IV.1.1 Was ist eine Feder?

Stell dir vor, du drückst die Spitze deines Kugelschreibers nach unten, hörst ein kurzes „klick“ und spürst, wie die Mine wieder herausschnellt, sobald du loslässt. Das Bauteil, das diese Bewegung trägt, ist eine winzige Schraubenfeder. Sie hat in den Bruchteilen einer Sekunde genau das getan, was alle Federn dieses Kapitels machen werden: Energie aufnehmen, kurz speichern, wieder abgeben.

Genau dieses Verhalten ist die Definition einer Feder. Sie ist ein elastisches Maschinenelement, das mechanische Energie als Verformungsarbeit zwischenlagert und sie beim Entspannen wieder freigibt. Klingt simpel, aber daraus folgen alle weiteren Eigenschaften: die Kennlinie, die Federrate, die Werkstoffwahl, die Bauform.

Fünf typische Funktionen. Federn tauchen im Maschinenbau in immer denselben fünf Rollen auf. Die Vorlesung listet sie als Anwendungs-Anker, an dem man eine konkrete Feder gedanklich aufhängen kann:

Funktion Was die Feder tut Typische Anwendung
Form- oder Reibschluss erzeugen presst zwei Bauteile gegeneinander, damit sie nicht rutschen oder klappern Kupplungen, Bremsen, Sicherungsringe
Potentielle Energie speichern gibt gespeicherte Arbeit auf Knopfdruck zurück Uhrwerk, Rückstellfeder im Schalter, Spielzeug-Aufzug
Ausdehnungen und Verschleiss ausgleichen hält Kontaktdruck konstant, auch wenn sich Bauteile setzen oder verschleißen Kohlebürsten am Kommutator, Federringe
Dämpfung durch Reibung wandelt Bewegungs-Energie in Wärme, damit Schwingungen abklingen Radaufhängung mit geschichteter Blattfeder, Lkw-Federpaket
Schwingverhalten einstellen definiert zusammen mit der Masse die Eigenfrequenz eines Systems Schwingtische, Stoßdämpfer, Resonatoren
Die fünf Hauptfunktionen einer Feder im Maschinenbau (nach V07).
Definition Feder
Elastisches Maschinenelement, das mechanische Energie als Verformungsarbeit speichert und wieder abgibt.
Merke Fünf Rollen: Reibschluss, Energiespeicher, Verschleißausgleich, Dämpfung, Schwingverhalten.

IV.1.2 Sechs Federarten im Überblick

Bevor wir in die Formeln gehen, lohnt sich eine Landkarte. Die Vorlesung sortiert alle gebräuchlichen Federn nach der Belastungsart, mit der sie umgehen: Zug/Druck, Drehung, Biegung. Pro Belastungsart gibt es zwei typische Bauformen, also insgesamt sechs Federarten.

Belastungsart Bauform 1 Bauform 2
Zug oder Druck (translatorisch) Schraubenfeder (Helix aus Runddraht) Tellerfeder (kegelstumpfförmige Scheibe)
Drehung (rotatorisch) Schenkelfeder (Helix mit seitlichen Hebeln) Drehstabfeder (gerader Stab auf Torsion)
Biegung Blattfeder (Biegebalken) Schnappverbindung (Biegebalken mit Rastzahn)
Sechs Federarten nach Belastungsart und Bauform (V07 Slide 3).

Wo arbeitet die Belastung tatsächlich im Material? Schraubenfedern sehen optisch wie Zug-Druck-Bauteile aus, ihr Draht wird aber innerlich verdreht. Drehstabfedern sind dafür mechanisch ehrlicher: ein gerader Stab, der wirklich auf Torsion belastet wird. Blattfedern sind reine Biegebalken (Mechanik der Biegung gilt 1:1). Schnappverbindungen sind kleine Blattfedern mit eingebauter Rastfunktion, und die Tellerfeder kombiniert Biegung und axiales Stauchen in einem speziellen kegelstumpfförmigen Querschnitt.

Merke Drei Belastungsarten: Zug/Druck, Drehung, Biegung. Pro Belastungsart zwei Bauformen → sechs Federarten.
Definition Translatorisch vs. rotatorisch
Translatorisch = lineare Verschiebung ss. Rotatorisch = Winkel-Verdrehung φ\varphi.

IV.1.3 Wann brauche ich welche Feder?

Die sechs Federarten konkurrieren nicht miteinander, sondern decken jeweils einen anderen Anwendungsraum ab. Die Wahl der richtigen Feder ist die erste Konstrukteurs-Entscheidung, lange bevor irgendeine Zahl gerechnet wird.

Federart Stärke Anwendung
Schraubenfeder lineare Kennlinie, einfach zu fertigen, breit verfügbar Ventile, Stoßdämpfer, Spielzeug, Kugelschreiber
Tellerfeder hohe Kraft auf kleinem Bauraum, Kennlinie über Schaltung formbar Kupplungen, Spannelemente, Sicherheitsventile
Schenkelfeder kompakte Drehfeder, einfach zu integrieren Wäscheklammern, Tür-Rückhol-Mechanismen, Maus-Tasten
Drehstabfeder sehr hohe Drehmomente, präzise Federrate Auto-Achs-Federung (Drehstab am Querlenker), Drehmoment-Schlüssel
Blattfeder lange Federwege, Reibung zwischen Schichten bringt Dämpfung Lkw- und Eisenbahn-Federung, Schaltwerke, Klingen
Schnappverbindung lösbare Verbindung ohne Werkzeug, formschlüssig Gehäuse-Deckel, Steckverbinder, Spielzeug-Bausteine
Wo die sechs Federarten zuhause sind.

IV.2.1 Federkennlinie und Federrate R

Stell dir eine Schraubenfeder unter einer Druckplatte vor. Du legst 1kg1\,\text{kg} darauf, die Feder gibt um 1mm1\,\text{mm} nach. Du legst 2kg2\,\text{kg} darauf, sie gibt um 2mm2\,\text{mm} nach. Du legst 5kg5\,\text{kg} darauf, sie gibt um 5mm5\,\text{mm} nach. Proportional. Genau dieses Verhalten ist die definierende Eigenschaft einer zylindrischen Schraubenfeder.

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IV.2.1.1 Federkennlinie
F  =  RsF \;=\; R \cdot s
FF ist die Federkraft (in N), ss der Federweg (in mm), RR die Federrate (in N/mm). Die Federkennlinie ist eine Gerade durch den Ursprung mit Steigung RR.

Federrate als Steigung. Trägst du die Kraft FF über den Weg ss auf, ergibt sich für jede zylindrische Schraubenfeder eine Gerade. Die Steigung dieser Geraden ist die Federrate RR. Sie hat die Einheit Newton pro Millimeter (N/mm) und ist die zentrale Kennzahl jeder Feder.

Hart oder weich? Eine große Federrate heisst: schon kleine Wege erfordern große Kräfte, die Feder ist hart. Eine kleine Federrate heisst: kleine Kräfte erzeugen schon große Wege, die Feder ist weich. Auto-Fahrwerksfedern sind hart (Federrate in der Größenordnung 30N/mm30\,\text{N/mm}), Kugelschreiberfedern sind weich (Federrate in der Größenordnung 0,3N/mm0{,}3\,\text{N/mm}).

Definition Federrate RR
Steigung der Federkennlinie. Kraft pro Federweg in N/mm.
Formel Kennlinie
F=RsF = R \cdot s
Lineare Beziehung zwischen Kraft und Weg bei zylindrischer Schraubenfeder.
Merke Hart = große RR. Weich = kleine RR. Beide Begriffe sind relativ zueinander, nicht absolut.

IV.2.2 Geometrische Kennwerte

Bevor wir die Federrate aus Geometrie und Material herleiten, müssen die Bezeichner stehen. Auf einem typischen Schraubenfeder-Datenblatt findest du ein knappes halbes Dutzend Durchmesser und ein paar Längen. Sie heissen immer gleich, und sie werden gleich gebraucht.

Symbol Bedeutung Bemerkung
DD Mittlerer Windungsdurchmesser Drahtmitte zu Drahtmitte, der wichtigste Durchmesser in den Formeln
DiD_i Innendurchmesser Di=DdD_i = D - d
DeD_e Außendurchmesser De=D+dD_e = D + d
DdD_d Dorndurchmesser Welle, auf der die Druckfeder geführt wird
DhD_h Hülsendurchmesser Bohrung, in der die Druckfeder läuft
dd Drahtstärke Durchmesser des runden Federdrahts
L0L_0 Länge der ungespannten Feder Ausgangsmaß im unbelasteten Zustand
mm Steigung axialer Abstand zwischen zwei benachbarten Windungen
nn Anzahl federnder Windungen End-Windungen, die fest aufliegen, zählen nicht mit
Standard-Bezeichner einer zylindrischen Schraubenfeder (V07 Slide 10).
Formel Durchmesser-Beziehungen
D=Ded=Di+dD = D_e - d = D_i + d
Mittlerer aus Außen- und Innendurchmesser plus/minus Drahtstärke.
Merke nn zählt nur federnde Windungen, ohne aufliegende Endwindungen.

IV.2.3 Federrate aus Geometrie und Werkstoff

Die zentrale Formel des ganzen Kapitels: die Federrate einer zylindrischen Schraubenfeder hängt vom Werkstoff (Schubmodul GG), vom Drahtdurchmesser dd, vom mittleren Windungsdurchmesser DD und von der Anzahl federnder Windungen nn ab.

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IV.2.3.1 Federrate Schraubenfeder
R  =  Gd48D3nR \;=\; \frac{G \cdot d^4}{8 \cdot D^3 \cdot n}
Werkstoff (über GG), Geometrie (über dd, DD, nn). Die hohe Potenz von dd und DD macht die Federrate sehr empfindlich auf kleine Maßabweichungen.

Lies die Formel als Fingerregel: alles im Zähler macht die Feder härter (größeres GG, größerer Drahtdurchmesser), alles im Nenner macht sie weicher (größerer Windungsdurchmesser, mehr Windungen). Das passt zur Anschauung: ein dicker Draht ist steifer, eine große Spirale ist leichter zu drücken, viele Windungen verteilen die Verformung auf mehr Material.

