1.1 Was bedeutet schief: zwei Bedeutungen

Was ist schiefe Biegung. Bis Kapitel 7 hatten wir nur Biegung um eine Hauptachse: ein Biegemoment MzM_z um die zz-Achse, das die Faser in yy-Richtung dehnte und stauchte. Bei der schiefen Biegung liegt diese einfache Konstellation nicht mehr vor. Zwei verschiedene Konfigurationen führen zu diesem Begriff.

Bedeutung (a): Biegemoment in zwei Komponenten. Wenn die Last auf den Stab nicht entlang einer Hauptachse wirkt (z.B. eine schräg angreifende Querkraft oder ein Last-Vektor mit Komponenten in yy- und zz-Richtung), zerlegt sich das Schnittmoment in zwei Komponenten: MzM_z um die zz-Achse plus MyM_y um die yy-Achse. Beide wirken gleichzeitig.

Bedeutung (b): Achsen sind keine Hauptachsen. Wenn der Querschnitt unsymmetrisch ist (L-Profil, Dreieck, beliebig zusammengesetzt), sind die Skizzen-Achsen yy und zz keine Hauptachsen mehr: das Deviationsmoment Cyz0C_{yz} \neq 0. Auch wenn nur ein einziges Biegemoment MzM_z wirkt, treten Spannungs-Effekte in zz-Richtung auf.

Verbindung zwischen (a) und (b). In beiden Fällen reicht die einfache Formel σx=MzIzy\sigma_x = -\frac{M_z}{I_z}\,y aus Kapitel 6 nicht. Bei (a) braucht man die vollständige Hauptachsen-Formel mit beiden Beiträgen MzyM_z\,y und MyzM_y\,z. Bei (b) muss erst eine Hauptachsen-Trafo des Trägheitstensors durchgeführt werden (Sektion 2). Bei Kombination von (a) und (b) kommen beide Schritte zum Einsatz.

Wann brauche ich das. Üs8 Aufgaben H1 und S1 sind reine Fall-(a)-Beispiele: Querkraft schräg, Querschnitt rechteckig (Hauptachsen). Üs8 Wiederholungs-Aufgabe ist reines Fall-(b): Dreieck-Querschnitt mit Cyz0C_{yz} \neq 0. In Klausuren tritt typisch Fall (a) auf, weil Profile dort meist symmetrisch sind.

Konfiguration Erkennungsmerkmal Lösungsstrategie
(a) Zwei Biege-Komponenten Last schräg, My0M_y \neq 0 und
Mz0M_z \neq 0
Hauptachsen-Formel mit MyM_y und MzM_z
(b) Querschnitt unsymmetrisch Cyz0C_{yz} \neq 0 in Skizzen-Achsen Hauptachsen-Trafo, dann (a)
(a) und (b) gleichzeitig Schräge Last plus L- oder Dreieck-Profil Erst Trafo, dann volle Formel
Zwei Konfigurationen, die zu schiefer Biegung führen. Sie können einzeln oder gleichzeitig auftreten.
Definition Schiefe Biegung
Biegemoment in zwei Komponenten (My,MzM_y, M_z) oder unsymmetrischer Querschnitt (Cyz0C_{yz} \neq 0).
Merke Zwei Bedeutungen
(a) Last schräg, (b) Profil unsymmetrisch. Können einzeln oder kombiniert auftreten.
Prüfungstipp Symmetrie-Check
Jede Symmetrie-Achse erzwingt Cyz=0C_{yz} = 0. Spart Hauptachsen-Trafo.

1.2 Vollständige Hauptformel mit zwei Biegeachsen

Die zentrale Formel für Kap. 8. Wenn der Stab sowohl ein Biegemoment MzM_z um die zz-Achse als auch MyM_y um die yy-Achse erfährt, addieren sich beide Biegungs-Anteile zur möglichen Normalkraft-Konstante N/AN/A. Voraussetzung: yy und zz sind Hauptachsen des Querschnitts (Cyz=0C_{yz} = 0).

