II.1.1 Aufgabe einer Welle-Nabe-Verbindung

Stell dir den Antriebsstrang einer Schweizer Standseilbahn vor. Ein Elektromotor liefert ein Drehmoment, ein Getriebe übersetzt es, eine Bremstrommel hält das ganze System sicher. Zwischen jeder dieser Einheiten endet eine Welle und beginnt das nächste Bauteil. Wie kommt die Drehleistung von der Welle auf das Zahnrad, ohne dass die beiden gegeneinander rutschen?

Genau diese Schnittstelle nennt sich Welle-Nabe-Verbindung (kurz WNV). Sie ist eine gestalterische Lösung, die ein Drehmoment MtM_t zwischen einer Welle (zentrales, rotierendes Bauteil) und einer Nabe (das aufgesetzte Bauteil mit Bohrung, z. B. Zahnrad, Riemenscheibe, Kupplungshälfte) überträgt.

Wo treffe ich WNV? Praktisch an jeder Stelle eines Antriebsstrangs, an der ein rotierendes Bauteil auf einer Welle sitzt. Klassische Stellen: Zahnrad auf Getriebewelle, Kupplungshälfte auf Motorwelle, Riemenscheibe auf Pumpenwelle, Bremstrommel auf Antriebswelle. Eine Maschine mit drei Wellen und zwölf rotierenden Bauteilen hat zwölf Welle-Nabe-Verbindungen, und alle müssen sicher das geforderte Drehmoment übertragen.

Welche Aufgaben hat sie zusätzlich? Über die reine Drehmoment-Übertragung hinaus muss eine WNV häufig auch Axialkräfte FaF_a aufnehmen (z. B. die Axialschübe eines Schrägstirnrads), die Nabe radial zentrieren (gute Rundlauf-Qualität für die Verzahnung), und sie soll wirtschaftlich herstellbar und montierbar sein.

Definition Welle-Nabe-Verbindung
Gestalterische Lösung, die ein Drehmoment MtM_t zwischen Welle und Nabe überträgt.
Merke Drei Aufgaben: Drehmoment übertragen, Axialkräfte aufnehmen, Nabe zentrieren.
Definition Nabe
Das aufgesetzte Bauteil mit Bohrung (Zahnrad, Riemenscheibe, Kupplung). Sitzt auf der Welle und wird über die WNV mit ihr verkoppelt.

II.1.2 Die drei Schlussarten

Wenn du dir die Schnittstelle zwischen Welle und Nabe genauer ansiehst, gibt es drei grundsätzlich unterschiedliche Wege, ein Drehmoment durchzuleiten. Sie unterscheiden sich darin, welche physikalische Wirkung den Kraftfluss von Welle zu Nabe trägt.

Schlussart Wirkprinzip Beispiele
Formschluss Eine Mitnehmer-Geometrie greift formschlüssig ineinander. Das Drehmoment wird über Anlageflächen weitergegeben. Bedingung pzul>p=F/Ap_{zul} > p = F/A. Passfeder, Keilwelle, Zahnwelle, Polygonprofil, Längsstift, Querstift
Reibschluss Eine durch Aufpressen oder Aufklemmen erzeugte Normalkraft erzeugt Reibung. Das Drehmoment wird über FR=μFNF_R = \mu \cdot F_N übertragen. Auch Kraftschluss genannt. Zylindrischer Pressverband (ZPV), Kegelpressverband (KPV), Kegelspannelemente, Schrumpfscheibe, Klemmverbindung
Stoffschluss Die Werkstoffe von Welle und Nabe werden stofflich miteinander verbunden. Das Drehmoment wird über die Bruch- oder Schubfestigkeit der Fügeschicht übertragen. Schweissen, Löten, Kleben
Die drei Schlussarten einer Welle-Nabe-Verbindung (V04 Slide 3).
Definition Formschluss
Drehmoment wird über eine Mitnehmer-Geometrie (Anlageflächen) übertragen. Bedingung: pzul>F/Ap_{zul} > F/A.
Definition Reibschluss
Drehmoment wird über die Reibkraft FR=μFNF_R = \mu \cdot F_N übertragen. Eine Vorspannung erzeugt die Normalkraft. Auch Kraftschluss.
Definition Stoffschluss
Welle und Nabe werden stofflich verbunden (Schweissen, Löten, Kleben). Drehmoment-Übertragung über die Fügeschicht.

II.1.3 Wahl-Kriterien für eine WNV

Welche Schlussart die richtige ist, entscheidet sich an wenigen Praxis-Fragen. Drei davon sind so zentral, dass sie in fast jeder Klausur-Aufgabe explizit oder implizit gestellt werden: Wie hoch ist das Drehmoment? Soll die Verbindung lösbar sein? Wie wirtschaftlich muss es gehen?

Kriterium Antwort Empfehlung
Drehmoment-Grösse klein bis mittel Passfeder (einfach, günstig)
Drehmoment-Grösse hoch bis sehr hoch Keilwelle, ZPV, KPV (mehr Tragfläche oder Reibfläche)
Lösbarkeit lösbar gewünscht Passfeder, KPV (über Mutter), Klemmverbindung
Lösbarkeit dauerhaft unlösbar OK ZPV (Übermass), Schweissverbindung
Rundlauf-Genauigkeit hoch ZPV, KPV, innenzentrierte Keilwelle
Rundlauf-Genauigkeit moderat Passfeder, flankenzentrierte Keilwelle
Drei typische Wahl-Kriterien und ihre Tendenz.
Merke Drei Kern-Fragen: wie viel Drehmoment, lösbar oder nicht, wie genau muss die Nabe rundlaufen.

II.2.1 Passfeder nach DIN 6885

Stell dir vor, du willst ein Zahnrad auf eine Welle aufstecken und mit ihr drehfest verbinden. Eine elegante und einfache Methode: du fräst eine Nut längs in die Welle, eine zweite längs in die Nabe-Bohrung, und legst ein passgenaues quaderförmiges Stahlstück (die Passfeder) zwischen die zwei Nuten. Das Drehmoment fliesst nun über die Seitenflächen der Passfeder von der Welle auf die Nabe.

Die genormte Bauform ist DIN 6885. Eine Kurzschreibweise wie „DIN 6885 - A - 10 × 8 × 32“ definiert: Form A, Breite b=10mmb = 10\,\text{mm}, Höhe h=8mmh = 8\,\text{mm}, Länge l=32mml = 32\,\text{mm}.

Form Stirn-Geometrie Folge für die Länge
Form A rundstirnig (Halbkreise an beiden Enden) ltr=lbl_{tr} = l - b (die runden Stirnseiten zählen nicht zur Tragfläche)
Form B geradestirnig (Quader mit flachen Enden) ltr=ll_{tr} = l (komplette Länge trägt, wenn die Nabenlänge ausreicht)
Zwei Bauformen der Passfeder DIN 6885.
Definition Passfeder
Quaderförmiges Stahlstück, das zwischen Wellen-Nut und Naben-Nut liegt und das Drehmoment formschlüssig überträgt.
Merke DIN 6885 - X - b × h × l mit Form X{A,B}X \in \{A, B\}, Breite bb, Höhe hh, Länge ll.
Formel Tragende Länge
ltr={lbForm AlForm Bl_{tr} = \begin{cases} l - b & \text{Form A} \\ l & \text{Form B} \end{cases}
Die runden Stirnseiten der Form A tragen nicht.

II.2.2 Pressung an der Passfeder

Das Drehmoment MtM_t wird an der Passfeder durch eine Tangentialkraft Ft=2Mt/dF_t = 2\,M_t/d umgesetzt. Diese Kraft drückt die Passfeder gegen ihre Anlagefläche an der Welle bzw. an der Nabe, und erzeugt dort eine mittlere Flächenpressung pmp_m. Damit der Werkstoff nicht eingedrückt wird, muss diese Pressung kleiner sein als die zulässige Pressung.

!
II.2.2.1 Tangentialkraft an der Passfeder
Ft  =  2MtdF_t \;=\; \frac{2\,M_t}{d}
MtM_t ist das übertragene Drehmoment, dd der Wellendurchmesser am Sitz der Passfeder. Faktor 22 kommt aus dem Hebel: das Drehmoment greift mit Hebelarm d/2d/2 an.
!!!
II.2.2.2 Mittlere Pressung an der Passfeder
pm  =  2Mtd(ht1)ltrp_m \;=\; \frac{2\,M_t}{d \cdot (h - t_1) \cdot l_{tr}}
Die tragende Fläche ist A=(ht1)ltrA = (h - t_1) \cdot l_{tr}: der über die Welle herausragende Anteil der Passfeder (ht1h - t_1) mal der tragende Länge. Der Wellendurchmesser dd erscheint, weil Ft=2Mt/dF_t = 2 M_t/d als Tangentialkraft eingesetzt wird.

