VI.1.1 Was ist eine Kupplung?

Stell dir eine Wasserpumpe vor, die von einem Elektromotor angetrieben wird. Zwischen Motor und Pumpe sitzt ein Getriebe, das die hohe Drehzahl des Motors auf eine niedrigere Pumpen-Drehzahl reduziert. Jetzt schau auf die Übergänge zwischen den drei Maschinen: an jeder Schnittstelle endet eine Welle und beginnt die nächste. Was passt diese Wellen aneinander an? Was überträgt die Drehbewegung von einer Welle zur nächsten, ohne dass die Konstruktion bei jedem kleinen Fluchtungsfehler bricht?

Genau diese Aufgabe übernimmt eine Kupplung. Sie ist ein Maschinenelement, das Drehleistung zwischen zwei Wellen überträgt, oder zwischen einer Welle und einem auf ihr drehbeweglich sitzenden Bauteil. Drehleistung heisst dabei immer zwei Dinge zusammen: ein Drehmoment MM und eine Drehzahl nn.

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VI.1.1.1 Drehleistung
P  =  Mω  =  M2πnP \;=\; M \cdot \omega \;=\; M \cdot 2\pi n
PP ist die übertragene Leistung in Watt, MM das Drehmoment in Nm, nn die Drehzahl in Umdrehungen pro Sekunde. Wer eine Kupplung auslegt, kennt typischerweise zwei dieser drei Grössen aus dem Anwendungs-Lastenheft und muss die dritte garantieren.

Wo treffe ich Kupplungen? Praktisch zwischen je zwei rotierenden Bauteilen, deren Wellen aus konstruktiven Gründen nicht aus einem Stück gefertigt sind. Klassische Stellen: Motor zu Getriebe, Getriebe zu Arbeitsmaschine, Welle zu Lüfterrad, Welle zu Kettenrad. Manche dieser Verbindungen müssen die Drehleistung dauerhaft durchreichen, andere sollen sich im Betrieb ein- und ausschalten lassen (PKW-Kupplung beim Gangwechsel) oder bei Überlast trennen (Rutschkupplung in der Werkzeugmaschine).

Definition Kupplung
Maschinenelement zur Übertragung von Drehleistung (Drehmoment MM und Drehzahl nn) zwischen zwei Wellen oder zwischen Welle und drehbeweglichem Bauteil.
Merke Drei Akteure: Antriebsmaschine, Getriebe, Arbeitsmaschine. Pro Übergang eine Kupplung.
Formel Drehleistung
P=M2πnP = M \cdot 2\pi n
Drehmoment mal Winkelgeschwindigkeit.

VI.1.2 Einteilung nach Schaltbarkeit

Die wichtigste Frage zu jeder Kupplung lautet: kann ich sie ein- und ausschalten oder nicht? Diese eine Entscheidung spannt den ganzen Klassifikations-Baum auf, und jeder Kupplungstyp in den nächsten Sektionen hängt irgendwo unter diesem Baum.

Auf der linken Seite stehen die nicht-schaltbaren Kupplungen. Einmal montiert verbinden sie zwei Wellen dauerhaft. Sie werden weiter unterteilt in drehsteif (übertragen Drehmoment-Stöße unverändert weiter) und drehelastisch (dämpfen Stöße über elastische Zwischenelemente). Beide Klassen können zusätzlich ausgleichend sein, d. h. einen Wellenversatz tolerieren, oder eben nicht.

Auf der rechten Seite stehen die schaltbaren Kupplungen. Sie können den Kraftfluss zwischen Antrieb und Abtrieb gezielt unterbrechen. Hier ist die nächste Frage, wer schaltet: ein externes System (fremdbetätigt, z. B. der Schalthebel im Auto) oder die Kupplung selbst, sobald eine bestimmte Bedingung erreicht ist (selbstbetätigt).

Ebene 1 Ebene 2 Ebene 3
nicht-schaltbar drehsteif nicht-ausgleichend (Scheibe, Schale)
nicht-schaltbar drehsteif ausgleichend (Metallbalg, Federsteg, Bogenzahn)
nicht-schaltbar drehelastisch ausgleichend (Bolzen, Klauen-Elastomer, Schlangenfeder)
schaltbar fremdbetätigt formschlüssig (Klauen) oder reibschlüssig (Kegel, Einscheibe)
schaltbar selbstbetätigt drehzahlbetätigt (Fliehkraft)
schaltbar selbstbetätigt momentbetätigt (Rutsch, Kugelrast)
schaltbar selbstbetätigt richtungsbetätigt (Freilauf)
Der Klassifikations-Baum aus der Vorlesung (V09 Slide 3).
Definition drehsteif
Überträgt die Drehbewegung winkelsynchron. Stösse werden 1:1 weitergereicht.
Definition drehelastisch
Enthält elastische Zwischenelemente, die Stösse dämpfen. Antrieb und Abtrieb sind nicht starr winkelsynchron.
Merke Drei Frage-Ebenen: schaltbar oder nicht, drehsteif oder drehelastisch, fremd- oder selbstbetätigt.

VI.1.3 Wellenversatz: axial, radial, winklig

Stell dir zwei Wellen vor, die du gerade miteinander verschraubst. In der Theorie sind sie perfekt fluchtend, in der Praxis fast nie. Beim Aufspannen, durch Wärmedehnung im Betrieb oder durch Setzen der Fundamente entsteht immer ein kleiner Fluchtungsfehler. Eine Kupplung muss diesen Fehler entweder kompensieren oder so steif sein, dass die Wellen sich gegenseitig zwingen, eingeführt zu bleiben.

Der Fluchtungsfehler zerfällt in drei Grundtypen, die in Kombination auftreten können. Die Vorlesung benennt sie mit drei Standard-Symbolen (V09 Slide 5), und diese Symbole tauchen in jeder Kupplungs-Beschreibung danach wieder auf.

Versatz-Art Symbol Anschauliche Beschreibung
axial ΔKa\Delta K_a die zwei Wellen-Enden ziehen sich auseinander oder schieben gegeneinander
radial ΔKr\Delta K_r die zwei Wellen-Achsen liegen parallel, aber seitlich versetzt
winklig ΔKw\Delta K_w die zwei Wellen-Achsen schneiden sich oder gehen aneinander vorbei
Die drei Arten von Wellenversatz und ihre Bezeichner.

Ausgleichend oder nicht? Eine ausgleichende Kupplung kann eine oder mehrere dieser Versatz-Arten kompensieren, ohne dass die Wellen oder Lager belastet werden. Eine nicht-ausgleichende Kupplung überträgt jeden Versatz als Zwangskraft auf die Lager: die Folge sind erhöhte Lagerreibung, Verschleiß und im Extremfall ein vorzeitiger Lagerschaden.

Konsequenz für die Auswahl: wo Fluchtungsfehler im Betrieb unvermeidbar sind (lange Wellen, separate Maschinen-Fundamente, Wärmedehnung), wählst du eine ausgleichende Bauform. Wo die Fluchtung mechanisch zwangsgeführt ist (z. B. innerhalb eines einzigen gefrästen Gehäuses), reicht eine nicht-ausgleichende Bauform.

Definition ausgleichend
Kupplung kompensiert Wellenversatz, ohne ihn auf die Lager weiterzugeben.
Merke Drei Versatz-Achsen: ΔKa\Delta K_a axial, ΔKr\Delta K_r radial, ΔKw\Delta K_w winklig.

VI.2.1 Drehsteif versus drehelastisch

Ein Verbrennungsmotor zündet ungleichmäßig: bei jedem Arbeitstakt gibt es einen kurzen Drehmoment-Stoss, dazwischen weniger. Auch beim Anfahren entsteht typischerweise ein Anlauf-Stoß. Wenn diese Stöße ungefiltert ans Getriebe weitergereicht werden, schwingen Zahnräder, Lager und Wellen mit, und die Lebensdauer sinkt rapide. Die Frage, die jede Kupplungs-Auswahl entscheidet: was passiert mit so einem Stoß auf dem Weg von Antrieb zu Abtrieb?

Eigenschaft drehsteif drehelastisch
Winkel-Übertragung winkelsynchron, 1:1 Antrieb und Abtrieb verdrehen sich gegeneinander
Stoss-Dämpfung keine, Stösse 1:1 weitergeleitet elastisches Element absorbiert Stösse
Typische Anwendung Positionier-Aufgaben, Werkzeugmaschinen-Spindel Verbrennungsmotor zu Getriebe, Stoss-belasteter Antrieb
Zwei Grundverhalten gegenüber Drehmoment-Stössen (V09 Slide 6).

Wann brauche ich was? Drehsteif wählst du, wenn Antrieb und Abtrieb winkelsynchron laufen müssen (Encoder-Anbindung, Werkzeug-Spindel, Steuerwellen). Drehelastisch wählst du, wenn der Antrieb periodisch oder stoßartig pulsiert und du die Schwingungen aus dem Getriebe heraushalten willst (Verbrennungsmotor, Anlauf eines schweren Schwungrads, Stoß-belastete Förderanlage).

Merke Drehsteif = winkelsynchron, keine Dämpfung. Drehelastisch = gedämpft, Antrieb/Abtrieb nicht winkelsynchron.
Definition Drehmoment-Stoss
Kurzzeitige, schlagartige Überhöhung des Drehmoments (Anlauf, Zündung, Last-Stoß).

VI.2.2 Drehsteife, nicht-ausgleichende Bauformen

Wir starten am linken Rand des Klassifikations-Baums: nicht-schaltbar, drehsteif, nicht-ausgleichend. Diese Kupplungen verbinden zwei Wellen winkelsynchron und tolerieren keinerlei Versatz. Sie sind günstig, einfach und nur dann sinnvoll, wenn die Fluchtung mechanisch sichergestellt ist (z. B. zwei Wellen-Stummel in einem einzigen Gehäuse gelagert).