Anschauung der drei Beiträge. Erstens: zentrische Normalkraft N/AN/A, konstant über den Querschnitt. Zweitens: Biegung um zz-Achse erzeugt Spannung linear in yy mit Vorzeichen Mzy/Iz-M_z\,y/I_z. Drittens: Biegung um yy-Achse erzeugt Spannung linear in zz mit Vorzeichen +Myz/Iy+M_y\,z/I_y. Die Vorzeichen folgen aus der Mech-II-Konvention (siehe Sec. 1.4).

Wieso das Vorzeichen für MyM_y positiv ist. Bei Mech-II-Konvention zeigt zz aus der Bildebene heraus. Ein positives MyM_y erzeugt damit auf der Faserseite mit z>0z > 0 eine Zugspannung. Daraus das Plus-Zeichen vor Myz/IyM_y\,z/I_y. Die andere Konvention mit Minus-Zeichen taucht in mancher Literatur auf, ist aber in Mech II nicht Standard. Wir bleiben bei der Vorlesungs-Konvention.

Spezialfall ohne Normalkraft. Wenn N=0N = 0 (reine schiefe Biegung), reduziert sich die Formel auf σx=Mzy/Iz+Myz/Iy\sigma_x = -M_z\,y/I_z + M_y\,z/I_y. Das ist der häufigste Fall in Mech-II-Aufgaben zu schiefer Biegung. Nur wenn zusätzlich eine axiale Last wirkt, kommt der Term N/AN/A dazu.

Wann reicht die einfache Formel. Wenn My=0M_y = 0 (Last entlang yy-Achse) oder wenn die Skizzen-Achsen Hauptachsen sind und die Last so liegt, dass nur ein Biegemoment auftritt, reicht σx=Mzy/Iz\sigma_x = -M_z\,y/I_z wie in Kap. 6. Bei schiefen Lasten und unsymmetrischen Profilen wird die volle Formel gebraucht.

!!!
Vollständige Hauptformel der Spannung
σx(x,y,z)=N(x)AMz(x)yIz+My(x)zIy\sigma_x(x, y, z) = \frac{N(x)}{A} - \frac{M_z(x)\,y}{I_z} + \frac{M_y(x)\,z}{I_y}
Drei Beiträge: zentrische Normalkraft, Biegung um zz-Achse, Biegung um yy-Achse. Voraussetzung: y,zy, z sind Hauptachsen (Cyz=0C_{yz} = 0). Iy,IzI_y, I_z sind die Hauptträgheitsmomente.
!!!
Spezialfall reine schiefe Biegung
σx(y,z)=MzyIz+MyzIy\sigma_x(y, z) = -\frac{M_z\,y}{I_z} + \frac{M_y\,z}{I_y}
Wenn N=0N = 0. Häufigster Fall in Mech-II-Klausur-Aufgaben zu schiefer Biegung.
Formel Hauptformel
σx=N/AMzy/Iz+Myz/Iy\sigma_x = N/A - M_z\,y/I_z + M_y\,z/I_y
Drei Beiträge linear superponiert.
Merke Hauptachsen-Pflicht
y,zy, z müssen Hauptachsen sein. Bei Cyz0C_{yz} \neq 0 erst Trafo.
Prüfungstipp Mech-II-Konvention
Vorzeichen: Mzy/Iz-M_z y/I_z und +Myz/Iy+M_y z/I_y. Aus yy nach unten, zz aus dem Bild heraus.
Querverweis Brücke Kap. 7
→ Kap. 7 Sec. 1.2 (gleiche Formel)

1.3 Spannungsformel im Nicht-Hauptachsen-Koordinatensystem

Was wenn die Achsen keine Hauptachsen sind. Bei einem L-Profil, Dreieck oder beliebig zusammengesetzten Querschnitt ohne Symmetrie-Achse haben die Skizzen-Achsen y,zy, z ein nicht-verschwindendes Deviationsmoment CyzC_{yz}. Die Formel aus Sec. 1.2 gilt dann nicht direkt. Es gibt zwei Wege.