Umstellung nach MtM_t. In Aufgaben ist oft die zulässige Pressung gegeben und das maximal übertragbare Drehmoment gesucht. Die Formel umgestellt lautet:

!!
II.2.2.3 Maximales übertragbares Drehmoment
Mt  =  12pmd(ht1)ltrM_t \;=\; \tfrac{1}{2}\,p_m \cdot d \cdot (h - t_1) \cdot l_{tr}
Mit pm=pzulp_m = p_{zul} (typischerweise aus Re/SFR_e/S_F am Nabenwerkstoff) bekommst du das maximale Drehmoment, das die Verbindung sicher überträgt, bevor die Nabe oder die Passfeder zu fliessen beginnt.
Formel Pressung
pm=2Mtd(ht1)ltrp_m = \dfrac{2\,M_t}{d\,(h-t_1)\,l_{tr}}
Grundformel der Passfederverbindung.
Definition pzulp_{zul}
Zulässige Pressung des Nabenwerkstoffs: pzul=Re/SFp_{zul} = R_e/S_F. Für Stahl typisch SF=1,11,5S_F = 1{,}1\ldots 1{,}5.
Merke Reicht ppzulp \le p_{zul}? Wenn ja, hält die Verbindung. Wenn nein, längere Passfeder, mehrere Passfedern oder andere Bauform wählen.

II.2.3 Keilwelle: viele Mitnehmer parallel

Wenn eine einzelne Passfeder das Drehmoment nicht mehr trägt, ist der nächste Schritt eine Keilwelle. Statt eines einzelnen Mitnehmers fräst man mehrere Mitnehmer-Zähne (auch Keile) direkt in den Wellenabschnitt. Die Nabe bekommt eine passende Innenverzahnung. Das Drehmoment verteilt sich nun auf alle Keile gleichzeitig.

Eine typische Keilwelle hat n=6,8n = 6, 8 oder 1010 Keile. Die Geometrie ist genormt: Aussendurchmesser DD (vom Wellenzentrum bis zur Keilflanke aussen), Innendurchmesser dd (vom Zentrum bis zum Kerbgrund zwischen den Keilen), Keilbreite bb, Nutenlänge LNL_N in der Nabe.

!!
II.2.3.1 Tragende Gesamtfläche der Keilwelle
A  =  ltrhtrnφA \;=\; l_{tr} \cdot h_{tr} \cdot n \cdot \varphi
ltr=LNl_{tr} = L_N (Nutenlänge der Nabe), htr0,4(Dd)h_{tr} \approx 0{,}4\,(D-d) (tragende Höhe pro Keil-Flanke), nn Anzahl Keile, φ\varphi Tragfaktor (siehe unten).

Zwei Zentrierungsarten. Eine Keilwelle muss nicht nur das Drehmoment übertragen, sondern die Nabe auch radial zentrieren. Es gibt zwei Wege, das zu tun:

Zentrierungsart Spielsitz Folge
Innenzentrierung Spiel an den Flanken, kein Spiel am Innendurchmesser sehr genauer Rundlauf, Tragfaktor φ=0,75\varphi = 0{,}75
Flankenzentrierung Spiel am Innendurchmesser, kein Spiel an den Flanken unempfindlich gegen Stösse, φ=0,9\varphi = 0{,}9
Innenzentrierung und Flankenzentrierung im Vergleich (V04 Slide 13).
Definition Keilwelle
Wellenabschnitt mit mehreren Mitnehmer-Zähnen (Keilen) am Umfang. Nabe hat passende Innenverzahnung.
Formel Tragfaktor φ\varphi
φ{0,75, 0,9}\varphi \in \{0{,}75,\ 0{,}9\}
0,750{,}75 innenzentriert, 0,90{,}9 flankenzentriert.
Merke Vorteil: mehrere Mitnehmer parallel, höheres MtM_t als bei einer einzelnen Passfeder.

II.2.4 Pressung an der Keilwelle

Das Drehmoment MtM_t erzeugt am mittleren Reibradius dm/2=(D+d)/4d_m/2 = (D+d)/4 eine Tangentialkraft, die auf die tragende Gesamtfläche AA verteilt wird. Daraus folgt die mittlere Pressung.

!
II.2.4.1 Tangentialkraft am mittleren Durchmesser
Ft  =  2Mtdm  =  4MtD+dF_t \;=\; \frac{2\,M_t}{d_m} \;=\; \frac{4\,M_t}{D+d}
Drehmoment MtM_t mal Hebelarm 2/(D+d)2/(D+d). Der mittlere Durchmesser dmd_m ergibt sich als arithmetisches Mittel aus Aussen- und Innendurchmesser.
!!!
II.2.4.2 Mittlere Pressung an der Keilwelle
pm  =  10Mt(D+d)LN(Dd)nφp_m \;=\; \frac{10\,M_t}{(D+d)\,L_N\,(D-d)\,n\,\varphi}
Vereinfachung mit htr=0,4(Dd)h_{tr} = 0{,}4\,(D-d) und ltr=LNl_{tr} = L_N eingesetzt. Der Faktor 1010 kommt aus 20,4211=104\frac{2}{0{,}4 \cdot 2} \cdot \frac{1}{1} = \frac{10}{4} in der Bruchstruktur. Setze MtM_t in Nmm, alle Längen in mm.

Umstellung nach MtM_t. Wenn die zulässige Pressung vorgegeben ist:

!!
II.2.4.3 Maximales übertragbares Drehmoment
Mt  =  110pm(D+d)LN(Dd)nφM_t \;=\; \tfrac{1}{10}\,p_m\,(D+d)\,L_N\,(D-d)\,n\,\varphi
Setze pm=pzulp_m = p_{zul} und alle Werte in mm. Ergebnis in Nmm, durch 1000 dividieren für Nm.
Formel Keilwellen-Pressung
pm=10Mt(D+d)LN(Dd)nφp_m = \dfrac{10\,M_t}{(D+d)\,L_N\,(D-d)\,n\,\varphi}
Grundformel.
Merke Faktor 1010 ist die Konstante aus htr=0,4(Dd)h_{tr} = 0{,}4\,(D-d). Nicht selbst herleiten, einfach merken.

II.3.1 Zylindrischer Pressverband (ZPV)

Stell dir eine glatte Welle vor, die du in eine glatte Bohrung pressen willst. Wenn der Wellendurchmesser geringfügig grösser ist als der Bohrungsdurchmesser (dWelle>DNabed_\text{Welle} > D_\text{Nabe}, ein sogenanntes Übermass), entsteht beim Aufpressen eine Pressung pp am Kontakt. Diese Pressung ist die Normalkraft pro Fläche, sie erzeugt eine Reibkraft FR=μFNF_R = \mu \cdot F_N, und über diese Reibkraft wird das Drehmoment übertragen.

Diese Bauform heisst Zylindrischer Pressverband (ZPV). Sie hat keinen Mitnehmer, keine Nut, keine Kerbe, sondern nur eine glatte Übermasspassung. Sie überträgt sehr hohe Drehmomente und gleichzeitig auch Axialkräfte.

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II.3.1.1 Tangentialkraft aus dem Drehmoment
Ft,max  =  2Mt,maxdF_{t,\max} \;=\; \frac{2\,M_{t,\max}}{d}
Maximale Umfangskraft an der Welle-Nabe-Fuge, die das gewünschte Drehmoment erzeugt.
!!
II.3.1.2 Resultierende Reibkraft an der Fuge
Fres,max  =  Ft,max2+Fa,max2F_{res,\max} \;=\; \sqrt{F_{t,\max}^2 + F_{a,\max}^2}
Wenn die Verbindung neben dem Drehmoment auch eine Axialkraft FaF_a aufnimmt, wirkt die Reibkraft in zwei Richtungen gleichzeitig. Beide Komponenten werden quadratisch addiert. Bei reinem Drehmoment ohne Axialkraft: Fres=FtF_{res} = F_t.
!!!
II.3.1.3 Erforderliche Pressung im ZPV
perf  =  Fres,maxμπdltrp_{erf} \;=\; \frac{F_{res,\max}}{\mu \cdot \pi \cdot d \cdot l_{tr}}
Die Reibfläche ist die Mantelfläche πdltr\pi \cdot d \cdot l_{tr}, der Reibwert μ\mu und die Pressung erzeugen zusammen die maximale Reibkraft.
Definition ZPV
Zylindrischer Pressverband. Welle wird mit Übermass in die Nabe gepresst, Reibung überträgt das Drehmoment.
Formel Erforderliche Pressung
perf=Fresμπdltrp_{erf} = \dfrac{F_{res}}{\mu\,\pi\,d\,l_{tr}}
Reibfläche ist Mantelfläche πdltr\pi\,d\,l_{tr}.
Merke Vorteil: keine Kerbwirkung an der Welle, sehr gut für Wechsel-/Dauerbelastung.

