V.1.1 Was ist ein Wälzlager?

Stell dir vor, du schiebst eine schwere Kiste über den Boden. Direkt auf dem Beton ist es mühsam, fast unmöglich. Legst du runde Holzstäbe darunter, gleitet die Kiste plötzlich leicht. Genau diesen Trick nutzt ein Wälzlager: zwischen zwei zueinander beweglichen Bauteilen liegen kleine rollende Körper, die das Gleiten durch Rollen ersetzen.

Ein Wälzlager trennt einen rotierenden Innenring (sitzt auf der Welle) von einem stehenden Aussenring (sitzt im Gehäuse) durch eine Reihe Wälzkörper (Kugeln, Rollen, Nadeln). Die Welle kann sich frei drehen, das Gehäuse hält sie auf Position, und das ganze Spiel läuft mit minimaler Reibung.

Vier Kennwerte am Lager. Auf jeder technischen Zeichnung eines Wälzlagers tauchen vier Geometrie-Grössen auf. Sie sind in der ganzen Kapitel-Notation Standard, also einmal merken und nie wieder verwechseln:

Symbol Bedeutung Bemerkung
dd Innendurchmesser (Bohrung) Entspricht dem Wellendurchmesser. Geht in die Bohrungskennzahl ein.
DD Aussendurchmesser Gehäusebohrung muss diesen Wert passend aufnehmen.
BB Lagerbreite Axiale Bauraum-Anforderung.
Fr,FaF_r, F_a Radial- und Axialkraft Lastfälle, die das Lager aufnimmt. Achtung: Slides nutzen mal Kleinbuchstaben (Fr,FaF_r, F_a), mal Grossbuchstaben (FR,FAF_R, F_A). Identisch gemeint.
Standard-Bezeichner eines Wälzlagers (V08 Slide 2).
Definition Wälzlager
Maschinenelement, das zwei zueinander rotierende Komponenten (Innenring und Aussenring) durch rollende Wälzkörper trennt. Reibungsverluste minimal.
Merke Vier Standard-Grössen: dd Innendurchmesser, DD Aussendurchmesser, BB Breite, plus Lastfälle Fr,FaF_r, F_a.

V.1.2 Aufbau: fünf Komponenten und fünf Wälzkörperformen

Bevor wir die Bauformen unterscheiden, lohnt sich ein Blick ins Innere eines Wälzlagers. Schneidet man ein typisches Rillenkugellager auf, sieht man immer fünf Bauteile in dieser Reihenfolge von innen nach aussen.

Nr. Komponente Funktion
(1) Innenring Sitzt fest auf der Welle, gibt die Laufbahn für die Wälzkörper innen vor.
(2) Käfig Hält die Wälzkörper auf gleichmässigen Winkelabständen, damit sie sich nicht gegenseitig berühren.
(3) Dichtung Schützt das Lager vor Schmutz und hält den Schmierstoff im Lager (nicht jedes Lager hat eine integrierte Dichtung).
(4) Wälzkörper Rollende Körper (Kugeln, Rollen, Nadeln, Tonnen, Kegel), die die Last vom Innen- zum Aussenring übertragen.
(5) Aussenring Sitzt fest im Gehäuse, gibt die Laufbahn für die Wälzkörper aussen vor.
Fünf Standard-Komponenten eines Wälzlagers (V08 Slide 7).

Fünf Wälzkörperformen. Die Wälzkörper sind die einzige mechanische Brücke zwischen Innen- und Aussenring. Innen rollen je nach Lagerbauart Kugeln, Zylinder, Nadeln, Kegel oder Tonnen. Diese Form bestimmt im Wesentlichen, wie viel Last das Lager aufnimmt und in welche Richtung.

Form Wo eingesetzt Kennzeichen
Kugel Rillenkugellager, Schrägkugellager, Pendelkugellager Punktkontakt mit der Laufbahn, hohe Drehzahl-Tauglichkeit
Zylinder Zylinderrollenlager Linienkontakt, hohe radiale Tragfähigkeit, aber empfindlich gegen Schiefstellung
Nadel Nadellager schlanke Zylinder (l/d3l/d \ge 3), sehr kleiner Bauraum radial
Kegel Kegelrollenlager kombinierte Radial- und Axiallast, paarweise eingebaut
Tonne Pendelrollenlager, Tonnenlager fasstförmig, erlaubt Winkelfehler zwischen Wellen-Achse und Gehäuse-Achse
Wälzkörper-Formen und ihre Eigenschaft (V08 Slide 7).
Merke Fünf Komponenten: Innenring, Käfig, Dichtung, Wälzkörper, Aussenring.
Definition Käfig
Trägerring, der die Wälzkörper auf gleichmässigen Winkelabständen hält. Verhindert gegenseitige Berührung.

V.1.3 Kontaktgeometrien: Punkt versus Linie

Die wichtigste Frage der Kontaktmechanik im Wälzlager ist: berührt der Wälzkörper die Laufbahn in einem Punkt oder entlang einer Linie? Daraus folgt fast alles weitere: zulässige Last, Drehzahl-Grenze, Empfindlichkeit gegen Schiefstellung.

Wälzkörper Laufbahn Kontakt-Charakter
Kugel ebene Fläche Punktkontakt: kleinste Kontaktfläche, höchste Pressung pro Last
Kugel rillenförmige Laufbahn 2-Punkt-Kontakt: Standard beim Rillenkugellager
Kugel gothische Laufbahn 3- bzw. 4-Punkt-Kontakt: axial und radial gleichzeitig (Vierpunktlager)
Tonne ebene Laufbahn Linienkontakt: verzeiht Schiefstellung
Zylinder ebene Fläche Linienkontakt: höchste Radial-Tragfähigkeit, empfindlich gegen Schiefstellung
Nadel ebene Fläche Linienkontakt: wie Zylinder, aber viel länger als dick
Kontaktgeometrien Wälzkörper-Laufbahn (V08 Slide 8).
Merke Punkt = Kugellager, hoch in Drehzahl. Linie = Rollen-/Zylinder-/Nadellager, hoch in Tragkraft.
Formel Hertz-Skalierung
p0F3 (Punkt),p0F (Linie)p_0 \propto \sqrt[3]{F} \text{ (Punkt)}, \quad p_0 \propto \sqrt{F} \text{ (Linie)}
Punkt-Pressung wächst kubikwurzel-langsam mit der Last, Linien-Pressung quadratwurzel-langsam. Genau deshalb Rollen >> Kugeln bei hoher Last.

V.1.4 Bauformen nach Lastrichtung

Die Lehre vom Wälzlager beginnt mit der Frage: welche Last soll überhaupt aufgenommen werden? Drei Kategorien decken alle gängigen Fälle ab.

Lastfall Druckwinkel α\alpha Typische Bauformen
vorwiegend radial α=0°\alpha = 0° bis 5°\approx 5° Rillenkugellager, Zylinderrollenlager, Nadellager, Pendelkugellager, Tonnenlager
kombiniert radial und axial 5°<α<45°5° < \alpha < 45° Schrägkugellager (einreihig oder paarweise), Kegelrollenlager, Pendelrollenlager, Vierpunktlager
ausschliesslich axial α45°\alpha \ge 45° Axial-Rillenkugellager, Axial-Schrägkugellager, Axial-Zylinderrollenlager, Axial-Pendelrollenlager
Drei Lastfälle und ihre typischen Bauformen (V08 Slides 5, 9, 19).

Was ist der Druckwinkel α\alpha? Der Druckwinkel ist der Winkel zwischen der Drucklinie (Verbindung der Kontaktpunkte zwischen Wälzkörper und Laufbahnen) und der Radialebene des Lagers. α=0°\alpha = 0° heisst rein radial, α=90°\alpha = 90° heisst rein axial. Die Lager-Norm DIN 620 zieht die Trennlinie bei α=45°\alpha = 45°: darunter heisst es Radiallager, darüber Axiallager.

Merke Drei Lastfälle: radial, kombiniert, axial. Trennlinie bei α=45°\alpha = 45°.
Definition Druckwinkel α\alpha
Winkel zwischen Drucklinie (Wälzkörper-Laufbahn) und Radialebene. Bestimmt, ob das Lager radial oder axial einsortiert wird.

V.1.5 Die sieben wichtigsten Bauformen im Detail

Aus dem Lagerkatalog der Hersteller liest man am Anfang eine Wand aus Buchstaben und Zahlen heraus. In der Vorlesung interessieren sieben Bauformen, weil sie in Übungsaufgaben und Klausur-Aufgaben immer wieder auftauchen.

Bauform Stärke (mit Druckwinkel α\alpha) Typische Anwendung
Rillenkugellager günstig, hohe Drehzahl, kleine Axiallasten möglich (α=0°\alpha = 0°) Universal-Lager, Elektromotor, Getriebewelle
Zylinderrollenlager höchste radiale Tragkraft, Bauarten NU / N / NJ / NUP (α=0°\alpha = 0°) Walzwerke, schwere Getriebe, Generatoren
Nadellager kleinster Bauraum radial, hohe Tragkraft (α=0°\alpha = 0°) Verteilergetriebe, Pleuel, Planetenrad-Lagerung
Schrägkugellager kombiniert radial + axial, paarweise einbauen (α15°40°\alpha \approx 15° \ldots 40°) Werkzeugmaschinen-Spindeln, Lenkungs-Lager
Kegelrollenlager sehr hohe kombinierte Last, paarweise einbauen (α10°30°\alpha \approx 10° \ldots 30°) Auto-Radlager, Differential, Bahn-Radsätze
Pendelrollenlager kompensiert Winkelfehler bis 2°\approx 2° (variabler Tonnen-Druckwinkel) lange Wellen, schlechte Fluchtung, Schiffspropeller
Axial-Rillenkugellager rein axial, hohe Axiallasten (α=90°\alpha = 90°) Drehkränze, Pressen, Hubeinrichtungen
Die sieben wichtigsten Bauformen (V08 Slides 10 bis 18).
Merke Sieben Bauformen decken >90%> 90\,\% aller Anwendungen: Rillenkugel, Zylinder, Nadel, Schräg, Kegel, Pendel, Axial-Rillen.