Option A: Erst Hauptachsen-Trafo. Suche die Hauptachsen ξ,η\xi, \eta des Trägheitstensors (Eigenwert-Problem oder Mohr-Kreis, siehe Sec. 2). Drücke Lasten und Querschnitts-Position in den Hauptachsen aus. Wende die einfache Formel aus Sec. 1.2 in den Hauptachsen-Koordinaten an. Diese Methode ist in Mech II Standard.

Option B: Erweiterte Formel im Nicht-Hauptachsen-Koordinatensystem. Es gibt eine direkte Spannungsformel für den Fall Cyz0C_{yz} \neq 0, ohne vorherige Trafo: σx=(MzIyMyCyz)y/(IyIzCyz2)(MyIzMzCyz)z/(IyIzCyz2)\sigma_x = (M_z\,I_y - M_y\,C_{yz})\,y/(I_y\,I_z - C_{yz}^2) - (M_y\,I_z - M_z\,C_{yz})\,z/(I_y\,I_z - C_{yz}^2). Diese Formel ist algebraisch komplexer und in Mech II selten genutzt, aber sie ist äquivalent zu Option A.

Welche Option in der Klausur wählen. Option A ist klarer und folgt dem Mech-II-Lehrplan. Sie zerlegt das Problem sauber in zwei Schritte: erst Geometrie (Trägheitstensor und Hauptachsen), dann Spannung. Option B kann zeitsparend sein bei Aufgaben, wo nur ein Spannungswert an einem konkreten Punkt gefragt ist und die Trafo-Rechnung umgangen werden soll. Für ein vollständiges Spannungsverteilung-Profil ist A immer besser.

!
Erweiterte Spannungsformel im Nicht-Hauptachsen-Koordinatensystem
σx=MzIyMyCyzIyIzCyz2yMyIzMzCyzIyIzCyz2z+NA\sigma_x = \frac{M_z\,I_y - M_y\,C_{yz}}{I_y\,I_z - C_{yz}^2}\,y - \frac{M_y\,I_z - M_z\,C_{yz}}{I_y\,I_z - C_{yz}^2}\,z + \frac{N}{A}
Funktioniert ohne Hauptachsen-Trafo. Bei Cyz=0C_{yz} = 0 reduziert sich die Formel zu Sec. 1.2. In Mech II selten direkt angewendet.
Merke Zwei Wege bei Cyz0C_{yz} \neq 0
(A) Trafo zuerst, dann einfache Formel. (B) Erweiterte Formel direkt.
Prüfungstipp Empfehlung
In Mech II immer Option A wählen. Klarer, weniger Vorzeichen-Fallen.
Querverweis Trafo-Werkzeug
→ Sec. 2 Hauptachsen-Trafo

1.4 Vorzeichen-Konventionen und Cross-Checks

Die Mech-II-Standard-Konvention. xx-Achse zeigt entlang dem Stab (von links nach rechts in der Standard-Skizze). yy-Achse zeigt nach unten. zz-Achse zeigt aus dem Bild heraus. Diese Rechtshand-Triade ist die Vorlesungs-Konvention und in allen Übungsserien konsistent.

Vorzeichen der Schnittgrößen. N>0N > 0 bedeutet Zugkraft (Stab wird verlängert). Mz>0M_z > 0 setzt die obere Faser (y<0y < 0) unter Zug. My>0M_y > 0 setzt die Faser bei z>0z > 0 unter Zug. Querkraft Qy>0Q_y > 0 ist die Schub-Kraft, die der linke Stab-Teil nach OBEN auf den rechten ausübt.

Konsequenz für die Spannungsformel. Mit diesen Konventionen folgt direkt: σx=N/AMzy/Iz+Myz/Iy\sigma_x = N/A - M_z\,y/I_z + M_y\,z/I_y. Das Minus-Zeichen vor dem MzyM_z\,y-Term und das Plus-Zeichen vor dem MyzM_y\,z-Term sind Konsequenz der Konvention. Wer eine andere Konvention verwendet (z.B. yy nach oben), bekommt entsprechend andere Vorzeichen.