II.3.2 Kegelpressverband (KPV)

Statt einer zylindrischen Welle in einer zylindrischen Bohrung kannst du auch einen kegeligen Wellenabschnitt in eine entsprechend kegelige Bohrung stecken und stirnseitig per Schraube oder Mutter axial zusammenziehen. Das Anziehen erzeugt eine Pressung an der Kontaktfläche, ganz analog zur ZPV, jetzt aber an einer geneigten Fläche.

Diese Bauform heisst Kegelpressverband (KPV). Im Unterschied zur ZPV ist sie lösbar und nachstellbar: einfach Mutter lockern, Wellenabschnitt herausziehen, sauber wieder einsetzen und mit anderem Anzugsmoment fest spannen.

!
II.3.2.1 Mittlerer Fugendurchmesser
DmF  =  D1+D22D_{mF} \;=\; \frac{D_1 + D_2}{2}
D1D_1 grosser Durchmesser am dicken Ende, D2D_2 kleiner Durchmesser am dünnen Ende. Die Pressung wird in Formeln an diesem mittleren Durchmesser ausgewertet.
!!
II.3.2.2 Geometrische Beziehung Kegelwinkel zu Länge
tan ⁣(α2)  =  D1D22l\tan\!\left(\tfrac{\alpha}{2}\right) \;=\; \frac{D_1 - D_2}{2\,l}
Bei einem Kegelverhältnis von 1:101:10 entspricht das einem halben Kegelwinkel von α/22,85°\alpha/2 \approx 2{,}85°, also Kegelwinkel α5,7°\alpha \approx 5{,}7°. Die Vorlesung benutzt das Verhältnis 1:101:10 als Standard für gut nachstellbare KPV.
!!!
II.3.2.3 Erforderliche Pressung im KPV
perf  =  2cos(α/2)Mt,maxμπDmF2lp_{erf} \;=\; \frac{2\,\cos(\alpha/2)\,M_{t,\max}}{\mu \cdot \pi \cdot D_{mF}^2 \cdot l}
Der Faktor cos(α/2)\cos(\alpha/2) projiziert die Normalkraft aus der schrägen Kontaktfläche auf die radiale Komponente. Bei kleinen Kegelwinkeln ist cos(α/2)1\cos(\alpha/2) \approx 1, deshalb gleicht die Formel fast der ZPV-Pressungsformel.
Definition KPV
Kegelpressverband. Kegelige Welle, kegelige Bohrung, stirnseitige Schraube oder Mutter zieht beide zusammen.
Formel Mittlerer Fugendurchmesser
DmF=(D1+D2)/2D_{mF} = (D_1+D_2)/2
Auswertungs-Durchmesser für die Pressung.
Merke Lösbar und nachstellbar. Hauptvorteil gegenüber der ZPV.

II.3.3 Reibwerte und Wahl zwischen ZPV und KPV

Beide reibschlüssigen Bauformen leben vom Reibwert μ\mu an der Kontaktfläche. Der Reibwert ist keine Materialeigenschaft allein, sondern hängt von Reibpaarung, Oberflächenqualität, Schmierungs-Zustand und Lastgeschichte ab.

Reibpaarung Zustand μ\mu (typisch)
Stahl auf Stahl trocken 0,100,200{,}10\ldots 0{,}20
Stahl auf Stahl leicht geölt 0,050,120{,}05\ldots 0{,}12
Stahl auf Gussstahl trocken 0,100,150{,}10\ldots 0{,}15
Typische Reibwerte μ\mu für reibschlüssige WNV.
Kriterium ZPV KPV
Erzeugung der Pressung Übermasspassung Stirnseitige Schraube oder Mutter
Lösbarkeit praktisch nicht lösbar lösbar und nachstellbar
Kosten relativ kostengünstig relativ teuer (Fertigung kegelig)
Wahl zwischen ZPV und KPV.
Merke Drei Reib-Stellschrauben: Reibpaarung, Oberflächenzustand, Schmierung. Im Zweifel konservativ wählen.
Querverweis Aufgaben
↳ Aufgabe 6.3 ZPV Pressung

II.4.1 Achse vs Welle

Im Alltag werden „Achse“ und „Welle“ oft synonym gebraucht, im Maschinenbau gibt es einen klaren Unterschied. Beide sind zylindrische Bauteile, beide tragen Lasten, aber nur eines davon überträgt ein Drehmoment.

Eigenschaft Achse Welle
Trägt Last (Biegung, Querkraft) ja ja
Leitet Drehmoment MtM_t nein ja
Typisches Beispiel Radachse eines Anhängers Antriebswelle eines Getriebes
Achse und Welle (V05 Slides 13 ff.).
Definition Achse
Trägt Last (meist Biegung), leitet kein Drehmoment.
Definition Welle
Trägt Last und leitet ein Drehmoment MtM_t zwischen Antrieb und Abtrieb.

II.4.2 Normalspannung σ und Schubspannung τ

Wenn du eine Welle innerlich schneidest, treten an der Schnittfläche zwei Arten von Spannungen auf, die sich durch ihre Wirkrichtung unterscheiden.

Spannungs-Art Wirkrichtung Verursacht durch
Normalspannung σ\sigma senkrecht zur Schnittfläche Zug, Druck, Biegung
Schubspannung τ\tau parallel zur Schnittfläche Querkraft, Torsion
Zwei Spannungs-Arten an einem Schnitt durch die Welle.
Definition Normalspannung σ\sigma
Wirkt senkrecht zur Schnittfläche. Z. B. Zug, Druck, Biegung.
Definition Schubspannung τ\tau
Wirkt parallel zur Schnittfläche. Z. B. Torsion, Querkraft.
Merke Normal und Schub sind nicht direkt addierbar. Vergleichsspannung σv\sigma_v verbindet sie.

II.4.3 Biegung: Biegemoment und Biegespannung

Wirkt eine Querkraft FF am freien Ende einer einseitig eingespannten Achse, biegt sich die Achse durch, und in den Randfasern entstehen Zug- bzw. Druckspannungen. In der Mitte (auf der neutralen Faser) ist die Spannung null.

!
II.4.3.1 Biegemoment im Schnitt
Mb  =  FzM_b \;=\; F \cdot z
FF ist die Querkraft, zz der Hebelarm vom Lasteinleitungspunkt bis zur Schnittstelle. Bei einer einseitig eingespannten Achse ist MbM_b an der Einspannung maximal.
!!!
II.4.3.2 Biegespannung in der Randfaser
σb  =  MbWb\sigma_b \;=\; \frac{M_b}{W_b}
WbW_b ist das axiale Widerstandsmoment des Querschnitts. Es hängt nur von der Form und Grösse des Querschnitts ab, nicht vom Werkstoff.
!!
II.4.3.3 Widerstandsmoment kreisförmiger Vollquerschnitt
Wb  =  πd332W_b \;=\; \frac{\pi\,d^3}{32}
Für die runde Welle mit Durchmesser dd. Wächst mit der dritten Potenz, also doppelter Durchmesser ergibt 88-fache Biegesteifigkeit.
!!
II.4.3.4 Widerstandsmoment Hohlquerschnitt
Wb  =  π32D4d4DW_b \;=\; \frac{\pi}{32}\,\frac{D^4 - d^4}{D}
DD Aussendurchmesser, dd Innendurchmesser der Hohlwelle. Notations-Wechsel: in II.2 war dd die Welle und DD die Nabe, hier ist DD der Aussendurchmesser und dd der Innendurchmesser. Aus dem Kontext lesen.
Formel Biegespannung
σb=Mb/Wb\sigma_b = M_b/W_b
Aus Biegemoment und Widerstandsmoment.
Formel WbW_b Vollwelle
Wb=πd3/32W_b = \pi\,d^3/32
Kreisförmiger Vollquerschnitt.
Definition Neutrale Faser
Bereich in der Querschnitts-Mitte, in dem die Biegespannung null ist.