Wann ist das einfach? Wenn du alle vier Werte (GG, dd, DD, nn) im Datenblatt findest, ist die Federrate eine simple Einsetz-Aufgabe. Stahl-Schraubenfedern haben fast immer G81500N/mm2G \approx 81\,500\,\text{N/mm}^2 (DIN EN 10270-1), das kannst du dir merken. Drahtdurchmesser und Windungsdurchmesser kommen aus dem Datenblatt oder vom Messschieber. Anzahl der federnden Windungen kannst du an einer realen Feder selbst zählen.

Wann geht das schief? Drei Klassiker: erstens Drahtdurchmesser mit dem Schiebmesser nur in eine Richtung gemessen (Toleranz vergessen). Zweitens Außendurchmesser DeD_e mit dem mittleren DD verwechselt (gibt typisch 10%10\,\% Fehler). Drittens Endwindungen mitgezählt, obwohl sie aufliegen und nicht federn.

Formel Kernformel
R=Gd48D3nR = \frac{G \cdot d^4}{8 \cdot D^3 \cdot n}
Die Formel für jede zylindrische Schraubenfeder.
Merke d4d^4 schlägt D3D^3: kleine Draht-Änderungen ändern die Federrate stärker als kleine Windungs-Änderungen.

IV.2.4 Wieso d4d^4? Herleitung aus Torsion

Die hohe Potenz d4d^4 überrascht erst einmal: bei einem Biegebalken hätte man d3d^3 erwartet (aus dem Widerstandsmoment), bei einer reinen Zugstange sogar nur d2d^2 (aus der Querschnittsfläche). Wieso also d4d^4? Die Antwort liegt darin, dass der Draht der Schraubenfeder gar nicht gestreckt, gestaucht oder gebogen wird, sondern verdreht.

Aus dieser Einsicht folgt die Herleitung in zwei Schritten. Die Vorlesung zeigt sie ausführlich (Slides 12 bis 14), wir destillieren sie hier auf die zwei tragenden Ideen.

Herleitung der Federrate in zwei Schritten

  1. Schritt 1: Geometrischer Zusammenhang Weg ↔ Verdrehwinkel
    Der Federweg ss entsteht aus der Verdrehung γ\gamma des Drahts. Mit der Geometrie der Wicklung lässt sich beides koppeln.
    Aus dem aufgewickelten Draht-Bild folgt γ=b/l=ds/(lD)\gamma = b'/l' = d \cdot s' / (l' \cdot D) mit l=πDl' = \pi D pro Windung. Über alle nn Windungen aufsummiert: γ=d/(πD2n)s\gamma = d / (\pi D^2 n) \cdot s.
    γ=dπD2ns\gamma = \frac{d}{\pi \cdot D^2 \cdot n} \cdot s
  2. Schritt 2: Spannungs-Verformungs-Verknüpfung im Draht
    Im Draht wirkt eine Torsionsspannung τt\tau_t, die mit dem Verdrehwinkel über den Schubmodul GG verknüpft ist.
    Die Torsion liefert τt=16Mt/(πd3)\tau_t = 16 M_t / (\pi d^3) mit Mt=FD/2M_t = F D / 2, also τt=8FD/(πd3)\tau_t = 8 F D / (\pi d^3). Mit τt=Gγ\tau_t = G \cdot \gamma wird daraus γ=8D/(Gπd3)F\gamma = 8 D / (G \pi d^3) \cdot F.
    γ=8DGπd3F\gamma = \frac{8 \cdot D}{G \cdot \pi \cdot d^3} \cdot F
  3. Schritt 3: Gleichsetzen liefert die Federrate
    Beide Ausdrücke beschreiben dasselbe γ\gamma. Wir setzen sie gleich und lösen nach FF auf.
    dπD2ns=8DGπd3F    F=Gd48D3ns\frac{d}{\pi D^2 n} \cdot s = \frac{8 D}{G \pi d^3} \cdot F \;\Rightarrow\; F = \frac{G \cdot d^4}{8 \cdot D^3 \cdot n} \cdot s. Die Klammer um ss ist gerade die Federrate RR.
    R=Gd48D3nR = \frac{G \cdot d^4}{8 \cdot D^3 \cdot n}

Was wir daraus mitnehmen. Die Federrate ist keine reine Zug-Druck-Größe, sondern verkleidete Torsion. Genau deshalb steht GG in der Formel (nicht EE), und genau deshalb erscheint d4d^4 und nicht d3d^3. Diese Logik wird uns bei Drehfedern wieder begegnen, wo sie ohne Verkleidung sichtbar ist.

Formel Versteckter Drehstab
Mt=FD/2,l=πDnM_t = F \cdot D/2,\quad l' = \pi D n
Schraubenfeder = aufgewickelter Drehstab. Federkraft erzeugt Torsion im Draht.
Merke d4d^4 kommt aus: d3d^3 (Torsions-Widerstandsmoment) plus d1d^1 (Verdrehwinkel-Geometrie).

IV.2.5 Werkstoffe und Bauformen

Stahl ist nicht gleich Stahl. Für Federn gibt es eigene Werkstoffsorten, die auf hohe Dauerfestigkeit und sauberes Elastizitätsverhalten optimiert sind. Die Vorlesung zeigt die Tabelle TB 10-1, hier in Kurzform.

Werkstoff EE / GG in N/mm² Festigkeit
runder Federstahldraht DIN EN 10270-1 (SL, SM, SH, DM, DH) 206 000 / 81 500 Druckfedern: τzul=0,5Rm\tau_{\text{zul}} = 0{,}5\, R_m
vergütet DIN EN 10270-2 (FD, TD, VD) 206 000 / 79 500 Zugfedern: τzul=0,45Rm\tau_{\text{zul}} = 0{,}45\, R_m; τc,zul=0,56Rm\tau_{c,\text{zul}} = 0{,}56\, R_m
nicht rostend DIN EN 10270-3 (X10CrNi18-8) siehe TB 10-4 siehe TB 10-3
Federstahl warmgewalzt DIN EN 10089 206 000 / 78 500 siehe TB 10-15a
Drähte aus Kupferlegierungen DIN EN 12166 siehe TB 10-6 Herstellerangaben
Federwerkstoffe für zylindrische Schraubenfedern (Auswahl, TB 10-1).

Bauformen von Druckfedern. Auf Slide 16 zeigt die Vorlesung zwei typische Bauformen aus dem Alltag: die Gabelfederung einer Fahrrad-Frontgabel (lange, schlanke Schraubenfeder im Standrohr) und die Fahrzeugfeder für die hintere Radaufhängung eines Autos (kurze, dicke Tonnenfeder mit weitem Windungsdurchmesser). Beide sind dieselbe Federart, sehen aber äusserlich ganz verschieden aus, weil die Anwendung andere Anforderungen an Federweg und Federrate stellt.

Merke Standard-Stahl: E=206000N/mm2E = 206\,000\,\text{N/mm}^2, G81500N/mm2G \approx 81\,500\,\text{N/mm}^2.

IV.2.6 Progressive, degressive und Federarbeit

Bisher hatten wir die ideale, lineare Federkennlinie. Reale Anwendungen wünschen sich oft eine Feder, die bei kleinen Auslenkungen weich, bei großen Auslenkungen aber hart reagiert. Genau dieses Verhalten heisst progressive Kennlinie, das Gegenteil degressive Kennlinie.

Kennlinie Steifigkeit mit zunehmendem ss Anwendung
linear konstant (RR konstant) Standardfall, einfache Schraubenfeder, sauber rechenbar
progressiv wird größer (Federung härter) Fahrzeugfederung: komfortabel bei Normallast, robust bei Schlaglöchern
degressiv wird kleiner (Federung weicher) Kupplungen, Bremsen: kleine Kraft-Änderung trotz Verschleiss
Drei Kennlinien-Typen im Vergleich.

Wie erzeugt man progressive Kennlinien? Eine zylindrische Schraubenfeder allein liefert immer linear. Progressives Verhalten entsteht entweder durch konische Schraubenfedern (kleine Windungen oben, große unten, sodass die großen zuerst wegdrücken und die kleinen erst bei höherer Last) oder durch Schaltungen aus verschiedenen Tellerfederpaketen (siehe IV.4). Degressive Federn realisiert man am einfachsten mit Tellerfedern Reihe C oder mit Gummifedern auf Zug.

Federarbeit. Bisher haben wir die statische Beziehung F=RsF = R \cdot s betrachtet. Bei dynamischen Anwendungen interessiert auch die gespeicherte Energie: wie viel Arbeit steckt in der Feder, wenn sie um den Weg ss ausgelenkt ist? Geometrisch ist das die Fläche unter der Kennlinie.

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IV.2.6.1 Federarbeit, allgemein
W=s1s2F(s)ds=s1s2Rsds=12R(s22s12)\begin{aligned} W &= \int_{s_1}^{s_2} F(s)\, \mathrm{d}s \\ &= \int_{s_1}^{s_2} R \cdot s\, \mathrm{d}s \\ &= \tfrac{1}{2}\, R \,(s_2^2 - s_1^2) \end{aligned}
Die Federarbeit ist das Integral der Federkraft über den Weg. Bei linearer Kennlinie ergibt sich die Quadrat-Differenz. WW in Nmm bei RR in N/mm und ss in mm.
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IV.2.6.2 Federarbeit, von s1=0s_1 = 0
W  =  12Rs2  =  12FsW \;=\; \tfrac{1}{2} \, R \, s^2 \;=\; \tfrac{1}{2} \, F \, s
Wenn die Feder aus dem ungespannten Zustand bis Weg ss gespannt wird. Die mittlere Kraft ist F/2F/2 (am Anfang null, am Ende F=RsF = R s), daher das 12\tfrac{1}{2}.

Reibungsarbeit und Hysterese (V07 Slide 22). Reale Federn liefern beim Entspannen nicht ganz dieselbe Kraft zurück, die man beim Spannen aufgebracht hat. Im Kraft-Weg-Diagramm bilden Spann- und Entspannlinie eine schmale Schleife (Hysterese). Die Fläche zwischen den zwei Linien ist die Reibungsarbeit, der Anteil der Federarbeit, der in Wärme umgewandelt wurde. Bei sauberen Stahl-Schraubenfedern ist diese Fläche klein, bei geschichteten Blattfedern dagegen groß (gewollte Dämpfung).

