und rau. Der Zahnfuss versagt durch Biegewechsel-Belastung: ein Riss entsteht und der ganze Zahn bricht ab. Beide Versagensarten bestimmen, wie gross der Modul gewählt werden muss (Kap. I.7.6).

Definition Flankenschaden
Pittings, Graufleckigkeit, Fressen. Kennwert σH\sigma_H.
Definition Zahnfussschaden
Rissbildung, Zahnbruch. Kennwert σF\sigma_F.

I.6.1 Eingriffslinie, Eingriffsstrecke und Eingriffsteilung

Wenn zwei Zahnräder kämmen, berühren sich ihre Flanken nicht ständig an derselben Stelle, sondern der Berührpunkt wandert. Wir brauchen drei Begriffe, um dieses Wandern zu beschreiben: Eingriffslinie, Eingriffsstrecke und Eingriffsteilung. Sie klingen ähnlich, meinen aber Verschiedenes.

Begriff Bedeutung
Eingriffslinie Die gesamte Gerade, auf der alle möglichen Berührpunkte liegen. Bei Evolventen-Verzahnung immer eine Gerade.
Eingriffsstrecke gαg_\alpha Der Teil der Eingriffslinie, auf dem zwei Zähne tatsächlich Kontakt haben (vom Eingriffsbeginn A bis Eingriffsende E).
Eingriffsteilung pep_e Der Abstand zwischen zwei aufeinanderfolgenden Zahnkontakten, gemessen auf der Eingriffslinie. Gleich der Teilung am Grundkreis.
Drei Begriffe rund um den Eingriff.
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I.6.1.1 Eingriffsteilung
pe  =  πmcos(α)p_e \;=\; \pi \, m \, \cos(\alpha)
Die Eingriffsteilung ist die Teilung am Grundkreis. Sie hängt nur von Modul und Eingriffswinkel ab.
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I.6.1.2 Eingriffsstrecke (Nullgetriebe)
gα=12(da12db12+z2z2da22db22)  adsin(α)\begin{aligned} g_\alpha = \tfrac{1}{2} \Big( & \sqrt{d_{a1}^2 - d_{b1}^2} \\[3pt] & + \tfrac{z_2}{|z_2|} \sqrt{d_{a2}^2 - d_{b2}^2} \Big) \\[3pt] & -\; a_d \sin(\alpha) \end{aligned}
Der Faktor z2/z2z_2/|z_2| ist +1 bei Aussenverzahnung, -1 bei Innenverzahnung (Hohlrad). Bei V-Getriebe ersetzt asin(αw)a \sin (\alpha_w) den Term adsin(α)a_d \sin(\alpha).
Formel Eingriffsteilung
pe=πmcos(α)p_e = \pi m \cos(\alpha)
Teilung am Grundkreis.
Definition Eingriffsstrecke gαg_\alpha
Strecke vom ersten bis zum letzten Berührpunkt zweier Zähne.

I.6.2 Profilüberdeckung εα\varepsilon_\alpha

Wie viele Zahnpaare sind im Schnitt gleichzeitig im Eingriff? Diese Frage beantwortet die Profilüberdeckung εα\varepsilon_\alpha. Sie ist das Verhältnis von Eingriffsstrecke zu Eingriffsteilung.

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I.6.2 Profilüberdeckung
εα  =  gαpe\varepsilon_\alpha \;=\; \frac{g_\alpha}{p_e}
Mittlere Anzahl der gleichzeitig im Eingriff stehenden Zahnpaare. Ein Wert von εα=1,5\varepsilon_\alpha = 1{,}5 bedeutet: im Mittel 1,5 Zahnpaare tragen die Last.
Bereich εα\varepsilon_\alpha Bewertung
εα<1\varepsilon_\alpha < 1 Unzulässig. Es gibt Phasen ohne Zahnkontakt, das Getriebe würde stoppen oder schlagen.
1εα<1,31 \le \varepsilon_\alpha < 1{,}3 Nur in Ausnahmefällen (sehr niedrige Last, geringe Drehzahl).
1,3εα<1,61{,}3 \le \varepsilon_\alpha < 1{,}6 Industrie-Standard. Üblicher Auslegungsbereich.
εα1,6\varepsilon_\alpha \ge 1{,}6 Sehr ruhiger Lauf. Hohe Anforderungen an Geräusch und Vibration.
Praxiswerte der Profilüberdeckung.
Formel Profilüberdeckung
εα=gα/pe\varepsilon_\alpha = g_\alpha / p_e
Eingriffsstrecke durch Eingriffsteilung.
Merke Standard: 1,3εα<1,61{,}3 \le \varepsilon_\alpha < 1{,}6. Unter 1 ist unzulässig.

I.6.3 Schrägverzahnung. Schrägungswinkel β\beta

Bei einem geradverzahnten Zahnrad verlaufen die Zähne parallel zur Drehachse. Bei einer Schrägverzahnung sind die Zähne um den Schrägungswinkel β\beta angestellt, sie laufen also schräg über die Zahnbreite.

Der Vorteil: bei Schrägverzahnung kommt der Zahn nicht schlagartig auf seiner ganzen Breite in Kontakt, sondern kontinuierlich, von einer Seite zur anderen. Das macht den Lauf leiser und gleichmässiger.

Eigenschaft Geradverzahnung Schrägverzahnung
Schrägungswinkel β\beta 0° 8°20°8° \ldots 20° (einfach), 30°45°30° \ldots 45° (Pfeil)
Laufverhalten schlagartiger Eingriff, lauter kontinuierlicher Eingriff, leiser
Axialkraft keine Fa=Fttan(β)F_a = F_t \tan(\beta) entsteht
Geradverzahnung vs Schrägverzahnung.
Definition Schrägungswinkel β\beta
Anstellwinkel der Zähne. β=0\beta = 0 ist Geradverzahnung.
Merke Vorteil: leiser, tragfähiger. Preis: Axialkraft.

I.6.4 Normalmodul mnm_n vs Stirnmodul mtm_t

Bei Schrägverzahnung gibt es zwei Module, und das ist eine klassische Verwechslungs-Quelle. Der Normalmodul mnm_n ist der Modul, mit dem das Werkzeug schneidet (im Normalschnitt, senkrecht zum Zahn). Der Stirnmodul mtm_t ist der Modul, der sich am realen Zahnrad im Stirnschnitt zeigt.

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I.6.4.1 Stirnmodul und Teilkreis
mt=mncos(β)d=zmt=zmncos(β)\begin{aligned} m_t &= \frac{m_n}{\cos(\beta)} \\[3pt] d = z \cdot m_t &= \frac{z \cdot m_n}{\cos(\beta)} \end{aligned}
Der Teilkreisdurchmesser wird mit dem Stirnmodul mtm_t gerechnet. Da mt>mnm_t > m_n, ist ein schrägverzahntes Rad bei gleicher Zähnezahl und gleichem Werkzeug-Modul etwas grösser.
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I.6.4.2 Normal- und Stirneingriffswinkel
cos(β)  =  tan(α)ntan(αt)\cos(\beta) \;=\; \frac{\tan(\alpha)_n}{\tan (\alpha_t)}
Analog zum Modul gibt es Normaleingriffswinkel αn\alpha_n (Werkzeug, Standard 20°20°) und Stirneingriffswinkel αt\alpha_t (am realen Rad). Es gilt immer αt>αn\alpha_t > \alpha_n.
Formel Stirnmodul
mt=mn/cos(β)m_t = m_n / \cos(\beta)
Stirnmodul aus Normalmodul.
Definition Normalmodul mnm_n
Werkzeug-Modul, genormt nach DIN 780.
Merke Genormt: immer mnm_n, nie mtm_t.

I.6.5 Sprung, Sprungüberdeckung und Gesamtüberdeckung

Weil die Zähne einer Schrägverzahnung schräg über die Zahnbreite laufen, ist der Eingriff über die Breite verschoben. Diese Verschiebung heisst Sprung UU.

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I.6.5.1 Sprung und Sprungüberdeckung
U=btan(β)εβ=bsin(β)πmn\begin{aligned} U &= b \, \tan(\beta) \\[2pt] \varepsilon_\beta &= \frac{b \, \sin(\beta)}{\pi \, m_n} \end{aligned}
Der Sprung UU ist die Verschiebung des Eingriffs über die Zahnbreite bb. Die Sprungüberdeckung εβ\varepsilon_\beta ist ihr Beitrag zur Gesamtüberdeckung.
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I.6.5.2 Gesamtüberdeckung
εγ  =  εα  +  εβ\varepsilon_\gamma \;=\; \varepsilon_\alpha \;+\; \varepsilon_\beta
Die Gesamtüberdeckung ist die Summe aus Profilüberdeckung (aus der Stirngeometrie) und Sprungüberdeckung (aus der Schrägstellung). Bei Schrägverzahnung deutlich grösser als bei Geradverzahnung.
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I.6.5.3 Grenzzähnezahl bei Schrägverzahnung
zgt  =  14cos3βz'_{gt} \;=\; 14 \, \cos^3 \beta
Bei Schrägverzahnung sinkt die praktische Grenzzähnezahl mit wachsendem β\beta. Bei β=20°\beta = 20°: zgt=14cos320°11,6z'_{gt} = 14 \cdot \cos^3 20° \approx 11{,}6. Schrägverzahnung erlaubt also kleinere Ritzel.
Formel Sprung
U=btan(β)U = b \tan(\beta)
Verschiebung über die Zahnbreite.
Formel Gesamtüberdeckung
εγ=εα+εβ\varepsilon_\gamma = \varepsilon_\alpha + \varepsilon_\beta
Profil- plus Sprungüberdeckung.
Merke Schräg: zgt=14cos3βz'_{gt} = 14 \cos^3 \beta, kleinere Ritzel möglich.