II.4.4 Torsion: Torsionsmoment und Torsionsspannung

Wenn an einer einseitig eingespannten Welle ein Kräftepaar ±F/2\pm F/2 am freien Ende wirkt, verdreht sich die Welle um ihre Längsachse. Das übertragene Torsionsmoment ist konstant zwischen Lasteinleitung und Einspannung, und in den Aussenfasern entstehen Schubspannungen τt\tau_t, die nach aussen hin maximal werden.

!
II.4.4.1 Torsionsmoment aus Kräftepaar
Mt  =  FrM_t \;=\; F \cdot r
FF ist die Tangentialkraft am Hebelarm, rr der Hebelarm vom Drehzentrum. Bei einer Zahnradkraft ist r=d/2r = d/2.
!!!
II.4.4.2 Torsionsspannung in der Randfaser
τt  =  MtWt\tau_t \;=\; \frac{M_t}{W_t}
WtW_t ist das polare Widerstandsmoment. Auch hier hängt es nur von Form und Grösse ab, nicht vom Werkstoff.
!!
II.4.4.3 Widerstandsmoment kreisförmiger Vollquerschnitt
Wt  =  πd316W_t \;=\; \frac{\pi\,d^3}{16}
Doppelt so gross wie das axiale Widerstandsmoment, weil bei Torsion die ganze Aussenfaser gleichmässig trägt und nicht nur Zug- bzw. Druckseite.
!!
II.4.4.4 Widerstandsmoment Hohlquerschnitt
Wt  =  π16D4d4DW_t \;=\; \frac{\pi}{16}\,\frac{D^4 - d^4}{D}
Auch hier DD Aussendurchmesser, dd Innendurchmesser.
Formel Torsionsspannung
τt=Mt/Wt\tau_t = M_t/W_t
Aus Torsionsmoment und polarem Widerstandsmoment.
Formel WtW_t Vollwelle
Wt=πd3/16W_t = \pi\,d^3/16
Polares Widerstandsmoment.
Merke Hohlwelle gewinnt bei gleicher Masse die Formsteifigkeit. Faktor 3 bis 4 in der zulässigen Last.

II.4.5 Vergleichsspannung σᵥ (GEH)

Wirken Biegung und Torsion gleichzeitig an einer Welle, entstehen am Querschnitt zur selben Zeit eine Normalspannung σb\sigma_b und eine Schubspannung τt\tau_t. Diese beiden lassen sich nicht direkt zu einer Gesamtspannung addieren, weil sie verschieden wirken und der Werkstoff sie auch unterschiedlich gut ertragen kann. Stattdessen wird eine Vergleichsspannung σv\sigma_v berechnet, die mit den Tabellenwerten direkt vergleichbar ist.

!!!
II.4.5.1 Vergleichsspannung nach der Gestaltänderungsenergie-Hypothese
σv  =  σb2+3τt2\sigma_v \;=\; \sqrt{\sigma_b^2 + 3\,\tau_t^2}
Auch von-Mises-Spannung genannt. Diese Hypothese gilt für duktile Werkstoffe (typische Baustähle und Vergütungsstähle). Der Faktor 33 vor τt2\tau_t^2 ist GEH-spezifisch und kommt aus der Energie-Betrachtung des Spannungszustands.
Hypothese Formel Werkstoff
GEH (von Mises) σv=σ2+3τ2\sigma_v = \sqrt{\sigma^2 + 3\,\tau^2} duktil (Standard für Stahl)
SH (Tresca) σv=σ2+4τ2\sigma_v = \sqrt{\sigma^2 + 4\,\tau^2} duktil, konservativ
NH (Rankine) σv=0,5(σ+σ2+4τ2)\sigma_v = 0{,}5\,(\sigma + \sqrt{\sigma^2 + 4\,\tau^2}) spröde (Gussseisen, Keramik)
Drei Vergleichsspannungs-Hypothesen (V05 Slide 36).

Mit Kerbwirkung. Wenn die Welle eine Kerbe trägt (Wellenabsatz, Ringnut, Passfedernut), werden die Nennspannungen mit den Kerbformzahlen αk,b\alpha_{k,b} und αk,t\alpha_{k,t} multipliziert, bevor die Vergleichsspannung berechnet wird:

!!
II.4.5.2 Vergleichsspannung an einer Kerbe
σv,max  =  (αk,bσb)2+3(αk,tτt)2\sigma_{v,\max} \;=\; \sqrt{(\alpha_{k,b}\,\sigma_b)^2 + 3\,(\alpha_{k,t}\,\tau_t)^2}
Die zwei Kerbformzahlen wirken getrennt auf die jeweilige Komponente, weil eine Kerbe Biegespannung und Schubspannung unterschiedlich stark erhöht.
Formel Vergleichsspannung GEH
σv=σb2+3τt2\sigma_v = \sqrt{\sigma_b^2 + 3\,\tau_t^2}
Standard für Stahl-Wellen.
Merke Kerbformzahlen werden vor der Wurzel angelegt, getrennt auf σb\sigma_b und τt\tau_t.

II.5.1 Werkstoffkennwerte und Index-Konvention

Die Festigkeit eines Stahls wird durch zwei statische und drei dynamische Kennwerte beschrieben. Statisch: Streckgrenze ReR_e (Beginn des Fliessens) und Zugfestigkeit RmR_m (maximale Spannung vor dem Bruch). Dynamisch: σzd,WN\sigma_{zd,WN} für Zug-/Druck-Wechsel, σb,WN\sigma_{b,WN} für Biegewechsel und τt,WN\tau_{t,WN} für Torsionswechsel.

Stahlsorte ReR_e in N/mm² τt,WN\tau_{t,WN} in N/mm²
S235JR 235 105
S275JR 275 125
S355JR 355 150
E295 295 145
E335 335 180
E360 360 205
Werkstoffkennwerte bei dN=16mmd_N = 16\,\text{mm} (Auszug aus TB 1-1).

Verwendung der Kennwerte. Statische ReR_e und RmR_m werden für Vergleichsspannungs-Tests bei einmaliger Überlast verwendet. Dynamische σb,WN\sigma_{b,WN} und τt,WN\tau_{t,WN} werden für die Vordimensionierung von Wellen unter Wechselbelastung verwendet.

Definition ReR_e
Streckgrenze. Spannung am Übergang elastisch zu plastisch.
Definition RmR_m
Zugfestigkeit. Maximale Spannung vor der Einschnürung.
Definition Rp0,2R_{p0{,}2}
0{,}2\%-Dehngrenze. Ersatz für ReR_e bei Werkstoffen ohne ausgeprägte Streckgrenze.
Merke Index-Schema: Spannungs-Art + Belastung (W/Sch) + Zustand (N=Norm).

II.5.2 Sicherheitskonzept

Ein Bauteil hält, wenn die Festigkeit RR grösser ist als die Belastung BB. Theoretisch wäre R=BR = B ideal: das Bauteil ist maximal ausgenutzt, kein Gramm wird verschenkt. In der Praxis darf RR nie nur knapp grösser als BB sein, weil Werkstoff, Geometrie und Belastung in der Realität streuen.

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II.5.2.1 Sicherheitsfaktor
S  =  RB  =  ertragbare Spannungvorhandene SpannungS \;=\; \frac{R}{B} \;=\; \frac{\text{ertragbare Spannung}}{\text{vorhandene Spannung}}
Drei typische Sicherheits-Varianten: SFS_F gegen Fliessen (statisch), SDS_D gegen Dauerbruch (Wechselbelastung), SBS_B gegen Bruch (spröde).
Phase der Auslegung Bemerkung SS
Vordimensionierung Nur grobe Geometrie bekannt, viele Einflüsse noch unklar 343\ldots 4
Festigkeitsnachweis Genaue Geometrie, Kerben, Oberfläche bekannt 1,22,51{,}2\ldots 2{,}5
Typische Sicherheits-Werte (V05 Slide 11).
Formel Sicherheitsfaktor
S=R/BS = R/B
Festigkeit pro Belastung.
Definition SFS_F
Sicherheit gegen Fliessen, statisch.
Definition SDS_D
Sicherheit gegen Dauerbruch, Wechselbelastung.

II.5.3 Mindestdurchmesser einer Welle

Beim ersten Entwurf einer Welle hilft eine Faustrechnung. Aus der Torsionsspannungs-Formel τt=16Mt/(πd3)\tau_t = 16\,M_t/(\pi\,d^3) und der zulässigen Torsionsspannung lässt sich der minimal nötige Durchmesser direkt herleiten.