Formel Federarbeit
W=12R(s22s12)W = \tfrac{1}{2} R (s_2^2 - s_1^2)
Quadratisch im Weg, daher unempfindlich gegen kleine s1s_1, sehr empfindlich gegen große s2s_2.
Merke Hysterese = Reibungsarbeit = Fläche zwischen Spann- und Entspannlinie.

IV.3.1 Federsysteme und Ersatzfederrate

Bisher hatten wir eine Feder im Lastpfad. In der Praxis wirken oft mehrere Federn zusammen: eine Gabel-Federung mit zwei parallelen Federbeinen, eine Auto-Federung mit einer Hauptfeder und einer Zusatzfeder in Reihe, ein Tellerfeder-Stapel als progressives Element. Sobald mehrere Federn zusammenarbeiten, fragt man nach der Ersatzfederrate des Systems.

Definition. Die Ersatzfederrate RersR_{\text{ers}} ist diejenige Federrate, die eine einzige gedachte Feder haben müsste, um sich genauso zu verhalten wie das ganze Federsystem. Mit RersR_{\text{ers}} gilt F=RerssF = R_{\text{ers}} \cdot s wie bei einer Einzelfeder.

Die Frage ist nur: wie rechnet man RersR_{\text{ers}} aus, wenn man die Einzel-Federraten und die Anordnung kennt? Das hängt davon ab, ob die Federn parallel oder in Reihe geschaltet sind. Genau diese zwei Grundschaltungen sehen wir uns in den nächsten beiden Subsections an.

Definition Ersatzfederrate RersR_{\text{ers}}
Federrate einer gedachten Einzelfeder, die das ganze System ersetzt: F=RerssF = R_{\text{ers}} \cdot s.
Merke Parallel = gleicher Weg, Kräfte addieren. Reihe = gleiche Kraft, Wege addieren.

IV.3.2 Parallelschaltung

Stell dir drei Federn nebeneinander auf dem Boden vor, mit einer steifen Platte oben drauf. Wenn du auf diese Platte drückst, geben alle drei Federn um denselben Weg ss nach (die Platte bewegt sich starr nach unten). Die Last FF teilt sich aber anteilig auf die drei Federn: die härteste trägt am meisten, die weicheste am wenigsten.

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IV.3.2.1 Parallelschaltung, Herleitung
F  =  F1+F2+F3  =  R1s+R2s+R3s  =  (R1+R2+R3)sF \;=\; F_1 + F_2 + F_3 \;=\; R_1 s + R_2 s + R_3 s \;=\; (R_1 + R_2 + R_3) \cdot s
Gemeinsamer Weg ss, addierte Kräfte. Vergleich mit F=RerssF = R_{\text{ers}} \cdot s liefert die Ersatzfederrate.
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IV.3.2.2 Ersatzfederrate parallel
Rers  =  R1+R2+R3+  =  i=1NRiR_{\text{ers}} \;=\; R_1 + R_2 + R_3 + \dots \;=\; \sum_{i=1}^{N} R_i
Bei NN baugleichen Federn mit gleicher Federrate RR wird daraus Rers=NRR_{\text{ers}} = N \cdot R. Mehr parallel-geschaltete Federn heisst härteres System.
Formel Parallel
Rers=RiR_{\text{ers}} = \sum R_i
Federraten addieren sich. Mehr Federn → härter.
Merke NN baugleiche parallel: Rers=NRR_{\text{ers}} = N \cdot R.

IV.3.3 Reihenschaltung

Jetzt stell dir drei Federn untereinander gestapelt vor, mit einer steifen Platte oben und einer unten. Wenn du auf die obere Platte drückst, geht die ganze Kraft durch jede einzelne Feder (sie ist überall gleich, weil sich an jeder Trennstelle Aktion gleich Reaktion einstellt). Aber die Wege addieren sich, weil jede Feder etwas zur Gesamt-Verschiebung beiträgt.

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IV.3.3.1 Reihenschaltung, Herleitung
s  =  s1+s2+s3  =  FR1+FR2+FR3  =  F(1R1+1R2+1R3)s \;=\; s_1 + s_2 + s_3 \;=\; \frac{F}{R_1} + \frac{F}{R_2} + \frac{F}{R_3} \;=\; F\left(\frac{1}{R_1} + \frac{1}{R_2} + \frac{1}{R_3}\right)
Gemeinsame Kraft FF, addierte Wege. Auflösen nach F/sF/s liefert die Ersatzfederrate.
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IV.3.3.2 Ersatzfederrate Reihe
1Rers  =  i=1N1Ri\frac{1}{R_{\text{ers}}} \;=\; \sum_{i=1}^{N} \frac{1}{R_i}
Ausgeschrieben: 1Rers=1R1+1R2++1RN\tfrac{1}{R_{\text{ers}}} = \tfrac{1}{R_1} + \tfrac{1}{R_2} + \dots + \tfrac{1}{R_N}. Die Kehrwerte der Federraten addieren sich. Bei NN baugleichen Federn mit Federrate RR wird daraus Rers=R/NR_{\text{ers}} = R / N. Mehr in Reihe geschaltete Federn heisst weicheres System.
Formel Reihe
1Rers=1Ri\frac{1}{R_{\text{ers}}} = \sum \frac{1}{R_i}
Kehrwerte addieren sich. Mehr Federn → weicher.
Merke NN baugleiche in Reihe: Rers=R/NR_{\text{ers}} = R / N.

IV.3.4 Kombinierte Schaltungen

Im Maschinenbau finden sich oft gemischte Schaltungen: zwei Federn parallel, das Ganze in Reihe mit einer dritten Feder, und so weiter. Die Vorlesung zeigt dafür ein 4-Feder-Beispiel (Slide 29). Das Rezept ist immer dasselbe: zuerst die parallelen Gruppen zusammenfassen, dann die verbleibende Kette als Reihenschaltung behandeln.

Workflow gemischte Federschaltung

  1. Schritt 1: Skizze und Schaltungsart pro Gruppe identifizieren
    Ohne klare Skizze gerät die Rechnung durcheinander. Markiere für jede Federgruppe: gemeinsamer Weg (parallel) oder gemeinsame Kraft (Reihe)?
    Beispiel V07 Slide 29: R1R_1 und R2R_2 parallel (zwei Federn oben nebeneinander), R3R_3 und R4R_4 parallel (zwei Federn unten nebeneinander), die zwei Etagen wiederum in Reihe übereinander.
  2. Schritt 2: Parallele Gruppen zu Ersatzfederraten zusammenfassen
    Reduziert das System auf weniger Elemente.
    R12=R1+R2R_{12} = R_1 + R_2 und R34=R3+R4R_{34} = R_3 + R_4. Damit bleibt ein System aus zwei Federn in Reihe.
  3. Schritt 3: Verbleibende Reihe auflösen
    Aus den zwei Etagen ergibt sich die Gesamt-Ersatzfederrate.
    1Rers=1R12+1R34\dfrac{1}{R_{\text{ers}}} = \dfrac{1}{R_{12}} + \dfrac{1}{R_{34}}, also Rers=11/(R1+R2)+1/(R3+R4)R_{\text{ers}} = \dfrac{1}{1/(R_1 + R_2) + 1/(R_3 + R_4)}.
    Rers=11R1+R2+1R3+R4R_{\text{ers}} = \frac{1}{\dfrac{1}{R_1 + R_2} + \dfrac{1}{R_3 + R_4}}

Baugleiche Federn als Sonderfall (Slide 28). Wenn das System nur aus NN baugleichen Federn besteht (alle mit derselben Federrate RR), wird die Rechnung trivial. Parallel: Rers=NRR_{\text{ers}} = N \cdot R. In Reihe: Rers=R/NR_{\text{ers}} = R / N. Diese zwei Formeln sind das, was du in einer Klausur „aus dem Stand“ können musst, ohne nachzudenken.

Merke Workflow: erst parallel zusammenfassen, dann Reihe.
Formel NN baugleich
Rers=NR (parallel)    Rers=R/N (Reihe)R_{\text{ers}} = N R \text{ (parallel)} \;\big|\; R_{\text{ers}} = R/N \text{ (Reihe)}
Schaltung mit baugleichen Federn als Sonderfall.

IV.4.1 Tellerfeder als Bauelement

Stell dir eine flache Stahl-Schale vor, etwa wie ein leicht durchgewölbter Bierdeckel aus Metall. Wenn du in der Mitte mit dem Daumen drückst, gibt die Schale ein paar Millimeter nach und schnellt zurück, sobald du loslässt. Vergrößere das gedanklich auf Industriemaß: Außendurchmesser bis 250mm250\,\text{mm}, Blechdicke bis 6mm6\,\text{mm}. Das ist eine Tellerfeder.

Tellerfedern sind genormte, kegelstumpfförmige Federscheiben. Ihr großer Vorteil: sie können sehr hohe Kräfte auf sehr kleinem Bauraum aufnehmen. Eine Schraubenfeder mit vergleichbarer Maximalkraft wäre viel länger. Außerdem lassen sich Tellerfedern durch geschickte Schaltungen zu beliebigen Kennlinien zusammensetzen, von linear bis stark progressiv.

Symbol Bedeutung
DeD_e Außendurchmesser des Tellers
DiD_i Innendurchmesser des Tellers
tt Blechdicke des Tellers
l0l_0 Höhe der ungespannten Tellerfeder (inkl. Blechdicke)
h0h_0 Rechnerischer maximaler Federweg (h0=l0th_0 = l_0 - t)
ss Aktueller Federweg
Geometrische Kennwerte einer Tellerfeder (V07 Slide 31).
Definition Tellerfeder
Genormte, kegelstumpfförmige Federscheibe. Hohe Kraft auf kleinem Bauraum.
Formel Federweg-Obergrenze
smax=h0=l0ts_{\max} = h_0 = l_0 - t
Bei Federweg h0h_0 liegt der Teller flach.