V.1.6 Funktionsmerkmale und Bezeichnungssystem

Bezeichnungssystem (Slide 22). Jedes Lager bekommt vom Hersteller eine Kurzbezeichnung wie 6307 oder NUP2205. Das ist kein Zufall, sondern ein normiertes System aus drei Teilen.

Ziffer Bedeutung Beispiel 6307
1. Stelle Lagerart 6 = einreihiges Rillenkugellager
2. Stelle Lagerreihe (Massreihe = Aussendurchmesser pro Bohrung) 3 = Reihe 3 (mittel)
3.+4. Stelle Bohrungskennzahl (für d20mmd \ge 20\,\text{mm}: d=5d = 5 \cdot Kennzahl) 07 d=35mm\rightarrow d = 35\,\text{mm}
Aufbau einer Lagerbezeichnung am Beispiel 6307.
Merke Drei Stellen im Lagernamen: Lagerart, Lagerreihe, Bohrungskennzahl.
Formel Bohrungs-Faustregel
d=5kfu¨d20mmd = 5 \cdot k \quad \text{für } d \ge 20\,\text{mm}
kk = Bohrungskennzahl (letzte zwei Ziffern). Für Kleinst-Lager (z. B. 6302) gilt diese Regel nicht.

V.2.1 Funktion einer Lagerung

Bisher haben wir ein Lager im Blick. In einer realen Maschine sitzt eine Welle aber fast nie auf nur einem Lager. Sie wird in der Regel an zwei Stellen gestützt, und genau dieses Paar von Lagern heisst Lagerung. Die Frage, wie man die zwei Lager funktional aufeinander abstimmt, ist die eigentliche Kunst von Kapitel V.

Zwei Hauptaufgaben. Eine Lagerung muss zwei Dinge gleichzeitig leisten:

Aufgabe Bedeutet konkret
(1) Kräfte übertragen Rotationsbewegung der Welle zulassen, Reibungsverluste minimieren
(2) Kräfte aufnehmen ungewollte Freiheitsgrade der Welle begrenzen, Radial- und Axialkräfte ins Gehäuse ableiten
Zwei Aufgaben einer Lagerung (V08 Slide 24).

Drei klassische Lagerungs-Konzepte. Die Vorlesung unterscheidet auf den nächsten Slides drei Grund-Anordnungen. Welche du wählst, hängt davon ab, ob Axialkräfte definiert aufgenommen werden müssen, ob die Welle sich thermisch ausdehnen darf, und welche Positionier-Genauigkeit gefordert ist.

Konzept Steckbrief (Axialkräfte, Längenausgleich, Positioniergenauigkeit)
Fest-Los-Lagerung Axialkräfte definiert (am Festlager). Längenausgleich ja (am Loslager). Positioniergenauigkeit hoch.
Schwimmende Lagerung Axialkräfte wechselseitig (beide Lager). Längenausgleich ja (über Axialspiel). Positioniergenauigkeit niedrig.
Angestellte Lagerung Axialkräfte definiert und vorgespannt. Kein Längenausgleich. Positioniergenauigkeit sehr hoch.
Drei Lagerungs-Konzepte im Überblick (V08 Slide 131).
Definition Lagerung
Paar von Lagern, das eine Welle gegenüber einem Gehäuse stützt. Zwei Lager sind in der Regel das Minimum, damit die Welle statisch bestimmt aufliegt.
Merke Zwei Aufgaben: Kräfte übertragen und Kräfte aufnehmen.

V.2.2 Fest-Los-Lagerung

Die mit Abstand häufigste Lagerung: ein Lager wird fest ausgeführt, das andere los. Das Festlager nimmt sowohl Radial- als auch Axialkräfte in beide Richtungen auf, das Loslager nur Radialkräfte. Längenänderungen der Welle (durch Wärmeausdehnung oder Fertigungstoleranzen) gleicht das Loslager aus, indem es sich axial verschiebt.

Lager Aufgabe (Radialkräfte / Axialkräfte / Längenausgleich)
Festlager Radialkräfte: ja. Axialkräfte: ja, in beide Richtungen. Längenausgleich: nein (axial fixiert).
Loslager Radialkräfte: ja. Axialkräfte: nein. Längenausgleich: ja (axial frei verschiebbar).
Aufgabenteilung in der Fest-Los-Lagerung (V08 Slide 27).

Wie wird ein Lager fest gemacht? Indem beide Ringe (innen und aussen) axial fixiert werden, z. B. durch Sicherungsringe, Distanzscheiben, Wellenschultern oder Wellenmuttern. So kann das Lager weder zur einen noch zur anderen Seite axial weg.

Wie wird ein Lager los gemacht? Indem ein Ring (innen oder aussen) axial frei beweglich bleibt. Entweder darf der Aussenring im Gehäusesitz wandern, oder der Innenring auf der Welle. Beim Zylinderrollenlager der Bauart NU sind Innenring und Wälzkörper sogar relativ zueinander axial verschiebbar, was das Loslager besonders elegant macht.

Vorteile Nachteile
Eindeutige Positionierung der Welle (Festlager). Für wechselnde Axialbelastungen geeignet. Zusätzliche Fertigungsschritte: Nuten für Sicherungsringe, Distanzscheiben, Schultern.
Längenausgleich durch Loslager: keine Verspannung durch Wärmeeintrag. Höhere Kosten als schwimmende Lagerung.
Statisch bestimmt: Lagerlasten eindeutig berechenbar.
Vor- und Nachteile der Fest-Los-Lagerung.
Definition Festlager
Lager, das radial UND axial in beide Richtungen Kräfte aufnimmt. Axial fixiert.
Definition Loslager
Lager, das nur Radialkräfte aufnimmt. Axial frei verschiebbar (am Innen- oder Aussenring).

V.2.3 Schwimmende Lagerung

Eine günstigere Variante: beide Lager dürfen ein kleines axiales Spiel haben. Je nachdem, in welche Richtung gerade eine Axialkraft wirkt, wird entweder das eine oder das andere Lager in Kontakt mit einem axialen Anschlag gebracht. Das gerade kontaktierte Lager nimmt die Axialkraft auf, das andere kompensiert mit dem freien Spiel die Längenänderung der Welle.

Vorteile Nachteile
Keine zusätzlichen Fertigungsschritte: günstiger als Fest-Los. Axialspiel: nicht geeignet für wechselnde Axiallasten (Welle wackelt zwischen den Anschlägen).
Längenausgleich möglich: keine Verspannung durch Wärmeeintrag. Axialspiel: nicht geeignet bei hoher Positioniergenauigkeit (z. B. Kegelräder).
Vor- und Nachteile der schwimmenden Lagerung (V08 Slide 29).
Definition Schwimmende Lagerung
Zwei Lager mit kleinem axialem Spiel zwischen Anschlägen. Die Welle „schwimmt“ zwischen ihnen.
Merke Anwendung: einfache Wellen ohne wechselnde Axialkraft, z. B. Riemenscheibe.

V.2.4 Angestellte Lagerung: X- und O-Anordnung

Die dritte Variante ist konstruktiv anspruchsvoll: zwei Schrägkugellager oder zwei Kegelrollenlager werden gegeneinander verspannt, sodass beide Lager axial vorgespannt sind. Es bleibt kein Axialspiel, dafür hat die Welle eine sehr hohe Positioniergenauigkeit und kann auch hohe Axiallasten in beide Richtungen aufnehmen.

Je nachdem, wie die Drucklinien der zwei Lager im Schnittbild liegen, unterscheidet man zwei Anordnungen:

Anordnung Steckbrief (Drucklinien / Vorspannung / virtueller Abstand)
X-Anordnung Drucklinien schneiden sich zwischen den Lagern. Vorspannung über die Aussenringe (Deckel oder Gewindering). Virtueller Lagerabstand kleiner als physischer.
O-Anordnung Drucklinien schneiden sich ausserhalb der Lager. Vorspannung über die Innenringe (Wellenmutter). Virtueller Lagerabstand grösser als physischer.
X-Anordnung versus O-Anordnung (V08 Slides 30 und 32).

Wann X, wann O? Die Faustregel folgt aus der Geometrie des virtuellen Lagerabstands. Wirken die Lastkräfte zwischen den Lagern (z. B. ein Zahnrad in der Mitte einer kurzen Welle), passt die X-Anordnung gut. Wirken sie ausserhalb der Lager (z. B. ein Lüfterrad am Wellenende), passt die O-Anordnung besser, weil der grössere virtuelle Lagerabstand die Hebelarme entlastet.

Vorteile Nachteile
Hohe Axialkräfte in beide Richtungen aufnehmbar (Schräglager). Definierte Vorspannung muss sichergestellt werden: höhere Kosten.
Sehr hohe Positioniergenauigkeit durch Verspannung. Kein Längenausgleich: bei Wärmeausdehnung wird die Vorspannung verändert oder Lager überlastet.
Geometrie wählbar: kleiner (X) oder grosser (O) virtueller Lagerabstand. Konstruktiv aufwendig: Wellenmutter, Gewindering oder Verstellscheiben nötig.
Vor- und Nachteile der angestellten Lagerung (V08 Slides 31 und 33).
Definition Angestellte Lagerung
Zwei Schräg- oder Kegelrollenlager gegeneinander vorgespannt. Kein Axialspiel.
Formel Virtuelle Lagerstelle
X-Anordnung: lvirt<lphys\text{X-Anordnung: } l_{\text{virt}} < l_{\text{phys}}
X: Drucklinien schneiden sich innen, virtueller Abstand kleiner. O: Schnittpunkt aussen, virtueller Abstand grösser.
Querverweis Weiter zu
↳ V.3 Passungen
↳ V.4 Berechnung

V.3.1 Was ist eine Passung?