!!
II.5.3.1 Zulässige Torsionsspannung bei Vordimensionierung
τt,zul  =  τt,WNSD\tau_{t,zul} \;=\; \frac{\tau_{t,WN}}{S_D}
τt,WN\tau_{t,WN} aus der Werkstoff-Tabelle (z. B. E295: τt,WN=145N/mm2\tau_{t,WN} = 145\,\text{N/mm}^2). SD=34S_D = 3\ldots 4 für die Vordimensionierung.
!!!
II.5.3.2 Mindestdurchmesser
dmin  =  16Mtπτt,zul3d_{\min} \;=\; \sqrt[3]{\frac{16\,M_t}{\pi\,\tau_{t,zul}}}
Aus τt=16Mt/(πd3)\tau_t = 16\,M_t/(\pi\,d^3) nach dd umgestellt. Setze MtM_t in Nmm, dann kommt dmind_{\min} in mm.
Formel Mindestdurchmesser
dmin=16Mt/(πτt,zul)3d_{\min} = \sqrt[3]{16\,M_t/(\pi\,\tau_{t,zul})}
Vordimensionierung der Welle.
Merke Vordimensionierung nur über Torsion, Biegung kommt im Nachweis dazu.

II.5.4 Kerbwirkung und Kerbformzahl αₖ

Sobald die Welle eine geometrische Unstetigkeit hat, einen Wellenabsatz, eine Ringnut, eine Passfedernut, eine Bohrung, ändert sich der Spannungsverlauf an dieser Stelle dramatisch. Die Spannung steigt im Randbereich der Kerbe deutlich über die Nennspannung des reduzierten Querschnitts.

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II.5.4.1 Kerbformzahl
αk  =  σmaxσn\alpha_k \;=\; \frac{\sigma_{\max}}{\sigma_n}
σmax\sigma_{\max} ist die Spitzenspannung in der Kerbe (theoretisch oder aus FEM ermittelt), σn\sigma_n ist die Nennspannung im reduzierten Querschnitt. αk\alpha_k ist immer 1\ge 1.

Ablesen aus Diagrammen (TB 3-5). Die Kerbformzahlen werden in der Praxis aus Standard-Diagrammen abgelesen, getrennt für verschiedene Kerbtypen (Wellenabsatz, Ringnut, Querbohrung) und Belastungsarten (Zug, Biegung, Torsion). Die zwei Eingangsgrössen sind d/Dd/D (Durchmesserverhältnis im reduzierten Querschnitt) und r/tr/t (Kerbradius zu Kerbtiefe).

Kerbtyp Belastung αk\alpha_k typisch
Wellenabsatz, scharf (r/t0,05r/t \le 0{,}05) Biegung 2,54,02{,}5\ldots 4{,}0
Wellenabsatz, scharf Torsion 1,83,01{,}8\ldots 3{,}0
Ringnut Biegung 2,54,52{,}5\ldots 4{,}5 (oft höher als Wellenabsatz)
Ringnut Torsion 1,52,51{,}5\ldots 2{,}5
Anhaltswerte für αk\alpha_k bei Wellenkerben (V05 Slides 47-48).

Reihenfolge der Rechnung bei einer Ringnut. Erst den reduzierten Querschnitt bestimmen (d2=d2td_2 = d - 2t), dann die Nennspannungen σb\sigma_b und τt\tau_t im reduzierten Querschnitt rechnen, dann mit αk,b\alpha_{k,b} und αk,t\alpha_{k,t} auf die maximale Spannung am Kerbgrund multiplizieren, dann die Vergleichsspannung bilden.

Formel Kerbformzahl
αk=σmax/σn\alpha_k = \sigma_{\max}/\sigma_n
Spitzenspannung zu Nennspannung.
Merke Eingangsgrössen: d/Dd/D und r/tr/t. Beide aus Diagramm (TB 3-5).
Definition Ringnut
Umlaufende Nut in der Welle. Höhere αk\alpha_k als Wellenabsatz gleicher Tiefe.

II.5.5 Technologischer Grössenfaktor Kₜ

Die Tabellenwerte σb,WN\sigma_{b,WN} und τt,WN\tau_{t,WN} gelten an der Normabmessung dN=16mmd_N = 16\,\text{mm}. Bei grösseren Wellendurchmessern sinkt die wirkliche Festigkeit ab, weil die gehärtete Randschicht nicht proportional mit dem Durchmesser dicker wird. Der Korrekturfaktor heisst KtK_t.

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II.5.5.1 Festigkeit am realen Durchmesser
σb,W  =  Ktσb,WN,τt,W  =  Ktτt,WN\sigma_{b,W} \;=\; K_t \cdot \sigma_{b,WN}\quad,\quad \tau_{t,W} \;=\; K_t \cdot \tau_{t,WN}
Kt1K_t \le 1. Für ddNd \le d_N ist Kt=1K_t = 1 (keine Abminderung). Für d>dNd > d_N wird KtK_t kleiner, abhängig von der Stahlsorte (Baustahl, Vergütungsstahl, Einsatzstahl).
Formel Grössenfaktor
σb,W=Ktσb,WN\sigma_{b,W} = K_t \cdot \sigma_{b,WN}
Skaliert die Tabellenfestigkeit auf den realen Durchmesser.
Merke Kt=1K_t = 1 bei ddN=16mmd \le d_N = 16\,\text{mm}. Darüber: Kt<1K_t < 1.

II.5.6 Bruchformen einer Welle

Eine versagende Welle zeigt eine von zwei typischen Bruchformen. Welche entsteht, hängt von der Belastungs-Geschichte ab. Ein erfahrener Konstrukteur erkennt sie auf einen Blick und schliesst auf die Ursache.

Bruchform Bruchbild Ursache
Gewaltbruch körnige, kristalline Bruchfläche, oft schräg einmalige Überlast, statisch
Dauerbruch Rastlinien (muschelförmig) plus Gewaltbruchrest Wechselbelastung, Spannungen unter RmR_m
Zwei typische Bruchformen.
Definition Gewaltbruch
Einmalige statische Überlast. Körnige Bruchfläche.
Definition Dauerbruch
Wechselbelastung unter RmR_m. Rastlinien plus Gewaltbruchrest.
Merke Dauerbruch ist heimlich: tritt weit unter der statischen Festigkeit auf.

II.6.1 Aufgabe 1. Passfeder, übertragbares Drehmoment

Gegeben. Eine Passfederverbindung DIN 6885 - A - 14 × 9 × 36. Die Welle hat einen Durchmesser d=50mmd = 50\,\text{mm} und die Passfedernut hat die Tiefe t1=5,5mmt_1 = 5{,}5\,\text{mm}. Die Nabenlänge beträgt LN=48mmL_N = 48\,\text{mm}.

Gesucht. Das übertragbare Drehmoment MtM_t, wenn die mittlere Pressung an der Nabe pm=66,5N/mm2p_m = 66{,}5\,\text{N/mm}^2 nicht überschritten werden darf.

Lösungsweg

  1. Schritt 1. Tragende Länge
    Form A: die runden Stirnseiten der Passfeder zählen nicht. Faustregel ltr=lbl_{tr} = l - b.
    ltr=22mml_{tr} = 22\,\text{mm}
    ltr  =  lb  =  3614  =  22mml_{tr} \;=\; l - b \;=\; 36 - 14 \;=\; 22\,\text{mm}
  2. Schritt 2. Übertragbares Drehmoment aus der Pressungsformel
    Pressungsformel nach MtM_t umgestellt. Über die Welle ragt ht1=3,5mmh - t_1 = 3{,}5\,\text{mm} der Passfederhöhe hinaus, das ist die tragende Höhe.
    Mt128000Nmm128,0NmM_t \approx 128\,000\,\text{Nmm} \approx 128{,}0\,\text{Nm}
    Mt=12pmd(ht1)ltr=1266,550(95,5)22=66,5253,522Nmm\begin{aligned} M_t &= \tfrac{1}{2}\,p_m \cdot d \cdot (h - t_1) \cdot l_{tr} \\[2pt] &= \tfrac{1}{2}\,66{,}5 \cdot 50 \cdot (9 - 5{,}5) \cdot 22 \\[2pt] &= 66{,}5 \cdot 25 \cdot 3{,}5 \cdot 22\,\text{Nmm} \end{aligned}
Definition Aufgabe 1
Passfeder DIN 6885 - A - 14 × 9 × 36, d=50mmd = 50\,\text{mm}, t1=5,5mmt_1 = 5{,}5\,\text{mm}. MtM_t bei pm=66,5N/mm2p_m = 66{,}5\,\text{N/mm}^2.
Merke Schlüsselformel: Mt=12pmd(ht1)ltrM_t = \tfrac{1}{2}\,p_m\,d\,(h-t_1)\,l_{tr} mit ltr=lbl_{tr} = l - b für Form A.