Bauform Aufbau und Wirkprinzip Eignung
Scheibenkupplung Zwei Flanschnaben werden über den Umfang miteinander verschraubt. Innenzentrierung richtet die Scheiben radial aus. Drehmomente hoch bis sehr hoch, Drehzahlen klein bis mittel. Kein Versatzausgleich in allen drei Achsen.
Schalenkupplung (geteilt) Zwei zylindrische Halbschalen umfassen die Wellen-Stummel und werden radial verschraubt. Leicht zu montieren ohne axiales Aufschieben. Drehmomente klein bis hoch, Drehzahlen klein bis mittel. Kein Versatzausgleich.
Schalenkupplung (geschlitzt) Einteiliger Mantel mit Längsschlitz, axial aufgeschoben und durch Klemmschrauben gespannt. Günstiger, aber Montage nur über das Wellenende. Wie geteilt, etwas kostengünstiger.
Zwei drehsteife, nicht-ausgleichende Bauformen (V09 Slides 8 und 9).
Definition Innenzentrierung
Konstruktives Detail: Vorsprung auf der einen Flanschseite, passende Aussparung auf der anderen. Sichert die radiale Ausrichtung der zwei Naben zueinander.
Merke Scheibe = Flanschen verschrauben. Schale = Halbschalen über Welle klemmen.

VI.2.3 Drehsteife, ausgleichende Bauformen

Jetzt der Zwischenschritt: wir wollen weiterhin winkelsynchron übertragen, aber auch Versatz tolerieren. Der Trick ist immer derselbe: ein elastisches Geometrie-Element wird in den Kraftfluss eingebaut, das in Drehrichtung steif bleibt, in radialer/axialer/winkliger Richtung aber nachgibt. So überträgt die Kupplung Drehmoment ohne Verlust und gleicht trotzdem Fluchtungsfehler aus.

Bauform Wirkprinzip Bevorzugter Versatz
Metallbalgkupplung Faltenbalg aus Metall zwischen zwei Naben. Biegt sich seitlich, schiebt sich axial, behält aber Drehsteifigkeit. axial gut, radial gut, winklig sehr gut
Federstegkupplung Versetzt eingefräste Nuten am Mantel lassen schlanke Stege stehen. Stege biegen sich elastisch. axial sehr begrenzt, radial gut, winklig gut
Bogenzahnkupplung Innenring mit ballig (bogenförmig) ausgebildeten Zähnen wälzt im Aussenring. Erlaubt Verkippung pro Zahn-Paar. axial gut, radial sehr gut, winklig gut
Drei drehsteife, ausgleichende Bauformen (V09 Slides 11 bis 13).
Merke Drehsteif ausgleichend = elastisches Element, das in Torsion steif und in den anderen Richtungen weich ist.
Definition Federsteg
Schlanker, stehengebliebener Materialsteg zwischen zwei eingefrästen Nuten. Biegt sich elastisch.

VI.2.4 Drehelastische, ausgleichende Bauformen

Bisher waren alle Bauformen drehsteif. Jetzt führen wir bewusst elastische Zwischenelemente ein, die in Drehrichtung nachgeben. Antrieb und Abtrieb sind dadurch nicht mehr exakt winkelsynchron, aber Drehmoment-Stöße werden absorbiert, statt 1:1 weitergereicht. Praktischer Nebeneffekt: durch das elastische Element ist auch radialer, axialer und winkliger Versatz tolerierbar.

Bauform Elastisches Element Anwendungs-Hinweis
Bolzenkupplung Bolzen mit aufgeschobenen Elastomer-Hülsen verbinden die zwei Flansche. Drehmomente hoch bis sehr hoch, Dämpfung über Hülsen-Material einstellbar.
Klauenkupplung mit Elastomer-Zahnkranz Zwischen den Klauen der zwei Naben sitzt ein elastischer Zahnkranz aus Polyurethan. Drehmomente klein bis mittel, Zahnkranz in mehreren Härteklassen lieferbar.
Schlangenfederkupplung Naben-Zähne werden über ein gewundenes Stahlband verbunden. Reibung Band-zu-Zahn liefert Dämpfung. Hochbelastete Anwendungen mit veränderlicher Steifigkeit (das Band drückt mit zunehmender Last gegen mehr Zähne).
Drei drehelastische, ausgleichende Bauformen (V09 Slides 15 bis 17).

Wann brauche ich das? Immer dann, wenn der Antrieb pulsiert oder stoßt: Verbrennungsmotor (4-Takt-Zündung), schwere Anfahr-Schwungräder, periodisch belastete Förder- und Werkzeugmaschinen. Die drehelastische Kupplung schützt das nachgelagerte Getriebe vor Spitzenlasten, die seine Lebensdauer drastisch reduzieren würden.

Definition Elastomer
Gummi-artiger Kunststoff (z. B. Polyurethan, Naturkautschuk). Elastisch verformbar, kehrt nach Entlastung zurück.
Merke Drei Spielarten: Bolzen mit Hülsen, Klauen mit Zahnkranz, Stahlband zwischen Naben-Zähnen.

VI.2.5 Bauformen für grossen Radialversatz

Manchmal lässt sich der radiale Versatz zwischen zwei Wellen konstruktiv nicht klein halten: bei Förderanlagen mit zwei separat aufgestellten Maschinen, bei nachträglich an einer Maschine angebauten Erweiterungen, bei flexiblen Test-Aufbauten. Für solche Fälle gibt es drei klassische Bauformen, die selbst zentimeter-große Radialversätze problemlos kompensieren.

Bauform Wirkprinzip Eignung
Kreuzscheibenkupplung (Oldham) Zwei Naben mit je einer Nut und ein Zwischen-Element, dessen Klauen um 90°90° versetzt in die Nuten greifen. Die Klauen können sich radial frei verschieben. Sehr grosser Radialversatz, winkelsynchron, kostengünstig.
Parallelkurbelkupplung (Schmidt) Zwei oder mehr Stufen mit je drei parallel ausgerichteten Kurbeln. Die Kurbeln einer Stufe bleiben immer parallel zueinander, der Radialversatz ist im Betrieb sogar beliebig variierbar. Sehr grosser, im Betrieb variierbarer Radialversatz, winkelsynchron.
Kreuzgelenkwelle (Kardan) Zwei Kreuzgelenke und eine Zwischenwelle. Jedes Gelenk erlaubt grosse Winkel, in Kombination wird Ungleichförmigkeit kompensiert. Sehr grosser Winkel- und Radialversatz, leicht ungleichförmig pro Gelenk (durch zweites Gelenk wieder ausgeglichen).
Drei Bauformen für grossen Radialversatz (V09 Slides 19 bis 21).

Kreuzgelenkwellen-Detail. Ein einzelnes Kardangelenk überträgt die Drehbewegung ungleichförmig: der Abtrieb läuft je nach Stellung mal schneller, mal langsamer als der Antrieb. Erst durch zwei hintereinander geschaltete Gelenke mit gleicher Orientierung wird diese Ungleichförmigkeit ausgeglichen. Genau deshalb sind Kardanwellen am Auto immer mindestens zweigelenkig (vorne und hinten an der Zwischenwelle).

Definition Kardangelenk
Zwei senkrecht zueinander stehende Lagerzapfen in einem Kreuzkörper. Erlaubt grossen Winkelversatz zwischen Antrieb und Abtrieb.
Merke Drei Bauformen für grosse Radialversätze: Kreuzscheibe (Schiebe-Mechanik), Parallelkurbel (variabel im Betrieb), Kreuzgelenkwelle (Winkel + Radial).
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↳ VI.3.1 Schaltbare Kupplungen

VI.3.1 Selbstbetätigt versus fremdbetätigt

Bei den schaltbaren Kupplungen geht es immer um dieselbe Grundfrage: wer entscheidet, wann gekuppelt wird? Im Auto-Cockpit ist die Antwort der Fahrer (Hand am Schalthebel, Fuß auf dem Kupplungspedal). In einer automatisierten Anlage kann es ein Steuergerät sein. Beides sind fremdbetätigte Kupplungen: das Schalt-Signal kommt von ausserhalb der Kupplung selbst.

Es gibt aber auch Kupplungen, die ohne externes Schalt-Signal auskommen. Sobald eine bestimmte Eigenschaft der eingehenden Drehbewegung einen Schwellwert überschreitet (Drehzahl, Drehmoment, Drehrichtung), schalten sie sich selbständig. Das nennt sich selbstbetätigt.

Familie Schalt-Signal Beispiel
fremdbetätigt Hebel, Hydraulik, Pneumatik, Elektromagnet PKW-Schaltgetriebe, automatisierte Fertigungsanlage
selbstbetätigt drehzahl Fliehkraft überschreitet Vorspannung Kettensäge im Leerlauf, Trommelmäher
selbstbetätigt moment Drehmoment überschreitet Grenzwert MGM_G Werkzeugmaschine bei Werkzeugbruch
selbstbetätigt richtung Drehrichtung kehrt sich um Aufzug-Rücklaufsperre, Fahrrad-Freilauf
Zwei Schalt-Familien und ihre Auslöser (V09 Slide 23).

Reihenfolge in diesem Kapitel. Wir behandeln die selbstbetätigten zuerst (Rutschkupplung in VI.3.2, Freilauf in VI.3.3, Fliehkraftkupplung in eigener Section VI.4) und kommen dann zu den fremdbetätigten (Klauenkupplung in VI.3.4, reibschlüssige Kegel- und Einscheibenkupplung in VI.3.5).