IV.4.2 Reihen A, B, C: Kennlinien-Typen

Tellerfedern haben nicht automatisch eine lineare Kennlinie. Je nachdem, wie hoch der Kegelstumpf relativ zur Blechdicke ist (Verhältnis h0/th_0/t), reagiert die Feder linear, leicht degressiv oder stark degressiv mit Plateau. Die Norm teilt das in drei Reihen A, B, C ein.

Reihe h0/th_0/t Kennlinien-Charakter
A 0,4\approx 0{,}4 näherungsweise linear (flacher Teller)
B 0,75\approx 0{,}75 mäßig degressiv
C 1,4\approx 1{,}4 stark degressiv mit Plateau (hoher Teller)
Tellerfeder-Reihen nach Verhältnis h0/th_0/t (V07 Slide 32, Roloff/Matek).

Wann wähle ich welche Reihe? Für eine Federsäule, die einfach Kraft auf vorgegebenem Weg aufbauen soll, wählt man Reihe A (näherungsweise linear). Für Sicherheitsventile, die ab einem Schwellwert ploppen sollen, ist Reihe B oder C besser, weil sie nahe am Schwellwert ein flaches Plateau bilden und so eine konstante Kraft über einen Hub-Bereich liefern.

Merke Reihe A = linear. Reihe B = leicht degressiv. Reihe C = stark degressiv mit Plateau.

IV.4.3 Federpaket und Federsäule

Eine einzelne Tellerfeder hat eine fest vorgegebene Federrate RR und einen vorgegebenen maximalen Federweg h0h_0. Wenn du eine andere Kennlinie brauchst, schaltest du mehrere Tellerfedern zu einem System zusammen. Die Vorlesung unterscheidet streng zwei Bauformen mit eindeutiger Nomenklatur.

Schaltung (Symbol) Aufbau Mechanisches Verhalten
Federpaket (nn) nn baugleiche Federn in derselben Orientierung gestapelt Parallelschaltung: Federraten addieren sich, Wege bleiben gleich
Federsäule (ii) ii Federpakete in wechselnder Orientierung gestapelt Reihenschaltung: Wege addieren sich, Kraft bleibt gleich
Zwei Schaltungen für Tellerfedern (V07 Slides 33 und 34).
!!!
IV.4.3.1 Federpaket (Parallel)
RPaket  =  nRR_{\text{Paket}} \;=\; n \cdot R
nn baugleiche Tellerfedern in derselben Orientierung. System wird um Faktor nn härter. Maximaler Federweg pro Paket bleibt h0h_0.
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IV.4.3.2 Federsäule (Reihe)
RSa¨ule  =  RPaketi  =  nRiR_{\text{S\"aule}} \;=\; \frac{R_{\text{Paket}}}{i} \;=\; \frac{n \cdot R}{i}
ii baugleiche Federpakete in wechselnder Orientierung. System wird um Faktor ii weicher. Maximaler Federweg der Säule ist ih0i \cdot h_0.
Formel Tellerfeder-Schaltung
Rers=niRR_{\text{ers}} = \frac{n}{i} \cdot R
nn Federn pro Paket (parallel), ii Pakete pro Säule (Reihe). Einheitliche Formel für jede Schaltung baugleicher Tellerfedern.
Merke Maximaler Gesamt-Federweg einer Säule: ih0i \cdot h_0 (jedes Paket trägt h0h_0 bei).

IV.4.4 Progressive Kennlinie durch Kombination

Bisher hatten wir gleichmäßige Säulen aus baugleichen Paketen. Aber sobald die Pakete unterschiedliche Steifigkeit haben, wird die Kennlinie der ganzen Säule geknickt progressiv. Genau dieses Verhalten ist der eigentliche Trumpf der Tellerfeder gegenüber der Schraubenfeder.

Wie funktioniert das? Stell dir drei Pakete in einer Säule vor, jedes mit unterschiedlicher Federrate (R1<R2<R3R_1 < R_2 < R_3). Bei kleiner Last federt zunächst das weichste Paket (R1R_1), denn es ist das nachgiebigste Glied der Reihen-Kette. Wenn dieses Paket vollständig zusammengedrückt ist (Federweg =h0= h_0), kann es nicht weiter nachgeben. Ab diesem Knick übernimmt das nächst-härtere Paket (R2R_2) den Federweg. Und so weiter.

Lies das Bild auf Slide 35 so: die Kennlinie startet mit der Steigung der weichsten Paket-Federrate, knickt bei Federweg 3h0/2\approx 3 \cdot h_0 / 2 auf eine steilere Steigung, knickt nochmal weiter bei 5h0/3\approx 5 \cdot h_0 / 3. Am Ende, kurz vor 6h06 \cdot h_0, ist die ganze Säule flach gedrückt und die Kennlinie geht senkrecht (sehr hohe Steifigkeit, weil nur noch Material-Stauchung übrig bleibt).

Merke Geknickt progressiv: weichste Pakete zuerst, harte zuletzt. Lastabhängige Federsteifigkeit ohne Regelung.

IV.5.1 Was ist eine Drehfeder?

Stell dir eine Wäscheklammer vor. Du drückst sie hinten zusammen, vorne öffnet sich die Klammer. Die kleine Spirale aus Stahldraht in der Mitte ist eine Schenkelfeder, das einfachste Beispiel einer Drehfeder. Im Gegensatz zur Schraubenfeder wird sie nicht durch axiale Kraft, sondern durch eine Drehbewegung gespannt und entspannt.

Drehfedern haben zwei klassische Bauformen: die Schenkelfeder (gewickelter Draht mit zwei seitlichen Hebeln) und die Drehstabfeder (gerader Stab, der entlang seiner Achse verdreht wird). Beide reagieren auf ein Drehmoment MM mit einem Verdrehwinkel φ\varphi, statt wie die Zug/Druckfeder auf eine Kraft FF mit einem Weg ss. Die Mathematik ist analog, nur mit anderen Achsen-Größen.

Definition Drehfeder
Feder, die durch Drehmoment gespannt und entspannt wird. Kennlinie ist MM über φ\varphi.
Merke Zwei Bauformen: Schenkelfeder (gewickelt, Biegebelastung) und Drehstabfeder (gerade, Torsionsbelastung).

IV.5.2 Federkennlinie und Federarbeit der Drehfeder

Die Kennlinie einer Drehfeder ist linear, genau wie bei der Schraubenfeder. Nur die Achsen heissen anders: vertikal das Drehmoment MM (in Nm), horizontal der Verdrehwinkel φ\varphi (in °). Die Steigung der Geraden ist die Federrate RR (in Nm/°).

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IV.5.2.1 Federkennlinie Drehfeder
M  =  RφM \;=\; R \cdot \varphi
MM: Drehmoment in Nm. φ\varphi: Verdrehwinkel in °. RR: Federrate der Drehfeder in Nm/°. Lineare Kennlinie wie bei der translatorischen Schraubenfeder.
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IV.5.2.2 Federarbeit Drehfeder
W  =  φ1φ2M(φ)dφ  =  12R(φ22φ12)W \;=\; \int_{\varphi_1}^{\varphi_2} M(\varphi)\, \mathrm{d}\varphi \;=\; \tfrac{1}{2}\, R\,(\varphi_2^2 - \varphi_1^2)
Fläche unter der Kennlinie, analog zur Schraubenfeder. Für φ1=0\varphi_1 = 0 wird daraus W=12MφW = \tfrac{1}{2}\, M \, \varphi. Einheit: Nm (wenn RR in Nm/° und φ\varphi in ° sind, ergibt sich rechnerisch Nm·°, was im üblichen Gebrauch zu Nm zusammengefasst wird).

Vorzeichen-Konvention. Drehmoment und Verdrehwinkel haben in dieser Vorlesung beide das gleiche Vorzeichen: ein positives MM erzeugt ein positives φ\varphi im selben Drehsinn. Die rechte-Hand-Regel ist Standard (Daumen in positive Achsen-Richtung, Finger zeigen Drehsinn an). Bei Aufgaben mit zwei Drehfedern auf gemeinsamer Welle muss man sich an dieser Konvention konsequent festhalten.

Formel Drehfeder-Kennlinie
M=RφM = R \varphi
Rotatorische Gegenstück zur Schraubenfeder-Kennlinie F=RsF = R s.
Formel Drehfeder-Arbeit
W=12R(φ22φ12)W = \tfrac{1}{2} R (\varphi_2^2 - \varphi_1^2)
Quadratisch im Winkel, parallel zur translatorischen Federarbeit.

IV.5.3 Schenkelfeder

Eine Schenkelfeder sieht auf den ersten Blick wie eine Schraubenfeder aus: ein zur Spirale gewickelter Draht. Der Unterschied ist die Last. Bei der Schraubenfeder greift die Kraft axial an, sodass der Draht verdreht (torsiv belastet) wird. Bei der Schenkelfeder greifen Kräfte an den seitlichen Schenkeln an und erzeugen ein Drehmoment um die Wicklungsachse. Der Draht wird dadurch gebogen (Biegebelastung), nicht torsiv.

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IV.5.3.1 Federrate Schenkelfeder
R  =  π180Ed464DnR \;=\; \frac{\pi}{180^{\circ}} \cdot \frac{E \cdot d^4}{64 \cdot D \cdot n}
EE: E-Modul des Werkstoffs (nicht GG, weil hier Biegung wirkt). dd: Drahtdurchmesser. DD: mittlerer Windungsdurchmesser. nn: Anzahl federnder Windungen. Der Vorfaktor π/180°\pi/180° wandelt die Einheit von Nmm/rad nach Nmm/°. Resultierende Federrate in Nmm/° (durch 10001000 dividieren für Nm/°).
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IV.5.3.2 Drehmoment am Schenkelfeder-Hebel
M  =  FaM \;=\; F \cdot a
FF ist die am Schenkelende eingeleitete Querkraft, aa der Hebelarm zwischen Kraftangriffspunkt und Federdrahtachse. Zusammen mit der Federkennlinie M=RφM = R \varphi (IV.5.2.1) gibt das die Brücke zur reinen Auslegung: bei bekannter Last FF und Geometrie aa kennst du das Moment MM, und mit der Federrate RR den nötigen Verdrehwinkel φ=M/R\varphi = M/R.
Formel Schenkelfeder
R=π180Ed464DnR = \frac{\pi}{180^{\circ}} \cdot \frac{E\, d^4}{64\, D\, n}
Federrate für Drehfeder aus gewickeltem Draht. EE-Modul, weil der Draht gebogen wird.
Formel Hebel-Brücke
M=Fa=RφM = F a = R \varphi
Drehmoment == Kraft mal Hebelarm == Federrate mal Verdrehwinkel.
Merke Biegung → EE. Schraubenfeder dagegen: Torsion → GG.