II.6.2 Aufgabe 2. Keilwelle innenzentriert

Gegeben. Eine innenzentrierte Keilwellenverbindung. Wellendurchmesser d=52mmd = 52\,\text{mm}, Aussendurchmesser D=60mmD = 60\,\text{mm}, Anzahl Keile n=8n = 8, Nutenlänge in der Nabe LN=74mmL_N = 74\,\text{mm}.

Gesucht. Das maximal übertragbare Drehmoment MtM_t, wenn die mittlere Pressung an der Nabe pm=66,5N/mm2p_m = 66{,}5\,\text{N/mm}^2 nicht überschritten werden soll.

Lösungsweg

  1. Schritt 1. Tragfaktor und tragende Länge
    Innenzentrierung gibt φ=0,75\varphi = 0{,}75. Bei ausreichend grosser Nabe entspricht die tragende Länge der Nutenlänge.
    φ=0,75\varphi = 0{,}75, ltr=74mml_{tr} = 74\,\text{mm}
    φ  =  0,75,ltr  =  LN  =  74mm\varphi \;=\; 0{,}75\quad,\quad l_{tr} \;=\; L_N \;=\; 74\,\text{mm}
  2. Schritt 2. Maximales übertragbares Drehmoment
    Pressungsformel der Keilwelle nach MtM_t umgestellt. Mit D+d=112mmD + d = 112\,\text{mm} und Dd=8mmD - d = 8\,\text{mm}. Faktor 1010 aus der Faustformel htr=0,4(Dd)h_{tr} = 0{,}4\,(D-d).
    Mt2645500Nmm2645,5NmM_t \approx 2\,645\,500\,\text{Nmm} \approx 2645{,}5\,\text{Nm}
    Mt=110pm(D+d)LN(Dd)nφ=11066,511274880,75Nmm\begin{aligned} M_t &= \tfrac{1}{10}\,p_m\,(D+d)\,L_N\,(D-d)\,n\,\varphi \\[2pt] &= \tfrac{1}{10}\,66{,}5 \cdot 112 \cdot 74 \cdot 8 \cdot 8 \cdot 0{,}75\,\text{Nmm} \end{aligned}
Definition Aufgabe 2
Keilwelle innenzentriert, d=52d = 52, D=60D = 60, n=8n = 8, LN=74mmL_N = 74\,\text{mm}.
Merke Faktor 2020 über Passfeder bei vergleichbarem Durchmesser. Der Sinn der Keilwelle.

II.6.3 Aufgabe 3. Zylindrischer Pressverband

Gegeben. Ein Zahnrad sitzt auf einer Welle in einer ZPV. Wellendurchmesser d=36mmd = 36\,\text{mm}, Naben-Aussendurchmesser D=48mmD = 48\,\text{mm}, Nabenbreite b=30mmb = 30\,\text{mm}. Die Nabe hat beidseitig eine Montagefase, die zusammen die tragende Länge um le=2mml_e = 2\,\text{mm} verkürzt. Übertragenes Drehmoment Mt,max=350NmM_{t,\max} = 350\,\text{Nm}, Reibwert μ=0,14\mu = 0{,}14.

Gesucht. Die erforderliche Pressung perfp_{erf} zwischen Welle und Nabe.

Lösungsweg

  1. Schritt 1. Tangentialkraft aus dem Drehmoment
    Drehmoment in Nmm umrechnen (350Nm=350000Nmm350\,\text{Nm} = 350\,000\,\text{Nmm}), dann durch den Wellendurchmesser teilen und mit 22 multiplizieren.
    Ft,max19444NF_{t,\max} \approx 19\,444\,\text{N}
    Ft,max  =  2Mt,maxd  =  2350000Nmm36mmF_{t,\max} \;=\; \frac{2\,M_{t,\max}}{d} \;=\; \frac{2 \cdot 350\,000\,\text{Nmm}}{36\,\text{mm}}
  2. Schritt 2. Resultierende Kraft
    Keine Axialkraft im Aufgabentext. Bei Fa=0F_a = 0 ist die resultierende Kraft gleich der Tangentialkraft.
    Fres=FtF_{res} = F_t
    Fres,max  =  Ft,max    19444NF_{res,\max} \;=\; F_{t,\max} \;\approx\; 19\,444\,\text{N}
  3. Schritt 3. Tragende Länge
    Die zwei Montagefasen an den Stirnseiten der Nabe sitzen nicht im Pressungssitz. Zusammengezählt verkürzen sie die tragende Länge um lel_e.
    ltr=28mml_{tr} = 28\,\text{mm}
    ltr  =  ble  =  302  =  28mml_{tr} \;=\; b - l_e \;=\; 30 - 2 \;=\; 28\,\text{mm}
  4. Schritt 4. Erforderliche Pressung
    Reibfläche πdltr\pi \cdot d \cdot l_{tr}, Reibwert μ\mu. perfp_{erf} ist die minimale Pressung, die den Reibsitz hält. In der Konstruktion plant man typischerweise eine Sicherheits-Marge (SR=1,31,5S_R = 1{,}3\ldots 1{,}5) oben drauf.
    perf43,9N/mm2p_{erf} \approx 43{,}9\,\text{N/mm}^2
    perf=Fres,maxμπdltr=19444N0,14π3628mm2\begin{aligned} p_{erf} &= \frac{F_{res,\max}}{\mu \cdot \pi \cdot d \cdot l_{tr}} \\[2pt] &= \frac{19\,444\,\text{N}}{0{,}14 \cdot \pi \cdot 36 \cdot 28\,\text{mm}^2} \end{aligned}
Definition Aufgabe 3
ZPV mit Zahnrad, d=36d = 36, b=30b = 30, le=2mml_e = 2\,\text{mm}, Mt=350NmM_t = 350\,\text{Nm}, μ=0,14\mu = 0{,}14.
Formel Erforderliche Pressung
perf=Fres/(μπdltr)p_{erf} = F_{res}/(\mu\,\pi\,d\,l_{tr})
Reibfläche ist Mantelfläche.

II.6.4 Aufgabe 4. Mindestdurchmesser einer Welle

Gegeben. Eine Welle in einer Förderanlage. Sie soll das Drehmoment Mt=860NmM_t = 860\,\text{Nm} übertragen. Werkstoff: E295 mit τt,WN=145N/mm2\tau_{t,WN} = 145\,\text{N/mm}^2. Sicherheit gegen Dauerbruch SD=4S_D = 4.

Gesucht. Der minimale Wellendurchmesser dmind_{\min}.

Lösungsweg

  1. Schritt 1. Zulässige Torsionsspannung
    Tabellen-Wert durch die Sicherheit gegen Dauerbruch. SD=4S_D = 4 ist im oberen Bereich der Vordimensionierung (lange Welle, viele Kerben, Stösse einer Förderanlage).
    τt,zul=36,25N/mm2\tau_{t,zul} = 36{,}25\,\text{N/mm}^2
    τt,zul  =  τt,WNSD  =  1454N/mm2\tau_{t,zul} \;=\; \frac{\tau_{t,WN}}{S_D} \;=\; \frac{145}{4}\,\text{N/mm}^2
  2. Schritt 2. Mindestdurchmesser
    Aus τt=16Mt/(πd3)\tau_t = 16\,M_t/(\pi\,d^3) nach dd umgestellt. Konstruktiv wird der nächste Normmass aufgerundet (z. B. 50mm50\,\text{mm}).
    dmin49,4mmd_{\min} \approx 49{,}4\,\text{mm}
    dmin=16Mtπτt,zul3=16860000Nmmπ36,25N/mm23\begin{aligned} d_{\min} &= \sqrt[3]{\frac{16\,M_t}{\pi\,\tau_{t,zul}}} \\[4pt] &= \sqrt[3]{\frac{16 \cdot 860\,000\,\text{Nmm}}{\pi \cdot 36{,}25\,\text{N/mm}^2}} \end{aligned}
Definition Aufgabe 4
Förderanlage, Mt=860NmM_t = 860\,\text{Nm}, E295, SD=4S_D = 4. dmind_{\min}?
Formel Mindestdurchmesser
dmin=16Mt/(πτt,zul)3d_{\min} = \sqrt[3]{16\,M_t/(\pi\,\tau_{t,zul})}
Vordimensionierung über Torsion.