Cross-Check über Skizze. Vor jedem Einsetzen von Werten kurz auf die Last-Skizze schauen: in welche Richtung biegt sich der Stab (bzw. welche Faser wird gedehnt). Bei einer Querlast nach unten am rechten Ende eines Kragarms wird die obere Faser gedehnt (Zug, σx>0\sigma_x > 0 oben). In der hier verwendeten Mech-II-Konvention entspricht das einem positiven MzM_z. Mit y<0y < 0 oben folgt aus σx=Mzy/Iz\sigma_x = -M_z\,y/I_z tatsächlich σx>0\sigma_x > 0. Der Skizzen-Check bestätigt also die Vorzeichen der Formel.

Üs8 H1 Beispiel. Aus der Üs8-H1-Skizze: zz-Achse ist die kurze Querschnitt-Seite (Breite bb), yy-Achse die lange (Höhe hh). Last: Axialkraft FF am freien Ende und Querkraft FF unter 30°30° in der yzyz-Ebene. Querkraft-Komponenten: Fy=(1/2)FF_y = (1/2)F (Anteil entlang yy), Fz=(3/2)FF_z = -(\sqrt{3}/2)F (Anteil entlang z-z). Schnittmomente am Querschnitt bei Position xx: My(x)=(3/2)F(Lx)M_y(x) = (\sqrt{3}/2)\,F\,(L-x) und Mz(x)=(F/2)(Lx)M_z(x) = (F/2)\,(L-x). Beide maximal an der Einspannung x=0x = 0.

Größe Vorzeichen Bedeutung
NN >0> 0 Zugkraft (Stab verlängert)
MzM_z >0> 0 Obere Faser (y<0y < 0) unter Zug
MyM_y >0> 0 Faser bei z>0z > 0 unter Zug
QyQ_y >0> 0 Linker Teil schiebt rechten nach oben
σx\sigma_x >0> 0 Zugspannung an dieser Stelle
Vorzeichen-Konvention der Vorlesung Mech II. Konsistent mit allen Übungsserien.
Merke Konvention
yy nach unten, zz aus Bild heraus. Mz>0M_z > 0 obere Faser Zug, My>0M_y > 0 Faser bei z>0z > 0 Zug.
Formel Faserrand-Werte
σx=N/AMzy/Iz+Myz/Iy\sigma_x = N/A - M_z y/I_z + M_y z/I_y
Drei Beiträge mit Mech-II-Vorzeichen.
Prüfungstipp Skizze ist Schiedsrichter
Vor Einsetzen Anschauung prüfen: welche Faser dehnt sich.

1.5 Beispiel: Kragarm Rechteck mit schiefer Last (Üs8 H1)

Aufgabe (Üs8 H1). Ein Kragarm der Länge LL mit rechteckigem Vollquerschnitt (b×hb \times h, mit bb in zz-Richtung und hh in yy-Richtung) ist links eingespannt. Am freien Ende greift eine Axialkraft FF in +x+x-Richtung an (Zug). Zusätzlich wirkt am freien Ende eine Querkraft mit Betrag FF in der yzyz-Ebene, um 30°30° bezüglich der zz-Achse geneigt. Die Lastangriffspunkte liegen auf der Stab-Mittellinie.

Gegeben. Geometrie L,b,hL, b, h. Lasten FF axial und FF schräg unter 30°30° zur zz-Achse. Material linear-elastisch, zulässige Spannung σzul\sigma_{\text{zul}}.

Gesucht. Den maximal zulässigen Betrag FmaxF_{\max} derart, dass σx,maxσzul\sigma_{x,\max} \leq \sigma_{\text{zul}} überall im Stab.

Merke Aufgabe
Kragarm Rechteck b×hb \times h. Axiallast FF plus schräge Querkraft FF (30° zur zz-Achse).
Prüfungstipp Pattern erkennen
Schiefe Querkraft → zwei Biegemomente My,MzM_y, M_z. Axiallast → NN. Drei Beiträge.
Querverweis Hauptformel
→ Sec. 1.2 Hauptformel