Definition selbstbetätigt
Kupplung schaltet selbständig, sobald eine Eigenschaft der Drehbewegung einen Schwellwert erreicht.
Definition fremdbetätigt
Kupplung schaltet auf ein externes Signal hin (Hebel, Hydraulik, Magnetschalter).
Merke Drei Selbst-Auslöser: Drehzahl, Drehmoment, Drehrichtung.

VI.3.2 Momentbetätigt: Rutschkupplung

Stell dir eine Werkzeugmaschine vor, deren Bohrer plötzlich in einem zu harten Material steckenbleibt. Wenn der Motor weiterdreht und das Drehmoment nirgendwo abgebaut werden kann, kann etwas brechen: der Bohrer, ein Zahnrad, eine Welle. Eine Rutschkupplung ist die Sollbruchstelle, die genau diesen Fall abfängt. Sie überträgt das Drehmoment reibschlüssig, und sobald der Wert ein eingestelltes Grenzdrehmoment MGM_G überschreitet, rutscht der Reibkontakt durch und die Übertragung wird unterbrochen.

Die Aufgabe der Rutschkupplung ist also nicht Schalten im Sinne von „ein/aus auf Knopfdruck“, sondern automatischer Schutz vor Überlast. Sobald die Welt wieder im sicheren Bereich ist, greift die Kupplung wieder und arbeitet normal weiter.

Bauprinzip. Zwischen Antriebsnabe und Abtriebsscheibe (z. B. einem Kettenrad) sitzt eine Reibscheibe, die durch ein Federpaket (oft Tellerfedern) axial angepresst wird. Die Vorspannkraft FVF_V bestimmt, wie hoch das Grenzdrehmoment ist.

Mittlerer Reibradius. Der Reibbelag einer Rutschkupplung ist eine Kreisring-Fläche zwischen Innendurchmesser did_i und Aussendurchmesser dad_a. Die resultierende Reibkraft wirkt im Mittel auf dem Radius rmr_m, dem mittleren Reibradius, und dieser Hebelarm taucht in jeder Reibflächen-Rechnung als Drehmoment-Hebelarm auf.

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VI.3.2.1 Mittlerer Reibradius
rm  =  ra+ri2  =  da+di4r_m \;=\; \frac{r_a + r_i}{2} \;=\; \frac{d_a + d_i}{4}
rar_a Aussenradius, rir_i Innenradius des Reibbelags. Bei einer Kreisring-Fläche wirkt die resultierende Reibkraft im Mittel auf dem Radius rmr_m. Praxis-Faustregel: bei einer Reibscheibe mit Aussendurchmesser 100mm100\,\text{mm} und Innendurchmesser 60mm60\,\text{mm} ist rm=40mmr_m = 40\,\text{mm}.
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VI.3.2.2 Grenzdrehmoment der Rutschkupplung
MG  =  2μFVrmM_G \;=\; 2 \cdot \mu \cdot F_V \cdot r_m
μ\mu Reibwert Reibbelag gegen Stahl (0,30{,}3 typisch), FVF_V axiale Vorspannkraft des Federpakets, rm=(ra+ri)/2=(da+di)/4r_m = (r_a + r_i)/2 = (d_a + d_i)/4 mittlerer Reibradius. Der Faktor 2 kommt daher, dass die Reibscheibe beidseitig anliegt (zwei Reibkontakte).

Pressung im Reibkontakt. Neben dem Grenzdrehmoment ist auch die Flächenpressung pp wichtig, weil sie den Verschleiss des Reibbelags bestimmt und in Werkstoff-Datenblättern als Belastungs-Limit angegeben wird. Bei gleicher Vorspannkraft FVF_V heisst eine grössere Reibfläche zwar kleinere Pressung, aber nicht automatisch mehr Drehmoment: MGM_G skaliert mit rmr_m (Hebelarm), nicht mit der Fläche.

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VI.3.2.3 Pressung im Reibkontakt
AReib=π4(da2di2)p=FVAReib\begin{aligned} A_{\text{Reib}} &= \frac{\pi}{4}\,(d_a^2 - d_i^2) \\[4pt] p &= \frac{F_V}{A_{\text{Reib}}} \end{aligned}
AReibA_{\text{Reib}} wirksame Ringfläche zwischen Aussen- und Innendurchmesser des Reibbelags. Die Pressung pp wirkt senkrecht auf diese Fläche. Achtung: pp und MGM_G sind beide proportional zu FVF_V, hängen aber unterschiedlich von der Geometrie ab. MGrmM_G \propto r_m (Hebelarm), p1/(da2di2)p \propto 1/(d_a^2 - d_i^2) (Fläche). Eine grosse Reibscheibe erhöht MGM_G schneller als sie die Pressung senkt.

Verwandte Bauform: Kugelrastkupplung. Statt eines flächigen Reibbelags drücken hier vorgespannte Stahlkugeln in Mulden auf der Gegenseite. Solange das Drehmoment unter dem Grenzwert bleibt, rasten die Kugeln formschlüssig ein. Bei Überlast werden die Kugeln aus den Mulden geschoben, und die Kupplung schlüpft, oft mit hörbarem Klacken (Drehmoment-Wächter).

Formel Grenzdrehmoment
MG=2μFVrmM_G = 2\,\mu\,F_V\,r_m
Die Kernformel jeder Rutschkupplungs-Aufgabe.
Definition rmr_m mittlerer Reibradius
rm=(ra+ri)/2r_m = (r_a + r_i)/2. Vereinfachung der Integration der Reibspannung über die Kreisringfläche.
Formel Reibradius-Faustregel
rm=da+di4r_m = \frac{d_a + d_i}{4}
Bei einer 100/60-mm-Reibscheibe: rm=40mmr_m = 40\,\text{mm}.
Merke Vier Hebel: μ\mu, FVF_V, rmr_m, Anzahl Reibflächen.

VI.3.3 Richtungsbetätigt: Freilaufkupplung

Bei einem Fahrrad kannst du in die Pedale treten und das Hinterrad dreht sich. Sobald du aufhörst zu treten, läuft das Rad weiter, ohne dass die Pedale mitgerissen werden. Das Bauteil, das dieses richtungsselektive Verhalten erzeugt, ist eine Freilaufkupplung. Sie überträgt Drehmoment nur in eine Richtung; in die andere Drehrichtung kann sich der Abtrieb frei drehen.

Bauprinzip. Im Freilauf sitzen Sperrkörper zwischen Innen- und Aussenring. In Sperrrichtung verkeilen sich die Sperrkörper formschlüssig zwischen den beiden Ringen, das Drehmoment wird übertragen. In Freilaufrichtung werden die Sperrkörper gegen kleine Federn aus dem Kontakt geschoben und die Ringe können sich frei gegeneinander verdrehen.

Sperrkörper-Typ Geometrie Anwendungs-Beispiel
Sperrklinke kippbare Klinke greift in Zähne am Innen- oder Aussenring Ratschen, Drehmomentschlüssel
Klemmrolle zylindrische Rolle, die sich in einem keilförmigen Spalt einklemmt Industrie-Freilauf, Anlasser-Freilauf
Klemmkörper speziell geformter Körper (Sanduhr-Profil), wirkt in beide Stellungen klemmend hochdrehzahlfähige Industrie-Freiläufe
Drei gängige Sperrkörper-Typen (V09 Slides 35 bis 37).
Definition Sperrrichtung
Drehrichtung, in der die Sperrkörper klemmen und Drehmoment übertragen wird.
Definition Freilaufrichtung
Drehrichtung, in der die Sperrkörper aus dem Kontakt geschoben werden und kein Drehmoment fliesst.
Merke Drei Funktionen: Rücklaufsperre, Überholkupplung, Schrittschaltwerk. Alle vom gleichen Sperrkörper-Mechanismus.

VI.3.4 Fremdbetätigt formschlüssig: schaltbare Klauenkupplung

Wenn der Antrieb und der Abtrieb winkelsynchron miteinander gekoppelt werden sollen, sobald ein Schalt-Signal kommt, und ansonsten komplett getrennt sein müssen, ist die schaltbare Klauenkupplung die einfachste Lösung. Sie verbindet zwei Wellen formschlüssig über ineinandergreifende Klauen oder Zähne, im ausgekuppelten Zustand laufen die Wellen mechanisch unverbunden.

Bauprinzip. Auf der Welle sitzt eine Nabe, die axial verschiebbar aufgesteckt ist, z. B. über eine lange Passfeder. Die Nabe trägt eine Klauen-Stirnverzahnung. Beim Schalten (per Hebel, Hydraulikzylinder, Magnetspule) wird die Nabe axial verschoben, bis ihre Klauen in die Gegen-Klauen einer zweiten Nabe greifen. Solange das geschehen ist, wird das Drehmoment formschlüssig übertragen.

Aspekt Verhalten Konsequenz
Drehmoment-Übertragung formschlüssig, kein Schlupf möglich Drehmoment fast unbegrenzt, kein Verschleiß im Eingriff
Schalten im Lauf nur bei kleiner oder gleicher Drehzahl beider Hälften Im laufenden Betrieb mit Drehzahl-Differenz lässt sich nicht sauber kuppeln
Bauraum kompakt, kein Reibbelag nötig günstig in Herstellung und Wartung
Eigenschaften der schaltbaren Klauenkupplung.
Definition formschlüssig
Kraftübertragung über ineinandergreifende Geometrie (Klauen, Zähne), nicht über Reibung.
Merke Klauenkupplung schaltbar: axial verschiebbare Nabe greift in Gegenklauen.