Bevor das Lager ins Gehäuse und auf die Welle kommt, muss eine Entscheidung getroffen werden, die in Kap. III bereits gefallen ist: die Passung. Eine Passung beschreibt das Verhältnis zwischen den Abmessungen zweier zu verbindender Teile, bei einem Wälzlager also zwischen Welle und Innenring sowie zwischen Aussenring und Gehäusebohrung.

Welle vs. Bohrung Passung Verbindung und Anwendung
Welle kleiner als Bohrung Spielpassung (lose) beweglich, leicht trennbar. Für Teile, die gleiten oder sich drehen müssen.
Welle und Bohrung etwa gleich Übergangspassung minimales Spiel oder leichte Pressung. Für präzise, flexible Verbindungen.
Welle grösser als Bohrung Übermasspassung (Presspassung) feste, rutschfeste Verbindung. Für permanent verbundene Teile, die Kräfte übertragen.
Drei Passungs-Arten und ihre Verwendung am Lager (V08 Slide 35).
Definition Passung
Verhältnis zwischen den Abmessungen zweier zu verbindender Teile (Welle und Bohrung). Aus der Differenz folgt Spiel, Übergang oder Press.
Querverweis Querverweis Kap. III
→ ZPV (Kap. III.2)

V.3.2 Punktlast und Umfangslast: die entscheidende Frage

Wenn man jetzt für jedes Lager zwei Passungs-Entscheidungen treffen muss (Innenring auf Welle, Aussenring im Gehäuse), wären das vier mögliche Kombinationen, viel zu viel zum Auswendiglernen. Die Vorlesung reduziert das auf zwei klare Fragen, deren Antworten direkt die Passung diktieren:

Frage Möglichkeiten
Welcher Ring rotiert? Innenring oder Aussenring
Wirkt die Radialkraft fest in eine Richtung oder rotiert sie mit? Lastrichtung unveränderlich oder mit der Welle umlaufend
Zwei Diagnose-Fragen für die Passungswahl (V08 Slide 39).

Punktlast und Umfangslast. Aus diesen zwei Fragen folgen direkt zwei mögliche Belastungs-Zustände pro Ring:

Zustand Definition Belastung des Rings
Punktlast die Last drückt immer auf dieselbe Stelle des Rings lokal, schwankt nicht über den Umfang
Umfangslast die Last drückt nacheinander auf alle Stellen des Rings umlaufend, jede Stelle wird zyklisch belastet
Definition Punktlast und Umfangslast.
Definition Punktlast
Die Last wirkt immer auf dieselbe Stelle des Rings. Der Ring spürt keine zyklische Belastung.
Definition Umfangslast
Die Last wandert über den Umfang. Jede Stelle des Rings wird zyklisch belastet.

V.3.3 Vier Fälle, vier Passungen

Aus den zwei Diagnose-Fragen ergeben sich genau vier mögliche Kombinationen. Für jede gibt es eine klare Passungs-Vorschrift:

Belastungs-Szenario (Drehung + Lastrichtung) Punktlast / Umfangslast Passung
Innenring rotiert, Aussenring steht; Lastrichtung unveränderlich (z. B. Gewicht) Umfangslast am Innenring, Punktlast am Aussenring Innen: Übermass, Aussen: Spiel
Innenring steht, Aussenring rotiert; Lastrichtung unveränderlich Punktlast am Innenring, Umfangslast am Aussenring Innen: Spiel, Aussen: Übermass
Innenring steht, Aussenring rotiert; Lastrichtung rotiert mit dem Aussenring Umfangslast am Innenring, Punktlast am Aussenring Innen: Übermass, Aussen: Spiel
Innenring rotiert, Aussenring steht; Lastrichtung rotiert mit dem Innenring Punktlast am Innenring, Umfangslast am Aussenring Innen: Spiel, Aussen: Übermass
Vier Belastungsfälle und die richtige Passung (V08 Slide 40).
Merke Regel: Ring mit Umfangslast geht zu Übermass. Ring mit Punktlast geht zu Spiel.
Formel Faustregel
UmfangslastPresspassung (ZPV)\text{Umfangslast} \Rightarrow \text{Presspassung (ZPV)}
Punktlast: Spielpassung zulässig. Umfangslast: Übermass zwingend.

V.3.4 Passungsrost durch Wandern

Bisher die Regel: Umfangslast braucht eine Übermasspassung. Wieso eigentlich? Was würde schief gehen, wenn man dem Ring mit Umfangslast nur eine Spielpassung gibt?

Antwort: Wandern. Bei Umfangslast drückt die Last nacheinander jede Stelle des Rings nach aussen. Wenn der Ring lose sitzt (Spielpassung), wird er bei jeder Last-Spitze ein winziges Stück gegenüber dem Sitz weitergeschoben. Über viele tausend Umdrehungen wandert der Ring relativ zum Sitz. Dieses Wandern erzeugt Mikrobewegungen zwischen Ring und Sitzfläche, die wiederum Mikroverschleiss und Korrosion verursachen. Das Resultat heisst Passungsrost.

Phänomen Folge
Mikrobewegung Ring zu Sitz Reibverschleiss an der Sitzfläche
Reibverschleiss freigelegter Stahl korrodiert sofort
Korrosion an der Sitzfläche Passungsrost (rost-braune Oxidbildung)
Passungsrost und Sitz-Verschleiss noch loserer Sitz, beschleunigtes Wandern
irgendwann Lager verschiebt sich axial, Wälzkörper laufen schief, Totalausfall
Konsequenzen des Wanderns (V08 Slide 41).
Definition Passungsrost
Korrosions-Verschleiss durch Mikrobewegungen zwischen Lagerring und Sitz. Folge: rostbraune Oxid-Schicht, lockerer werdender Sitz.
Merke Wandern entsteht nur bei Umfangslast UND Spielpassung. Mit Übermasspassung ist das System sicher.

V.4.1 Grundgleichung der Dimensionierung

Bis hier ging es um Qualitatives: welche Lagerart, welches Lagerungskonzept, welche Passung. Jetzt kommt der quantitative Teil: wie gross muss das Lager sein, damit es lange genug hält? Die Vorlesung beginnt mit einer einzigen, wohltuend simplen Grundgleichung.

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V.4.1.1 Grundgleichung der Dimensionierung
S  =  RBS \;=\; \frac{R}{B}
RR ist die Belastbarkeit eines Bauteils (was es aushält), BB die Belastung (was tatsächlich wirkt), SS die Sicherheit gegen Funktionsverlust. Die Beziehung gilt für jede mechanische Dimensionierung, nicht nur für Lager.

Lies die Formel als Faustregel. S>1S > 1 heisst, das Bauteil hält die Belastung aus, mit Reserve. S=1S = 1 ist die Grenze. S<1S < 1 heisst, das Bauteil versagt. Beim Wälzlager wird die Belastbarkeit RR konkret durch zwei Werte aus dem Lagerkatalog ausgedrückt: die statische Tragzahl C0C_0 und die dynamische Tragzahl CC. Welche der zwei du brauchst, hängt davon ab, ob das Lager im Stillstand oder im Lauf belastet wird.

Formel Grundgleichung
S=R/BS = R/B
Belastbarkeit dividiert durch Belastung. Werte >1> 1 heissen sicher.
Merke Lager-Übersetzung: RR wird zu CC (dynamisch) oder C0C_0 (statisch), BB wird zu PP oder P0P_0.

V.4.2 Statisch vs. dynamisch: zwei Welten, zwei Formeln

Die Vorlesung trennt scharf zwischen ruhenden und umlaufenden Wälzlagern. Ein Lager, das nur ein paar Mal pro Stunde verschoben wird (z. B. ein Schwenkgelenk an einer Brücke), versagt anders als eines, das mit 1000min11000\,\text{min}^{-1} rotiert (z. B. eine Getriebewelle). Beide Fälle haben eine eigene Tragzahl und eine eigene Formel.

Lastfall Versagensmechanismus Tragzahl, Belastung, Kennwert
(quasi-)ruhend plastische Eindrücke der Wälzkörper in die Laufbahn Tragzahl C0C_0, Belastung P0P_0, Sicherheit S0=C0/P0S_0 = C_0/P_0
umlaufend Materialermüdung durch zyklische Wälzkontakte Tragzahl CC, Belastung PP, Lebensdauer L10=(C/P)pL_{10} = (C/P)^p
Statische und dynamische Tragfähigkeit im Vergleich (V08 Slide 50).
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V.4.2.1 Statische Tragsicherheit
S0  =  C0P0S_0 \;=\; \frac{C_0}{P_0}
C0C_0 statische Tragzahl in N (aus Katalog), P0P_0 statisch äquivalente Belastung in N. Üblich gefordert S01S_0 \ge 1, bei Stoss-Belastung höher.
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V.4.2.2 Nominelle Lebensdauer in Umdrehungen
L10  =  (CP)pL_{10} \;=\; \left(\frac{C}{P}\right)^{p}
CC dynamische Tragzahl in N, PP dynamisch äquivalente Belastung in N, pp Lebensdauerexponent (p=3p=3 Kugellager, p=10/3p=10/3 Rollenlager). L10L_{10} in Millionen Umdrehungen bei 10%10\,\% Ausfallwahrscheinlichkeit.
Formel Statisch
S0=C0/P0S_0 = C_0/P_0
Stillstand: Versagen durch plastische Eindrücke.
Formel Dynamisch
L10=(C/P)pL_{10} = (C/P)^p
Umlauf: Versagen durch Ermüdungs-Pitting.

V.4.3 Lebensdauer in Stunden

Die nominelle Lebensdauer L10L_{10} ist in 10610^6 Umdrehungen angegeben. Für die Praxis interessanter ist meist die Lebensdauer in Stunden, L10hL_{10h}. Beide hängen über die Drehzahl nn zusammen.