1.6 Schritt 1: Last-Zerlegung und Schnittmomente

Lösungsweg in 4 Schritten

  1. Schritt 1.1: Komponenten der Querkraft
    Die schräge Querkraft hat Betrag FF und ist um 30°30° zur zz-Achse geneigt in der yzyz-Ebene. Aus dem Bild: die Komponente entlang z-z ist Fcos(30°)F\cos(30°) und entlang +y+y ist Fsin(30°)F\sin(30°). Mit cos(30°)=3/2\cos(30°) = \sqrt{3}/2 und sin(30°)=1/2\sin(30°) = 1/2 folgt direkt.
    Komponenten der Last am freien Ende.
    Fz=32F,Fy=+12FF_z = -\frac{\sqrt{3}}{2}\,F, \qquad F_y = +\frac{1}{2}\,F
  2. Schritt 1.2: Schnittmomente am beliebigen Querschnitt
    Schnitt bei Position xx, rechts freigeschnitten. Rechts vom Schnitt liegt der Bereich von xx bis LL mit den drei Lasten am freien Ende (FF axial, FyF_y vertikal, FzF_z horizontal). Der Hebelarm vom Schnitt zum Lastangriffspunkt ist (Lx)(L - x). Schnittmoment um die yy-Achse: aus FzF_z am Hebelarm (Lx)(L - x). Schnittmoment um die zz-Achse: aus FyF_y am Hebelarm (Lx)(L - x).
    Beide Biegemomente und die Normalkraft.
    N(x)=F(Zug)My(x)=Fz(Lx)=32F(Lx)Mz(x)=Fy(Lx)=F2(Lx)\begin{aligned} N(x) &= F \quad (\text{Zug}) \\ M_y(x) &= -F_z\,(L - x) = \frac{\sqrt{3}}{2}\,F\,(L - x) \\ M_z(x) &= F_y\,(L - x) = \frac{F}{2}\,(L - x) \end{aligned}
  3. Schritt 1.3: Maximum der Schnittmomente lokalisieren
    Beide Momente sind linear in (Lx)(L - x) und werden bei x=0x = 0 (Einspannung) maximal. Dort ist der Hebelarm gleich LL. An der Einspannung ist also die kritische Stelle, wo die Spannung am grössten wird.
    Maximalwerte der Schnittmomente.
    My,max=32FL,Mz,max=F2LM_{y,\max} = \frac{\sqrt{3}}{2}\,F\,L, \qquad M_{z,\max} = \frac{F}{2}\,L
  4. Schritt 1.4: Trägheitsmomente des Rechtecks
    Das Rechteck hat die Hauptachsen entlang yy und zz (zwei Symmetrie-Achsen). Aus Kap. 6 Sec. 2.3 Profil-Tabelle: Iy=b3h/12I_y = b^3\,h/12 (Trägheitsmoment um die yy-Achse, integriert über z2z^2) und Iz=bh3/12I_z = b\,h^3/12 (Trägheitsmoment um die zz-Achse, integriert über y2y^2). Hier ist bb die Querschnitts-Breite in zz-Richtung und hh die Höhe in yy-Richtung.
    Trägheitsmomente.
    Iy=b3h12,Iz=bh312I_y = \frac{b^3\,h}{12}, \qquad I_z = \frac{b\,h^3}{12}
Formel Komponenten
Fz=3/2F,  Fy=F/2F_z = -\sqrt{3}/2\,F,\;F_y = F/2
Last unter 30° zur zz-Achse.
Merke Maxima bei Einspannung
My,max=3FL/2M_{y,\max} = \sqrt{3}\,F\,L/2, Mz,max=FL/2M_{z,\max} = F\,L/2.
Formel Trägheitsmomente
Iy=b3h/12,  Iz=bh3/12I_y = b^3 h/12,\;I_z = b h^3/12
Rechteck b×hb \times h in Hauptachsen.