I.6.6 Kegelradpaarung

Ein Kegelradpaar lenkt eine Drehbewegung um einen Achsenwinkel Σ\Sigma um. Im Auto-Differential ist das genau die 90°90°-Umlenkung von der Antriebswelle zu den Radachsen. Jedes Kegelrad sitzt auf einem Teilkegel mit dem Teilkegelwinkel δ\delta.

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I.6.6.1 Übersetzung beim Kegelrad
i  =  n1n2  =  de2de1  =  z2z1  =  sin(δ2)sin(δ1)i \;=\; \frac{n_1}{n_2} \;=\; \frac{d_{e2}}{d_{e1}} \;=\; \frac{z_2}{z_1} \;=\; \frac{\sin (\delta_2)}{\sin (\delta_1)}
Die Übersetzung lässt sich über die äusseren Teilkreise ded_e, die Zähnezahlen oder die Teilkegelwinkel ausdrücken.
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I.6.6.2 Teilkegelwinkel
fu¨Σ90°:tan(δ1)=sin(Σ)i+cos(Σ)fu¨Σ>90°:tan(δ1)=sin(180°Σ)icos(180°Σ)\begin{aligned} &\text{für } \Sigma \le 90°: \\[2pt] &\quad \tan (\delta_1) = \frac{\sin(\Sigma)}{i + \cos(\Sigma)} \\[6pt] &\text{für } \Sigma > 90°: \\[2pt] &\quad \tan( \delta_1) = \frac{\sin(180° - \Sigma)}{i - \cos(180° - \Sigma)} \end{aligned}
Aus dem Achsenwinkel Σ\Sigma und der Übersetzung ii folgt der Teilkegelwinkel δ1\delta_1 des Ritzels. Der zweite Winkel ergibt sich aus δ1+δ2=Σ\delta_1 + \delta_2 = \Sigma.
Flankenform Eigenschaft
Geradverzahnung einfachste Herstellung, lauter Lauf
Schrägverzahnung leiser, kontinuierlicher Eingriff
Spiralverzahnung sehr leise, hohe Tragfähigkeit
Bogenverzahnung Sonderform mit gekrümmter Flankenlinie
Flankenlinien-Formen bei Kegelrädern.
Definition Teilkegelwinkel δ\delta
Halber Öffnungswinkel des Teilkegels. δ1+δ2=Σ\delta_1 + \delta_2 = \Sigma bei Σ90°\Sigma \le 90°.
Formel Kegelrad-Übersetzung
i=z2/z1=sin(δ2)/sin(δ1)i = z_2/z_1 = \sin (\delta_2) / \sin (\delta_1)
Über Zähnezahlen oder Teilkegelwinkel.

I.7.1 Systematik des Getriebe-Vorentwurfs

Du sollst ein Getriebe für eine Maschine auslegen. Antriebsleistung, Eingangsdrehzahl und gewünschte Ausgangsdrehzahl sind gegeben. Wo fängst du an? Mit Probieren? Nein. Es gibt eine feste Reihenfolge, in der die Grössen festgelegt werden.

Schritt Festlegen Kriterium
1. Welle Wellendurchmesser dshd_{sh} minimaler Zahnrad-Innendurchmesser
2. Übersetzung igesi_{ges}, ggf. Stufenaufteilung Zähnezahlverhältnis
3. Zähnezahl z1z_1, z2z_2 Laufruhe, Untergrenze für Modul
4. Breite Zahnbreite bb über ψd\psi_d Tragfähigkeit
5. Schrägung Schrägungswinkel β\beta Laufruhe, Momente, Axialkräfte
6. Modul Modul mnm_n Verknüpfung Geometrie mit Werkstoff
Sechs Schritte des Getriebe-Vorentwurfs.
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I.7.1 Sicherheit
S  =  RB  =  Tragfa¨higkeitBelastungS \;=\; \frac{R}{B} \;=\; \frac{\text{Tragfähigkeit}}{\text{Belastung}}
Tragfähigkeit RR (Resistance, was der Werkstoff hergibt) durch Belastung BB (was wirkt). S>1S > 1 heisst: das Bauteil hält.
Formel Sicherheit
S=R/BS = R/B
Tragfähigkeit durch Belastung.
Merke Reihenfolge: Welle → Übersetzung → Zähnezahl → Breite → Schrägung → Modul.

I.7.2 Wellendurchmesser und Übersetzung

Schritt 1. Der minimale Wellendurchmesser dshd_{sh} ergibt sich aus der vorgeschalteten Wellenberechnung (Kap. II). Er begrenzt den kleinstmöglichen Zahnfuss- und Bohrungsbereich und damit die kleinste Ritzelgrösse: das Ritzel muss mindestens so gross sein, dass die Welle hindurchpasst.

Schritt 2. Aus Antriebs- und Abtriebsdrehzahl folgt die Gesamtübersetzung.

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I.7.2 Gesamtübersetzung
iges  =  nannabi_{ges} \;=\; \frac{n_{an}}{n_{ab}}
Antriebsdrehzahl durch Abtriebsdrehzahl. Bei sehr grosser Gesamtübersetzung wird sie auf mehrere Stufen aufgeteilt: iges=i1i2i_{ges} = i_1 \cdot i_2 \cdot \ldots.
Formel Gesamtübersetzung
iges=nan/nabi_{ges} = n_{an}/n_{ab}
Antriebs- durch Abtriebsdrehzahl.
Definition dshd_{sh}
Wellendurchmesser (shaft). Vorgabe aus Wellenberechnung, begrenzt die Ritzelgrösse.

I.7.3 Zähnezahl z1z_1, z2z_2 und ggT-Empfehlung

Schritt 3. Die Ritzel-Zähnezahl z1z_1 ist ein Kompromiss aus Bauraum, Beanspruchung, Laufruhe, Fertigbarkeit und Kosten. Die Rad-Zähnezahl folgt dann grob aus der Übersetzung.

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I.7.3 Rad-Zähnezahl
z2    z1iz_2 \;\approx\; z_1 \cdot i
Da z2z_2 ganzzahlig sein muss, wird gerundet. Das gibt eine leichte Abweichung von der Soll-Übersetzung, die in einer weiteren Stufe korrigiert werden kann.

Eine wichtige Empfehlung: der grösste gemeinsame Teiler von z1z_1 und z2z_2 sollte ggT(z1,z2)=1\operatorname{ggT}(z_1, z_2) = 1 sein (also teilerfremd). Dann wiederholen sich die Zahnkontakt-Paare nicht periodisch, die Kontaktpartner wandern über alle Zähne, was zu gleichmässigem Verschleiss führt.

Formel Rad-Zähnezahl
z2z1iz_2 \approx z_1 \cdot i
Auf Ganzzahl runden.
Merke Empfehlung: ggT(z1,z2)=1\operatorname{ggT}(z_1, z_2) = 1 für gleichmässigen Verschleiss.

I.7.4 Zahnbreite bb und Breitenfaktor ψd\psi_d

Schritt 4. Im Vorentwurf sind die absoluten Abmessungen noch unbekannt, weil der Modul erst in Schritt 6 festgelegt wird. Die Tragfähigkeit hängt von Durchmesser und Breite gemeinsam ab. Deshalb gibt man die Breite nicht absolut, sondern als Verhältnis an: den Breitenfaktor ψd\psi_d.

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I.7.4 Breitenfaktor
ψd  =  bd1,ψd0,200,35\psi_d \;=\; \frac{b}{d_1} \, , \quad \psi_d \approx 0{,}20 \ldots 0{,}35
Der Breitenfaktor ψd\psi_d deckt mit dem Bereich 0,20 bis 0,35 etwa 90 Prozent aller Anwendungen ab. Faustregel: Verdopplung der Zahnbreite entspricht etwa Verdopplung des übertragbaren Drehmoments.
Formel Breitenfaktor
ψd=b/d1\psi_d = b/d_1
Verhältnis Zahnbreite zu Ritzeldurchmesser.
Merke Standard: ψd0,200,35\psi_d \approx 0{,}20 \ldots 0{,}35 deckt 90 % ab.

I.7.5 Schrägungswinkel β\beta wählen

Schritt 5. Jetzt entscheidet sich, ob das Getriebe gerad- oder schrägverzahnt wird. Beide Optionen haben klare Vor- und Nachteile.

Wahl Wann Folge
β=0°\beta = 0° (gerad) Kosten im Vordergrund, moderate Drehzahl, keine Axialkräfte gewünscht billig, einfach, keine Axialkraft
β=12°18°\beta = 12° \ldots 18° (schräg) hohe Drehzahl, Laufruhe oder höhere Tragfähigkeit gefordert leiser, tragfähiger, aber Fa=Fttan(β)F_a = F_t \tan(\beta)
Wahl des Schrägungswinkels im Vorentwurf.