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V.4.3.1 Lebensdauer in Stunden
L10h  =  (CP)p10660nL_{10h} \;=\; \left(\frac{C}{P}\right)^{p} \cdot \frac{10^{6}}{60 \cdot n}
L10hL_{10h} in Stunden, nn in min1\text{min}^{-1}. Der Faktor 106/(60n)10^{6}/(60 n) wandelt Millionen Umdrehungen in Stunden um (mit 60min/h60\,\text{min/h} und der Drehzahl pro Minute).
Formel Lebensdauer h
L10h=(C/P)p10660nL_{10h} = (C/P)^{p} \cdot \frac{10^6}{60 n}
Lebensdauer in Stunden bei 10%10\,\% Ausfallwahrscheinlichkeit.
Merke Faustregel: nn in min⁻¹, dann L10hL_{10h} in h.

V.4.4 Lebensdauerexponent p

Der Exponent pp in L10=(C/P)pL_{10} = (C/P)^p ist kein Materialwert und kein Kalibrierungsfaktor, sondern ein vom Wälzkörper-Typ abhängiger Wert. Er steckt in der Hertz-Pressung: wie die maximale Pressung mit der Last skaliert, hängt davon ab, ob der Kontakt punkt- oder linienförmig ist.

Wälzkörper-Typ Kontakt pp
Kugellager (Rillenkugel, Schräg, Pendel, Axial-Rillen) Punktkontakt 33
Rollenlager (Zylinder, Kegel, Nadel, Pendelrollen) Linienkontakt 10/33,3310/3 \approx 3{,}33
Lebensdauerexponent pp (V08 Slide 63).
Merke Kugel p=3p=3, Rolle p=10/3p=10/3. Niemals verwechseln.

V.4.5 Dynamisch äquivalente Belastung P

L10=(C/P)pL_{10} = (C/P)^p verlangt eine rein radiale Belastung PP. Aber in der Praxis hat das Lager fast immer eine Kombination aus Radialkraft FrF_r und Axialkraft FaF_a. Wie wandeln wir diese Kombination in eine Ersatz-Radialbelastung um, die genauso ermüdet wie die echte Belastung?

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V.4.5.1 Dynamisch äquivalente Belastung
P  =  XFr+YFaP \;=\; X \cdot F_{r} + Y \cdot F_{a}
XX Radialfaktor, YY Axialfaktor, aus Lagerkatalog. Beide hängen von Lagerbauart, Lagerluftgruppe und der relativen Axialkraft f0Fa/C0rf_0 F_a / C_{0r} ab.
Belastungsverhältnis Formel Bemerkung
Fa/FreF_a/F_r \le e P=FrP = F_r Axialkraft wird vernachlässigt, weil sie das Lager nicht limitiert
Fa/Fr>eF_a/F_r > e P=XFr+YFaP = X F_r + Y F_a kombinierte Last, beide Faktoren XX und YY aus Katalog
Fallunterscheidung dynamisch äquivalente Belastung (V08 Slide 66). Aber Achtung: nicht immer braucht man die volle Formel. Wenn die Axialkraft im Vergleich zur Radialkraft klein ist, bleibt P=FrP = F_r. Die Grenze gibt der Faktor ee aus dem Lagerkatalog vor.

Wie kommt man an ee, XX, YY? Die Hersteller geben Werte als Funktion eines normierten Verhältnisses an. Mit f0Fa/C0rf_0 F_a / C_{0r} als Eingang liest man ee, XX, YY in der Katalogtabelle ab. Workflow: f0Fa/C0rf_0 F_a / C_{0r} berechnen, in der Tabelle e,X,Ye, X, Y ablesen, Fa/FrF_a/F_r mit ee vergleichen, dann P=FrP = F_r oder P=XFr+YFaP = X F_r + Y F_a einsetzen. V.7.2 und V.7.5 zeigen den ganzen Ablauf.

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V.4.5.2 Normiertes Axialbelastungs-Verhältnis
f0FaC0r\frac{f_{0} \cdot F_{a}}{C_{0r}}
f0f_0 Lagerfaktor (Katalog, abhängig von Lagerart und Bohrungskennzahl), FaF_a Axialkraft, C0rC_{0r} statische Tragzahl. Mit diesem Verhältnis als Eingang liest man ee, XX, YY in der Katalogtabelle ab.
Formel Äquivalente Last
P=XFr+YFaP = X F_r + Y F_a
Bei Fa/FreF_a/F_r \le e: P=FrP = F_r. Sonst voll.
Merke XX, YY, ee: Werte aus dem Lagerkatalog, in Abhängigkeit von f0Fa/C0rf_0 F_a / C_{0r}.

V.4.6 Lagerluft

Bevor das Lager eingebaut ist, sitzen Innen- und Aussenring nicht starr zueinander, sondern haben ein winziges Spiel. Das nennt sich Lagerluft und ist die Distanz, um die man die zwei Ringe gegeneinander verschieben kann.

Gruppe Lagerluft Anwendung
C2 kleiner als CN starke Wechselbelastung mit Schwenkbewegungen
CN Normallage (wird in Bezeichnungen nicht angegeben) normale Betriebsverhältnisse
C3 grösser als CN Presspassungen oder grosses Temperaturgefälle Innen-/Aussenring
C4, C5 noch grösser extreme thermische Bedingungen
Lagerluft-Gruppen nach DIN 620 / ISO 5753 (V08 Slide 67).

Wieso ist die Lagerluft wichtig für die Berechnung? Weil die e/X/Ye/X/Y-Tabelle bei Schräg- und Schrägkugellagern verschieden ist für CN, C3 und C4 (siehe V08 Slide 66). Eine erhöhte Lagerluft verschiebt die Drucklinie und damit auch die Aufteilung in radiale und axiale Last-Anteile.

Definition Lagerluft
Distanz, um die sich die zwei Ringe eines uneingebauten Lagers gegeneinander verschieben lassen. Wird im uneingebauten Zustand gemessen.
Merke CN Standard, C2 klein, C3+ erhöht.

V.4.7 C-erf: Lager direkt auswählen

Manchmal will man nicht eine Lebensdauer für ein bekanntes Lager berechnen, sondern umgekehrt: bei gegebener Belastung und gewünschter Lebensdauer das kleinste passende Lager finden. Dafür stellt man die Lebensdauerformel nach CC um:

!!!
V.4.7.1 Erforderliche dynamische Tragzahl
Cerf    P60nL10h106pC_{\text{erf}} \;\ge\; P \cdot \sqrt[p]{\frac{60 \cdot n \cdot L_{10h}}{10^{6}}}
Resultat: das ausgewählte Lager muss eine dynamische Tragzahl CCerfC \ge C_{\text{erf}} haben. Sortiere die Lager der Reihe nach (z. B. 6206, 6207, 6208, ...) und nimm das erste, das die Bedingung erfüllt.

Diese Formel ist ein riesiger Zeitgewinn. Statt für jedes Lager einzeln die Lebensdauer durchzurechnen, schätzt man einmal CerfC_{\text{erf}} ab und sucht das nächstgrössere Lager im Katalog, das CCerfC \ge C_{\text{erf}} erfüllt. In Aufgabe V.7.5 wird das eindrücklich vorgeführt: die direkte Cerf-Methode liefert in einem Schritt das passende Lager 6309, ohne 6302, 6308 oder 6307 einzeln durchzurechnen.

Formel Cerf
CerfP60nL10h106pC_{\text{erf}} \ge P \cdot \sqrt[p]{\frac{60 n L_{10h}}{10^6}}
Mindest-Tragzahl für gewünschte Lebensdauer und Drehzahl.
Merke Iteration: Cerf abschätzen → Lager wählen → mit echten X, Y nachrechnen.
Querverweis Weiter zu
↳ V.7.5 Walkthrough Lagerauswahl

V.5.1 Leitsatz: Stahl-Stahl muss geschmiert werden

Ein ungeschmiertes Wälzlager hält bei Last keine zehn Minuten. Stell dir vor, du fährst mit dem Fahrrad und das Schmierfett an den Naben ist ausgespült: nach kurzer Zeit knirscht es, dann läuft die Nabe heiss, dann frisst sie fest. Genau dieses Bild begründet den Leitsatz der ganzen Section V.5:

Merke Schmierung-Schwelle: Reibung sinkt von μ0,3\mu \approx 0{,}3 auf μ0,003\mu \approx 0{,}003, also Faktor 100100.

V.5.2 Reibungsarten und Stribeck-Kurve

Reibung ist nicht gleich Reibung. Die Vorlesung trennt drei Hauptarten je nach Bewegungsform: Gleiten (eine Fläche schiebt sich über eine andere), Rollen (ein Körper rollt auf einer Fläche ab) und Bohren (Drehung an einem Punktkontakt). In der Realität tritt oft eine Mischung auf: Wälzlager mit etwas Schlupf, Zahnräder mit Wälz- und Gleitanteil.

Zustand Was passiert mechanisch μ\mu
Festkörper-/Grenzreibung unmittelbarer Kontakt der Reibpartner, kein Schmierfilm 0,310{,}3 \ldots 1
Mischreibung teilweise Festkörper, teilweise Flüssigkeitsreibung 0,010,10{,}01 \ldots 0{,}1
Flüssigkeitsreibung Reibpartner durch lückenlosen Flüssigkeitsfilm getrennt 0,0010,010{,}001 \ldots 0{,}01
Reibungs-Zustände nach Stribeck (V08 Slide 84).
!!
V.5.2.1 Reibungsmoment im Wälzlager
MR    μFd2M_R \;\approx\; \mu \cdot F \cdot \frac{d}{2}
Überschlagsformel für das Reibmoment eines Wälzlagers im stationären Betrieb. μ\mu ist die effektive Reibungszahl (Stribeck-abhängig), FF die radiale Last, dd der Bohrungsdurchmesser. Bei einem Rillenkugellager 6307 mit F=5kNF = 5\,\text{kN}, μ=0,0015\mu = 0{,}0015 und d=35mmd = 35\,\text{mm} folgt MR0,13NmM_R \approx 0{,}13\,\text{Nm}: vernachlässigbar. Bei trockenem Anlaufen mit μ=0,3\mu = 0{,}3 würden hingegen 26Nm26\,\text{Nm} entstehen, weshalb Schmierung Pflicht ist.