1.7 Schritt 2: Spannungsverteilung am Einspannungs-Querschnitt

Spannung als Funktion von y, z

  1. Schritt 2.1: Hauptformel anwenden
    Die volle Hauptformel aus Sec. 1.2: σx=N/AMzy/Iz+Myz/Iy\sigma_x = N/A - M_z\,y/I_z + M_y\,z/I_y. Einsetzen der bekannten Werte N=FN = F, My=3FL/2M_y = \sqrt{3}\,F\,L/2, Mz=FL/2M_z = F\,L/2, A=bhA = b\,h, Iy=b3h/12I_y = b^3\,h/12, Iz=bh3/12I_z = b\,h^3/12.
    Spannung punktweise.
    σx(y,z)=Fbh(FL/2)ybh3/12+(3FL/2)zb3h/12\sigma_x(y, z) = \frac{F}{b\,h} - \frac{(F\,L/2)\,y}{b\,h^3/12} + \frac{(\sqrt{3}\,F\,L/2)\,z}{b^3\,h/12}
  2. Schritt 2.2: Vereinfachen
    Brüche zusammenfassen. 1/(bh3/12)=12/(bh3)1/(b\,h^3/12) = 12/(b\,h^3) und 1/(b3h/12)=12/(b3h)1/(b^3\,h/12) = 12/(b^3\,h). Vor den Termen FL/2F\,L/2: 12FL/2=6FL12 \cdot F\,L/2 = 6\,F\,L. Daraus:
    Kompakte Form.
    σx(y,z)=Fbh6FLybh3+63FLzb3h\sigma_x(y, z) = \frac{F}{b\,h} - \frac{6\,F\,L\,y}{b\,h^3} + \frac{6\,\sqrt{3}\,F\,L\,z}{b^3\,h}
  3. Schritt 2.3: Ausklammern für die kompaktere Üs8-Form
    Den Faktor F/(bh)F/(b\,h) ausklammern und die Biege-Anteile in eine Klammer-Form bringen. Multiplizieren der zweiten und dritten Terme mit bh/(bh)bh/(bh):
    Üs8-H1-Resultat.
    σx(y,z)=6LFbh(3zb2yh2)+Fbh\sigma_x(y, z) = \frac{6\,L\,F}{b\,h}\left(\frac{\sqrt{3}\,z}{b^2} - \frac{y}{h^2}\right) + \frac{F}{b\,h}
  4. Schritt 2.4: Verlauf-Charakterisierung
    Die Formel zeigt drei lineare Beiträge: konstanter F/(bh)F/(bh) aus Axiallast, linearer Anteil in zz (positiv mit Faktor 3/b2\sqrt{3}/b^2), linearer Anteil in yy (negativ mit Faktor 1/h21/h^2). Das Profil ist eine schiefe Ebene über den Querschnitt. Maxima und Minima treten an Eckpunkten des Querschnitts auf.
    Geometrie-Bild.
    σx  ist linear in  (y,z),  ein schra¨ges Ebenen-Profil u¨ber dem Querschnitt\sigma_x\;\text{ist linear in}\;(y, z),\;\text{ein schräges Ebenen-Profil über dem Querschnitt}
0
0.0
20.0
10.0
30
1.0
10
20
Abb. 1: Spannungsverteilung σₓ(y, z) mit Normalkraft und zwei Biegemomenten am Rechteck-Querschnitt.
Formel Üs8 Form
σx=6LFbh(3zb2yh2)+Fbh\sigma_x = \frac{6 L F}{bh}\bigl(\frac{\sqrt{3} z}{b^2} - \frac{y}{h^2}\bigr) + \frac{F}{bh}
Drei Beiträge auf einen Blick.
Merke Schiefe Ebene
Spannung linear in (y,z)(y, z). Maximum an einer Ecke des Querschnitts.
Prüfungstipp Vier Ecken prüfen
Bei Rechteck (±h/2,±b/2)(\pm h/2, \pm b/2). Größtes σx\sigma_x an einer Ecke.