VI.3.5 Fremdbetätigt reibschlüssig: Kegel- und Einscheibenkupplung

Wenn die Kupplung im laufenden Betrieb bei Drehzahl-Differenz geschlossen werden soll (klassisch: Motor zu Antriebsstrang im Auto), brauchst du eine reibschlüssige Bauform. Hier übertragen Reibflächen das Drehmoment, und beim Schliessen entsteht ein kurzer Schlupf-Vorgang, bis Antrieb und Abtrieb synchron laufen. Den Übergang von „Drehzahlen unterschiedlich“ zu „Drehzahlen gleich“ nennt man Synchronisation.

Hochlauf-Diagramm. Trägst du die Drehzahl von Motor (Antrieb) und Arbeitsmaschine (Abtrieb) gegen die Zeit auf, ergibt sich ein typisches Bild: zunächst läuft der Motor allein im Leerlauf, die Arbeitsmaschine ruht. Sobald die Kupplung schliesst, fällt die Motordrehzahl etwas ab, die Arbeitsmaschine wird beschleunigt, und nach einem kurzen Reaktions- und Schlupf-Abschnitt treffen sich beide Kurven im Synchronpunkt. Danach drehen beide gleich, der Schlupf ist vorbei, die Kupplung ist „durchgeschaltet“.

Bauform Geometrie Anwendung
Kegelkupplung Innen- und Aussenkegel mit Reibbelag, axial zusammengedrückt durch Druckfeder Werkzeugmaschinen, frühere PKW-Bauformen
Einscheiben-Trockenkupplung eine Kupplungsscheibe mit beidseitigem Reibbelag, gepresst zwischen Schwungrad und Druckplatte Standard-Kupplung im modernen PKW-Schaltgetriebe
Zwei klassische Bauformen reibschlüssiger Schaltkupplungen (V09 Slides 45 bis 49).

Einscheiben-Trockenkupplung im PKW. Auf der Motorseite sitzt das Schwungrad, auf der Getriebeseite die Druckplatte, dazwischen die Kupplungsscheibe. Die Druckplatte wird über eine starke Tellerfeder gegen das Schwungrad gepresst. Beim Treten des Kupplungspedals löst die Feder den Druck, die Kupplungsscheibe verliert den Reibkontakt und das Drehmoment vom Motor wird vom Getriebe getrennt. Beim Loslassen des Pedals schliesst sich der Kontakt schrittweise, und die Synchronisation läuft genau im Schlupf-Abschnitt aus dem Hochlauf-Diagramm ab.

Definition Synchronisation
Der Übergang von unterschiedlicher zu gleicher Drehzahl von Antrieb und Abtrieb beim Schliessen einer reibschlüssigen Kupplung.
Formel Reibschluss-Drehmoment
Mmax=2μFdrmM_{\max} = 2\,\mu\,F_d\,r_m
Identisch zur Rutschkupplungs-Formel.
Merke Drei Phasen beim Schalten: Reaktion, Schlupf-Hochlauf, Synchronpunkt.

VI.4.1 Wirkprinzip

Stell dir eine Karussell-Sitzgruppe vor: solange das Karussell langsam dreht, hängen die Ketten der Sitze gerade nach unten. Sobald das Karussell schneller dreht, drücken die Sitze gegen die Aussenkette, je schneller, desto stärker. Genau dieses Prinzip steckt in einer Fliehkraftkupplung: rotierende Gewichte werden durch ihre eigene Fliehkraft nach aussen gedrückt, und ab einer bestimmten Drehzahl entsteht ein Reibkontakt mit einer Trommel, der Drehmoment überträgt.

Eine Fliehkraftkupplung ist also eine selbstbetätigt drehzahl-abhängige Kupplung. Ohne externes Schaltsignal kuppelt sie automatisch ein, sobald die Antriebs-Drehzahl gross genug wird, und entkuppelt automatisch, wenn die Drehzahl wieder absinkt.

Nr. Komponente Funktion
(1) Antriebsnabe Sitzt auf der Antriebswelle, trägt die Fliehgewichte.
(2) Fliehgewichte Werden bei Rotation durch ihre Trägheit nach aussen gedrückt.
(3) Zugfedern Halten die Fliehgewichte im Stillstand in der Innenposition (Vorspannung FVF_V).
(4) Reibbelag Auf der Aussenseite der Fliehgewichte, kommt bei hoher Drehzahl in Kontakt mit der Trommel.
(5) Sicherungsscheibe Hält die Federn und Gewichte axial in Position.
(6) Trommel (Glocke) Sitzt auf der Abtriebswelle, bekommt die Reibkraft von den Fliehgewichten.
Sechs Komponenten einer Fliehkraftkupplung (V09 Slide 25).
Definition Fliehkraftkupplung
Drehzahl-betätigte, selbstbetätigte, reibschlüssige Kupplung. Schliesst automatisch ab einer Schwellen-Drehzahl.
Merke Drei Drehzahlen: nGn_G (Bewegung beginnt), nEn_E (Berührung), nBn_B (Betriebsmoment übertragen).

VI.4.2 Anwendung Kettensäge

Die anschaulichste Anwendung einer Fliehkraftkupplung ist die Kettensäge. Im Leerlauf läuft der Verbrennungsmotor mit niedriger Drehzahl, die Schneidkette steht still: ohne diese Trennung würde die Kette dauerhaft mitlaufen und das Werkzeug unbedienbar machen. Gibt der Bediener Gas, steigt die Motor-Drehzahl, die Fliehgewichte werden nach aussen gedrückt, kommen in Kontakt mit der Trommel, und die Kette läuft mit hoher Drehzahl los.

Was die Bauform leistet. Im Leerlauf wird kein Drehmoment auf die Kette übertragen: sicherheitsrelevant, weil der Motor zum Starten und Justieren laufen muss, ohne dass die Kette läuft. Bei Vollgas wird die volle Motorleistung über die Kupplung an die Kette gegeben. Geht der Motor unter Last in den Drehzahlkeller (z. B. weil die Kette in einem zu harten Ast stecken bleibt), öffnet die Kupplung sich automatisch wieder, die Kette steht, und der Motor kann ohne Risiko des Abwürgens weiterlaufen.

Merke Drei Funktionen: Leerlauf-Trennung, automatisches Einkuppeln bei Vollgas, Überlast-Schutz.

VI.4.3 Grenzdrehzahl nGn_G

Schau dir die Kupplung im Stillstand an. Die Federn haben Vorspannkraft FVF_V und halten die Fliehgewichte in der Innenposition. Sobald die Welle dreht, wirkt auf jedes Gewicht eine Fliehkraft FZF_Z nach aussen. Solange FZF_Z kleiner ist als die rückhaltende Federkraft, passiert nichts: die Gewichte bleiben in der Innenposition. Sobald FZF_Z die Federkraft erreicht, beginnen die Gewichte sich nach aussen zu bewegen. Die Drehzahl, bei der das passiert, ist die Grenzdrehzahl nGn_G.

Kräftegleichgewicht im Stillstand. Eine Feder liegt zwischen zwei Fliehgewichten und wird von beiden Seiten zugezogen. Im Stillstand summieren sich die zwei Vorspannkräfte zu einer Gesamt-Rückhaltekraft von 2FV2 \cdot F_V pro Feder-Strang. Diese muss von der Fliehkraft FZ=mrSω2F_Z = m \cdot r_S \cdot \omega^2 gerade aufgewogen werden, damit die Bewegung einsetzt.

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VI.4.3.1 Kräftegleichgewicht an der Grenzdrehzahl
2FV  =  mrSω2  =  mrS4π2nG22 \cdot F_V \;=\; m \cdot r_S \cdot \omega^2 \;=\; m \cdot r_S \cdot 4\pi^2 \cdot n_G^2
FVF_V Vorspannkraft je Feder, mm Masse eines Fliehgewichts, rSr_S Radius zum Schwerpunkt im Stillstand, ω=2πn\omega = 2\pi n Winkelgeschwindigkeit.
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VI.4.3.2 Grenzdrehzahl
nG2  =  2FV4π2mrSn_G^2 \;=\; \frac{2 \cdot F_V}{4\pi^2 \cdot m \cdot r_S}
Aufgelöst nach nG2n_G^2. Die Drehzahl nGn_G ergibt sich durch Wurzelziehen. Beachte: nGn_G wird oft in min1\text{min}^{-1} angegeben, ω\omega aber in rad/s\text{rad/s}. Wenn du in der Formel mit SI-Einheiten arbeitest, erhältst du nGn_G zunächst in s1\text{s}^{-1} und musst danach mit 6060 multiplizieren.
Definition Grenzdrehzahl nGn_G
Drehzahl, bei der die Fliehkraft erstmals die Federvorspannung übersteigt und die Fliehgewichte sich zu bewegen beginnen.
Formel Grenzdrehzahl
nG2=2FV4π2mrSn_G^2 = \frac{2\,F_V}{4\pi^2\,m\,r_S}
Kräftegleichgewicht 2FV=mrSω22 F_V = m\,r_S\,\omega^2 aufgelöst.
Merke Reihenfolge: nG<nE<nBn_G < n_E < n_B.

VI.4.4 Einschaltdrehzahl nEn_E

Sobald die Drehzahl über nGn_G steigt, wandern die Fliehgewichte nach aussen. Sie schieben dabei den Spalt aa zur Trommel zusammen. Im selben Moment passiert zweierlei: erstens vergrössert sich der Hebelarm der Fliehkraft (statt rSr_S jetzt rS+ar_S + a), zweitens werden die Federn um 2a2a gestreckt (eine Feder liegt zwischen zwei Gewichten, beide Gewichte bewegen sich um aa nach aussen, insgesamt 2a2a Federverlängerung).