IV.5.4 Drehstabfeder

Eine Drehstabfeder ist ein gerader, oft schlanker Stahlstab, dessen Enden formschlüssig in Halterungen sitzen. Wenn du ein Ende verdrehst und das andere festhältst, entsteht eine Torsion entlang der Stab-Achse. Bei Loslassen schnellt der Stab zurück. Drehstabfedern sind ehrliche Torsions-Bauteile: ihr Materialverhalten ist genau das aus dem Mechanik-II-Kapitel über Torsion.

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IV.5.4.1 Federrate Drehstabfeder
R  =  π180πGd432lfR \;=\; \frac{\pi}{180^{\circ}} \cdot \frac{\pi \cdot G \cdot d^4}{32 \cdot l_f}
GG: Schubmodul (nicht EE, weil Torsion wirkt). dd: Schaftdurchmesser des Stabs. lfl_f: federnde Länge (nur der schlanke Mittelteil, nicht die dicken Enden). Der Vorfaktor π/180°\pi/180° wandelt wie bei der Schenkelfeder von rad nach °. Resultat in Nmm/°.
Formel Drehstabfeder
R=π180πGd432lfR = \frac{\pi}{180^{\circ}} \cdot \frac{\pi\, G\, d^4}{32\, l_f}
Federrate für reine Torsion eines geraden Stabs. GG-Modul, weil Drehbeanspruchung.
Querverweis Weiter zu
↳ IV.7.6 Aufgabe: Drehstabfeder

IV.6.1 Einarmige Blattfeder

Stell dir ein Lineal vor, das du mit der einen Hand am Tisch fixierst und mit dem Finger der anderen am freien Ende nach unten drückst. Das Lineal biegt sich nach unten, und sobald du loslässt, schnellt es zurück. Das ist eine einarmige Blattfeder: ein einseitig eingespannter Biegebalken, dessen Durchbiegung am freien Ende den Federweg ss darstellt.

Im Unterschied zu Schrauben- und Drehfedern ist die Blattfeder mechanisch ehrlich: sie ist tatsächlich ein Biegebalken, und die Federrate folgt direkt aus der Mechanik der Biegung (Kapitel Mech II). Das macht sie auch zur einfachsten Federart, mit der man Werkstoff-Biegegleichungen verifizieren kann.

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IV.6.1.1 Federrate einarmige Blattfeder
R  =  bh3Eq1l3R \;=\; \frac{b \cdot h^3 \cdot E}{q_1 \cdot l^3}
bb: Breite. hh: Höhe (Dicke). ll: federnde Länge. EE: E-Modul. q1q_1: Bauform-Faktor (Rechteck: 4, Dreieck: 6, Parabel: 8). Die Kennlinie ist linear, weil bb, hh, ll, EE, q1q_1 während der Belastung konstant bleiben.
Formel Blattfeder
R=bh3Eq1l3R = \frac{b\, h^3\, E}{q_1\, l^3}
Einseitig eingespannter Biegebalken. EE-Modul, weil Biegung.
Merke Höhe in dritter Potenz, Länge im Nenner zur dritten: beide dominieren die Steifigkeit.

IV.6.2 Bauformen und der Faktor q1q_1

In der Federrate-Formel taucht ein Bauform-Faktor q1q_1 auf, der je nach Form des Federquerschnitts unterschiedliche Werte annimmt. Die Vorlesung zeigt drei Standard-Bauformen, die in der Praxis dominieren.

Bauform Querschnitt entlang ll q1q_1
Rechteckfeder konstant 44
Dreieckfeder linear verjüngend 66
Parabelfeder parabolisch verjüngend 88
Bauformen der einarmigen Blattfeder und ihr Faktor q1q_1 (V07 Slide 43).
Merke q1q_1: 4 = Rechteck, 6 = Dreieck, 8 = Parabel.

IV.6.3 Zweiarmige und geschichtete Blattfedern

Eine zweiarmige Blattfeder sieht aus wie ein in der Mitte belasteter, beidseitig aufgelegter Balken. Mechanisch lässt sie sich als Parallelschaltung zweier einarmiger Blattfedern der Länge l=L/2l = L/2 analysieren. Daher gilt:

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IV.6.3.1 Zweiarmige Blattfeder
Rzwei  =  2Reinarmig(l=L/2)R_{\text{zwei}} \;=\; 2 \cdot R_{\text{einarmig}}(l = L/2)
Die Last FF teilt sich auf die zwei Halbarme zu je F/2F/2 auf. Mit halber Länge pro Arm und Faktor 22 aus Parallelschaltung verdoppelt sich die Federrate gegenüber einer einarmigen Feder der Gesamtlänge LL.

Geschichtete Blattfedern (Slide 45). In schweren Fahrzeugen (Lkw, Eisenbahn-Wagons) werden mehrere Blattfedern unterschiedlicher Länge übereinandergestapelt. Die längste liegt unten, die kürzeren oben drauf. Beim Federn rutschen die Schichten leicht gegeneinander, was eine erhebliche Coulomb-Reibung erzeugt. Diese Reibung ist hier nicht Schwäche, sondern gewollt: sie dient als Dämpfung und entspricht in der Funktion einem Stoßdämpfer.

Formel Zweiarmig
Rzwei=2Reinarmig(L/2)R_{\text{zwei}} = 2 R_{\text{einarmig}}(L/2)
Parallelschaltung zweier Halbarme.
Merke Geschichtete Blattfeder = Federung plus Dämpfung in einem Bauteil.

IV.6.4 Schnappverbindung (Snap-fit)

Stell dir den Verschluss eines Rucksackgurts vor: du drückst, es macht „klick“, und das Gegenstück hakt ein. Ein Snap-fit (Schnappverbindung) ist mechanisch genau das: eine einarmige Blattfeder mit einem Sperrzahn am freien Ende. Beim Fügen muss die Feder eine Schnapphöhe HH überdrücken, dann rastet sie hinter dem Hinterschnitt ein. Das Ergebnis ist eine formschlüssige Verbindung, die ohne Werkzeug montierbar ist.

Symbol Bedeutung
ll Schnapplänge (federnde Länge des Schnapphakens)
bb, hh Querschnitt: Breite und Höhe des Hakens
HH Schnapphöhe (entspricht dem Federweg ss beim Einrasten)
HmaxH_{\max} maximal mögliche Schnapphöhe (Werkstoff-Limit)
α1\alpha_1 Fügewinkel (flacher Winkel, über den der Sperrzahn beim Stecken läuft)
α2\alpha_2 Haltewinkel (Winkel, der das spätere Lösen bestimmt)
Geometrische Kennwerte einer Schnappverbindung (V07 Slide 47).
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IV.6.4.1 Federrate Schnappverbindung (Rechteck, q1=4q_1 = 4)
R  =  bh3E4l3R \;=\; \frac{b \cdot h^3 \cdot E}{4 \cdot l^3}
Genau die Blattfeder-Formel mit q1=4q_1 = 4 (Rechteckquerschnitt, weil der Schnapphaken konstanten Querschnitt hat). Die maximale Federkraft beim Einrasten ist F=RHF = R \cdot H, also direkt aus Schnapphöhe und Federrate.
Formel Snap-fit Federrate
R=bh3E4l3R = \frac{b\, h^3\, E}{4\, l^3}
Blattfeder-Formel mit q1=4q_1 = 4.
Formel Maximalkraft
Fmax=RHF_{\max} = R \cdot H
Federkraft im Moment des Einrastens.

IV.6.5 Lösbar vs. unlösbar: der Haltewinkel α2\alpha_2

Eine Schnappverbindung kann lösbar oder unlösbar sein, je nach Geometrie des Sperrzahns. Die entscheidende Größe ist der Haltewinkel α2\alpha_2. Je flacher er ist, desto leichter lässt sich die Verbindung wieder ziehen. Steht er senkrecht oder hinterschneidet sogar, hält die Verbindung formschlüssig fest, ohne dass sich der Haken zurückbewegen kann.

Haltewinkel α2\alpha_2 Lösbarkeit Anwendung
<90°< 90° lösbar durch axiales Ziehen (je größer α2\alpha_2, desto größere Lösekraft) Gehäuse-Deckel, lösbare Bauteilverbindungen
90°\ge 90° unlösbar ohne separaten Lösemechanismus Einweg-Verbindungen, Sicherheitsverschlüsse
Lösbarkeit einer Schnappverbindung in Abhängigkeit vom Haltewinkel α2\alpha_2.
Merke α2<90°\alpha_2 < 90°: lösbar. α290°\alpha_2 \ge 90°: unlösbar (ohne Lösemechanismus).
Definition Fügewinkel α1\alpha_1
Bestimmt die Fügekraft beim Stecken. Klein (α130°\alpha_1 \approx 30° bis 45°45°) für leichtes Fügen.
Definition Haltewinkel α2\alpha_2
Bestimmt die Lösekraft. Groß für sichere Verbindung, klein für leicht lösbare.

IV.7.1 Aufgabe 1: Schraubenfeder, Federrate und Federkraft

Aufgabenstellung (Übung U07.1). Eine zylindrische Schrauben-Druckfeder hat die folgenden Kennwerte: Drahtdurchmesser d=7,5mmd = 7{,}5\,\text{mm}, mittlerer Windungsdurchmesser D=41,5mmD = 41{,}5\,\text{mm}, ungespannte Länge L0=60mmL_0 = 60\,\text{mm}, Anzahl federnder Windungen n=2,5n = 2{,}5, Schubmodul (X7CrNiAl17-7) G=72500N/mm2G = 72\,500\,\text{N/mm}^2.