Der Bereich β=12°18°\beta = 12° \ldots 18° deckt etwa 90 Prozent der technischen Anwendungen ab. Ziel ist meist eine Sprungüberdeckung von εβ1,01,2\varepsilon_\beta \approx 1{,}0 \ldots 1{,}2.

Merke Standard: β=12°18°\beta = 12° \ldots 18° für Schrägverzahnung, β=0°\beta = 0° für Geradverzahnung.
Definition Ziel-Sprungüberdeckung
εβ1,01,2\varepsilon_\beta \approx 1{,}0 \ldots 1{,}2 ergibt ruhigen Lauf.

I.7.6 Modulbestimmung über Drehmoment und Werkstoff

Schritt 6. Jetzt kommt der Modul. Er verknüpft die Geometrie (Schritte 1 bis 5) mit dem Werkstoff. Der Zahn wird im Modell als biegebeanspruchter Balken betrachtet. Welche der zwei kritischen Stellen (Zahnfuss oder Zahnflanke) massgebend ist, hängt vom Werkstoff ab.

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I.7.6.1 Modul, Zahnfuss-kritisch (gehärtet)
mn    1,85T1eqcos2βz12ψdσFlim13m_n''' \;\approx\; 1{,}85 \, \sqrt[3]{\frac{T_{1eq} \, \cos^2 \beta}{z_1^2 \, \psi_d \, \sigma_{F\lim 1}}}
Für gehärtete Zahnräder (harte Flanke). Der Zahnfuss wird massgebend, deshalb steht σFlim\sigma_{F\lim} im Nenner. Der Faktor 1,85 fasst die K-Faktoren des vollen Nachweises pauschal zusammen.
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I.7.6.2 Modul, Zahnflanke-kritisch (ungehärtet)
mn    95cos(β)z1  T1eqψdσHlim2u+1u3\begin{aligned} m_n''' &\;\approx\; \frac{95 \cos(\beta)}{z_1} \\[4pt] &\quad \cdot\; \sqrt[3]{\frac{T_{1eq}}{\psi_d \, \sigma_{H\lim}^2} \cdot \frac{u+1}{u}} \end{aligned}
Für ungehärtete bzw. vergütete Zahnräder. Die Zahnflanke wird massgebend, deshalb steht σHlim\sigma_{H\lim} im Nenner. Hier ist u=zgross/zklein1u = z_{gross}/z_{klein} \ge 1.
Formel Modul (gehärtet)
mn1,85T1eqcos2β/(z12ψdσFlim1)3m_n''' \approx 1{,}85 \sqrt[3]{T_{1eq}\cos^2\beta / (z_1^2 \psi_d \sigma_{F\lim 1})}
Zahnfuss-kritisch.
Merke Gehärtet → Zahnfuss. Ungehärtet → Zahnflanke.

I.7.7 Modul aus Welle und Achsabstand

Neben dem drehmoment-basierten Ansatz aus I.7.6 gibt es zwei weitere Abschätzungen für den Modul, die aus geometrischen Vorgaben kommen. Im Vorentwurf rechnet man oft alle drei und nimmt den grössten (sichersten) Modul.

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I.7.7.1 Modul aus Wellendurchmesser
Ritzel auf Welle:mn1,8dshcos(β)z12,5Ritzelwelle:mn1,1dshcos(β)z12,5\begin{aligned} &\text{Ritzel auf Welle:} \\[2pt] &\quad m_n' \approx \frac{1{,}8 \, d_{sh} \cos(\beta)}{z_1 - 2{,}5} \\[6pt] &\text{Ritzelwelle:} \\[2pt] &\quad m_n' \approx \frac{1{,}1 \, d_{sh} \cos(\beta)}{z_1 - 2{,}5} \end{aligned}
Wenn das Ritzel auf einer Welle sitzt (Bohrung nötig), braucht es mehr Material, daher Faktor 1,8. Ist das Ritzel direkt in die Welle integriert (Ritzelwelle, keine Bohrung), reicht Faktor 1,1.
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I.7.7.2 Modul aus Achsabstand
mn    2acos(β)(1+i)z1m_n'' \;\approx\; \frac{2 \, a \, \cos(\beta)}{(1 + i) \, z_1}
Wenn der Achsabstand aa vorgegeben ist (z. B. durch ein vorhandenes Gehäuse), folgt der Modul direkt daraus. Der errechnete Modul wird nach DIN 780 auf die nächste Norm-Stufe gerundet.
Formel Modul aus Achsabstand
mn2acos(β)/((1+i)z1)m_n'' \approx 2 a \cos(\beta) / ((1+i) z_1)
Bei vorgegebenem Achsabstand.
Merke Drei Abschätzungen: grössten Modul wählen, nach DIN 780 runden.

I.7.8 Werkstoffauswahl und Vergleich mit ISO 6336

Die letzte Festlegung im Vorentwurf ist der Werkstoff samt Wärmebehandlung. Sie bestimmt, welche der Modul-Formeln aus I.7.6 gilt und wie gross der Modul am Ende ausfällt.

Gruppe Beispiel-Werkstoffe Folge für den Modul
ungehärtet / vergütet C45E, 42CrMo4 weiche Flanke, grösserer Modul nötig, geringere Leistungsdichte
einsatzgehärtet 16MnCr5, 18CrNiMo7-6 harte Flanke, kleinerer Modul möglich, höhere Leistungsdichte
Werkstoff-Gruppen für Zahnräder.

Ein gehärteter Werkstoff erlaubt einen kleineren Modul und damit ein kompakteres, leichteres Getriebe. Der Nachteil: Härten ist ein zusätzlicher Fertigungsschritt und macht den Zahnfuss zur Schwachstelle (Zahnfuss-Formel I.7.6.1 ist dann massgebend).

Vorentwurf vs voller Nachweis. Der Vorentwurf liefert bewusst eine konservative, etwas zu grosse Lösung. Der vollständige Festigkeitsnachweis nach ISO 6336 (entspricht DIN 3990) berücksichtigt zusätzlich eine Reihe von Faktoren, die im Vorentwurf pauschal abgedeckt werden: Geometrie-Faktoren (Y für Zahnfuss, Z für Zahnflanke) und Belastungs-Faktoren (K). Mit dem vollen Nachweis darf der Modul oft kleiner gewählt werden als im Vorentwurf, weil die Reserven genauer ausgenutzt werden.

Merke Gehärtet: kleinerer Modul, kompakter, aber Zahnfuss massgebend.
Definition ISO 6336
Vollständiger Festigkeitsnachweis mit Y-, Z- und K-Faktoren. Genauer als der Vorentwurf.

I.8.1 Idee und Vorteile des Umlaufgetriebes

Bisher standen alle Zahnradachsen fest. Bei einem Umlaufgetriebe (auch Planetengetriebe) ist das anders: einige Zahnräder rotieren nicht nur um ihre eigene Achse, sondern wandern zusätzlich um ein zentrales Rad herum, wie Planeten um die Sonne.

Vorteil Bedeutung
hohe Übersetzung auf wenig Raum bis i=12i = 12 in einer einzigen Stufe
koaxiale Wellen Eingangs- und Ausgangswelle liegen auf einer Linie
hoher Wirkungsgrad Last verteilt sich auf mehrere Planeten, geringe Verluste
hohe Leistungsdichte kompakt und leicht im Vergleich zum Standgetriebe
Vorteile eines Umlaufgetriebes gegenüber einem Standgetriebe.
Definition Umlaufgetriebe
Getriebe, bei dem Planetenräder um ein zentrales Sonnenrad umlaufen. Auch Planetengetriebe.
Merke Vorteil: bis i=12i = 12 pro Stufe, koaxial, hoher Wirkungsgrad.

I.8.2 Elemente eines Planetengetriebes

Ein Planetengetriebe hat vier drehbare Elemente. Drei davon haben eine ortsfeste Achse und können deshalb als Antriebs- oder Abtriebswelle dienen. Das vierte (das Planetenrad) hat keine ortsfeste Achse, es kann nicht angekoppelt werden.

Element Drehzahl Rolle
Sonnenrad n1n_1 zentrales Rad, ortsfeste Achse, ankoppelbar
Planetenrad n2n_2 läuft um, schwimmend, kein eigener Anschluss
Hohlrad n3n_3 innenverzahnt, ortsfeste Achse, ankoppelbar
Steg (Planetenträger) nsn_s trägt die Planeten, ortsfeste Achse, ankoppelbar
Die vier Elemente eines Planetengetriebes.
Definition Vier Elemente
Sonnenrad (n1n_1), Planetenrad (n2n_2), Hohlrad (n3n_3), Steg (nsn_s).
Merke Nur 1, 3, s sind ankoppelbar. Das Planetenrad läuft schwimmend mit.

I.8.3 Geometrie- und Zähnezahl-Bedingungen

Damit ein Planetengetriebe geometrisch zusammenpasst, müssen die Durchmesser und Zähnezahlen bestimmte Bedingungen erfüllen. Das Sonnenrad in der Mitte, die Planeten ringsherum und das Hohlrad aussen können nicht beliebig gross sein.