Stribeck-Kurve. Diese drei Zustände sind nicht zufällig, sondern hängen kontinuierlich von einer einzigen Variable ab: dem Produkt aus Geschwindigkeit, Viskosität und einer normierten Last. Die Kurve μ\mu über dieser Variable heisst Stribeck-Kurve.

Definition Stribeck-Kurve
Verlauf des Reibkoeffizienten als Funktion von Geschwindigkeit·Viskosität/Last. Zeigt drei Zustände: Festkörper, Misch, Flüssigkeit.
Formel Reibmoment
MRμFd/2M_R \approx \mu F d/2
Brücke von μ\mu zu mechanischer Verlustleistung im Lager.
Merke Sweetspot = Flüssigkeitsreibung. Stillstand = Festkörperreibung trotz Öl.

V.5.3 Reibungszahlen-Tabelle

Für die Praxis hat die Vorlesung eine Tabelle mit typischen Reibungszahlen μ\mu je nach Reibungsart, Schmierung und Materialpaarung. Sie ist für überschlägige Reibverlust-Rechnungen direkt brauchbar.

Reibungsart Zustand / Paarung μ\mu
Gleitreibung Festkörperreibung (Metall) 0,310{,}3 \ldots 1
Gleitreibung Grenzreibung 0,10,20{,}1 \ldots 0{,}2
Gleitreibung Mischreibung 0,010,10{,}01 \ldots 0{,}1
Gleitreibung Flüssigkeitsreibung 0,0010,010{,}001 \ldots 0{,}01
Gleitreibung Gasreibung 0,00010{,}0001
Rollreibung Fettschmierung 0,0010,0050{,}001 \ldots 0{,}005
Rollreibung trocken <0,005< 0{,}005
Wälzpaarung (Reibräder Stahl/Stahl) trocken 0,220,280{,}22 \ldots 0{,}28
Wälzpaarung (Reibräder Gummi/Stahl) trocken 0,40,60{,}4 \ldots 0{,}6
Wälzpaarung (Zahnräder, geschmiert) Mischreibung 0,020,080{,}02 \ldots 0{,}08
Reibungszahlen μ\mu nach Niemann 2005 (V08 Slide 86).
Merke Stahl-Stahl trocken: μ0,5\mu \approx 0{,}5. Gefettetes Wälzlager: μ0,003\mu \approx 0{,}003.

V.5.4 Öl-Schmierung: Ölbad, Ölumlauf, Öleinspritz

Wenn man Öl als Schmierstoff wählt, gibt es drei Standard-Verfahren, wie das Öl zum Lager kommt. Sie unterscheiden sich in Aufwand und in der Qualität der Ölversorgung.

Verfahren Funktionsweise + / −
Ölbad (Tauch/Sumpf) Lager taucht teilweise in ein Ölbad, nimmt pro Umdrehung Öl mit + kostengünstig, robust. − unsichere Ölzufuhr, Planschverluste.
Ölumlauf (Ölspritz) Öl wird an eine erhöhte Stelle gepumpt, fliesst die Bauteile herab + verbesserte Zufuhr, Kühlung, Filterung. − Pumpensystem, Wartungsaufwand.
Öleinspritz Öl wird mit hohem Druck durch Kanäle direkt in den Reibkontakt gefördert + ideale Zufuhr, Kühlung, Filterung. − Pumpe und Bauteile mit Ölkanälen nötig.
Drei Verfahren der Öl-Schmierung (V08 Slides 89-91).
Merke Drei Verfahren: Ölbad günstig, Ölumlauf präziser, Öleinspritz höchste Qualität.

V.5.5 Fett-Schmierung

Schmierfett ist kein zähes Öl, sondern eine Mischung aus zwei Komponenten: 80%\approx 80\,\% Grundöl als eigentlicher Schmierstoff, 15%\approx 15\,\% Eindicker (meist Seifen) als Träger, der das Öl in einer schwammartigen Struktur speichert, plus 5%\approx 5\,\% Additive. Bei Belastung wird das Öl aus dem Eindicker freigesetzt, im Kontakt verbraucht, danach im Eindicker neu gebunden.

Plus: sehr geringer konstruktiver Aufwand (kein Pumpensystem), eingebaute Dichtwirkung (Fett dichtet sich selbst), Lebensdauerschmierung möglich. Minus: keine Wärmeabfuhr durch den Schmierstoff, kein Ausspülen von Verschleiss- und Schmutzpartikeln, begrenzter Temperaturbereich (Fett kann abtropfen), Alterung über die Zeit.

Definition Schmierfett
Grundöl (80%\approx 80\,\%) plus Eindicker (15%\approx 15\,\%) plus Additive (5%\approx 5\,\%). Plastische Konsistenz, integrierte Dichtwirkung.

V.6.1 Einteilung: statisch, dynamisch, berührend, berührungslos

Ein Lager braucht Schmierstoff. Damit der Schmierstoff im Lager bleibt und Schmutz draussen, braucht es Dichtungen. Die Vorlesung sortiert sie in einen sauberen Entscheidungsbaum.

Anwendungsfall Familie Beispiele
Statisch (keine Relativbewegung) Statische Dichtungen Flachdichtung, O-Ring
Dynamisch, ohne Berührung Berührungslose Dichtungen Spaltdichtung, Labyrinthdichtung, Deckscheibe (Z)
Dynamisch, mit Berührung Berührende Dichtungen Radialwellendichtring, Nilos-Ring, Dichtscheibe (RS)
Vier Dichtungs-Familien (V08 Slide 96).
Definition Dichtung
Bauteil, das Schmierstoff im Inneren des Lagers hält und Schmutz/Wasser draussen.
Merke Drei Familien: statisch, dynamisch-berührungslos, dynamisch-berührend.

V.6.2 Statische Dichtungen: Flachdichtung und O-Ring

Bei Gehäusedeckeln oder Flanschverbindungen bewegt sich nichts. Ein elastisches Bauteil zwischen den zwei Flächen reicht, um Öl und Schmutz zu blockieren.

Dichtung Aufbau Funktionsweise
Flachdichtung flache Scheibe aus Papier, Gummi, Teflon, Kupfer oder Aramidfasern zwischen die zu dichtenden Flächen eingelegt, durch Verschraubung gepresst
O-Ring ringförmige Schnur aus Elastomer, im Querschnitt rund in eine Nut eingelegt, dichtet beim Zusammendrücken radial oder axial
Zwei statische Dichtungen im Vergleich (V08 Slides 97-98).

Kraftfluss in der Flanschverbindung (V08 Slide 99). Bei einer Flachdichtung an einer Flanschverbindung gibt es zwei Konstruktions-Varianten, wie die Klemmkraft die Dichtung erreicht.

Variante Eigenschaft Toleranzen
Kraftfluss durch Dichtung Reibschluss zwischen Dichtung und Flansch grob möglich, günstig
Kraftfluss neben Dichtung Reibschluss zwischen Flansch und Flansch (eindeutig) enge Toleranzen nötig, teurer
Kraftfluss durch oder neben der Flachdichtung.
Merke Statisch: Flachdichtung für Flanschverbindungen, O-Ring für Nut-Dichtflächen.

V.6.3 Dynamische Dichtungen: Radialwellendichtring

Wenn eine Welle aus einem Gehäuse herausschaut und sich drin Öl oder Fett befindet, muss die Welle zwar drehen können, aber das Schmiermittel darf nicht austreten. Die mit Abstand meistverwendete Lösung dafür heisst Radialwellendichtring (manchmal auch „Simmerring“ nach dem Hersteller).

Komponente Funktion
Gehäuse-Aussenring (Metall oder Elastomer) wird in die Bohrung gepresst, steht still
Dichtlippe (Elastomer) umlaufend, schleift auf der Welle mit leichtem Druck
Schlauchfeder (Stahl) ringförmige Feder, drückt die Dichtlippe gleichmässig an die Welle
Aufbau und Funktion des Radialwellendichtrings (V08 Slide 114).

Bei Druckunterschied (V08 Slide 116). Die Dichtlippe ist nur in einer Richtung optimal: die offene Seite des Dichtrings muss zum Hochdruck-Bereich zeigen, dann verstärkt der Druck die Dichtwirkung. Falsch eingebaut (offene Seite zum Niederdruck), drückt der Hochdruck die Lippe weg und das Öl tritt aus.

Definition Radialwellendichtring
Berührende Wellendichtung mit Dichtlippe (Elastomer) und Schlauchfeder. Dichtet rotierende Wellen gegen Öl und Fett.
Merke Offene Seite immer zum Hochdruck. Bei Druckumkehr sofort versagt.

V.6.4 Berührungslose Dichtungen: Spalt und Labyrinth

Bei sehr hohen Drehzahlen wird die Reibung am Radialwellendichtring zum Problem: die Dichtlippe erzeugt Wärme, verschleisst die Welle, frisst irgendwann fest. Für solche Anwendungen gibt es zwei berührungslose Alternativen.

Dichtung Funktionsweise Eignet sich gegen
Spaltdichtung enger Spalt zwischen Welle und Gehäuse, oft mit schraubenförmigen Fangrillen Schmutz, Staub, bei horizontaler Welle und gleichbleibender Drehrichtung auch gegen Öl
Labyrinthdichtung mehrfach abgewinkelte Spalte (axial-radial wechselnd) Schmutz, Wasser, bei sehr hohen Drehzahlen auch gegen Öl ohne festen Pegel
Berührungslose Wellendichtungen (V08 Slides 118-119).
Merke Spalt einfach, Labyrinth aufwendiger, beide für hohe Drehzahlen.