Gesucht: (a) Federrate RR. (b) Federkraft FF bei maximalem Federweg s=25mms = 25\,\text{mm}.

Lösung in 2 Schritten

  1. Schritt 1: Federrate aus der Standardformel
    Mit Werkstoff- und Geometriedaten lässt sich RR direkt einsetzen.
    R=Gd4/(8D3n)=725007,54/(841,532,5)R = G \cdot d^4 / (8 \cdot D^3 \cdot n) = 72\,500 \cdot 7{,}5^4 / (8 \cdot 41{,}5^3 \cdot 2{,}5).
    R=725007,54841,532,5=160,5N/mmR = \frac{72\,500 \cdot 7{,}5^4}{8 \cdot 41{,}5^3 \cdot 2{,}5} = 160{,}5\,\text{N/mm}
  2. Schritt 2: Federkraft aus linearer Kennlinie
    F=RsF = R \cdot s liefert die Kraft direkt.
    F=160,5N/mm25mm=4012,5NF = 160{,}5\,\text{N/mm} \cdot 25\,\text{mm} = 4012{,}5\,\text{N}. Plausibel: eine mittelharte Druckfeder mit rund 4kN4\,\text{kN} Endkraft.
    F=Rs=160,525=4012,5NF = R \cdot s = 160{,}5 \cdot 25 = 4012{,}5\,\text{N}
Formel Ergebnis
R=160,5N/mm,    F=4012,5NR = 160{,}5\,\text{N/mm},\;\; F = 4012{,}5\,\text{N}
Standardanwendung der zwei Hauptformeln dieser Sektion.

IV.7.2 Aufgabe 2: Kombinierte Schaltung aus vier Federn

Aufgabenstellung (Übung U07.2 Aufgabe 1). Vier Druckfedern mit den Federraten R1=5N/mmR_1 = 5\,\text{N/mm}, R2=3N/mmR_2 = 3\,\text{N/mm}, R3=4N/mmR_3 = 4\,\text{N/mm}, R4=2N/mmR_4 = 2\,\text{N/mm} sind nach folgender Skizze zusammengeschaltet: R1R_1 und R2R_2 parallel oben, R3R_3 darunter in Reihe, dieses Gebilde parallel zu R4R_4, das den ganzen Verbund umschließt.

Gesucht: Ersatzfederrate RersR_{\text{ers}}.

Lösung in 3 Schritten

  1. Schritt 1: R1R_1 und R2R_2 parallel zusammenfassen
    Die beiden oberen Federn tragen denselben Federweg, also Parallelschaltung.
    R12=R1+R2=5+3=8N/mmR_{12} = R_1 + R_2 = 5 + 3 = 8\,\text{N/mm}.
  2. Schritt 2: R12R_{12} und R3R_3 in Reihe
    Die zwei Etagen (R12R_{12} oben, R3R_3 darunter) stehen unter derselben Kraft, also Reihenschaltung.
    1R123=1R12+1R3=18+14=38mm/N\dfrac{1}{R_{123}} = \dfrac{1}{R_{12}} + \dfrac{1}{R_3} = \dfrac{1}{8} + \dfrac{1}{4} = \dfrac{3}{8}\,\text{mm/N}, also R123=8/3N/mmR_{123} = 8/3\,\text{N/mm}.
  3. Schritt 3: R123R_{123} und R4R_4 parallel zusammenfassen
    R4R_4 verläuft außen parallel zum gesamten Verbund R123R_{123}.
    Rers=R123+R4=8/3+2=8/3+6/3=14/34,67N/mmR_{\text{ers}} = R_{123} + R_4 = 8/3 + 2 = 8/3 + 6/3 = 14/3 \approx 4{,}67\,\text{N/mm}.
    Rers=11/(R1+R2)+1/R3+R4=143N/mmR_{\text{ers}} = \frac{1}{1/(R_1 + R_2) + 1/R_3} + R_4 = \frac{14}{3}\,\text{N/mm}
Formel Ergebnis
Rers4,67N/mmR_{\text{ers}} \approx 4{,}67\,\text{N/mm}
Erst parallele Gruppen, dann Reihen-Reduktion, dann äußere Parallel-Feder.

IV.7.3 Aufgabe 3: Vorgespannte Federn als verblüffende Parallelschaltung

Aufgabenstellung (Übung U07.2 Aufgabe 2). Zwei vorgespannte Druckfedern mit den Federraten R1=10N/mmR_1 = 10\,\text{N/mm} und R2=20N/mmR_2 = 20\,\text{N/mm} stoßen beidseitig an einer beweglichen Scheibe zusammen, die im Betrieb mit einer Druckkraft F<FVF < F_V belastet wird (mit FVF_V als Vorspannkraft). Optisch sieht der Aufbau aus wie eine Reihenschaltung: die zwei Federn stehen axial hintereinander.

Gesucht: Ersatzfederrate RersR_{\text{ers}}.

Erste Intuition (falsch!). Die Federn stehen axial hintereinander, also Reihenschaltung mit Rers=1/(1/R1+1/R2)=1/(1/10+1/20)=20/36,67N/mmR_{\text{ers}} = 1/(1/R_1 + 1/R_2) = 1/(1/10 + 1/20) = 20/3 \approx 6{,}67\,\text{N/mm}.

Das ist falsch. Schauen wir uns das Kräftegleichgewicht an der mittleren Scheibe genau an.

Korrekte Lösung über Kräftegleichgewicht

  1. Schritt 1: Zustand bei F=0F = 0
    Im vorgespannten Zustand drücken beide Federn die Scheibe von beiden Seiten mit derselben Vorspannkraft. Die Scheibe ist im Gleichgewicht.
    F1=FVF_1 = F_V (von rechts) und F2=FVF_2 = F_V (von links). Resultierende Kraft auf die Scheibe ist null.
  2. Schritt 2: Verschiebung um ss unter äußerer Last FF
    Bei Verschiebung der Scheibe um ss nach links wird Feder 1 entspannt (länger), Feder 2 zusätzlich gespannt (kürzer). Beide Federn ändern ihre Länge um denselben Betrag ss, mit entgegengesetztem Vorzeichen.
    F1=FVR1sF_1 = F_V - R_1 \cdot s (Feder 1 entlastet sich), F2=FV+R2sF_2 = F_V + R_2 \cdot s (Feder 2 stärker gespannt).
  3. Schritt 3: Kräftegleichgewicht an der Scheibe
    Die äußere Kraft FF muss die Differenz der beiden Federkräfte ausgleichen.
    F+F1=F2    F=F2F1=(FV+R2s)(FVR1s)=(R1+R2)sF + F_1 = F_2 \;\Rightarrow\; F = F_2 - F_1 = (F_V + R_2 s) - (F_V - R_1 s) = (R_1 + R_2) \cdot s.
    F=(R1+R2)s    Rers=R1+R2=30N/mmF = (R_1 + R_2) \cdot s \;\Rightarrow\; R_{\text{ers}} = R_1 + R_2 = 30\,\text{N/mm}
Formel Ergebnis
Rers=R1+R2=30N/mmR_{\text{ers}} = R_1 + R_2 = 30\,\text{N/mm}
Verblüffende Parallelschaltung trotz axialer Hintereinander-Anordnung.
Merke Vorspannung entscheidet hier: ohne sie würden die Federn bei Zug-Last den Kontakt verlieren und einzeln agieren.

IV.7.4 Aufgabe 4: Federarbeit bei vorgespannter Feder

Aufgabenstellung (Moodle-Serie 7, Frage 3). Eine Schrauben-Druckfeder mit Federrate R=0,334N/mmR = 0{,}334\,\text{N/mm} ist bereits um den Federweg s1=20mms_1 = 20\,\text{mm} vorgespannt. Wie viel zusätzliche Arbeit ΔW\Delta W wird in die Feder eingebracht, wenn sie um weitere Δs=20mm\Delta s = 20\,\text{mm} zusammengedrückt wird?

Gegeben: W1=12Rs12W_1 = \tfrac{1}{2}\, R\, s_1^2 aus der vorigen Aufgabe (Moodle-Serie 7, Frage 2), nicht im Detail gefordert. Erforderlich ist ΔW\Delta W im Vergleich zu W1W_1.

Lösung

  1. Schritt 1: Federarbeit von s1s_1 nach s2=s1+Δss_2 = s_1 + \Delta s
    Federarbeit ist die Fläche unter der Kennlinie zwischen den zwei Wegen.
    ΔW=12R(s22s12)\Delta W = \tfrac{1}{2}\, R\,(s_2^2 - s_1^2). Mit s1=20s_1 = 20 und s2=40s_2 = 40 wird das ΔW=12R(402202)=12R(1600400)=12R1200\Delta W = \tfrac{1}{2}\, R\,(40^2 - 20^2) = \tfrac{1}{2}\, R\,(1600 - 400) = \tfrac{1}{2}\, R \cdot 1200.
  2. Schritt 2: Vergleich mit W1W_1
    Aus W1=12Rs12=12R400W_1 = \tfrac{1}{2}\, R\, s_1^2 = \tfrac{1}{2}\, R \cdot 400 folgt ΔW/W1=1200/400=3\Delta W / W_1 = 1200 / 400 = 3.
    Also ΔW=3W1\Delta W = 3 \cdot W_1. Mit W1=0,0668JW_1 = 0{,}0668\,\text{J} aus der vorigen Aufgabe wäre ΔW=0,2004J=200,4Nmm\Delta W = 0{,}2004\,\text{J} = 200{,}4\,\text{Nmm}.
    ΔW=12R(s22s12)=3W1\Delta W = \tfrac{1}{2}\, R\,(s_2^2 - s_1^2) = 3 \cdot W_1
Formel Ergebnis
ΔW=3W1\Delta W = 3 W_1
Quadratisches Wachstum der Federarbeit mit dem Federweg.
Querverweis Theorie
↳ IV.2.6 Federarbeit

IV.7.5 Aufgabe 5: Tellerfeder-Federsäule

Aufgabenstellung (Moodle-Serie 7, Frage 5). Eine Federsäule besteht aus insgesamt 66 baugleichen Tellerfedern der Reihe A (näherungsweise linear). Die Federrate einer einzelnen Tellerfeder ist R=3,6kN/mmR = 3{,}6\,\text{kN/mm}. Die Anordnung zeigt drei Pakete in wechselnder Orientierung, jedes Paket enthält 22 Federn in derselben Orientierung.