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I.8.3.1 Durchmesser- und Zähnezahl-Bedingung
d3=2d2+d1z3=2z2+z1\begin{aligned} d_3 &= 2 \, d_2 + d_1 \\[2pt] z_3 &= 2 \, z_2 + z_1 \end{aligned}
Vom Sonnen-Mittelpunkt nach aussen: erst der halbe Sonnen-Durchmesser, dann ein ganzer Planet, dann nochmal die andere Seite. Mit der Vorzeichen-Konvention z3<0z_3 < 0 ergibt das die korrekte Hohlrad-Zähnezahl.
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I.8.3.2 Symmetrie-Bedingung für pp Planeten
z1+z3p  =  ganzzahlig\frac{|z_1| + |z_3|}{p} \;=\; \text{ganzzahlig}
Damit pp Planetenräder symmetrisch um das Sonnenrad verteilt werden können, muss die Summe der Beträge der Zähnezahlen durch die Planetenanzahl pp teilbar sein.
Formel Zähnezahl-Bedingung
z3=2z2+z1z_3 = 2 z_2 + z_1
Mit z3<0z_3 < 0 (Hohlrad).
Merke Symmetrie: (z1+z3)/p(|z_1| + |z_3|)/p muss ganzzahlig sein für pp Planeten.

I.8.4 Standübersetzung i0i_0

Was passiert, wenn wir den Steg festhalten (ns=0n_s = 0)? Dann läuft kein Planet mehr um, das Getriebe verhält sich wie ein gewöhnliches Standgetriebe. Die Übersetzung von Sonne auf Hohlrad in diesem Zustand heisst Standübersetzung i0i_0.

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I.8.4 Standübersetzung
i0=n1n3ns=0=i1,2i2,3=z2z1z3z2=z3z1\begin{aligned} i_0 = \left. \frac{n_1}{n_3} \right|_{n_s = 0} &= i_{1,2} \cdot i_{2,3} \\[3pt] &= \frac{z_2}{z_1} \cdot \frac{z_3}{z_2} = \frac{z_3}{z_1} \end{aligned}
Das Planetenrad z2z_2 kürzt sich heraus (es ist nur ein Zwischenrad). Wegen z3<0z_3 < 0 (Hohlrad-Konvention) ist i0i_0 negativ. Das Minuszeichen bedeutet: Sonne und Hohlrad drehen gegensinnig.
Formel Standübersetzung
i0=z3/z1i_0 = z_3 / z_1
Mit z3<0z_3 < 0, also i0<0i_0 < 0.
Merke i0<0i_0 < 0: Sonne und Hohlrad drehen gegensinnig (bei festem Steg).

I.8.5 Drehzahl-Grundgleichung (Willis)

Die Standübersetzung gilt nur für den Sonderfall ns=0n_s = 0. Was ist mit allen anderen Betriebszuständen? Hier hilft die Drehzahl-Grundgleichung, oft Willis-Gleichung genannt. Sie verknüpft die drei ankoppelbaren Drehzahlen und gilt für alle Betriebszustände.

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I.8.5 Drehzahl-Grundgleichung (Willis)
n1    (1i0)ns    i0n3  =  0n_1 \;-\; (1 - i_0) \, n_s \;-\; i_0 \, n_3 \;=\; 0
Eine einzige Gleichung für jeden Betriebszustand des Planetengetriebes. n1n_1 Sonne, n3n_3 Hohlrad, nsn_s Steg, i0i_0 die Standübersetzung aus I.8.4.

Die Gleichung entsteht aus zwei bekannten Betriebszuständen: dem Standgetriebe (ns=0n_s = 0, liefert i0i_0) und dem Block-Zustand (n1=ns=n3n_1 = n_s = n_3, liefert den Faktor 1i01 - i_0). Aus diesen beiden 'Stützpunkten' folgt die lineare Grundgleichung.

Formel Willis-Gleichung
n1(1i0)nsi0n3=0n_1 - (1 - i_0) n_s - i_0 n_3 = 0
Gilt für alle Betriebszustände.
Merke Eine Gleichung ersetzt alle Betriebszustands-Formeln.

I.8.6 Vier Betriebszustände

Aus der Willis-Gleichung leiten wir die Übersetzung für jeden Betriebszustand ab. Es gibt vier wichtige Fälle, je nachdem welches Element fixiert oder gekoppelt wird.

Die vier Betriebszustände aus Willis abgeleitet

  1. Hohlrad fest (n3=0n_3 = 0)
    Das Hohlrad wird im Gehäuse fixiert. Häufigster Fall bei Standardgetrieben.
    Übersetzung Sonne → Steg: i1s=1i0i_{1s} = 1 - i_0.
    n1(1i0)ns=0    i1s=n1ns=1i0\begin{aligned} n_1 - (1 - i_0) \, n_s &= 0 \\[3pt] \Rightarrow\;\; i_{1s} = \frac{n_1}{n_s} &= 1 - i_0 \end{aligned}
  2. Steg fest (ns=0n_s = 0)
    Der Steg wird fixiert, kein Planet läuft um. Das ist das Standgetriebe.
    Übersetzung Sonne → Hohlrad: i13=i0i_{13} = i_0, genau die Standübersetzung.
    n1i0n3=0    i13=n1n3=i0\begin{aligned} n_1 - i_0 \, n_3 &= 0 \\[3pt] \Rightarrow\;\; i_{13} = \frac{n_1}{n_3} &= i_0 \end{aligned}
  3. Sonne fest (n1=0n_1 = 0)
    Das Sonnenrad wird fixiert, Antrieb über den Steg.
    Übersetzung Steg → Hohlrad: is3=i0/(i01)i_{s3} = i_0/(i_0 - 1).
    (1i0)nsi0n3=0    is3=nsn3=i0i01\begin{aligned} -(1 - i_0) \, n_s - i_0 \, n_3 &= 0 \\[3pt] \Rightarrow\;\; i_{s3} = \frac{n_s}{n_3} &= \frac{i_0}{i_0 - 1} \end{aligned}
  4. Block (n1=ns=n3n_1 = n_s = n_3)
    Zwei Elemente werden starr gekoppelt, dann rotiert alles als ein Block.
    Übersetzung i=1i = 1. Das ganze Getriebe rotiert starr, keine Relativbewegung.
    n1=ns=n3        i=1n_1 = n_s = n_3 \;\;\Rightarrow\;\; i = 1
Formel Hohlrad fest
i1s=1i0i_{1s} = 1 - i_0
Sonne → Steg.
Formel Sonne fest
is3=i0/(i01)i_{s3} = i_0/(i_0 - 1)
Steg → Hohlrad.
Merke Block: i=1i = 1, alles rotiert starr.

I.8.7 Leistungsfluss und Varianten

Weil ein Planetengetriebe drei Anschlüsse hat, kann die Leistung auf zwei Arten fliessen: Summierung (zwei Elemente treiben an, eines treibt ab) oder Aufteilung (ein Element treibt an, zwei treiben ab). Diese Flexibilität macht das Planetengetriebe so vielseitig.

Variante Besonderheit
einfach ein Sonnenrad, ein Planetensatz, ein Hohlrad
Stufenplanet Planet besteht aus zwei fest verbundenen Rädern unterschiedlicher Zähnezahl
zwei Sonnenräder Stufenplanet kämmt mit zwei Sonnenrädern, sehr grosse Übersetzung
zwei Hohlräder Stufenplanet kämmt mit zwei Hohlrädern, ebenfalls grosse Übersetzung
Varianten von Planetengetrieben.
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I.8.7 Standübersetzung beim Stufenplanet
i0  =  z2z4z1z3i_0 \;=\; \frac{z_2 \, z_4}{z_1 \, z_3}
Beim Stufenplanet kürzt sich das Planetenrad nicht heraus, weil es aus zwei verschiedenen Rädern (z2z_2, z3z_3) besteht. Hohlrad-Zähnezahlen werden negativ eingesetzt.
Merke Leistungsfluss: Summierung (2 ein, 1 aus) oder Aufteilung (1 ein, 2 aus).
Formel Stufenplanet
i0=z2z4/(z1z3)i_0 = z_2 z_4 / (z_1 z_3)
Planet kürzt sich nicht heraus.

I.9.1 Aufgabe 1. Mehrstufiges Zahnradgetriebe

Gegeben. Ein dreistufiges Stirnradgetriebe mit sechs Zahnrädern. Zähnezahlen: z1=20z_1 = 20, z2=71z_2 = 71, z3=21z_3 = 21, z4=66z_4 = 66, z5=16z_5 = 16, z6=93z_6 = 93. Die Räder 2 und 3 sitzen auf einer gemeinsamen Welle, ebenso die Räder 4 und 5. Antrieb über Rad 1 mit n1=1400min1n_1 = 1400\,\text{min}^{-1}.

Gesucht. Die Drehzahlen n2n_2, n3n_3, n4n_4, n6n_6, die Teilübersetzung i14i_{14} und die Gesamtübersetzung igesi_{ges}.