V.6.5 Integrierte Lagerdichtungen: Z, RS, Nilos-Ringe

Viele Wälzlager kommen schon mit eingebauter Dichtung aus dem Werk. Im Lager-Namen erkennt man das am Suffix: 2Z heisst Deckscheiben (berührungslos), 2RS heisst Dichtscheiben (berührend).

Nachsetzzeichen Typ Funktion
Z Deckscheibe (Blech) berührungslos, hält Fett innen, schützt vor groben Verunreinigungen
RS / 2RS Dichtscheibe (Elastomer) berührend, bessere Abdichtung gegen Wasser und Staub, etwas mehr Reibung
Integrierte Lagerdichtungen (V08 Slide 120).

Nilos-Ringe (V08 Slide 121). Bei fettgeschmierten Lagern ohne integrierte Dichtung gibt es zusätzlich Nilos-Ringe: federnde Dichtbleche, die axial über die Stirnfläche des Innen- oder Aussenrings eingespannt werden. Sie verhindern, dass das Fett aus dem Lager wandert, und schützen gleichzeitig vor Staub.

Merke Z berührungslos, RS berührend. Suffix im Lagernamen verrät den Typ.
Definition Nilos-Ring
Federndes Dichtblech, axial über die Lager-Stirnfläche eingespannt. Hält Fett im Lager, blockiert Staub.

V.7.1 Statisch äquivalente Belastung und Tragsicherheit (Moodle 1+2)

Gegeben. Rillenkugellager 6307 mit Innendurchmesser d=35mmd = 35\,\text{mm}, Aussendurchmesser D=80mmD = 80\,\text{mm}, Breite B=21mmB = 21\,\text{mm}, dynamische Tragzahl C=33500NC = 33\,500\,\text{N}, statische Tragzahl C0=19000NC_0 = 19\,000\,\text{N}. Belastung: Fr=4kNF_r = 4\,\text{kN} und Fa=3,6kNF_a = 3{,}6\,\text{kN}.

Gesucht. (a) Statisch äquivalente Lagerbelastung P0P_0. (b) Statische Tragsicherheit S0S_0 bei P0=5430NP_0 = 5430\,\text{N}.

!!
V.7.1.1 Statische äquivalente Belastung (Rillenkugellager)
P0  =  {Frfalls Fa/Fr0,80,6Fr+0,5Fafalls Fa/Fr>0,8P_0 \;=\; \begin{cases} F_r & \text{falls } F_a/F_r \le 0{,}8 \\ 0{,}6\, F_r + 0{,}5\, F_a & \text{falls } F_a/F_r > 0{,}8 \end{cases}
Fallunterscheidung für Rillenkugellager (Quelle Moodle-Frage 1, Tabelle der statisch äquivalenten Belastung).

Lösung (a). Statisch äquivalente Belastung

  1. Schritt 1: Belastungsverhältnis prüfen
    Entscheidet, welche Formel für P0P_0 gilt.
    Fa/Fr=3,6kN/4,0kN=0,9>0,8F_a / F_r = 3{,}6\,\text{kN} / 4{,}0\,\text{kN} = 0{,}9 > 0{,}8. Also gilt die zweite Formelvariante.
  2. Schritt 2: P0P_0 ausrechnen
    P0=0,6Fr+0,5Fa=0,64,0kN+0,53,6kN=2,4kN+1,8kN=4,2kNP_0 = 0{,}6 \cdot F_r + 0{,}5 \cdot F_a = 0{,}6 \cdot 4{,}0\,\text{kN} + 0{,}5 \cdot 3{,}6\,\text{kN} = 2{,}4\,\text{kN} + 1{,}8\,\text{kN} = 4{,}2\,\text{kN}.
    P0=4,2kNP_0 = 4{,}2\,\text{kN}
  3. Schritt 3: Statische Tragsicherheit
    Aufgabe (b): mit P0=5430NP_0 = 5430\,\text{N} aus der Folge-Frage.
    S0=C0/P0=19000N/5430N=3,5S_0 = C_0 / P_0 = 19\,000\,\text{N} / 5430\,\text{N} = 3{,}5. Das ist deutlich über 11, also ist das Lager bei dieser Belastung im Stillstand mehr als sicher.
Formel Ergebnis
P0=4,2kN,S0=3,5P_0 = 4{,}2\,\text{kN},\quad S_0 = 3{,}5
Lager 6307 bei Fr=4F_r = 4 kN, Fa=3,6F_a = 3{,}6 kN: deutlich überdimensioniert für Stillstand.

V.7.2 Dynamisch äquivalente Belastung mit X/Y (Moodle 3)

Gegeben. Rillenkugellager 6307 wie oben, jetzt mit Fr=4325NF_r = 4325\,\text{N} und Fa=2320NF_a = 2320\,\text{N}. Faktoren f0=13,1f_0 = 13{,}1, C0=19000NC_0 = 19\,000\,\text{N}.

Gesucht. Dynamisch äquivalente Lagerbelastung PP.

Lösung

  1. Schritt 1: Verhältnis f0Fa/C0f_0 F_a / C_0 ausrechnen
    Eingang für die e/X/Ye/X/Y-Tabelle.
    f0Fa/C0=13,12320N/19000N1,6f_0 F_a / C_0 = 13{,}1 \cdot 2320\,\text{N} / 19\,000\,\text{N} \approx 1{,}6.
  2. Schritt 2: ee, XX, YY aus der Tabelle ablesen
    Bei f0Fa/C0=1,6f_0 F_a / C_0 = 1{,}6 liefert die CN-Spalte der Katalog-Tabelle direkt.
    e=0,32e = 0{,}32, X=0,56X = 0{,}56, Y=1,4Y = 1{,}4. (Bei Zwischenwerten würde man interpolieren, hier passt der Tabellenwert exakt.)
  3. Schritt 3: Verhältnis Fa/FrF_a/F_r mit ee vergleichen
    Fa/Fr=2320/4325=0,53>e=0,32F_a / F_r = 2320 / 4325 = 0{,}53 > e = 0{,}32. Also kommt die volle Formel zum Einsatz.
  4. Schritt 4: PP ausrechnen
    P=XFr+YFa=0,564325N+1,42320N=2422N+3248N=5670NP = X F_r + Y F_a = 0{,}56 \cdot 4325\,\text{N} + 1{,}4 \cdot 2320\,\text{N} = 2422\,\text{N} + 3248\,\text{N} = 5670\,\text{N}.
    P=5670NP = 5670\,\text{N}
Formel Ergebnis
P=5670NP = 5670\,\text{N}
Bei Fa/Fr>eF_a/F_r > e greift die volle Formel.

V.7.3 Lebensdauer eines Rillenkugellagers (Moodle 5)

Gegeben. Rillenkugellager 6307 mit C=33500NC = 33\,500\,\text{N}, Drehzahl n=250min1n = 250\,\text{min}^{-1}, dynamisch äquivalente Belastung P=4400NP = 4400\,\text{N}.

Gesucht. Nominelle Lebensdauer L10hL_{10h} in Stunden.

Lösung

  1. Schritt 1: Exponent pp identifizieren
    Rillenkugellager = Kugellager, also p=3p = 3.
    Wälzkörper sind Kugeln, deshalb Punktkontakt, p=3p = 3.
  2. Schritt 2: L10hL_{10h} direkt ausrechnen
    L10h=(C/P)p106/(60n)=(33500/4400)3106/(60250)L_{10h} = (C/P)^p \cdot 10^6 / (60 n) = (33\,500 / 4400)^3 \cdot 10^6 / (60 \cdot 250).
    L10h=(7,614)310615000441,566,6729423hL_{10h} = (7{,}614)^3 \cdot \frac{10^6}{15\,000} \approx 441{,}5 \cdot 66{,}67 \approx 29\,423\,\text{h}
Formel Ergebnis
L10h29423hL_{10h} \approx 29\,423\,\text{h}
Lager 6307 bei n=250min1n=250\,\text{min}^{-1}, P=4400NP=4400\,\text{N}.

V.7.4 Zylinderrollenlager mit p = 10/3 (Moodle 7)

Gegeben. Zylinderrollenlager NUP2205 mit d=25mmd = 25\,\text{mm}, D=52mmD = 52\,\text{mm}, B=18mmB = 18\,\text{mm}, C=41500NC = 41\,500\,\text{N}, C0=34500NC_0 = 34\,500\,\text{N}, e=0,3e = 0{,}3, X=0,92X = 0{,}92, Y=0,4Y = 0{,}4. Belastung Fr=6,8kNF_r = 6{,}8\,\text{kN} und Fa=1,4kNF_a = 1{,}4\,\text{kN}, Drehzahl n=750min1n = 750\,\text{min}^{-1}.

Gesucht. Nominelle Lebensdauer L10hL_{10h}. Hinweis: NUP2205 nimmt im Gegensatz zur reinen NU-Bauart Axialkräfte auf.

Lösung

  1. Schritt 1: Fa/FrF_a/F_r mit ee vergleichen
    Fa/Fr=1,4/6,8=0,21<e=0,3F_a / F_r = 1{,}4 / 6{,}8 = 0{,}21 < e = 0{,}3. Axialkraft wird vernachlässigt.
  2. Schritt 2: P=FrP = F_r
    Weil Fa/FreF_a/F_r \le e, gilt die einfache Formel.
    P=Fr=6,8kN=6800NP = F_r = 6{,}8\,\text{kN} = 6800\,\text{N}. Die Faktoren XX und YY braucht man hier nicht.
  3. Schritt 3: Lebensdauerexponent für Rolle
    NUP2205 ist ein Zylinderrollenlager, also Linienkontakt.
    p=10/33,33p = 10/3 \approx 3{,}33. Nicht p=3p = 3!
  4. Schritt 4: L10hL_{10h} ausrechnen
    L10h=(C/P)10/3106/(60n)=(41500/6800)10/3106/(60750)L_{10h} = (C/P)^{10/3} \cdot 10^6 / (60 n) = (41\,500 / 6800)^{10/3} \cdot 10^6 / (60 \cdot 750).
    L10h=(6,103)10/310645000415,422,229231hL_{10h} = (6{,}103)^{10/3} \cdot \frac{10^6}{45\,000} \approx 415{,}4 \cdot 22{,}22 \approx 9231\,\text{h}
Formel Ergebnis
L10h9231hL_{10h} \approx 9231\,\text{h}
Zylinder, p=10/3p = 10/3, kleine Axialkraft ignoriert.