Die Einschaltdrehzahl nEn_E ist die Drehzahl, bei der die Fliehgewichte die Trommel gerade berühren. Ab hier beginnt die Kupplung, überhaupt Drehmoment zu übertragen.

!!
VI.4.4.1 Kräftegleichgewicht an der Einschaltdrehzahl
2(FV+R2a)  =  m(rS+a)4π2nE22 \cdot (F_V + R \cdot 2a) \;=\; m \cdot (r_S + a) \cdot 4\pi^2 \cdot n_E^2
Linke Seite: die Federkraft je Strang ist jetzt FV+R2aF_V + R \cdot 2a, beidseitig wirkt sie also 2(FV+R2a)2 \cdot (F_V + R \cdot 2a). Rechte Seite: die Fliehkraft mit dem neuen Hebelarm rS+ar_S + a.
!!!
VI.4.4.2 Einschaltdrehzahl
nE2  =  2(FV+R2a)4π2m(rS+a)n_E^2 \;=\; \frac{2 \cdot (F_V + R \cdot 2a)}{4\pi^2 \cdot m \cdot (r_S + a)}
Aufgelöst nach nE2n_E^2. Beachte: durch die zusätzliche Federdehnung ist die rückhaltende Kraft grösser als bei nGn_G, deshalb gilt nE>nGn_E > n_G (auch wenn der Hebelarm rS+ar_S + a leicht kompensiert).
Definition Einschaltdrehzahl nEn_E
Drehzahl, bei der die Fliehgewichte die Trommel berühren und die Übertragung beginnt.
Formel Einschaltdrehzahl
nE2=2(FV+R2a)4π2m(rS+a)n_E^2 = \frac{2\,(F_V + R\cdot 2a)}{4\pi^2\,m\,(r_S+a)}
Mit zusätzlicher Federdehnung R2aR \cdot 2a und grösserem Hebelarm rS+ar_S + a.

VI.4.5 Betriebsdrehzahl nBn_B

Bei nEn_E berühren die Gewichte gerade die Trommel, aber die Normalkraft im Kontakt ist Null. Es wird also auch noch kein Drehmoment übertragen. Erst wenn die Drehzahl weiter steigt, drückt jedes Fliehgewicht mit zunehmender Normalkraft FNF_N gegen die Trommel. Aus dieser Normalkraft entsteht durch Reibung die Tangentialkraft FR=μFNF_R = \mu \cdot F_N, die in der Summe das Drehmoment MM überträgt.

Die Betriebsdrehzahl nBn_B ist die Drehzahl, bei der das geforderte Betriebs-Drehmoment MM tatsächlich übertragen wird. Sie hängt davon ab, wie gross MM sein soll und über welche Geometrie es übertragen wird.

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VI.4.5.1 Drehmoment als tangentiale Reib-Belastung
Ft2  =  M2rK  =  FR  =  μFN\frac{F_t}{2} \;=\; \frac{M}{2 \cdot r_K} \;=\; F_R \;=\; \mu \cdot F_N
Bei zwei Reibkontakten teilt sich die gesamte Umfangskraft FtF_t auf zwei Stellen auf. Daraus folgt direkt die nötige Normalkraft pro Kontakt: FN=M/(2μrK)F_N = M / (2\,\mu\,r_K).
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VI.4.5.2 Kräftegleichgewicht am Fliehgewicht im Betrieb
FZ=FN+2FFederm(rS+a)4π2nB2=FN+2(FV+R2a)\begin{aligned} F_Z &= F_N + 2\,F_{\text{Feder}} \\[4pt] m\,(r_S + a)\,4\pi^2 n_B^2 &= F_N + 2\,(F_V + R\,2a) \end{aligned}
Die Fliehkraft muss jetzt nicht nur die Federn überwinden, sondern zusätzlich die Normalkraft FNF_N am Trommel-Kontakt aufbringen.
!!!
VI.4.5.3 Betriebsdrehzahl
nB2=FN+2(FV+R2a)4π2m(rS+a)FN=M2μrK\begin{aligned} n_B^2 &= \frac{F_N + 2\,(F_V + R\,2a)}{4\pi^2\,m\,(r_S + a)} \\[6pt] F_N &= \frac{M}{2\,\mu\,r_K} \end{aligned}
Zweistufige Rechnung: zuerst FNF_N aus dem geforderten Drehmoment MM ermitteln, dann in die Drehzahl-Formel einsetzen.
Definition Betriebsdrehzahl nBn_B
Drehzahl, bei der das geforderte Drehmoment MM über die Reibung an der Trommel tatsächlich übertragen wird.
Formel FNF_N aus MM
FN=M2μrKF_N = \frac{M}{2\mu r_K}
Pro Reibkontakt, gilt bei Bauform mit 2 Kontakten.
Merke Strikt: nG<nE<nBn_G < n_E < n_B.

VI.4.6 Bauform-Variante mit mehr Fliehgewichten

Nicht jede Fliehkraftkupplung hat zwei Fliehgewichte. Im Anhang zur Vorlesung wird eine zweite Bauform gezeigt, in der die Fliehgewichte als Segmente um die Nabe herum angeordnet sind, jeweils mit kleinen Federn radial zur Nabe. Typisch sind sechs oder mehr Segmente. Daraus ergeben sich zwei wichtige Änderungen in den Formeln.

Änderung 1: Feder-Anordnung. Bei dieser Bauform sind die Federn direkt zwischen Nabe und Fliehgewicht. Bewegt sich ein Gewicht um aa nach aussen, wird die Feder nur um aa verlängert (statt 2a2a bei der Vorlesungs-Bauform).

Änderung 2: Anzahl Reibkontakte. Bei sechs Fliehgewichten gibt es sechs Reibkontakte zur Trommel. Das Drehmoment MM teilt sich also nicht durch 22, sondern durch 66 auf die Tangentialkräfte auf.

!!
VI.4.6.1 Drehmoment bei N Reibkontakten
M  =  NFRrK  =  NμFNrKM \;=\; N \cdot F_R \cdot r_K \;=\; N \cdot \mu \cdot F_N \cdot r_K
NN ist die Anzahl Reibkontakte (bei 2 Fliehgewichten: N=2N=2, bei 6 Fliehgewichten: N=6N=6). Aufgelöst nach Normalkraft je Kontakt: FN=M/(NμrK)F_N = M / (N \cdot \mu \cdot r_K).
Merke Zwei Bauform-Unterschiede: Federdehnung (aa vs. 2a2a) und Anzahl Reibkontakte (NN statt 22).
Formel FNF_N allgemein
FN=MNμrKF_N = \frac{M}{N \mu r_K}
NN Anzahl Reibkontakte.

VI.5.1 Aufbau eines 2-Gang-Schaltgetriebes

Bisher hat eine Kupplung immer nur den Kraftfluss ein/aus geschaltet. In einem Auto-Getriebe brauchst du aber mehr: du willst die Drehzahl-Übersetzung verändern können, je nach Fahrsituation einen anderen Gang einlegen. Genau dafür gibt es Schaltgetriebe, in denen mehrere Zahnrad-Paarungen wahlweise in den Kraftfluss eingebunden werden. Eine einfache 2-Gang-Variante zeigt, wie das geht.

Welle Position Rolle
Antriebswelle links oben Eingang vom Motor.
Zwischenwelle unten Trägt zwei Zahnräder, kämmt sowohl mit Antriebs- als auch Abtriebswelle.
Abtriebswelle rechts oben Trägt zwei lose Zahnräder plus die Schiebemuffe. Geht zum Antriebsstrang.
Drei Wellen und ihre Aufgaben in einem 2-Gang-Schaltgetriebe (Anhang Schaltgetriebe Slide 1).

Schiebemuffe. Auf der Abtriebswelle sitzt zwischen den zwei losen Zahnrädern eine axial verschiebbare Muffe, die mit der Welle drehfest, aber axial gleitend verbunden ist. Innen hat die Muffe eine Verzahnung, die in eine Gegenverzahnung an den lose laufenden Zahnrädern eingreifen kann. Solange die Muffe in der Mittelstellung steht, dreht sich keines der losen Zahnräder mit der Welle: der Kraftfluss ist unterbrochen.

Schaltverzahnung. Die beiden losen Zahnräder haben jeweils zusätzlich zur normalen Verzahnung (für den Eingriff mit der Zwischenwelle) eine kleinere Schaltverzahnung auf ihrer Innenseite. In genau diese Schaltverzahnung greift die Schiebemuffe ein, wenn sie nach links oder rechts geschoben wird. Das eingerückte Zahnrad wird damit fest mit der Abtriebswelle gekoppelt und überträgt das Drehmoment.

Definition Schiebemuffe
Axial verschiebbares, drehfest auf der Welle sitzendes Bauteil mit Innenverzahnung. Verbindet ein loses Zahnrad fest mit der Welle, wenn eingerückt.
Definition Schaltverzahnung
Zusätzliche Verzahnung an einem Zahnrad, in die die Schiebemuffe eingreift.
Merke Drei Wellen: Antrieb, Zwischenwelle, Abtrieb. Schaltung erfolgt auf der Abtriebswelle.

VI.5.2 Schaltstufen: 1. Gang versus 2. Gang

Mit dem Aufbau aus VI.5.1 sind nun zwei Übersetzungen möglich. Welche aktiv ist, hängt davon ab, in welche Richtung die Schiebemuffe verschoben wurde.