Lösungsweg in 5 Schritten

  1. Schritt 1. Erste Stufe, Drehzahl n2n_2
    Die Übersetzung einer Stufe ist das Verhältnis der Zähnezahlen. Das getriebene Rad dreht langsamer.
    n2394,37min1n_2 \approx 394{,}37\,\text{min}^{-1}
    i12=z2z1=7120=3,55n2=n1i12=14003,55\begin{aligned} i_{12} &= \frac{z_2}{z_1} = \frac{71}{20} = 3{,}55 \\[3pt] n_2 &= \frac{n_1}{i_{12}} = \frac{1400}{3{,}55} \end{aligned}
  2. Schritt 2. Gleiche Welle, Drehzahl n3n_3
    Rad 2 und Rad 3 sitzen auf derselben Welle, also haben sie zwingend dieselbe Drehzahl.
    n3394,37min1n_3 \approx 394{,}37\,\text{min}^{-1}
    n3=n2394,37min1n_3 = n_2 \approx 394{,}37\,\text{min}^{-1}
  3. Schritt 3. Zweite Stufe, Drehzahl n4n_4
    Wieder Zähnezahl-Verhältnis. Rad 3 treibt Rad 4 an.
    n4125,47min1n_4 \approx 125{,}47\,\text{min}^{-1}
    i34=z4z3=6621=3,143n4=n3i34=394,373,143\begin{aligned} i_{34} &= \frac{z_4}{z_3} = \frac{66}{21} = 3{,}143 \\[3pt] n_4 &= \frac{n_3}{i_{34}} = \frac{394{,}37}{3{,}143} \end{aligned}
  4. Schritt 4. Teilübersetzung i14i_{14}
    Die Übersetzung von der Antriebswelle zur Zwischenwelle ist das Produkt der beiden durchlaufenen Stufen.
    i1411,158i_{14} \approx 11{,}158
    i14=n1n4=i12i34=3,553,14311,158\begin{aligned} i_{14} &= \frac{n_1}{n_4} = i_{12} \cdot i_{34} \\[3pt] &= 3{,}55 \cdot 3{,}143 \approx 11{,}158 \end{aligned}
  5. Schritt 5. Dritte Stufe und Gesamtübersetzung
    Rad 5 sitzt auf der Welle von Rad 4 (n5=n4n_5 = n_4). Die Gesamtübersetzung ist das Produkt aller drei Stufen.
    n621,59min1n_6 \approx 21{,}59\,\text{min}^{-1}, iges64,85i_{ges} \approx 64{,}85
    i56=z6z5=9316=5,8125n6=n4i5621,59min1iges=i12i34i5664,85\begin{aligned} i_{56} &= \frac{z_6}{z_5} = \frac{93}{16} = 5{,}8125 \\[3pt] n_6 &= \frac{n_4}{i_{56}} \approx 21{,}59\,\text{min}^{-1} \\[3pt] i_{ges} &= i_{12} \cdot i_{34} \cdot i_{56} \approx 64{,}85 \end{aligned}
Definition Aufgabe 1
Dreistufiges Getriebe, z1z6z_1 \ldots z_6 gegeben, n1=1400min1n_1 = 1400\,\text{min}^{-1}. Alle Drehzahlen und igesi_{ges} gesucht.
Formel Gesamtübersetzung
iges=i12i34i56i_{ges} = i_{12} \cdot i_{34} \cdot i_{56}
Produkt der Stufen.
Merke Gemeinsame Welle: n2=n3n_2 = n_3, n4=n5n_4 = n_5.

I.9.2 Aufgabe 2. Null-, V- und V-Null-Getriebe

Gegeben. Zwei geradverzahnte Norm-Stirnräder mit m1=m2=6mmm_1 = m_2 = 6\,\text{mm}, z1=10z_1 = 10, z2=16z_2 = 16, Eingriffswinkel α=20°\alpha = 20°. Die Profilverschiebungsfaktoren x1x_1, x2x_2 werden in drei Teilaufgaben variiert.

Gesucht. Achsabstand aa und Betriebseingriffswinkel αw\alpha_w für jede der drei Varianten.

Drei Varianten, gleiche Räder

  1. Variante a. Null-Getriebe (x1=x2=0x_1 = x_2 = 0)
    Ohne Profilverschiebung gilt αw=α\alpha_w = \alpha und der Achsabstand ist der Null-Achsabstand.
    a=78mma = 78\,\text{mm}, αw=20°\alpha_w = 20°
    d1=mz1=60mmd2=mz2=96mma=ad=d1+d22=1562=78mm\begin{aligned} d_1 &= m z_1 = 60\,\text{mm} \\[2pt] d_2 &= m z_2 = 96\,\text{mm} \\[2pt] a = a_d &= \frac{d_1 + d_2}{2} \\[2pt] &= \frac{156}{2} = 78\,\text{mm} \end{aligned}
  2. Variante b. V-Getriebe (x1=0,5x_1 = 0{,}5, x2=0x_2 = 0)
    Mit Σx=0,50\Sigma x = 0{,}5 \neq 0 ändern sich αw\alpha_w und aa. Zuerst invαw\operatorname{inv} \alpha_w aus der Hauptgleichung.
    invαw0,029\operatorname{inv} \alpha_w \approx 0{,}029
    invαw=20,526tan20°+inv20°=0,014+0,0149=0,029\begin{aligned} \operatorname{inv} \alpha_w &= 2 \cdot \frac{0{,}5}{26} \tan 20° \\[3pt] &\quad + \operatorname{inv} 20° \\[3pt] &= 0{,}014 + 0{,}0149 = 0{,}029 \end{aligned}
  3. Variante b. Umkehrung und Achsabstand
    Aus invαw\operatorname{inv} \alpha_w folgt αw\alpha_w über die Näherungsformel, daraus der neue Achsabstand.
    αw24,72°\alpha_w \approx 24{,}72°, a80,7mma \approx 80{,}7\,\text{mm}
    αw24,72°a=adcos(α)cos(αw)=78cos20°cos24,72°\begin{aligned} \alpha_w &\approx 24{,}72° \\[3pt] a = a_d \frac{\cos(\alpha)}{\cos (\alpha_w)} &= 78 \cdot \frac{\cos 20°}{\cos 24{,}72°} \end{aligned}
  4. Variante c. V-Null-Getriebe (x1=0,5x_1 = 0{,}5, x2=0,5x_2 = -0{,}5)
    Mit Σx=0\Sigma x = 0 verschwindet der erste Term in der Hauptgleichung, also invαw=invα\operatorname{inv} \alpha_w = \operatorname{inv} \alpha.
    a=78mma = 78\,\text{mm}, αw=20°\alpha_w = 20°
    Σx=0    αw=α=20°  a=ad=78mm\begin{aligned} \Sigma x = 0 \;&\Rightarrow\; \alpha_w = \alpha = 20° \\[3pt] &\Rightarrow\; a = a_d = 78\,\text{mm} \end{aligned}
Definition Aufgabe 2
m=6mmm = 6\,\text{mm}, z1=10z_1 = 10, z2=16z_2 = 16. Achsabstand und αw\alpha_w für Null-, V- und V-Null-Variante.
Formel Hauptgleichung
invαw=2Σxz1+z2tan(α)+invα\operatorname{inv} \alpha_w = 2\frac{\Sigma x}{z_1+z_2}\tan(\alpha) + \operatorname{inv}\alpha
Betriebseingriffswinkel aus Σx\Sigma x.
Merke Ergebnis: Null und V-Null geben beide a=78mma = 78\,\text{mm}.

I.9.3 Aufgabe 3. V-plus-Geometrie

Gegeben. Eine geradverzahnte Zahnradpaarung mit z1=26z_1 = 26, z2=86z_2 = 86, Modul m=4mmm = 4\,\text{mm}, α=20°\alpha = 20°. Beide Räder sind positiv profilverschoben: x1=+0,4x_1 = +0{,}4, x2=+0,49x_2 = +0{,}49.

Gesucht. Die Kopfkreisdurchmesser da1d_{a1}, da2d_{a2} und der Betriebseingriffswinkel αw\alpha_w.