V.7.5 Lager-Auswahl Walkthrough (U08 Aufgabe 3)

Gegeben. Lagerung der Welle eines Universalgetriebes. Drehzahl n=1000min1n = 1000\,\text{min}^{-1}, vorgesehen ist ein Rillenkugellager der Reihe 63, Belastung Fr=4kNF_r = 4\,\text{kN}, Fa=2,2kNF_a = 2{,}2\,\text{kN}. Gefordert: nominelle Lebensdauer L10h10000hL_{10h} \ge 10\,000\,\text{h}.

Gesucht. Das kleinste Lager der Reihe 63, das die Lebensdauer erfüllt. Diese Aufgabe ist die Krönung des ganzen Kapitels: sie kombiniert äquivalente Belastung, Cerf-Methode und Iteration.

Lösung in sechs Schritten (U08 Lösungsblatt)

  1. Schritt 1: Erstes Lager schätzen, 6302
    Klein anfangen, schauen ob es reicht. Lager 6302 hat d=15mmd = 15\,\text{mm}, C=11,4kNC = 11{,}4\,\text{kN}, C0=5,4kNC_0 = 5{,}4\,\text{kN}, f0=12,1f_0 = 12{,}1.
    Wir prüfen, ob dieses kleinste 63er-Lager die geforderte Lebensdauer erreicht.
  2. Schritt 2: f0Fa/C0f_0 F_a / C_0 und ee für 6302
    f0Fa/C0=12,12,2kN/5,4kN=4,93f_0 F_a / C_0 = 12{,}1 \cdot 2{,}2\,\text{kN} / 5{,}4\,\text{kN} = 4{,}93. Aus der Tabelle (nächst-konservativer Wert): e0,43e \approx 0{,}43, X=0,56X = 0{,}56, Y1,0Y \approx 1{,}0.
    f0Fa/C0=4,93e0,43f_0 F_a / C_0 = 4{,}93 \Rightarrow e \approx 0{,}43
  3. Schritt 3: Fa/FrF_a/F_r versus ee
    Fa/Fr=2,2/4=0,55>0,43=eF_a/F_r = 2{,}2 / 4 = 0{,}55 > 0{,}43 = e. Also P=XFr+YFa=0,564kN+1,02,2kN=4,4kNP = X F_r + Y F_a = 0{,}56 \cdot 4\,\text{kN} + 1{,}0 \cdot 2{,}2\,\text{kN} = 4{,}4\,\text{kN}.
  4. Schritt 4: L10hL_{10h} für 6302
    L10h=(C/P)3106/(60n)=(11,4/4,4)3106/(601000)=17,516,67290hL_{10h} = (C/P)^3 \cdot 10^6/(60 n) = (11{,}4/4{,}4)^3 \cdot 10^6/(60 \cdot 1000) = 17{,}5 \cdot 16{,}67 \approx 290\,\text{h}. Viel zu wenig. Lager 6302 fällt durch.
    L10h,6302290h10000hL_{10h,\,6302} \approx 290\,\text{h} \ll 10\,000\,\text{h}
  5. Schritt 5: Cerf-Abschätzung mit P = 5,67 kN (typisches Niveau)
    Statt jedes Lager der Reihe 63 einzeln durchzurechnen, schätzen wir die nötige Tragzahl.
    CerfP60nL10h/1063=5,67kN60100010000/1063=5,67kN6003=5,678,4347,8kNC_{\text{erf}} \ge P \sqrt[3]{60 n L_{10h}/10^6} = 5{,}67\,\text{kN} \cdot \sqrt[3]{60 \cdot 1000 \cdot 10\,000 / 10^6} = 5{,}67\,\text{kN} \cdot \sqrt[3]{600} = 5{,}67 \cdot 8{,}43 \approx 47{,}8\,\text{kN}.
    Cerf47,8kNC_{\text{erf}} \approx 47{,}8\,\text{kN}
  6. Schritt 6: Lagerauswahl 6308 oder 6309?
    Reihe 63 nach steigender Grösse: 6306 (C=29,6kNC=29{,}6\,\text{kN}), 6307 (C=33,5kNC=33{,}5\,\text{kN}), 6308 (C=42,5kNC=42{,}5\,\text{kN}), 6309 (C=53kNC=53\,\text{kN}). Lager 6308 (C=42,5kNC = 42{,}5\,\text{kN}) liegt knapp unter CerfC_{\text{erf}} und liefert eingerechnet nur L10h7400hL_{10h} \approx 7400\,\text{h}. Lager 6309 (C=53kNC = 53\,\text{kN}) überschreitet CerfC_{\text{erf}} und liefert L10h13600hL_{10h} \approx 13\,600\,\text{h}. 6309 ist die richtige Antwort.
    Lager 6309 mit C=53kN\boxed{\,\text{Lager 6309 mit } C = 53\,\text{kN}\,}
Formel Ergebnis
Lager 6309,C=53kN\text{Lager 6309},\quad C = 53\,\text{kN}
Mit Cerf-Methode in zwei Schritten gefunden.
Merke Workflow: erstes Lager wählen, Lebensdauer prüfen, dann mit Cerf das richtige Lager bestimmen.

V.7.6 Lagerkraft, Cerf und Lagerwahl (Moodle 9 und 10)

Gegeben. Eine Welle mit Zahnrad-Belastung. Aus der vorhergehenden Moodle-Aufgabe wurde die Lagerkraft am Lager B als FB=Fr=4,1kNF_B = F_r = 4{,}1\,\text{kN} bestimmt (Axialkraft Fa=0F_a = 0). Drehzahl n=320min1n = 320\,\text{min}^{-1}, gefordert L10h=14000hL_{10h} = 14\,000\,\text{h}, Rillenkugellager mit p=3p = 3.

Gesucht. (a) Erforderliche dynamische Tragzahl CerfC_{\text{erf}}. (b) Passendes Lager aus der Reihe 60..., 62..., 63... mit d60mmd \ne 60\,\text{mm} (Vorgabe der Aufgabe).

Lösung

  1. Schritt 1: Äquivalente Belastung
    Da Fa=0F_a = 0, ist P=Fr=FB=4,1kNP = F_r = F_B = 4{,}1\,\text{kN}. Kein X, Y nötig.
    P=4,1kNP = 4{,}1\,\text{kN}
  2. Schritt 2: CerfC_{\text{erf}} ausrechnen
    CerfP60nL10h/1063=4,1kN6032014000/1063=4,1268,83=4,16,45C_{\text{erf}} \ge P \sqrt[3]{60 n L_{10h} / 10^6} = 4{,}1\,\text{kN} \sqrt[3]{60 \cdot 320 \cdot 14\,000 / 10^6} = 4{,}1 \cdot \sqrt[3]{268{,}8} = 4{,}1 \cdot 6{,}45.
    Cerf26,5kNC_{\text{erf}} \approx 26{,}5\,\text{kN}
  3. Schritt 3: Lager aus Katalog wählen
    Vergleich der Tragzahlen verschiedener Lager mit d=50mmd = 50\,\text{mm} (Wellenvorgabe).
    Kandidaten: 6010 (C=20,8kNC = 20{,}8\,\text{kN}, zu klein), 6210 (C=36,5kNC = 36{,}5\,\text{kN}, passt), 6310 (C=62kNC = 62\,\text{kN}, möglich aber überdimensioniert). Lager 6012 und 6212 haben d=60mmd = 60\,\text{mm}, also falscher Durchmesser.
    Lager 6210 mit C=36,5kN\boxed{\,\text{Lager 6210 mit } C = 36{,}5\,\text{kN}\,}
Formel Ergebnis
Cerf26,5kN,Lager 6210C_{\text{erf}} \approx 26{,}5\,\text{kN},\quad \text{Lager 6210}
Bei FB=4,1F_B = 4{,}1 kN, n=320n = 320 min⁻¹, L10h=14000L_{10h} = 14\,000 h.

V.7.7 Drei Lagertypen im Vergleich (U08 Aufgabe 4)

Gegeben. Lagerung einer Welle mit d=50mmd = 50\,\text{mm}, Radialkraft Fr=4,6kNF_r = 4{,}6\,\text{kN}, Drehzahl n=500min1n = 500\,\text{min}^{-1}, geforderte Lebensdauer L10h=8000hL_{10h} = 8000\,\text{h}. Drei Bauformen stehen zur Wahl: Rillenkugellager DIN 625, Zylinderrollenlager DIN 5412 Bauart NU, Pendelkugellager DIN 630. Axialkraft vernachlässigbar (also P=FrP = F_r).

Gesucht. (a) Geeignete Lager aller drei Bauformen auswählen. (b) Welche Bauform braucht den kleinsten Einbauraum? (c) Welche ist am preiswertesten?