II.6.5 Aufgabe 5. Vergleichsspannung an einer Ringnut

Gegeben. Die Welle aus Aufgabe 4 ist nun mit Durchmesser d=50mmd = 50\,\text{mm} ausgeführt. An einer Stelle zwischen Krafteinleitung FF und Lager B befindet sich eine Ringnut für einen Sicherungsring. Geometrie der Ringnut: Tiefe t=2,5mmt = 2{,}5\,\text{mm}, Radius r=2,5mmr = 2{,}5\,\text{mm}. Die Welle überträgt das Torsionsmoment Mt=860NmM_t = 860\,\text{Nm}, und an der Position der Ringnut wirkt zusätzlich das Biegemoment Mb=772,8NmM_b = 772{,}8\,\text{Nm} (linearer Abfall vom Maximum Mb,max=1545,6NmM_{b,\max} = 1545{,}6\,\text{Nm} in der Mitte zu null am Lager B).

Gesucht. Die maximale Vergleichsspannung σv,max\sigma_{v,\max} an der Ringnut.

Lösungsweg

  1. Schritt 1. Reduzierter Querschnitt
    Die Ringnut verengt den Wellenquerschnitt symmetrisch von beiden Seiten. Der reduzierte Durchmesser im Nutgrund ist d2td - 2t.
    d2=45mmd_2 = 45\,\text{mm}
    d2  =  d2t  =  5022,5  =  45mmd_2 \;=\; d - 2\,t \;=\; 50 - 2 \cdot 2{,}5 \;=\; 45\,\text{mm}
  2. Schritt 2. Widerstandsmomente am reduzierten Querschnitt
    Beide Widerstandsmomente am reduzierten Durchmesser. Wt=2WbW_t = 2\,W_b wegen 32/16=232/16 = 2, das ist die Standard-Beziehung zwischen den beiden.
    Wb8946mm3W_b \approx 8946\,\text{mm}^3, Wt17892mm3W_t \approx 17\,892\,\text{mm}^3
    Wb=πd2332=π453328946mm3Wt=πd231617892mm3\begin{aligned} W_b &= \frac{\pi\,d_2^3}{32} = \frac{\pi \cdot 45^3}{32} \approx 8946\,\text{mm}^3 \\[2pt] W_t &= \frac{\pi\,d_2^3}{16} \approx 17\,892\,\text{mm}^3 \end{aligned}
  3. Schritt 3. Nennspannungen
    Nennspannungen ohne Kerbe, am reduzierten Querschnitt. MbM_b und MtM_t in Nmm umrechnen vor der Division.
    σb86,35N/mm2\sigma_b \approx 86{,}35\,\text{N/mm}^2, τt48,07N/mm2\tau_t \approx 48{,}07\,\text{N/mm}^2
    σb=MbWb=772800Nmm8946mm386,35N/mm2τt=MtWt=8600001789248,07N/mm2\begin{aligned} \sigma_b &= \frac{M_b}{W_b} = \frac{772\,800\,\text{Nmm}}{8946\,\text{mm}^3} \approx 86{,}35\,\text{N/mm}^2 \\[2pt] \tau_t &= \frac{M_t}{W_t} = \frac{860\,000}{17\,892} \approx 48{,}07\,\text{N/mm}^2 \end{aligned}
  4. Schritt 4. Kerbformzahlen aus Diagrammen (TB 3-5)
    Aus den Diagrammen für die Ringnut bei den Eingangsgrössen d2/dd_2/d und r/tr/t. Biegung-Kerbformzahl deutlich grösser als Torsion-Kerbformzahl, das ist ein typisches Muster bei Ringnuten.
    αk,b2,3\alpha_{k,b} \approx 2{,}3, αk,t1,7\alpha_{k,t} \approx 1{,}7
    d2d=4550=0,9rt=2,52,5=1    αk,b2,3, αk,t1,7\begin{aligned} \frac{d_2}{d} &= \frac{45}{50} = 0{,}9 \\[2pt] \frac{r}{t} &= \frac{2{,}5}{2{,}5} = 1 \end{aligned}\;\Rightarrow\; \alpha_{k,b} \approx 2{,}3,\ \alpha_{k,t} \approx 1{,}7
  5. Schritt 5. Vergleichsspannung an der Kerbe
    Kerbformzahlen werden getrennt vor der Wurzel auf σb\sigma_b und τt\tau_t angelegt, dann GEH-Formel mit Faktor 33. Die Spitzenspannung liegt im Nutgrund.
    σv,max243,9N/mm2\sigma_{v,\max} \approx 243{,}9\,\text{N/mm}^2
    σv,max=(αk,bσb)2+3(αk,tτt)2=(2,386,35)2+3(1,748,07)2=198,62+381,72N/mm2\begin{aligned} \sigma_{v,\max} &= \sqrt{(\alpha_{k,b}\,\sigma_b)^2 + 3\,(\alpha_{k,t}\,\tau_t)^2} \\[2pt] &= \sqrt{(2{,}3 \cdot 86{,}35)^2 + 3\,(1{,}7 \cdot 48{,}07)^2} \\[2pt] &= \sqrt{198{,}6^2 + 3 \cdot 81{,}7^2}\,\text{N/mm}^2 \end{aligned}
Definition Aufgabe 5
Ringnut auf Welle d=50d = 50, t=r=2,5mmt = r = 2{,}5\,\text{mm}. Mt=860NmM_t = 860\,\text{Nm}, Mb=772,8NmM_b = 772{,}8\,\text{Nm}.
Formel Vergleichsspannung mit Kerbe
σv=(αk,bσb)2+3(αk,tτt)2\sigma_v = \sqrt{(\alpha_{k,b}\sigma_b)^2 + 3(\alpha_{k,t}\tau_t)^2}
Kerbformzahlen vor der Wurzel.
Merke Reihenfolge: d2d_2WWσn\sigma_nαk\alpha_kσv,max\sigma_{v,\max}.
Variablen-Glossar (65 Einträge)
dd Wellen-Aussendurchmesser bzw. Bohrungs-Innendurchmesser einer WNV. Bei Hohlwellen jedoch: Innendurchmesser (Konvention wechselt, siehe II.4). mm
DD Bei WNV: Naben-Aussendurchmesser oder Keilwellen-Aussendurchmesser. Bei Hohlwellen: Aussendurchmesser. Im selben Kapitel zwei Konventionen, immer aus dem Kontext lesen. mm
D1D_1 Grosser Durchmesser des Kegels einer Kegelpressverbindung (KPV) mm
D2D_2 Kleiner Durchmesser des Kegels einer KPV mm
DmFD_{mF} Mittlerer Fugendurchmesser einer KPV. DmF=(D1+D2)/2D_{mF} = (D_1 + D_2)/2. mm
dmd_m Mittlerer Durchmesser einer Keilwellenverbindung. dm=(D+d)/2d_m = (D+d)/2. mm
bb Breite der Passfeder oder eines Keils; oder Naben-Breite (Bauteil-Breite, in der die Verbindung sitzt). mm
hh Höhe einer Passfeder oder eines Keils mm
htrh_{tr} Tragende Höhe der Keil-Flanke einer Keilwelle. Faustformel htr0,4(Dd)h_{tr} \approx 0{,}4\,(D-d). mm
ll Länge einer Passfeder (Gesamtlänge inkl. der runden Stirnseiten bei Form A); oder die Länge einer KPV. mm
ltrl_{tr} Tragende Länge der Mitnehmer-Kontaktfläche. Form A: ltr=lbl_{tr} = l - b. Form B: ltr=ll_{tr} = l. Bei ZPV: ltr=blel_{tr} = b - l_e. mm
t1t_1 Nuttiefe in der Welle bei einer Passfederverbindung. Der über die Welle hinausragende Anteil der Passfeder beträgt ht1h-t_1. mm
LL Länge der Nabe (Aussenlänge, inkl. nicht-tragender Anteile) mm
LNL_N Länge der Nabe am Sitz der WNV. Bei Passfeder die Sitzlänge der Nabe, bei Keilwelle die Nutenlänge. Bei ausreichender Nabe gilt ltr=LNl_{tr} = L_N. mm
lel_e Länge einer Montagefase am Eingang einer ZPV. Verkürzt die tragende Länge: ltr=blel_{tr} = b - l_e. mm
nn Anzahl der Keile (Mitnehmer) bei einer Keilwellenverbindung. Typisch n=6,8,10n = 6, 8, 10. -