Lösungsweg in 3 Schritten

  1. Schritt 1. Teilkreise
    Der Teilkreis ist die geometrische Referenz. Aus ihm folgen alle weiteren Durchmesser.
    d1=104mmd_1 = 104\,\text{mm}, d2=344mmd_2 = 344\,\text{mm}
    d1=mz1=426=104mmd2=mz2=486=344mm\begin{aligned} d_1 &= m z_1 = 4 \cdot 26 = 104\,\text{mm} \\[3pt] d_2 &= m z_2 = 4 \cdot 86 = 344\,\text{mm} \end{aligned}
  2. Schritt 2. Kopfkreisdurchmesser
    Bei positiver Profilverschiebung wächst die Zahnkopfhöhe um xmx \cdot m. Daher da=d+2m(1+x)d_a = d + 2 m (1 + x).
    da1=115,20mmd_{a1} = 115{,}20\,\text{mm}, da2=355,92mmd_{a2} = 355{,}92\,\text{mm}
    da1=d1+2m(1+x1)=104+81,4=115,2mmda2=d2+2m(1+x2)=344+81,49=355,92mm\begin{aligned} d_{a1} &= d_1 + 2 m (1 + x_1) \\[2pt] &= 104 + 8 \cdot 1{,}4 \\[2pt] &= 115{,}2\,\text{mm} \\[5pt] d_{a2} &= d_2 + 2 m (1 + x_2) \\[2pt] &= 344 + 8 \cdot 1{,}49 \\[2pt] &= 355{,}92\,\text{mm} \end{aligned}
  3. Schritt 3. Betriebseingriffswinkel
    Aus Σx=x1+x2\Sigma x = x_1 + x_2 folgt invαw\operatorname{inv} \alpha_w, daraus αw\alpha_w über die Näherungs-Umkehrung.
    αw22,21°\alpha_w \approx 22{,}21°
    invαw=20,89112tan20°+inv20°0,0207  αw22,21°\begin{aligned} \operatorname{inv} \alpha_w &= 2 \cdot \frac{0{,}89}{112} \tan 20° \\[3pt] &\quad + \operatorname{inv} 20° \approx 0{,}0207 \\[3pt] &\Rightarrow\; \alpha_w \approx 22{,}21° \end{aligned}
Definition Aufgabe 3
z1=26z_1 = 26, z2=86z_2 = 86, m=4mmm = 4\,\text{mm}, x1=0,4x_1 = 0{,}4, x2=0,49x_2 = 0{,}49. Kopfkreise und αw\alpha_w gesucht.
Formel Kopfkreis V-plus
da=d+2m(1+x)d_a = d + 2 m (1 + x)
Profilverschiebung vergrössert die Kopfhöhe.

I.9.4 Aufgabe 4. Kräfte an einer schrägverzahnten Zwischenwelle

Gegeben. Die Zwischenwelle eines zweistufigen Getriebes trägt zwei schrägverzahnte Räder. Rad 2: z2=81z_2 = 81, Normalmodul mn2=3,5mmm_{n2} = 3{,}5\,\text{mm}. Rad 3: z3=20z_3 = 20, mn3=4mmm_{n3} = 4\,\text{mm}. Beide mit Schrägungswinkel β=20°\beta = 20° und Normaleingriffswinkel αn=20°\alpha_n = 20°. Übertragenes Drehmoment M2=300NmM_2 = 300\,\text{Nm}.

Gesucht. Teilkreise, alle Kraftkomponenten an beiden Rädern und die resultierende Axialkraft auf die Welle in zwei Einbau-Anordnungen.

Lösungsweg in 5 Schritten

  1. Schritt 1. Teilkreisdurchmesser
    Bei Schrägverzahnung wird der Teilkreis mit dem Stirnmodul gerechnet: d=zmn/cos(β)d = z \, m_n / \cos(\beta).
    d2301,65mmd_2 \approx 301{,}65\,\text{mm}, d385,13mmd_3 \approx 85{,}13\,\text{mm}
    d2=mn2z2cos(β)=3,581cos20°301,65mmd3=mn3z3cos(β)=420cos20°85,13mm\begin{aligned} d_2 &= \frac{m_{n2} \, z_2}{\cos(\beta)} = \frac{3{,}5 \cdot 81}{\cos 20°} \\[2pt] &\approx 301{,}65\,\text{mm} \\[6pt] d_3 &= \frac{m_{n3} \, z_3}{\cos(\beta)} = \frac{4 \cdot 20}{\cos 20°} \\[2pt] &\approx 85{,}13\,\text{mm} \end{aligned}
  2. Schritt 2. Tangentialkräfte
    Die Tangentialkraft folgt aus dem Drehmoment und dem jeweiligen Teilkreis. M2M_2 in Nmm umrechnen.
    Ft21989NF_{t2} \approx 1989\,\text{N}, Ft37048NF_{t3} \approx 7048\,\text{N}
    Ft2=2M2d2=600000301,651989NFt3=2M2d3=60000085,137048N\begin{aligned} F_{t2} &= \frac{2 M_2}{d_2} = \frac{600\,000}{301{,}65} \approx 1989\,\text{N} \\[3pt] F_{t3} &= \frac{2 M_2}{d_3} = \frac{600\,000}{85{,}13} \approx 7048\,\text{N} \end{aligned}
  3. Schritt 3. Axialkräfte
    Bei Schrägverzahnung entsteht je Rad eine Axialkraft Fa=Fttan(β)F_a = F_t \tan(\beta).
    Fa2724NF_{a2} \approx 724\,\text{N}, Fa32565NF_{a3} \approx 2565\,\text{N}
    Fa2=Ft2tan20°724NFa3=Ft3tan20°2565N\begin{aligned} F_{a2} &= F_{t2} \tan 20° \approx 724\,\text{N} \\[3pt] F_{a3} &= F_{t3} \tan 20° \approx 2565\,\text{N} \end{aligned}
  4. Schritt 4. Radialkräfte
    Die Radialkraft braucht den Stirneingriffswinkel: tan(αt)=tan(αn)/cos(β)\tan (\alpha_t )= \tan (\alpha_n) / \cos(\beta), also αt21,17°\alpha_t \approx 21{,}17°.
    Fr2770NF_{r2} \approx 770\,\text{N}, Fr32730NF_{r3} \approx 2730\,\text{N}
    Fr2=Ft2tan(αt)770NFr3=Ft3tan(αt)2730N\begin{aligned} F_{r2} &= F_{t2} \tan (\alpha_t) \approx 770\,\text{N} \\[3pt] F_{r3} &= F_{t3} \tan (\alpha_t) \approx 2730\,\text{N} \end{aligned}
  5. Schritt 5. Resultierende Axialkraft auf die Welle
    Je nach Einbaurichtung der beiden Räder zeigen die Axialkräfte gleich oder entgegengesetzt.
    Anordnung A: 3289N3289\,\text{N}. Anordnung B: 1841N1841\,\text{N}.
    A:    Fa,ges=Fa2+Fa33289NB:    Fa,ges=Fa3Fa21841N\begin{aligned} \text{A:} \;\; F_{a,ges} &= F_{a2} + F_{a3} \approx 3289\,\text{N} \\[3pt] \text{B:} \;\; F_{a,ges} &= |F_{a3} - F_{a2}| \approx 1841\,\text{N} \end{aligned}
Definition Aufgabe 4
Schrägverzahnte Zwischenwelle, z2=81z_2 = 81, z3=20z_3 = 20, β=20°\beta = 20°, M2=300NmM_2 = 300\,\text{Nm}. Alle Kräfte gesucht.
Formel Axialkraft
Fa=Fttan(β)F_a = F_t \tan(\beta)
Je Rad eine Axialkraft.
Merke Anordnung B nutzt Kompensation: 1841N1841\,\text{N} statt 3289N3289\,\text{N}.

I.9.5 Aufgabe 5. Zweigang-Planetengetriebe-Kaskade

Gegeben. Das Getriebe eines Akkuschraubers besteht aus drei hintereinandergeschalteten Planetenstufen. Jede Stufe treibt mit ihrem Steg die Sonne der nächsten Stufe an. Antrieb über die erste Sonne, Abtrieb über den dritten Steg. Die drei Standübersetzungen sind i0,1=3,125i_{0,1} = -3{,}125, i0,2=2,34i_{0,2} = -2{,}34, i0,3=2,75i_{0,3} = -2{,}75.

Gesucht. Die Gesamtübersetzung in Gang 1 (alle drei Hohlräder fest am Gehäuse) und in Gang 2 (Hohlrad der zweiten Stufe mit dem Steg der ersten Stufe gekoppelt, ns,1=n3,2n_{s,1} = n_{3,2}).