1.8 Schritt 3: Maximum lokalisieren und auswerten

Vorzeichen-Spiel an den vier Ecken

  1. Schritt 3.1: Vorzeichen-Analyse der zwei Biege-Anteile
    Der erste Biege-Anteil y/h2-y/h^2 wird positiv für y<0y < 0 und negativ für y>0y > 0. Der zweite Biege-Anteil 3z/b2\sqrt{3}\,z/b^2 wird positiv für z>0z > 0 und negativ für z<0z < 0. Damit beide Anteile gleichzeitig maximal positiv werden, brauchen wir y=h/2y = -h/2 (obere Faser) und z=+b/2z = +b/2 (rechts). Plus die konstante +F/(bh)+F/(bh).
    Maximum-Position für Zug.
    (y,z)  fu¨r  σmax  Zug:y=h/2,  z=+b/2(y, z)\;\text{für}\;\sigma_{\max}\;\text{Zug}: y = -h/2,\;z = +b/2
  2. Schritt 3.2: Maximum berechnen
    Einsetzen y=h/2,z=b/2y = -h/2, z = b/2 in die Formel: σx(h/2,b/2)=(6LF)/(bh)(3(b/2)/b2(h/2)/h2)+F/(bh)=(6LF)/(bh)(3/(2b)+1/(2h))+F/(bh)=(3LF)/(bh)(3/b+1/h)+F/(bh)\sigma_x(-h/2, b/2) = (6\,L\,F)/(b\,h) \cdot (\sqrt{3} \cdot (b/2)/b^2 - (-h/2)/h^2) + F/(b\,h) = (6\,L\,F)/(b\,h) \cdot (\sqrt{3}/(2b) + 1/(2h)) + F/(b\,h) = (3\,L\,F)/(b\,h) \cdot (\sqrt{3}/b + 1/h) + F/(b\,h).
    Maximum-Wert.
    σx,max=3LFbh(3b+1h)+Fbh\sigma_{x,\max} = \frac{3\,L\,F}{b\,h}\left(\frac{\sqrt{3}}{b} + \frac{1}{h}\right) + \frac{F}{b\,h}
  3. Schritt 3.3: Druck-Maximum am gegenüberliegenden Eckpunkt
    Wenn man bei (h/2,b/2)(h/2, -b/2) einsetzt (untere Faser, links), werden beide Biege-Anteile negativ und die konstante Normallast positiv: σx(h/2,b/2)=(3LF)/(bh)(3/b+1/h)+F/(bh)\sigma_x(h/2, -b/2) = -(3\,L\,F)/(b\,h) \cdot (\sqrt{3}/b + 1/h) + F/(b\,h). Wegen der Axiallast ist der Druck-Betrag KLEINER als der Zug-Betrag (die konstante +F/(bh)+F/(bh) kompensiert teilweise den Druck-Anteil).
    Vergleich Zug vs. Druck.
    σZug>σDruck  wegen Axialzug|\sigma_{\text{Zug}}| > |\sigma_{\text{Druck}}|\;\text{wegen Axialzug}
  4. Schritt 3.4: Antwort für σx,max\sigma_{x,\max}
    Das absolute Maximum von σx|\sigma_x| ist also σx,max\sigma_{x,\max} (Zug) am Eckpunkt (h/2,+b/2)(-h/2, +b/2) am Einspannungs-Querschnitt. Die Werte b,hb, h können je nach Aufgabe spezifisch eingesetzt werden.
    Endformel.
    σx,max=3LFbh(3b+1h)+Fbh\boxed{\sigma_{x,\max} = \frac{3\,L\,F}{b\,h}\left(\frac{\sqrt{3}}{b} + \frac{1}{h}\right) + \frac{F}{b\,h}}
Formel Maximum
σmax=3LFbh(3b+1h)+Fbh\sigma_{\max} = \frac{3 L F}{bh}\bigl(\frac{\sqrt{3}}{b} + \frac{1}{h}\bigr) + \frac{F}{bh}
Aus zwei Biege-Anteilen plus Axialzug.
Merke Eckpunkt (h/2,+b/2)(-h/2, +b/2)
Maximum-Zug oben-rechts am Querschnitt.
Prüfungstipp Asymmetrie
Wegen Axialzug ist Zug-Maximum > Druck-Maximum (im Betrag).