Schaltstellung Aktiver Kraftfluss Ergebnis
Schiebemuffe nach links Antrieb → Zwischenwelle → linkes Zahnrad → Schiebemuffe → Abtrieb 1. Gang (typischerweise grosses Übersetzungsverhältnis, hohes Drehmoment, kleine Abtriebs-Drehzahl)
Schiebemuffe nach rechts Antrieb → Zwischenwelle → rechtes Zahnrad → Schiebemuffe → Abtrieb 2. Gang (kleineres Übersetzungsverhältnis, höhere Abtriebs-Drehzahl)
Schiebemuffe in Mitte Antrieb → Zwischenwelle → kein Eingriff zur Abtriebswelle Leerlauf (kein Drehmoment am Abtrieb)
Zwei Schaltstufen im 2-Gang-Getriebe (Anhang Schaltgetriebe Slide 7).
Definition Leerlauf-Stellung
Schiebemuffe in Mittelposition. Keines der losen Zahnräder ist eingerückt, kein Kraftfluss zum Abtrieb.
Merke 2 Gänge plus Leerlauf ergeben drei Schaltstellungen.

VI.5.3 Sperrsynchronisation

In VI.3.4 hatten wir bereits festgestellt: eine formschlüssige Klauenkupplung (und genauso eine formschlüssige Schiebemuffen-Verzahnung) lässt sich nur dann sauber einrücken, wenn die zwei Hälften ungefähr gleich schnell drehen. Genau dieses Problem hat ein Schaltgetriebe im Betrieb: das gerade eingerückte lose Zahnrad dreht mit der Abtriebsdrehzahl, das nächste lose Zahnrad würde aber mit einer anderen Drehzahl drehen (weil es eine andere Übersetzung hat). Wer ohne weitere Hilfe schaltet, hört das gefürchtete Knirschen, weil die Schiebemuffen-Zähne und die Schaltverzahnung mit Drehzahl-Differenz aufeinandertreffen.

Die Lösung in modernen PKW-Getrieben heisst Sperrsynchronisation. Bevor die formschlüssige Schiebemuffe eingreift, wird über einen kleinen Reibkonus die Drehzahl der zwei Hälften aneinander angeglichen. Erst wenn die Drehzahlen gleich sind, gibt der Synchronring den Weg frei und die Schiebemuffe rückt formschlüssig ein.

Phase Was passiert Bauteil im Eingriff
Annäherung Schiebemuffe wird Richtung loses Zahnrad geschoben. Synchron-Reibkonus baut Drehzahl-Differenz ab.
Synchronisation Reibkonus gleicht Drehzahlen an (kurzer Schlupf-Vorgang). Reibflächen Synchronring zu loses Zahnrad.
Formschluss Schiebemuffe greift in Schaltverzahnung ein. Formschlüssige Klauenverbindung.
Drei Phasen einer Sperrsynchronisation.
Definition Sperrsynchronisation
Mechanismus, der vor dem formschlüssigen Eingriff der Schiebemuffe per Reibkonus die Drehzahlen angleicht.
Merke Drei Phasen: Annäherung, Reib-Angleich (Synchronisation), formschlüssiger Eingriff.

VI.6.1 Aufgabe 1. Einscheiben-Trockenkupplung

Gegeben. Eine Einscheibentrockenkupplung mit Reibbelag-Aussendurchmesser da=240mmd_a = 240\,\text{mm} und Innendurchmesser di=160mmd_i = 160\,\text{mm}. Die Druckplatte presst die Kupplungsscheibe mit der Federkraft Fd=5000NF_d = 5000\,\text{N} an. Reibwert Reibbelag gegen Stahl μ=0,3\mu = 0{,}3.

Gesucht. (a) Skizze der relevanten Reibkräfte am Reibkontakt der Kupplungsscheibe. (b) Maximal übertragbares Drehmoment MmaxM_{\max}. (c) Wie kann MmaxM_{\max} erhöht werden?

Lösungsweg

  1. Schritt 1. Mittlerer Reibradius
    Standard-Vereinfachung der Integration der Reibspannung über die Kreisringfläche. Bei einem schmalen Reibring weicht rmr_m nur wenig vom geometrischen Mittel ab.
    rm=100mmr_m = 100\,\text{mm}
    rm=da+di4=240+1604mm=100mm\begin{aligned} r_m &= \frac{d_a + d_i}{4} = \frac{240 + 160}{4}\,\text{mm} \\[2pt] &= 100\,\text{mm} \end{aligned}
  2. Schritt 2. Maximal übertragbares Drehmoment
    Faktor 22 wegen der beidseitigen Anpressung der Kupplungsscheibe. Ein gut dimensionierter PKW-Motor liefert in der Spitze 150 bis 300 Nm, hier kann die Kupplung also typische PKW-Drehmomente halten.
    Mmax=300NmM_{\max} = 300\,\text{Nm}
    Mmax  =  2μFdrm  =  20,35000N100mmM_{\max} \;=\; 2 \cdot \mu \cdot F_d \cdot r_m \;=\; 2 \cdot 0{,}3 \cdot 5000\,\text{N} \cdot 100\,\text{mm}
Definition Aufgabe 1
Einscheiben-Trockenkupplung. Gesucht MmaxM_{\max} aus Reibbelag-Geometrie und Vorspannung.
Merke Schlüsselformel: Mmax=2μFdrmM_{\max} = 2\,\mu\,F_d\,r_m mit rm=(da+di)/4r_m = (d_a+d_i)/4.

VI.6.2 Aufgabe 2. Fliehkraftkupplung mit zwei Fliehgewichten

Gegeben. Eine Fliehkraftkupplung mit zwei Fliehgewichten, die über zwei baugleiche, vorgespannte Zugfedern verbunden sind. Vorspannkraft je Feder FV=200NF_V = 200\,\text{N}, Masse je Fliehgewicht m=500g=0,5kgm = 500\,\text{g} = 0{,}5\,\text{kg}, Radius zum Schwerpunkt rS=35mmr_S = 35\,\text{mm}, Federrate R=8,6N/mmR = 8{,}6\,\text{N/mm}, Spalt zwischen Fliehgewicht und Trommel a=2mma = 2\,\text{mm}, Innenradius der Trommel rK=50mmr_K = 50\,\text{mm}, Reibwert μ=0,15\mu = 0{,}15.

Gesucht. (a) Grenzdrehzahl nGn_G (Fliehgewichte beginnen sich nach aussen zu bewegen). (b) Einschaltdrehzahl nEn_E (Kupplung beginnt Drehmoment zu übertragen). (c) Betriebsdrehzahl nBn_B, damit ein Drehmoment M=10,5NmM = 10{,}5\,\text{Nm} übertragen wird.

Lösungsweg

  1. Teilaufgabe (a). Grenzdrehzahl nGn_G
    Reines Gleichgewicht Fliehkraft == doppelte Federvorspannung. Bei dieser Drehzahl beginnt die Bewegung, es wird aber noch kein Drehmoment übertragen.
    nG=24,06s1=1443,7min1n_G = 24{,}06\,\text{s}^{-1} = 1443{,}7\,\text{min}^{-1}
    nG2=2FV4π2mrS=2200N4π20,5kg0,035m=578,98s2\begin{aligned} n_G^2 &= \frac{2\,F_V}{4\pi^2\,m\,r_S} \\[4pt] &= \frac{2 \cdot 200\,\text{N}}{4\pi^2 \cdot 0{,}5\,\text{kg} \cdot 0{,}035\,\text{m}} \\[4pt] &= 578{,}98\,\text{s}^{-2} \end{aligned}
  2. Teilaufgabe (b). Einschaltdrehzahl nEn_E
    Federdehnung R2aR \cdot 2a und neuer Hebelarm rS+ar_S + a. Der Spalt ist klein, deshalb steigt nEn_E nur um 5%\approx 5\,\% gegenüber nGn_G.
    Zwischenwert FFeder=200+17,2=217,2NF_{\text{Feder}} = 200 + 17{,}2 = 217{,}2\,\text{N}, nE2=641,88s2n_E^2 = 641{,}88\,\text{s}^{-2}, also nE=25,34s1=1520,1min1n_E = 25{,}34\,\text{s}^{-1} = 1520{,}1\,\text{min}^{-1}
    nE2=2(FV+R2a)4π2m(rS+a)=2(200+8,64)N4π20,50,037m\begin{aligned} n_E^2 &= \frac{2\,(F_V + R\,2a)}{4\pi^2\,m\,(r_S + a)} \\[4pt] &= \frac{2\,(200 + 8{,}6 \cdot 4)\,\text{N}}{4\pi^2 \cdot 0{,}5 \cdot 0{,}037\,\text{m}} \end{aligned}
  3. Teilaufgabe (c) Schritt 1. Normalkraft am Kontakt
    Aus dem geforderten Drehmoment und der Reibgeometrie. Bei zwei Kontakten teilt sich die Umfangskraft auf zwei Stellen.
    FN=700NF_N = 700\,\text{N}
    FN=M2μrK=10,5Nm20,150,05m\begin{aligned} F_N &= \frac{M}{2\,\mu\,r_K} \\[4pt] &= \frac{10{,}5\,\text{Nm}}{2 \cdot 0{,}15 \cdot 0{,}05\,\text{m}} \end{aligned}
  4. Teilaufgabe (c) Schritt 2. Betriebsdrehzahl nBn_B
    FNF_N kommt im Zähler hinzu, alles andere bleibt wie bei nEn_E. Resultat 60%\approx 60\,\% höher als nEn_E, plausibel für eine Kleingeräte-Kupplung.
    nB2=1600s2n_B^2 = 1600\,\text{s}^{-2}, also nB=40s1=2400min1n_B = 40\,\text{s}^{-1} = 2400\,\text{min}^{-1}
    nB2=FN+2(FV+R2a)4π2m(rS+a)=700+2217,24π20,50,037s2\begin{aligned} n_B^2 &= \frac{F_N + 2\,(F_V + R\,2a)}{4\pi^2\,m\,(r_S + a)} \\[4pt] &= \frac{700 + 2 \cdot 217{,}2}{4\pi^2 \cdot 0{,}5 \cdot 0{,}037}\,\text{s}^{-2} \end{aligned}
Definition Aufgabe 2
Fliehkraftkupplung mit zwei Fliehgewichten, drei Teilaufgaben nGn_G, nEn_E, nBn_B.
Merke Reihenfolge: nGn_G ohne Federdehnung, nEn_E mit Federdehnung, nBn_B zusätzlich mit FNF_N.