φ\varphi Tragfaktor einer Keilwelle, der ungleichmaessige Lastverteilung auf die Keile abbildet. Innenzentriert: φ=0,75\varphi = 0{,}75. Flankenzentriert: φ=0,9\varphi = 0{,}9. -
α\alpha Kegelwinkel einer KPV (Öffnungswinkel des Vollkegels). In Formeln steht meist α/2\alpha/2 (halber Kegelwinkel an der Kontaktfläche). °
rr Hebelarm einer Kraft am Welle (Torsion), oder Kerbradius am Wellenabsatz bzw. an einer Ringnut. mm
zz Hebelarm einer Querkraft längs der Welle (Abstand zur Einspannung), tritt im Biegemoment Mb=FzM_b = F \cdot z auf. mm
lal_a Lagerabstand zwischen zwei Stützstellen einer Welle (z. B. Wälzlager A und B) mm
FF Resultierende Kraft, allgemein. Bei Wellen häufig die radiale Last am Krafteinleitungspunkt. N
FtF_t Tangentialkraft am Umfang. Erzeugt zusammen mit dem Radius das Drehmoment: Mt=Ftd/2M_t = F_t \cdot d/2. N
FaF_a Axialkraft (in Richtung der Wellenachse) N
FrF_r Radialkraft (senkrecht zur Wellenachse, eine Komponente einer Zahnkraft) N
FresF_{res} Resultierende Kraft aus tangentialer und axialer Komponente: Fres=Ft2+Fa2F_{res} = \sqrt{F_t^2 + F_a^2}. N
FAF_A Lagerreaktionskraft am Lager A N
FBF_B Lagerreaktionskraft am Lager B N
MtM_t Torsionsmoment (Drehmoment), das eine Welle überträgt. Übliche Einheit: Nm. Nm
MbM_b Biegemoment an einem Wellenabschnitt. Übliche Einheit: Nm. Nm
Mb,maxM_{b,\text{max}} Maximales Biegemoment längs der Welle (typischerweise unter der Krafteinleitung) Nm
Mb,resM_{b,res} Resultierendes Biegemoment aus zwei orthogonalen Komponenten: Mb,res=Mb,x2+Mb,y2M_{b,res} = \sqrt{M_{b,x}^2 + M_{b,y}^2}. Nm
pp Flächenpressung (Druck pro Fläche). Allgemein p=F/Ap = F/A. N/mm²
pmp_m Mittlere Pressung an der Kontaktfläche einer formschlüssigen WNV (gemittelt über die Hertz-Verteilung) N/mm²
pzulp_{zul} Zulässige Pressung. Hängt vom Nabenwerkstoff und einer Sicherheit SFS_F ab: pzul=Re/SFp_{zul} = R_e/S_F. N/mm²
perfp_{erf} Erforderliche Pressung in einer reibschlüssigen WNV, damit das gewünschte Drehmoment ohne Schlupf übertragen wird N/mm²
σ\sigma Normalspannung. Wirkt senkrecht zur Schnittfläche, wird durch Zug, Druck oder Biegung verursacht. N/mm²
σzd\sigma_{zd} Zug- oder Druckspannung (kombiniert als Zug-/Druck-Beanspruchung) N/mm²
σb\sigma_b Biegespannung in den Randfasern eines auf Biegung belasteten Querschnitts. σb=Mb/Wb\sigma_b = M_b/W_b. N/mm²
σv\sigma_v Vergleichsspannung nach der Gestaltänderungsenergie-Hypothese (GEH, von Mises): σv=σb2+3τt2\sigma_v = \sqrt{\sigma_b^2 + 3\,\tau_t^2}. N/mm²
τ\tau Schubspannung. Wirkt parallel zur Schnittfläche, wird durch Querkraft oder Torsion verursacht. N/mm²
τt\tau_t Torsionsspannung in den Randfasern eines auf Torsion belasteten Wellenquerschnitts. τt=Mt/Wt\tau_t = M_t/W_t. N/mm²
σb,WN\sigma_{b,WN} Biegewechselfestigkeit des Werkstoffs an der Normabmessung dN=16mmd_N = 16\,\text{mm}. Aus Werkstofftabelle (TB 1-1). N/mm²
σb,SchN\sigma_{b,SchN} Biegeschwellfestigkeit des Werkstoffs an der Normabmessung. Höher als die Wechselfestigkeit. N/mm²
σb,W\sigma_{b,W} Biegewechselfestigkeit für den realen Wellendurchmesser. σb,W=Ktσb,WN\sigma_{b,W} = K_t \cdot \sigma_{b,WN}. N/mm²
τt,WN\tau_{t,WN} Torsionswechselfestigkeit des Werkstoffs an der Normabmessung (TB 1-1) N/mm²
τt,SchN\tau_{t,SchN} Torsionsschwellfestigkeit an der Normabmessung N/mm²
τt,zul\tau_{t,zul} Zulässige Torsionsspannung bei Vordimensionierung. τt,zul=τt,WN/SD\tau_{t,zul} = \tau_{t,WN}/S_D mit SD=34S_D = 3\ldots 4. N/mm²
ReR_e Streckgrenze. Spannung, bei der ein duktiler Werkstoff bleibend zu fliessen beginnt. N/mm²
RmR_m Zugfestigkeit. Maximale Spannung im Spannungs-Dehnungs-Diagramm, kurz vor der Einschnürung. N/mm²
Rp0,2R_{p0{,}2} 0{,}2\%-Dehngrenze. Ersatz für ReR_e bei Werkstoffen ohne ausgeprägte Streckgrenze. Für Stahl gilt ReRp0,2R_e \approx R_{p0{,}2}. N/mm²
Re,NR_{e,N} Streckgrenze an der Normabmessung dN=16mmd_N = 16\,\text{mm} (Tabellenwert) N/mm²
αk\alpha_k Kerbformzahl. Verhältnis der Spannungsspitze in einer Kerbe zur Nennspannung im reduzierten Querschnitt: αk=σmax/σn\alpha_k = \sigma_{\max}/\sigma_n. -
αk,b\alpha_{k,b} Kerbformzahl für Biegung. Aus Diagrammen (TB 3-5) mit den Eingangsgrössen d/Dd/D und r/tr/t. -
αk,t\alpha_{k,t} Kerbformzahl für Torsion. Typisch kleiner als αk,b\alpha_{k,b} bei sonst gleicher Geometrie. -
KtK_t Technologischer Grösseneinflussfaktor. Skaliert die Tabellen-Festigkeit auf den realen Wellendurchmesser. Kt1K_t \le 1, bei d=dNd = d_N ist Kt=1K_t = 1. -
SS Sicherheitsfaktor (allgemein). Definiert als S=Festigkeit/BelastungS = \text{Festigkeit}/\text{Belastung}. -
SFS_F Sicherheit gegen Fliessen. Wird bei statischer Belastung und bei Pressungsnachweisen verwendet. -
SDS_D Sicherheit gegen Dauerbruch (Wechselbelastung). Vordimensionierung von Wellen: SD=34S_D = 3\ldots 4. -
SBS_B Sicherheit gegen Bruch. Wird bei spröden Werkstoffen verwendet. -
WbW_b Axiales Widerstandsmoment (Biegung). Vollwelle: Wb=πd3/32W_b = \pi\,d^3/32. Hohlwelle: Wb=π(D4d4)/(32D)W_b = \pi\,(D^4-d^4)/(32\,D). mm³
WtW_t Polares Widerstandsmoment (Torsion). Vollwelle: Wt=πd3/16W_t = \pi\,d^3/16. Hohlwelle: Wt=π(D4d4)/(16D)W_t = \pi\,(D^4-d^4)/(16\,D). mm³
IbI_b Axiales Flächenträgheitsmoment. Vollwelle: Ib=πd4/64I_b = \pi\,d^4/64. Geht in die Biegelinie ein. mm⁴
ItI_t Polares Flächenträgheitsmoment. Vollwelle: It=πd4/32I_t = \pi\,d^4/32. Geht in den Verdrehwinkel ein. mm⁴
μ\mu Reibwert (Reibkoeffizient) im Reibkontakt einer reibschlüssigen Verbindung. Typisch Stahl/Stahl trocken: 0,10,20{,}1\ldots 0{,}2. -