Lösung

  1. Schritt 1: CerfC_{\text{erf}} für Kugellager (p=3p = 3)
    Cerf=Fr60nL10h/1063=4,6kN605008000/1063=4,6kN2403=4,66,21C_{\text{erf}} = F_r \sqrt[3]{60 n L_{10h}/10^6} = 4{,}6\,\text{kN} \sqrt[3]{60 \cdot 500 \cdot 8000 / 10^6} = 4{,}6\,\text{kN} \cdot \sqrt[3]{240} = 4{,}6 \cdot 6{,}21.
    Cerf,Kugel25,6kNC_{\text{erf,\,Kugel}} \approx 25{,}6\,\text{kN}
  2. Schritt 2: CerfC_{\text{erf}} für Rollenlager (p=10/3p = 10/3)
    Beim Rollenlager wirkt der grössere Exponent, also etwas kleinere CerfC_{\text{erf}}.
    Cerf=Fr60nL10h/10610/3=4,6kN24010/3=4,65,1823,8kNC_{\text{erf}} = F_r \sqrt[10/3]{60 n L_{10h}/10^6} = 4{,}6\,\text{kN} \sqrt[10/3]{240} = 4{,}6 \cdot 5{,}18 \approx 23{,}8\,\text{kN}.
    Cerf,Rolle23,8kNC_{\text{erf,\,Rolle}} \approx 23{,}8\,\text{kN}
  3. Schritt 3: Konkrete Lager bei d=50mmd = 50\,\text{mm}
    Rillenkugellager 6210: C=36,5kN,D=90mm,B=20mmC = 36{,}5\,\text{kN}, D = 90\,\text{mm}, B = 20\,\text{mm}. Pendelkugellager 1310: C=42kN,D=110mm,B=27mmC = 42\,\text{kN}, D = 110\,\text{mm}, B = 27\,\text{mm}. Zylinderrollenlager NU 1010: C=42,5kN,D=80mm,B=16mmC = 42{,}5\,\text{kN}, D = 80\,\text{mm}, B = 16\,\text{mm}. Alle drei erfüllen die Anforderung.
  4. Schritt 4: Einbauraum-Vergleich
    Aussendurchmesser und Breite bestimmen den Bauraum.
    Bauraum-Volumen (proxy: πD2B/4\pi D^2 B / 4): NU 1010 hat den kleinsten Aussendurchmesser (80mm80\,\text{mm}) und die kleinste Breite (16mm16\,\text{mm}). Zylinderrollenlager NU 1010 = kleinster Einbauraum.
  5. Schritt 5: Preisvergleich
    Marktpreise für Standard-Lager unterscheiden sich erheblich.
    Rillenkugellager sind massengefertigt und damit am günstigsten. Pendelkugellager und Zylinderrollenlager sind aufwendiger zu fertigen, also teurer. Rillenkugellager 6210 = preiswerteste Variante.
Bauform (Lager) Kennwerte (CC, D×BD \times B) Stärke
Rillenkugellager (6210) C=36,5kNC = 36{,}5\,\text{kN}, D×B=90×20D \times B = 90 \times 20 mm preiswert, hohe Drehzahl
Pendelkugellager (1310) C=42kNC = 42\,\text{kN}, D×B=110×27D \times B = 110 \times 27 mm verzeiht Schiefstellung
Zylinderrollenlager NU (NU 1010) C=42,5kNC = 42{,}5\,\text{kN}, D×B=80×16D \times B = 80 \times 16 mm kleinster Bauraum
Drei Bauformen im direkten Vergleich.
Merke Bauraum-Sieger: Zylinderrollenlager NU 1010. Preis-Sieger: Rillenkugellager 6210.
Querverweis Weiter zu
↳ V.4 Berechnung
↳ V.1 Bauformen

Aufgaben mit Musterlösungen

Sieben Aufgaben aus Übungsblatt U08 und Moodle-Serie 8. Sie decken die Berechnungs-Werkzeuge aus V.4 ab: statische und dynamische äquivalente Belastung, Lebensdauer in Stunden, Lebensdauerexponent pp und die CerfC_{\text{erf}}-Methode zur direkten Lagerauswahl.

Die Aufgaben für dieses Kapitel werden in einer zukünftigen Version ergänzt.

MerkeErst selbst rechnen, dann Lösung prüfen!
Variablen-Glossar (32 Einträge)
aa Druckmittelpunktabstand (Abstand zwischen Schnittpunkt der Drucklinie und Lagerquerschnitt). Bei Schräg- und Kegelrollenlagern aus dem Katalog. mm
BB Lagerbreite (axiale Abmessung des Lagers, gemessen am Aussenring) mm
CC Dynamische Tragzahl des Wälzlagers (Belastung, die das Lager bei L10=106L_{10}=10^6 Umdrehungen aufnimmt). Auch CrC_r geschrieben. N
C0C_0 Statische Tragzahl des Wälzlagers (zulässige Belastung im Stillstand). Auch C0rC_{0r} geschrieben. N
CerfC_{\text{erf}} Erforderliche dynamische Tragzahl, die ein Lager mindestens haben muss, damit die geforderte Lebensdauer erreicht wird N
DD Aussendurchmesser des Lagers (Berührfläche zum Gehäuse). Achtung: bei Welle ohne Lager-Kontext ist DD der Wellendurchmesser, siehe Kap. III. mm
Dg,dgD_g, d_g Aussen- und Innendurchmesser der Gehäusescheibe bei Axial-Rillenkugellagern mm
Dw,dwD_w, d_w Aussen- und Innendurchmesser der Wellenscheibe bei Axial-Rillenkugellagern mm
dd Innendurchmesser (Bohrungsdurchmesser) des Lagers. Entspricht dem Wellendurchmesser, auf dem das Lager sitzt. mm
ee Grenzwert für das Belastungsverhältnis Fa/FrF_a/F_r. Entscheidet, ob P=FrP = F_r oder P=XFr+YFaP = X F_r + Y F_a gilt. Aus Lagerkatalog, abhängig von f0Fa/C0rf_0 F_a / C_{0r}. -
FaF_a Axialkraft am Lager (Kraft in Richtung der Wellenachse). In manchen Slides auch FAF_A geschrieben. N
FrF_r Radialkraft am Lager (Kraft senkrecht zur Wellenachse). In manchen Slides auch FRF_R geschrieben. N
f0f_0 Lagerfaktor aus dem Katalog. Hängt von Lagerbauart und Bohrungskennzahl ab. Geht in f0Fa/C0rf_0 F_a / C_{0r} ein, um ee, XX, YY zu bestimmen. -
HH Lagerhöhe bei Axiallagern (axiale Bauhöhe der ganzen Baugruppe Wellenscheibe + Wälzkörper + Gehäusescheibe) mm
L10L_{10} Nominelle Lebensdauer eines Wälzlagers in Millionen Umdrehungen bei 10%10\,\% Ausfallwahrscheinlichkeit (also 90%90\,\% aller Lager halten mindestens so lange) 10⁶ U
L10hL_{10h} Nominelle Lebensdauer eines Wälzlagers in Stunden bei 10%10\,\% Ausfallwahrscheinlichkeit h
MRM_R Reibungsmoment im Wälzlager (Drehverlust durch Wälz- und Schmierfilm-Reibung). MRμFd/2M_R \approx \mu \cdot F \cdot d/2. Nm
nn Drehzahl der Welle in Umdrehungen pro Minute. Achtung: nicht zu verwechseln mit der Windungsanzahl nn einer Feder (Kap. IV). min⁻¹
PP Dynamisch äquivalente Lagerbelastung. Die rein radiale Ersatzbelastung, die genauso ermüdet wie die tatsächliche kombinierte Belastung aus FrF_r und FaF_a. N
P0P_0 Statisch äquivalente Lagerbelastung (analoge Ersatzgrösse für den Stillstandsfall) N
pp Lebensdauerexponent in L10=(C/P)pL_{10} = (C/P)^p. Für Kugellager p=3p = 3, für Rollenlager p=10/3p = 10/3. Achtung: nicht zu verwechseln mit der Hertz-Pressung p0p_0. -
RR Belastbarkeit eines Bauteils (allgemeiner Begriff in der Dimensionierungsgleichung S=R/BS = R/B). Bei Wälzlagern wird die Belastbarkeit konkret durch CC und C0C_0 ausgedrückt. N
BlastB_{\text{last}} Belastung eines Bauteils (allgemeiner Begriff in S=R/BS = R/B). Bei Wälzlagern entspricht das PP oder P0P_0. N
r1sr_{1s} Verrundungsradius an Innenring- und Aussenring-Schultern (begrenzt den minimalen Wellenabsatz-Radius beim Lagersitz) mm
SS Sicherheit gegen Funktionsverlust (S=R/BS = R/B, Belastbarkeit dividiert durch Belastung). Werte >1> 1 heissen sicher. -
S0S_0 Statische Tragsicherheit eines Wälzlagers (S0=C0/P0S_0 = C_0 / P_0). Üblich gefordert: S01S_0 \ge 1 für ruhende Lager, höher bei stoss-belasteten. -
TT Gesamthöhe eines Kegelrollenlagers (axiale Bauhöhe inkl. Innen- und Aussenring) mm
XX Radialfaktor in P=XFr+YFaP = X F_r + Y F_a. Aus Lagerkatalog, abhängig von Bauart und f0Fa/C0rf_0 F_a / C_{0r}. -
YY Axialfaktor in P=XFr+YFaP = X F_r + Y F_a. Aus Lagerkatalog, abhängig von Bauart und f0Fa/C0rf_0 F_a / C_{0r}. -
α\alpha Druckwinkel des Lagers (Winkel zwischen Drucklinie und Radialebene). α=0°\alpha = 0° Rillenkugellager (rein radial), α45°\alpha \ge 45° Axiallager. Achtung: in Kap. IV war α\alpha der Schnappverbindungs-Winkel. °
μ\mu Reibungszahl/Reibkoeffizient. Werte je nach Reibungsart: Festkörperreibung 0,310{,}3\ldots 1, Mischreibung 0,010,10{,}01\ldots 0{,}1, Flüssigkeitsreibung 0,0010,010{,}001\ldots 0{,}01. -
ωi,ωa\omega_i, \omega_a Winkelgeschwindigkeit von Innenring bzw. Aussenring. Entscheidet zusammen mit der Lastrichtung, ob ein Ring Punktlast oder Umfangslast spürt. rad/s