Gesucht: Ersatzfederrate RersR_{\text{ers}} der Säule.

Lösung in 3 Schritten

  1. Schritt 1: Federrate eines Pakets (Parallelschaltung)
    Jedes Paket besteht aus n=2n = 2 Federn in derselben Orientierung, also parallel.
    RPaket=nR=23,6=7,2kN/mmR_{\text{Paket}} = n \cdot R = 2 \cdot 3{,}6 = 7{,}2\,\text{kN/mm}.
  2. Schritt 2: Federrate der Säule (Reihenschaltung)
    i=3i = 3 Pakete in wechselnder Orientierung sind in Reihe geschaltet.
    Rers=RPaket/i=7,2/3=2,4kN/mmR_{\text{ers}} = R_{\text{Paket}} / i = 7{,}2 / 3 = 2{,}4\,\text{kN/mm}.
  3. Schritt 3: Kontrolle mit der kompakten Formel
    Bei baugleichen Tellerfedern gilt Rers=n/iRR_{\text{ers}} = n/i \cdot R.
    Rers=2/33,6=2,4kN/mmR_{\text{ers}} = 2/3 \cdot 3{,}6 = 2{,}4\,\text{kN/mm}. Stimmt mit Schritt 2 überein.
    Rers=niR=233,6=2,4kN/mmR_{\text{ers}} = \frac{n}{i} \cdot R = \frac{2}{3} \cdot 3{,}6 = 2{,}4\,\text{kN/mm}
Formel Ergebnis
Rers=2,4kN/mmR_{\text{ers}} = 2{,}4\,\text{kN/mm}
Sechs Tellerfedern als drei Pakete á zwei Federn in Reihe.

IV.7.6 Aufgabe 6: Drehstabfeder am Drehmoment-Schlüssel

Aufgabenstellung (Übung U07.4). Zur Kontrolle des Anziehmoments von Radschrauben am Auto wird eine Drehstabfeder eingesetzt. Die Feder besteht aus legiertem Stahl (G=78500N/mm2G = 78\,500\,\text{N/mm}^2), hat eine federnde Länge lf=140mml_f = 140\,\text{mm} und einen Schaftdurchmesser d=10mmd = 10\,\text{mm}.

Gesucht: (a) Federrate RR. (b) Verdrehwinkel φ\varphi bei einem Drehmoment Mt=110NmM_t = 110\,\text{Nm}.

Lösung in 2 Schritten

  1. Schritt 1: Federrate aus der Drehstabfeder-Formel
    Direktes Einsetzen in die Standardformel.
    R=(π/180°)πGd4/(32lf)=(π/180°)π7850010000/(32140)R = (\pi/180°) \cdot \pi \cdot G \cdot d^4 / (32 \cdot l_f) = (\pi/180°) \cdot \pi \cdot 78\,500 \cdot 10\,000 / (32 \cdot 140).
    R=π180π7850010432140=9608Nmm/=9,608Nm/R = \frac{\pi}{180^{\circ}} \cdot \frac{\pi \cdot 78\,500 \cdot 10^4}{32 \cdot 140} = 9608\,\text{Nmm/}^{\circ} = 9{,}608\,\text{Nm/}^{\circ}
  2. Schritt 2: Verdrehwinkel aus Mt=RφM_t = R \cdot \varphi
    Lineare Kennlinie der Drehfeder.
    φ=Mt/R=110Nm/9,608Nm/11,45\varphi = M_t / R = 110\,\text{Nm} / 9{,}608\,\text{Nm/}^{\circ} \approx 11{,}45^{\circ}.
    φ=MtR=1109,60811,45\varphi = \frac{M_t}{R} = \frac{110}{9{,}608} \approx 11{,}45^{\circ}
Formel Ergebnis
R=9,608Nm/,  φ11,45R = 9{,}608\,\text{Nm/}^{\circ},\; \varphi \approx 11{,}45^{\circ}
Reine Anwendung der Drehstabfeder-Kernformel.
Querverweis Theorie
↳ IV.5.4 Drehstabfeder

IV.7.7 Aufgabe 7: Blattfeder mit Vorspannung

Aufgabenstellung (Moodle-Serie 7, Frage 8). Eine Blattfeder aus Federstahl (E=206000N/mm2E = 206\,000\,\text{N/mm}^2) ist in einem Schaltwerk verbaut. Sie hat die federnde Länge l=92mml = 92\,\text{mm}, die Federbreite b=15mmb = 15\,\text{mm} und die Federdicke h=1,5mmh = 1{,}5\,\text{mm}. Im Ausgangszustand ist die Feder bereits mit einer Vorspannkraft F1=80,4NF_1 = 80{,}4\,\text{N} gespannt (Federweg s1=F1/Rs_1 = F_1/R). Wie viel zusätzliche Arbeit WW wird in die Feder eingebracht, wenn sie um Δs=6mm\Delta s = 6\,\text{mm} weiter ausgelenkt wird?

Annahme: Rechteckquerschnitt, also q1=4q_1 = 4.

Lösung in 3 Schritten

  1. Schritt 1: Federrate RR aus der Blattfeder-Formel
    Mit q1=4q_1 = 4 und den Geometrie-Werten lässt sich RR direkt einsetzen.
    R=bh3E/(q1l3)=151,53206000/(4923)=153,375206000/31147523,35N/mmR = b \cdot h^3 \cdot E / (q_1 \cdot l^3) = 15 \cdot 1{,}5^3 \cdot 206\,000 / (4 \cdot 92^3) = 15 \cdot 3{,}375 \cdot 206\,000 / 3\,114\,752 \approx 3{,}35\,\text{N/mm}.
    R=151,5320600049233,35N/mmR = \frac{15 \cdot 1{,}5^3 \cdot 206\,000}{4 \cdot 92^3} \approx 3{,}35\,\text{N/mm}
  2. Schritt 2: Anfangs- und End-Federweg
    Aus der Vorspannung F1=80,4NF_1 = 80{,}4\,\text{N} folgt s1s_1, mit der zusätzlichen Auslenkung Δs=6mm\Delta s = 6\,\text{mm} folgt s2s_2.
    s1=F1/R=80,4/3,3524mms_1 = F_1 / R = 80{,}4 / 3{,}35 \approx 24\,\text{mm}, s2=s1+Δs=30mms_2 = s_1 + \Delta s = 30\,\text{mm}.
  3. Schritt 3: Zusätzliche Federarbeit
    Quadrat-Differenz wie bei jeder vorgespannten Feder.
    W=12R(s22s12)=123,35(900576)=123,35324542,7Nmm=542,7mJW = \tfrac{1}{2}\, R\,(s_2^2 - s_1^2) = \tfrac{1}{2} \cdot 3{,}35 \cdot (900 - 576) = \tfrac{1}{2} \cdot 3{,}35 \cdot 324 \approx 542{,}7\,\text{Nmm} = 542{,}7\,\text{mJ}.
    W=12R(s22s12)542,7mJW = \tfrac{1}{2} \, R \,(s_2^2 - s_1^2) \approx 542{,}7\,\text{mJ}
Formel Ergebnis
R3,35N/mm,  W542,7mJR \approx 3{,}35\,\text{N/mm},\; W \approx 542{,}7\,\text{mJ}
Blattfeder-Federrate plus Quadrat-Differenz der Energie.

IV.7.8 Aufgabe 8: Maximale Federarbeit Parallel- vs. Reihenschaltung

Aufgabenstellung (Übung U07.1 Aufgabe 2). Zwei baugleiche Schrauben-Druckfedern mit der Federrate R=160,5N/mmR = 160{,}5\,\text{N/mm} aus Aufgabe 1 sollen zu einem Federsystem zusammengeschaltet werden, das möglichst viel mechanische Energie speichert. Jede einzelne Feder darf dabei um den maximalen Federweg s=25mms = 25\,\text{mm} zusammengedrückt werden.

Gesucht: (a) Maximale Federarbeit WmaxW_{\max} bei Parallelschaltung. (b) Maximale Federarbeit WmaxW_{\max} bei Reihenschaltung. (c) Welche Schaltung eignet sich besser als Energiespeicher in einem kompakten Antrieb?

Lösung in 3 Schritten

  1. Schritt 1: Parallelschaltung
    Beide Federn teilen sich denselben Weg, ihre Kräfte addieren sich. Die Limit-Bedingung ist s=25mms = 25\,\text{mm} (pro Feder, gleich für beide).
    Fmax=2F=2Rs=24012,5=8025NF_{\max} = 2 F = 2 \cdot R \cdot s = 2 \cdot 4012{,}5 = 8025\,\text{N}, smax=s=25mms_{\max} = s = 25\,\text{mm}. Wmax=12Fmaxsmax=12802525=100312,5Nmm100,3JW_{\max} = \tfrac{1}{2}\, F_{\max} \cdot s_{\max} = \tfrac{1}{2} \cdot 8025 \cdot 25 = 100\,312{,}5\,\text{Nmm} \approx 100{,}3\,\text{J}.
    Wmaxpar=12(2F)s=Fs=100,3JW_{\max}^{\text{par}} = \tfrac{1}{2}\, (2F) \cdot s = F \cdot s = 100{,}3\,\text{J}
  2. Schritt 2: Reihenschaltung
    Beide Federn tragen dieselbe Kraft, ihre Wege addieren sich. Die Limit-Bedingung ist s=25mms = 25\,\text{mm} pro Feder, das gesamte System bewegt sich also um 2s2s.
    Fmax=F=Rs=4012,5NF_{\max} = F = R \cdot s = 4012{,}5\,\text{N}, smax=2s=50mms_{\max} = 2s = 50\,\text{mm}. Wmax=12Fmaxsmax=124012,550=100312,5Nmm100,3JW_{\max} = \tfrac{1}{2}\, F_{\max} \cdot s_{\max} = \tfrac{1}{2} \cdot 4012{,}5 \cdot 50 = 100\,312{,}5\,\text{Nmm} \approx 100{,}3\,\text{J}.
    Wmaxrei=12F(2s)=Fs=100,3JW_{\max}^{\text{rei}} = \tfrac{1}{2}\, F \cdot (2s) = F \cdot s = 100{,}3\,\text{J}
  3. Schritt 3: Vergleich und Anwendungsentscheidung
    Wenn die Limit-Bedingung die Einzelfeder-Belastung ist, ist die max. speicherbare Energie unabhängig von der Schaltung. Die Wahl entscheidet sich an Sekundär-Kriterien.
    Parallel: kürzerer Federweg, schnellere Aktorik, größere Kraft (kompakte starke Antriebe). Reihe: längerer Federweg, kleinere Kraft, passt besser in schmale, lange Bauräume. Für einen kompakten Antrieb mit kleinem Motor: Reihe.
Formel Ergebnis
Wmax=Fs=100,3JW_{\max} = F \cdot s = 100{,}3\,\text{J}
Identisch für Parallel- und Reihenschaltung baugleicher Federn.