Lösungsweg in 4 Schritten

  1. Schritt 1. Stufen-Übersetzung bei festem Hohlrad
    Antrieb Sonne, Abtrieb Steg, Hohlrad fest: das ist der Betriebszustand i1s=1i0i_{1s} = 1 - i_0 aus Kap. I.8.6.
    Pro Stufe mit festem Hohlrad: Übersetzung gleich 1i01 - i_0.
    iStufe=1i0i_{\text{Stufe}} = 1 - i_0
  2. Schritt 2. Gang 1, drei Stufen mit festem Hohlrad
    In Gang 1 sind alle drei Hohlräder am Gehäuse fixiert. Jede Stufe trägt 1i01 - i_0 bei, die Gesamtübersetzung ist das Produkt.
    Stufen-Übersetzungen: 4,1254{,}125, 3,343{,}34, 3,753{,}75.
    i1=1(3,125)=4,125i2=1(2,34)=3,34i3=1(2,75)=3,75\begin{aligned} i_1 &= 1 - (-3{,}125) = 4{,}125 \\[2pt] i_2 &= 1 - (-2{,}34) = 3{,}34 \\[2pt] i_3 &= 1 - (-2{,}75) = 3{,}75 \end{aligned}
  3. Schritt 3. Gesamtübersetzung Gang 1
    Die drei Stufen sind in Reihe geschaltet, also multiplizieren sich ihre Übersetzungen.
    iGang 151,67i_{\text{Gang 1}} \approx 51{,}67
    iGang 1=i1i2i3=4,1253,343,7551,67\begin{aligned} i_{\text{Gang 1}} &= i_1 \cdot i_2 \cdot i_3 \\[3pt] &= 4{,}125 \cdot 3{,}34 \cdot 3{,}75 \\[3pt] &\approx 51{,}67 \end{aligned}
  4. Schritt 4. Gang 2, zweite Stufe im Block
    In Gang 2 wird das Hohlrad der zweiten Stufe mit dem Steg der ersten gekoppelt. Dann gilt für Stufe 2 n1=ns=n3n_1 = n_s = n_3, also der Block-Zustand mit i2=1i_2 = 1.
    iGang 215,47i_{\text{Gang 2}} \approx 15{,}47
    iGang 2=i11i3=4,12513,7515,47\begin{aligned} i_{\text{Gang 2}} &= i_1 \cdot 1 \cdot i_3 \\[3pt] &= 4{,}125 \cdot 1 \cdot 3{,}75 \approx 15{,}47 \end{aligned}
Definition Aufgabe 5
Akkuschrauber mit drei Planetenstufen. i0,1=3,125i_{0,1} = -3{,}125, i0,2=2,34i_{0,2} = -2{,}34, i0,3=2,75i_{0,3} = -2{,}75. Übersetzung in Gang 1 und Gang 2.
Formel Stufe mit festem Hohlrad
iStufe=1i0i_{\text{Stufe}} = 1 - i_0
Sonne treibt, Steg treibt ab.
Merke Ergebnis: Gang 1 51,67\approx 51{,}67, Gang 2 15,47\approx 15{,}47.
Variablen-Glossar (91 Einträge)
aa Betriebs-Achsabstand zwischen den Mittelpunkten zweier gepaarter Zahnräder. Bei V-Getrieben gilt aada \neq a_d. mm
ada_d Null-Achsabstand bei spielfreier Paarung ohne Profilverschiebung. ad=(d1+d2)/2a_d = (d_1 + d_2)/2. mm
bb Zahnbreite (Dicke des Zahnrads in Richtung der Achse) mm
cc Kopfspiel. Spalt zwischen dem Zahnkopf des einen und dem Zahnfuss des anderen Rads im Eingriff. Standard c0,25mc \approx 0{,}25 \, m, damit die Zähne im Fuss nicht klemmen. mm
dd Teilkreisdurchmesser. Der Durchmesser, auf dem der Wälzpunkt CC liegt. d=mzd = m \cdot z. mm
dad_a Kopfkreisdurchmesser (aussen). da=d+2had_a = d + 2 \, h_a. mm
dbd_b Grundkreisdurchmesser. Der Kreis, von dem die Evolvente abgewickelt wird. db=dcosαd_b = d \cos \alpha. mm
ded_e Äusserer Teilkreisdurchmesser eines Kegelrads (am breiten Ende des Kegels) mm
dfd_f Fusskreisdurchmesser (innen). df=d2hfd_f = d - 2 \, h_f. mm
dmd_m Mittlerer Teilkreisdurchmesser eines Kegelrads mm
dshd_{sh} Vorgegebener Wellendurchmesser (sh = shaft) im Vorentwurf. Begrenzt die kleinste mögliche Ritzelbohrung. Nicht mit dem Teilkreis dd verwechseln. mm
dwd_w Wälzkreisdurchmesser. Bei Nullgetriebe: dw=dd_w = d. Bei V-Getriebe: dwdd_w \neq d. mm
ee Lückenweite. Breite einer Zahnlücke auf dem Teilkreis, Gegenstück zur Zahndicke. Am Betriebswälzkreis als ewe_w bezeichnet (Bedingung flankenspielfreier Eingriff, I.4.4). mm
FaF_a Axialkraft am Zahnrad (in Richtung der Wellenachse). Bei Geradverzahnung null, bei Schrägverzahnung Fa=FttanβF_a = F_t \tan \beta. N
FmtF_{mt} Tangentialkraft am Kegelrad, ausgewertet am mittleren Teilkreis dmd_m. Fmt=2Mt/dmF_{mt} = 2 M_t / d_m. N
FnF_n Normalkraft im Zahnkontakt (senkrecht zur Zahnflanke, in Richtung der Eingriffslinie). Fn=Ft/cosαF_n = F_t / \cos \alpha. N
FrF_r Radialkraft am Zahnrad (zum Wellenzentrum hin). Gerad: Fr=FttanαF_r = F_t \tan \alpha. N
FtF_t Tangentialkraft am Zahnrad (am Umfang, in Drehrichtung). Erzeugt das Drehmoment: Ft=2Mt/dF_t = 2 M_t / d. N
gαg_\alpha Eingriffsstrecke. Teil der Eingriffslinie, auf dem zwei Zähne tatsächlich in Kontakt stehen (vom Eingriffsbeginn A bis zum Eingriffsende E). mm
hh Zahnhöhe gesamt. h=ha+hfh = h_a + h_f. mm
hah_a Zahnkopfhöhe (vom Teilkreis bis zum Kopfkreis). Standard ha=mh_a = m. mm
hfh_f Zahnfusshöhe (vom Teilkreis bis zum Fusskreis). Typisch hf=1,11,3mh_f = 1{,}1 \ldots 1{,}3 \cdot m. mm
ii Übersetzungsverhältnis. i=ω1/ω2=n1/n2=d2/d1=z2/z1i = \omega_1/\omega_2 = n_1/n_2 = d_2/d_1 = z_2/z_1. Mit Wirkungsgrad: i=M2/(ηM1)i = M_2/(\eta M_1). -
i0i_0 Standübersetzung eines Umlaufgetriebes (gilt, wenn der Steg fixiert ist, ns=0n_s = 0). Für einfaches Planetengetriebe: i0=z3/z1i_0 = z_3/z_1. Da das Hohlrad innenverzahnt ist und z3<0z_3 < 0 eingesetzt wird, ergibt sich automatisch i0<0i_0 < 0. -
igesi_{ges} Gesamtübersetzung eines mehrstufigen Getriebes. iges=i1i2i_{ges} = i_1 \cdot i_2 \cdot \ldots. -
i1si_{1s} Übersetzung Sonne → Steg im Planetengetriebe, wenn Hohlrad fixiert ist (n3=0n_3 = 0). i1s=1i0i_{1s} = 1 - i_0. -
i13i_{13} Übersetzung Sonne → Hohlrad im Planetengetriebe, wenn Steg fixiert ist (ns=0n_s = 0). i13=i0i_{13} = i_0. -
is3i_{s3} Übersetzung Steg → Hohlrad im Planetengetriebe, wenn Sonne fixiert ist (n1=0n_1 = 0). is3=i0/(i01)i_{s3} = i_0/(i_0 - 1). -
invαinv \, \alpha Involut-Funktion. invα=tanαα\operatorname{inv} \alpha = \tan \alpha - \alpha, wobei α\alpha in Radiant einzusetzen ist. Beschreibt den Wickelwinkel der Evolvente. -
MtM_t Drehmoment (Torsionsmoment). Auch geschrieben als TT (englisch torque) oder MM. In diesem Kapitel durchgehend MtM_t, ausser in den Vorentwurfs-Formeln, wo T1eqT_{1eq} üblich ist. Nm
M1,M2M_1, M_2 Drehmoment am treibenden bzw. getriebenen Rad. Bei Übersetzung mit Wirkungsgrad: M2=iηM1M_2 = i \cdot \eta \cdot M_1. Nm
mm Modul bei Geradverzahnung. Kennwert der Zahngrösse. m=p/πm = p/\pi, d=mzd = m \cdot z. Genormt nach DIN 780. mm
mnm_n Normalmodul bei Schrägverzahnung. Modul des Werkzeugs (Wälzfräser). Wird nach DIN 780 gewählt. mm
mtm_t Stirnmodul bei Schrägverzahnung. Effektiver Modul am Zahnrad selbst. mt=mn/cosβm_t = m_n / \cos \beta. mm
nn Drehzahl in Umdrehungen pro Minute. ω=2πn/60\omega = 2\pi n / 60. min⁻¹
n1,n2n_1, n_2 Drehzahl des treibenden bzw. getriebenen Rads min⁻¹
n1,n3,nsn_1, n_3, n_s Drehzahl von Sonnenrad, Hohlrad bzw. Planetenträger (Steg) im Planetengetriebe min⁻¹
nann_{an} Antriebs-Drehzahl (Eingang des Getriebes) min⁻¹
nabn_{ab} Abtriebs-Drehzahl (Ausgang des Getriebes) min⁻¹
pp Teilung auf dem Teilkreis. Länge des Teilkreissegments, das einen Zahn und eine Lücke enthält. p=πmp = \pi m. mm