VI.6.3 Aufgabe 3. Rutschkupplung Grenzdrehmoment und Pressung

Gegeben. Eine Rutschkupplung mit zwei beidseitig wirkenden Reibscheiben am Kettenrad. Aussendurchmesser da=100mmd_a = 100\,\text{mm} (ra=50mmr_a = 50\,\text{mm}), Innendurchmesser di=60mmd_i = 60\,\text{mm} (ri=30mmr_i = 30\,\text{mm}), Vorspannkraft FV=5kN=5000NF_V = 5\,\text{kN} = 5000\,\text{N}, Reibwert μ=0,3\mu = 0{,}3.

Gesucht. (a) Grenzdrehmoment MGM_G, ab dem die Kupplung rutscht. (b) Pressung pp im Reibkontakt.

Lösungsweg

  1. Teilaufgabe (a) Schritt 1. Mittlerer Reibradius
    Standard-Vereinfachung wie in Aufgabe 1.
    rm=40mmr_m = 40\,\text{mm}
    rm=da+di4=100+604mm=40mm\begin{aligned} r_m &= \frac{d_a + d_i}{4} = \frac{100 + 60}{4}\,\text{mm} \\[2pt] &= 40\,\text{mm} \end{aligned}
  2. Teilaufgabe (a) Schritt 2. Grenzdrehmoment
    Faktor 22 wegen beidseitiger Reibung an der Kupplungsscheibe.
    MG=120NmM_G = 120\,\text{Nm}
    MG  =  2μFVrm  =  20,35000N0,04mM_G \;=\; 2 \cdot \mu \cdot F_V \cdot r_m \;=\; 2 \cdot 0{,}3 \cdot 5000\,\text{N} \cdot 0{,}04\,\text{m}
  3. Teilaufgabe (b) Schritt 1. Reibfläche
    Kreisringfläche zwischen Aussen- und Innendurchmesser. Eine Reibseite, einseitige Fläche.
    AReib5026,5mm2A_{\text{Reib}} \approx 5026{,}5\,\text{mm}^2
    AReib=π4(da2di2)=π4(1002602)mm2=π46400mm2\begin{aligned} A_{\text{Reib}} &= \frac{\pi}{4}\,(d_a^2 - d_i^2) \\[2pt] &= \frac{\pi}{4}\,(100^2 - 60^2)\,\text{mm}^2 \\[2pt] &= \frac{\pi}{4}\,6400\,\text{mm}^2 \end{aligned}
  4. Teilaufgabe (b) Schritt 2. Pressung
    Knapp 1N/mm21\,\text{N/mm}^2 ist eine moderate Pressung, weit unter der zulässigen Pressung typischer Reibbeläge (>4N/mm2> 4\,\text{N/mm}^2). Die Auslegung hat also noch Reserve gegen Werkstoff-Versagen.
    p0,99N/mm21,0N/mm2p \approx 0{,}99\,\text{N/mm}^2 \approx 1{,}0\,\text{N/mm}^2
    p  =  FVAReib  =  5000N5026,5mm2p \;=\; \frac{F_V}{A_{\text{Reib}}} \;=\; \frac{5000\,\text{N}}{5026{,}5\,\text{mm}^2}
Definition Aufgabe 3
Rutschkupplung mit zweistufiger Rechnung: MGM_G und Pressung pp.
Merke Reibfläche: A=π(da2di2)/4A = \pi(d_a^2 - d_i^2)/4.

VI.6.4 Aufgabe 4. Rutschkupplung mit Nachjustierung

Gegeben. Gleiche Geometrie wie Aufgabe 3 (rm=40mmr_m = 40\,\text{mm}, μ=0,3\mu = 0{,}3, ursprüngliche Vorspannung FV=5kNF_V = 5\,\text{kN}). Zusätzlich: das Federpaket der Kupplung besteht aus zwei baugleichen Tellerfedern, jeweils mit Federrate R=26,4kN/mmR = 26{,}4\,\text{kN/mm}, gleichsinnig gestapelt (Federpaket-Anordnung, bei der die Federkräfte addieren). Die Einstellmutter drückt das Federpaket um einen zusätzlichen Weg s=0,4mms = 0{,}4\,\text{mm} weiter zusammen.

Gesucht. Neues Grenzdrehmoment MGM_G nach der Nachjustierung.

Nachjustierung einer Rutschkupplung. Das Grenzdrehmoment lässt sich erhöhen, ohne das Federpaket auszutauschen: eine Einstellmutter drückt das Tellerfeder-Paket um einen zusätzlichen Weg ss weiter zusammen, und die zusätzliche Federkraft RerssR_{\text{ers}} \cdot s erhöht die Vorspannung auf FV,neu=FV+RerssF_{V,\text{neu}} = F_V + R_{\text{ers}}\,s. Bei einem Federpaket (gleichsinnig gestapelte Tellerfedern, alle konvexe Seite in dieselbe Richtung) addieren sich die Federraten direkt: Rers=nRR_{\text{ers}} = n \cdot R bei nn baugleichen Federn. Bei einer Federsäule (wechselsinnig gestapelt, abwechselnde Orientierung) addieren sich die Federwege, sodass sich die Kehrwerte der Federraten addieren: Rers=R/nR_{\text{ers}} = R/n. Welche Anordnung in einer Aufgabe vorliegt, sagt die Aufgaben-Skizze oder der Text. Hier ist es ein Federpaket mit zwei Federn, also Rers=2RR_{\text{ers}} = 2R.

Lösungsweg

  1. Schritt 1. Ersatzfederrate des Tellerfederpakets
    Zwei baugleiche Tellerfedern gleichsinnig gestapelt ergeben ein Federpaket: die Federraten addieren sich zu Rers=2RR_{\text{ers}} = 2R (gleicher Federweg bei beiden, Kräfte addieren sich). Wären die Federn wechselsinnig orientiert (Federsäule), wäre Rers=R/2R_{\text{ers}} = R/2.
    Rers=52,8kN/mmR_{\text{ers}} = 52{,}8\,\text{kN/mm}
    Rers  =  2R  =  226,4kN/mm  =  52,8kN/mmR_{\text{ers}} \;=\; 2 \cdot R \;=\; 2 \cdot 26{,}4\,\text{kN/mm} \;=\; 52{,}8\,\text{kN/mm}
  2. Schritt 2. Neue Vorspannkraft
    Der zusätzliche Federweg ss erzeugt einen zusätzlichen Kraftbeitrag RerssR_{\text{ers}} \cdot s. Die ursprüngliche Vorspannung wird damit mehr als verfünffacht.
    FV,neu=5+21,12=26,12kNF_{V,\text{neu}} = 5 + 21{,}12 = 26{,}12\,\text{kN}
    FV,neu=FV+Rerss=5kN+52,8kN/mm0,4mm\begin{aligned} F_{V,\text{neu}} &= F_V + R_{\text{ers}}\,s \\[2pt] &= 5\,\text{kN} + 52{,}8\,\text{kN/mm} \cdot 0{,}4\,\text{mm} \end{aligned}
  3. Schritt 3. Neues Grenzdrehmoment
    Statt 120Nm120\,\text{Nm} wie in Aufgabe 3 sind nun 627Nm627\,\text{Nm} möglich, also etwa Faktor 55 mehr Drehmoment. Genau das ist der Sinn einer Einstellmutter.
    MG627NmM_G \approx 627\,\text{Nm}
    MG=2μFV,neurm=20,326,12kN0,04m\begin{aligned} M_G &= 2\,\mu\,F_{V,\text{neu}}\,r_m \\[2pt] &= 2 \cdot 0{,}3 \cdot 26{,}12\,\text{kN} \cdot 0{,}04\,\text{m} \end{aligned}
Definition Aufgabe 4
Rutschkupplung mit Tellerfeder-Paket. Nachjustierung durch zusätzlichen Federweg ss.
Formel Neue Vorspannung
FV,neu=FV+RerssF_{V,\text{neu}} = F_V + R_{\text{ers}}\,s
Lineares Anwachsen mit dem Justier-Weg.
Merke Faktor 55 in MGM_G durch 0,4mm0{,}4\,\text{mm} Mutter-Verstellung. Der Sinn der Einstellmutter.

VI.6.5 Aufgabe 5. Fliehkraftkupplung mit sechs Fliehgewichten

Gegeben. Eine Fliehkraftkupplung in der alternativen Bauform (Anhang Slide 4) mit sechs Fliehgewichten, jeweils über zwei vorgespannte Zugfedern radial mit der Nabe verbunden. Vorspannkraft je Feder FV=5NF_V = 5\,\text{N}, Federrate R=0,5N/mmR = 0{,}5\,\text{N/mm}, Masse je Fliehgewicht m=40g=0,04kgm = 40\,\text{g} = 0{,}04\,\text{kg}, Radius zum Schwerpunkt rS=50mmr_S = 50\,\text{mm}, Innenradius der Trommel rK=60mmr_K = 60\,\text{mm}, Spalt a=5mma = 5\,\text{mm}, Reibwert μ=0,15\mu = 0{,}15.