IV.7.9 Aufgabe 9: Drei-Feder-System mit progressiver Kennlinie

Aufgabenstellung (Übung U07.3). Drei Schraubenfedern (1, 2, 3) sind in einem Aufbau zusammengeschaltet, in dem die obere Feder 1 zwischen zwei Platten sitzt, Feder 2 darunter mit eigenem Bauraum-Anschlag, Feder 3 ganz unten. Wenn das System mit einer Druckkraft FF belastet wird, federn zunächst alle drei. Sobald Feder 1 ihren Bauraum-Anschlag erreicht hat, ist sie starr und nur noch Federn 2 und 3 federn. Erreicht Feder 2 ihren Anschlag, federt nur noch Feder 3.

Gegeben: Federkennlinien der drei Einzelfedern R1<R2<R3R_1 < R_2 < R_3. Gesucht: qualitative Skizze der resultierenden Kennlinie des Federsystems.

Lösung in 3 Bereichen

  1. Bereich I (kleine Kraft): alle drei Federn in Reihe
    Solange noch kein Anschlag erreicht ist, federn alle drei. In dieser Anordnung wirken sie als Reihenschaltung (gemeinsame Kraft, addierte Wege).
    1RI=1R1+1R2+1R3\tfrac{1}{R_{\text{I}}} = \tfrac{1}{R_1} + \tfrac{1}{R_2} + \tfrac{1}{R_3}. Da Kehrwerte addieren, ist RIR_{\text{I}} kleiner als die weichste Einzelfeder: RI<R1R_{\text{I}} < R_1.
    RI=11R1+1R2+1R3<R1R_{\text{I}} = \frac{1}{\tfrac{1}{R_1} + \tfrac{1}{R_2} + \tfrac{1}{R_3}} < R_1
  2. Bereich II (mittlere Kraft, Feder 1 starr): Federn 2 und 3 in Reihe
    Feder 1 hat ihren Bauraum-Anschlag erreicht, sie ist effektiv starr. Nur 2 und 3 federn weiter, als Reihenschaltung.
    1RII=1R2+1R3\tfrac{1}{R_{\text{II}}} = \tfrac{1}{R_2} + \tfrac{1}{R_3}. Da nun nur zwei Kehrwerte addiert werden, ist RIIR_{\text{II}} größer als RIR_{\text{I}}, aber kleiner als die weichere der zwei beteiligten Federn: RI<RII<R2R_{\text{I}} < R_{\text{II}} < R_2.
    RII=11R2+1R3,RI<RII<R2R_{\text{II}} = \frac{1}{\tfrac{1}{R_2} + \tfrac{1}{R_3}},\quad R_{\text{I}} < R_{\text{II}} < R_2
  3. Bereich III (große Kraft, Federn 1 und 2 starr): nur Feder 3 federt
    Feder 2 hat auch ihren Anschlag erreicht. Nur Feder 3 trägt jetzt weitere Verformung.
    RIII=R3R_{\text{III}} = R_3. Das System ist jetzt so hart wie die härteste Einzelfeder.
    RIII=R3R_{\text{III}} = R_3
Formel Drei Bereiche
RI<RII<RIII=R3R_{\text{I}} < R_{\text{II}} < R_{\text{III}} = R_3
Federsteifigkeit wächst stufenweise mit der Last.

Weitere Aufgaben

Die zentralen Aufgaben sind oben in Kap. IV.7 inklusive Musterlösungen ausgearbeitet. Für zusätzliches Training siehe die Moodle-Serie 7 (acht Quizfragen rund um Schrauben-, Teller-, Dreh- und Blattfedern) sowie die vollständigen Übungsblätter U07.1 bis U07.4.

Die Aufgaben für dieses Kapitel werden in einer zukünftigen Version ergänzt.

MerkeErst selbst rechnen, dann Lösung prüfen!
Variablen-Glossar (39 Einträge)
bb Breite einer Blattfeder oder eines Schnapphakens mm
DD Mittlerer Windungsdurchmesser (bei Schraubenfeder und Schenkelfeder, gemessen von Drahtmitte zu Drahtmitte) mm
DdD_d Dorndurchmesser (Welle, auf der die Druckfeder zentriert wird) mm
DeD_e Außendurchmesser. Bei Schraubenfeder gilt De=D+dD_e = D + d, bei Tellerfeder ist es der äußere Tellerrand. mm
DhD_h Hülsendurchmesser (Bohrung, in der die Druckfeder geführt wird) mm
DiD_i Innendurchmesser. Bei Schraubenfeder gilt Di=DdD_i = D - d, bei Tellerfeder ist es der innere Tellerrand. mm
dd Drahtdurchmesser bei Schraubenfeder und Schenkelfeder. Schaftdurchmesser bei Drehstabfeder. mm
EE Elastizitätsmodul des Federwerkstoffs (Steifigkeit gegen Zug, Druck und Biegung) N/mm²
FF Federkraft (Kraft, die die Feder bei Auslenkung ss aufbringt) N
GG Schubmodul des Federwerkstoffs (Steifigkeit gegen Torsion und Scherung) N/mm²
HH Schnapphöhe einer Schnappverbindung (entspricht dem maximalen Federweg, der beim Einrasten zurückgelegt wird) mm
HmaxH_{\max} Maximale Schnapphöhe einer Schnappverbindung beim Fügen (ohne dass der Federstahl plastisch verformt) mm
hh Höhe (Dicke) des Querschnitts einer Blattfeder oder eines Schnapphakens mm
h0h_0 Rechnerischer maximaler Federweg einer Tellerfeder. Es gilt h0=l0th_0 = l_0 - t. mm
ii Anzahl der Federpakete in einer Tellerfeder-Säule (Reihen-Anteil der Schaltung) -
LL Gesamtlänge einer zweiarmigen Blattfeder. Es gilt l=L/2l = L/2 pro Arm. mm
L0L_0 Länge der ungespannten Schraubenfeder mm
ll Federnde Länge einer Blattfeder oder Schnapplänge eines Schnapphakens mm
l0l_0 Höhe einer ungespannten Tellerfeder (Gesamthöhe inklusive Tellerdicke tt) mm
lfl_f Federnde Länge der Drehstabfeder (nur der schlanke Mittelteil federt, die dicken Enden nicht) mm
MM Drehmoment, mit dem eine Drehfeder belastet wird (Kennlinien-Achse bei Schenkel- und Drehstabfeder) Nm
MtM_t Torsionsmoment im Schraubenfeder-Draht. Es gilt Mt=FD/2M_t = F \cdot D/2. Nmm
mm Steigung der Schraubenfeder (axialer Abstand zwischen zwei benachbarten Windungen) mm
nn Anzahl federnde Windungen bei Schraubenfeder oder Schenkelfeder. Bei Tellerfeder-Schaltungen: Anzahl Tellerfedern pro Paket. -
q1q_1 Bauform-Faktor der Blattfeder. Rechteckquerschnitt: 4, dreieckförmig verjüngend: 6, parabolisch verjüngend: 8. -
RR Federrate. Translatorisch in N/mm (Schraubenfeder, Tellerfeder, Blattfeder, Schnappverbindung). Rotatorisch in Nm/° (Schenkelfeder, Drehstabfeder). N/mm oder Nm/°
RersR_{\text{ers}} Ersatzfederrate eines Federsystems aus mehreren Einzelfedern N/mm oder Nm/°
RmR_m Zugfestigkeit des Federwerkstoffs (Materialkennwert aus TB 10-3) N/mm²
ss Federweg (Auslenkung gegenüber der ungespannten Lage) mm
tt Dicke einer Tellerfeder (Blechdicke des kegelstumpfförmigen Tellers) mm
WW Federarbeit, also gespeicherte elastische Energie. Fläche unter der Kraft-Weg- oder Moment-Winkel-Kennlinie. Nmm oder J
WtW_t Torsions-Widerstandsmoment des Federdrahts. Bei Rundquerschnitt Wt=πd3/16W_t = \pi d^3 / 16. mm³
α1\alpha_1 Fügewinkel einer Schnappverbindung (flacher Winkel am Sperrzahn, über den der Rastvorgang erfolgt) °
α2\alpha_2 Haltewinkel einer Schnappverbindung. α2<90°\alpha_2 < 90° lösbar, α290°\alpha_2 \ge 90° unlösbar. °
γ\gamma Verdrehwinkel im Schraubenfeder-Draht. Es gilt τt=GtanγGγ\tau_t = G \cdot \tan\gamma \approx G \cdot \gamma für kleine γ\gamma. rad
τt\tau_t Torsionsspannung im Federdraht. Bei Druck-/Zugfeder gilt τt=16Mt/(πd3)\tau_t = 16 M_t / (\pi d^3). N/mm²
τzul\tau_{\text{zul}} Zulässige statische Schubspannung im Werkstoff (Zugfedern: 0,45Rm0{,}45 R_m, Druckfedern: 0,5Rm0{,}5 R_m) N/mm²
τc,zul\tau_{c,\text{zul}} Zulässige Schubspannung bei vollständig zusammengedrückter Druckfeder (0,56Rm0{,}56 R_m) N/mm²
φ\varphi Verdrehwinkel einer Drehfeder. Achsen-Größe bei Schenkelfeder und Drehstabfeder. °