pep_e Eingriffsteilung. Abstand zweier in Kontakt stehender Flanken auf der Eingriffslinie. pe=πmcosαp_e = \pi m \cos \alpha. mm
PP Mechanische Leistung. P=Mtω=Mt2πn/60P = M_t \cdot \omega = M_t \cdot 2\pi n / 60. Einheit Watt. W
PanP_{an} Antriebsleistung (am treibenden Rad) W
PabP_{ab} Abtriebsleistung (am getriebenen Rad). Pab=ηPan<PanP_{ab} = \eta \cdot P_{an} < P_{an}. W
PVerlustP_{Verlust} Verlustleistung durch Reibung in Zahnkontakt und Lagern. PVerlust=PanPabP_{Verlust} = P_{an} - P_{ab}. W
rr Radius eines Zahnrads, r=d/2r = d/2. Hebelarm der Tangentialkraft im Drehmoment Mt=FtrM_t = F_t \cdot r. mm
Re,RmR_e, R_m Äussere und mittlere Teilkegellänge eines Kegelrads mm
ss Spezifisches Gleiten. s=vgleit/vrolls = v_{gleit}/v_{roll}. Am Wälzpunkt ist s=0s = 0 (reines Rollen), bei Eingriffsbeginn und Eingriffsende ist s|s| maximal. Achtung: In I.4.4 steht sws_w dagegen für die Zahndicke am Betriebswälzkreis, ein anderes ss (aus dem Kontext erkennbar). -
SS Sicherheitsfaktor. Allgemein S=R/BS = R/B (Tragfähigkeit durch Belastung). -
TT Drehmoment im Vorentwurf, identisch zu MtM_t. In den Vorentwurfs-Formeln aus der Vorlesung wird TT statt MtM_t geschrieben. Nm
T1eqT_{1eq} Belastungsäquivalentes Drehmoment am Ritzel im Vorentwurf. Nenndrehmoment multipliziert mit Anwendungsfaktor KAK_A. Nm
uu Übersetzungsverhältnis im Vorentwurf, definiert als grössere Zähnezahl durch kleinere. u=zgross/zklein1u = z_{gross}/z_{klein} \ge 1. Nicht mit ii verwechseln (das richtungsabhängig ist). -
UU Sprung an einer Schrägverzahnung. U=btanβU = b \tan \beta. Verschiebung des Eingriffs über die Zahnbreite. mm
vv Umfangsgeschwindigkeit am Teilkreis. v=ωr=ωd/2v = \omega \cdot r = \omega \cdot d/2. m/s
VV Profilverschiebung in mm. V=xmV = x \cdot m (bei Geradverzahnung) bzw. V=xmnV = x \cdot m_n (bei Schrägverzahnung). mm
xx Profilverschiebungsfaktor (dimensionslos). x>0x > 0 ergibt ein V-plus-Rad, x<0x < 0 ein V-minus-Rad, x=0x = 0 ein Nullrad. -
zz Zähnezahl. Anzahl Zähne eines Zahnrads. Ganzzahlig. Bei Innenverzahnung (Hohlrad) wird zz konventionsgemäss negativ eingesetzt. -
z1,z2z_1, z_2 Zähnezahl von Ritzel (kleiner) und Rad (grösser). Übersetzung: i=z2/z1i = z_2/z_1. -
z3z_3 Zähnezahl des Hohlrads (Innenverzahnung). Wird mit negativem Vorzeichen eingesetzt: z3<0z_3 < 0. -
zsz_s Nicht definiert. Der Steg hat keine Zähne. Nur Drehzahl nsn_s ist relevant. -
zgz_g Theoretische Grenzzähnezahl. Unterhalb davon entsteht Unterschnitt. Bei α=20°\alpha = 20°: zg=2/sin2α=17z_g = 2/\sin^2 \alpha = 17. -
zgz'_g Praktische Grenzzähnezahl. Unterhalb davon ist die Belastbarkeit deutlich reduziert. Bei α=20°\alpha = 20°: zg=14z'_g = 14. -
zgtz'_{gt} Praktische Grenzzähnezahl bei Schrägverzahnung. zgt=14cos3βz'_{gt} = 14 \cos^3 \beta. -
α\alpha Eingriffswinkel der Verzahnung (Werkzeug-Winkel). Standard α=20°\alpha = 20°. Bei Schrägverzahnung als Normaleingriffswinkel αn\alpha_n bezeichnet. °
αn\alpha_n Normaleingriffswinkel bei Schrägverzahnung. Werkzeug-Winkel. Standard αn=20°\alpha_n = 20°. °
αt\alpha_t Stirneingriffswinkel bei Schrägverzahnung. tanαt=tanαn/cosβ\tan \alpha_t = \tan \alpha_n / \cos \beta. °
αw\alpha_w Betriebseingriffswinkel bei Profilverschiebung oder Achsabstandsänderung. Bei Nullgetriebe: αw=α\alpha_w = \alpha. Allgemein: cosαw=(ad/a)cosα\cos \alpha_w = (a_d/a) \cos \alpha. °
αwt\alpha_{wt} Betriebseingriffswinkel im Stirnschnitt bei Schrägverzahnung. cosαwt=(ad/a)cosαt\cos \alpha_{wt} = (a_d/a) \cos \alpha_t. °
β\beta Schrägungswinkel der Verzahnung. Bei Geradverzahnung β=0°\beta = 0°. Einfach-Schrägverzahnung typisch β=8°20°\beta = 8° \ldots 20°, Pfeilverzahnung β=30°45°\beta = 30° \ldots 45°. °
δ,δ1,δ2\delta, \delta_1, \delta_2 Teilkegelwinkel eines Kegelrads (allgemein δ\delta; konkret δ1\delta_1 für das treibende, δ2\delta_2 für das getriebene Kegelrad). Summe δ1+δ2=Σ\delta_1 + \delta_2 = \Sigma. °
εα\varepsilon_\alpha Profilüberdeckung. εα=gα/pe\varepsilon_\alpha = g_\alpha / p_e. Mittlere Anzahl Zahnpaare im Eingriff. Praxis: 1,3εα<1,61{,}3 \le \varepsilon_\alpha < 1{,}6 Industriestandard. -
εβ\varepsilon_\beta Sprungüberdeckung bei Schrägverzahnung. εβ=bsinβ/(πmn)\varepsilon_\beta = b \sin \beta / (\pi m_n). -
εγ\varepsilon_\gamma Gesamtüberdeckung. εγ=εα+εβ\varepsilon_\gamma = \varepsilon_\alpha + \varepsilon_\beta. -
η\eta Wirkungsgrad. η=Pab/Pan<1\eta = P_{ab}/P_{an} < 1. Stirnrad 0,90...0,99; Kegelrad 0,90...0,98; Schraubrad 0,50...0,95; Schneckenrad 0,20...0,97. -
μ\mu Reibwert in der Zahnflanke -
π\pi Kreiszahl 3,14159\approx 3{,}14159 -
σF\sigma_F Zahnfussspannung (Biegespannung am Zahnfuss). Im Vorentwurf wird auf σFlim\sigma_{F\lim} ausgelegt. N/mm²
σFlim\sigma_{F\lim} Zahnfussdauerfestigkeit des Werkstoffs. Tabellenwert je nach Werkstoff und Wärmebehandlung. Für 16MnCr5 einsatzgehärtet: σFlim310525N/mm2\sigma_{F\lim} \approx 310 \ldots 525\,\text{N/mm}^2. N/mm²
σH\sigma_H Hertzsche Pressung an der Zahnflanke. Skaliert mit der Wurzel der Kraft (Linienkontakt). N/mm²
σHlim\sigma_{H\lim} Zahnflankendauerfestigkeit des Werkstoffs. Für 16MnCr5 einsatzgehärtet: σHlim13001650N/mm2\sigma_{H\lim} \approx 1300 \ldots 1650\,\text{N/mm}^2. N/mm²
Σ\Sigma Achsenwinkel zwischen zwei Kegelrädern. Häufig Σ=90°\Sigma = 90°. °
Σx\Sigma x Summe der Profilverschiebungsfaktoren beider gepaarter Räder: Σx=x1+x2\Sigma x = x_1 + x_2. Entscheidet, ob V-Getriebe (Σx0\Sigma x \neq 0) oder V-Null-Getriebe (Σx=0\Sigma x = 0). -
ψd\psi_d Breiten-Durchmesser-Verhältnis. ψd=b/d1\psi_d = b/d_1. Erfahrungswert ψd0,200,35\psi_d \approx 0{,}20 \ldots 0{,}35 deckt ca. 90 % der Anwendungen ab. -
ω\omega Winkelgeschwindigkeit. ω=2πn/60\omega = 2\pi n / 60. Einheit rad/s. rad/s
ω1,ω2\omega_1, \omega_2 Winkelgeschwindigkeit des treibenden bzw. getriebenen Rads rad/s
KAK_A Anwendungsfaktor im vollen Festigkeitsnachweis (berücksichtigt Stösse aus Maschinen-Anwendung) -
KVK_V Dynamikfaktor (berücksichtigt innere Dynamik aus Verzahnungs-Ungenauigkeit) -
KFβ,KHβK_{F\beta}, K_{H\beta} Faktoren für die Lastverteilung über die Breite (Zahnfuss bzw. Zahnflanke) -
KFα,KHαK_{F\alpha}, K_{H\alpha} Faktoren für die Lastverteilung im Eingriff (Zahnfuss bzw. Zahnflanke) -
YF,YS,YβY_F, Y_S, Y_\beta Geometrie-Faktoren im Zahnfuss-Nachweis (Zahnformfaktor, Kerbwirkungsfaktor, Schrägungsfaktor) -
ZH,ZE,ZεZ_H, Z_E, Z_\varepsilon Geometrie- und Werkstoff-Faktoren im Zahnflanken-Nachweis (Zonenfaktor, Elastizitätsfaktor, Überdeckungsfaktor) -