Gesucht. nGn_G, nEn_E und nBn_B für ein Betriebsdrehmoment Mmax=10,8NmM_{\max} = 10{,}8\,\text{Nm}.

Lösungsweg

  1. Teilaufgabe (a). Grenzdrehzahl
    Die Formel für nGn_G ist identisch zur Standard-Bauform: nur die Vorspannkraft und keine Federdehnung gehen ein. Pro Fliehgewicht zwei Federn, jede mit FVF_V, also Gesamtkraft 2FV2 F_V je Gewicht.
    nG2=126,7s2n_G^2 = 126{,}7\,\text{s}^{-2}, also nG=11,25s1=675min1n_G = 11{,}25\,\text{s}^{-1} = 675\,\text{min}^{-1}
    nG2=2FV4π2mrS=25N4π20,040,05s2\begin{aligned} n_G^2 &= \frac{2\,F_V}{4\pi^2\,m\,r_S} \\[4pt] &= \frac{2 \cdot 5\,\text{N}}{4\pi^2 \cdot 0{,}04 \cdot 0{,}05}\,\text{s}^{-2} \end{aligned}
  2. Teilaufgabe (b). Einschaltdrehzahl
    Federdehnung RaR \cdot a statt R2aR \cdot 2a, weil bei dieser Bauform die Federn direkt an der Nabe sitzen. Bauform-Skizze entscheidet.
    nE2=172,7s2n_E^2 = 172{,}7\,\text{s}^{-2}, also nE=13,14s1=788min1n_E = 13{,}14\,\text{s}^{-1} = 788\,\text{min}^{-1}
    nE2=2(FV+Ra)4π2m(rS+a)=2(5+0,55)4π20,040,055s2\begin{aligned} n_E^2 &= \frac{2\,(F_V + R\,a)}{4\pi^2\,m\,(r_S + a)} \\[4pt] &= \frac{2\,(5 + 0{,}5 \cdot 5)}{4\pi^2 \cdot 0{,}04 \cdot 0{,}055}\,\text{s}^{-2} \end{aligned}
  3. Teilaufgabe (c) Schritt 1. Normalkraft je Kontakt
    Faktor 66 wegen sechs Reibkontakten. Bei sonst gleichen Werten wäre FNF_N bei zwei Kontakten dreifach so hoch.
    FN=200NF_N = 200\,\text{N}
    FN=Mmax6μrK=10,8Nm60,150,06m\begin{aligned} F_N &= \frac{M_{\max}}{6\,\mu\,r_K} \\[4pt] &= \frac{10{,}8\,\text{Nm}}{6 \cdot 0{,}15 \cdot 0{,}06\,\text{m}} \end{aligned}
  4. Teilaufgabe (c) Schritt 2. Betriebsdrehzahl
    Gleiche Struktur wie Aufgabe 2, aber mit bauform-spezifischer Federdehnung (RaR \cdot a) und passender Normalkraft (aus Faktor 66).
    nB2=2475,5s2n_B^2 = 2475{,}5\,\text{s}^{-2}, also nB=49,75s1=2985min1n_B = 49{,}75\,\text{s}^{-1} = 2985\,\text{min}^{-1}
    nB2=FN+2(FV+Ra)4π2m(rS+a)=200+27,54π20,040,055s2\begin{aligned} n_B^2 &= \frac{F_N + 2\,(F_V + R\,a)}{4\pi^2\,m\,(r_S + a)} \\[4pt] &= \frac{200 + 2 \cdot 7{,}5}{4\pi^2 \cdot 0{,}04 \cdot 0{,}055}\,\text{s}^{-2} \end{aligned}
Definition Aufgabe 5
Fliehkraftkupplung Bauform mit sechs Fliehgewichten und Federn an der Nabe.
Merke Bauform-Faktoren: RaR \cdot a statt R2aR \cdot 2a, FN=M/(6μrK)F_N = M/(6\mu r_K) statt /(2μrK)/(2\mu r_K).
Variablen-Glossar (32 Einträge)
AReibA_{\text{Reib}} Wirksame Reibfläche einer Reibscheibe (Kreisringfläche zwischen Aussen- und Innendurchmesser des Reibbelags) mm²
aa Radialer Federweg eines Fliehgewichts beim Bewegen Richtung Trommel (Spalt im Stillstand zwischen Reibbelag und Trommel) mm
dad_a Aussendurchmesser des Reibbelags an einer Kupplungs- oder Reibscheibe mm
did_i Innendurchmesser des Reibbelags an einer Kupplungs- oder Reibscheibe mm
FdF_d Druckkraft der Druckplatte (gesamte axiale Federkraft, die die Reibscheibe in einer Einscheibentrockenkupplung gegen das Schwungrad presst) N
FFederF_{\text{Feder}} Federkraft einer Zugfeder in der Fliehkraftkupplung. Im Stillstand FFeder=FVF_{\text{Feder}} = F_V, im Betrieb FFeder=FV+R2aF_{\text{Feder}} = F_V + R \cdot 2a (Bauform mit Feder zwischen zwei Fliehgewichten). N
FNF_N Normalkraft am Reibkontakt zwischen Fliehgewicht und Trommel bzw. zwischen Reibbelag und Gegenscheibe N
FRF_R Reibkraft am Reibkontakt. Es gilt FR=μFNF_R = \mu \cdot F_N. N
FtF_t Umfangskraft (tangentiale Kraft) am Reibradius einer reibschlüssigen Kupplung. Erzeugt zusammen mit dem Radius das übertragene Drehmoment. N
FVF_V Vorspannkraft je Feder (Federkraft im Stillstand, ohne radiale Auslenkung der Fliehgewichte) N
FZF_Z Fliehkraft auf ein Fliehgewicht. Es gilt FZ=mrSω2F_Z = m \cdot r_S \cdot \omega^2 im Stillstand, FZ=m(rS+a)ω2F_Z = m \cdot (r_S + a) \cdot \omega^2 nachdem die Gewichte um aa nach aussen gewandert sind. N
MM Drehmoment (allgemein, übertragene Drehleistungs-Größe an einer Kupplung oder Welle) Nm
MGM_G Grenzdrehmoment einer Rutschkupplung. Bei Überschreiten beginnt der Reibkontakt zu rutschen und die Übertragung wird unterbrochen. Nm
MmaxM_{\max} Maximal übertragbares Drehmoment einer reibschlüssigen Kupplung Nm
mm Masse eines Fliehgewichts in der Fliehkraftkupplung kg
nn Drehzahl (allgemein, Umdrehungen pro Zeiteinheit). Verknüpfung zur Winkelgeschwindigkeit: ω=2πn\omega = 2\pi n. min⁻¹ oder s⁻¹
nGn_G Grenzdrehzahl. Drehzahl, bei der die Fliehkraft die Vorspannung gerade überwindet und die Fliehgewichte sich nach aussen zu bewegen beginnen. min⁻¹
nEn_E Einschaltdrehzahl. Drehzahl, bei der die Fliehgewichte die Trommel berühren und die Kupplung beginnt, Drehmoment zu übertragen. Es gilt nG<nEn_G < n_E. min⁻¹
nBn_B Betriebsdrehzahl. Drehzahl, bei der das gewünschte Drehmoment MM tatsächlich übertragen wird. Es gilt nE<nBn_E < n_B. min⁻¹
PP Leistung (Drehleistung an einer Welle). Es gilt P=Mω=M2πnP = M \cdot \omega = M \cdot 2\pi n. W
pp Flächenpressung im Reibkontakt einer Kupplung. Es gilt p=FV/AReibp = F_V / A_{\text{Reib}}. Begrenzt durch den zulässigen Wert des Reibwerkstoffs. N/mm²
RR Federrate einer Zugfeder in der Fliehkraftkupplung. Kraftänderung pro Längenänderung der Feder. N/mm
RersR_{\text{ers}} Ersatz-Federrate eines Federpakets. Bei zwei gleichsinnig geschichteten Tellerfedern gilt Rers=2RR_{\text{ers}} = 2R. N/mm
rKr_K Innenradius der Trommel (Kontaktradius zwischen Reibbelag der Fliehgewichte und Innenfläche der Trommel) mm
rSr_S Radius vom Drehzentrum zum Schwerpunkt eines Fliehgewichts im Stillstand mm
rmr_m Mittlerer Reibradius einer Kreisringfläche. Es gilt rm=(ra+ri)/2=(da+di)/4r_m = (r_a + r_i)/2 = (d_a + d_i)/4. mm
ss Zusätzlicher Federweg, um den die Einstellmutter ein Federpaket weiter zusammendrückt (zur Nachjustierung der Vorspannkraft) mm
ΔKa\Delta K_a Axialer Wellenversatz (Spalt in Längsrichtung zwischen Antriebs- und Abtriebswelle) mm
ΔKr\Delta K_r Radialer Wellenversatz (seitlicher Versatz der Wellenachsen, parallel zueinander) mm
ΔKw\Delta K_w Winkliger Wellenversatz (Winkel zwischen Antriebs- und Abtriebsachse) °
μ\mu Reibwert (Reibkoeffizient) im Reibkontakt einer Kupplung. Typische Werte: Stahl gegen Reibbelag 0,30{,}3, Stahl gegen Sinterbronze 0,150{,}15. -
ω\omega Winkelgeschwindigkeit. Verknüpfung zur Drehzahl: ω=2πn\omega = 2\pi n (mit nn in Umdrehungen pro Sekunde). rad/s