1.9 Schritt 4: Maximal zulässige Last FmaxF_{\max}

Bedingung σmaxσzul\sigma_{\max} \leq \sigma_{\text{zul}}

  1. Schritt 4.1: Versagenskriterium aufstellen
    Damit der Stab nicht versagt, muss die maximale Spannung σx,max\sigma_{x,\max} unter der zulässigen Spannung σzul\sigma_{\text{zul}} bleiben. Die Bedingung ist eine Ungleichung in FF.
    Versagenskriterium.
    σx,max=3LFbh(3b+1h)+Fbhσzul\sigma_{x,\max} = \frac{3\,L\,F}{b\,h}\left(\frac{\sqrt{3}}{b} + \frac{1}{h}\right) + \frac{F}{b\,h} \leq \sigma_{\text{zul}}
  2. Schritt 4.2: F ausklammern
    Beide Terme enthalten den Faktor F/(bh)F/(b\,h). Diesen ausklammern und die Klammer-Inhalte zusammenfassen.
    F als Vorfaktor.
    Fbh[3L(3b+1h)+1]σzul\frac{F}{b\,h}\left[3\,L \cdot \left(\frac{\sqrt{3}}{b} + \frac{1}{h}\right) + 1\right] \leq \sigma_{\text{zul}}
  3. Schritt 4.3: Nach F auflösen
    Die Ungleichung ist linear in FF. Beide Seiten durch den Klammer-Ausdruck dividieren. Da der Klammer-Ausdruck positiv ist, bleibt das Ungleichheits-Zeichen erhalten.
    Maximale zulässige Last.
    Fσzulbh3L(3b+1h)+1F \leq \frac{\sigma_{\text{zul}} \cdot b\,h}{3\,L \cdot \left(\frac{\sqrt{3}}{b} + \frac{1}{h}\right) + 1}
  4. Schritt 4.4: Endformel als FmaxF_{\max}
    Die Schranke ist die maximale zulässige Last. Wenn FF diesen Wert überschreitet, würde die Spannung am Eckpunkt (h/2,+b/2)(-h/2, +b/2) die zulässige Spannung überschreiten und der Stab versagt.
    Üs8-H1-Endresultat.
    Fmax=σzulbh3L(3b+1h)+1\boxed{F_{\max} = \frac{\sigma_{\text{zul}} \cdot b\,h}{3\,L \cdot \left(\frac{\sqrt{3}}{b} + \frac{1}{h}\right) + 1}}
Formel FmaxF_{\max}
Fmax=σzulbh3L(3/b+1/h)+1F_{\max} = \frac{\sigma_{\text{zul}} bh}{3 L (\sqrt{3}/b + 1/h) + 1}
Üs8-H1-Resultat. Endformel.
Merke Pattern
σx,max(F)=σzulFmax\sigma_{x,\max}(F) = \sigma_{\text{zul}} \Rightarrow F_{\max}.
Prüfungstipp Klausur-Ähnlichkeit
Üs8 H1 ist Standard für jede Schiefe-Biegung-Klausur-Aufgabe.

2.1 Wann brauche ich Hauptachsen

Warum überhaupt Hauptachsen. Die Spannungsformel aus Sec. 1.2 setzt voraus, dass die Skizzen-Achsen y,zy, z Hauptachsen des Trägheitstensors sind, also Cyz=0C_{yz} = 0. Bei symmetrischen Querschnitten (Rechteck, Quadrat, Kreis, I-Profil mit zwei Symmetrie-Achsen) ist diese Voraussetzung automatisch erfüllt: jede Symmetrie-Achse erzwingt Cyz=0C_{yz} = 0.

Wann nicht erfüllt. Bei unsymmetrischen Querschnitten (L-Profil, Dreieck, beliebig zusammengesetzte Profile) sind die Skizzen-Achsen typischerweise keine Hauptachsen. Dann gilt Cyz0C_{yz} \neq 0 und die einfache Hauptformel ist nicht direkt anwendbar.

Erkennung aus dem Profil. Symmetrie-Check. Hat der Querschnitt mindestens eine Symmetrie-Achse durch den Schwerpunkt, kann die zweite Hauptachse durch eine 90°90°-Drehung dieser Symmetrie-Achse gefunden werden, und Skizzen-Achsen sind oft schon Hauptachsen. Hat der Querschnitt keine Symmetrie-Achse (Dreieck, L-Profil), brauchen wir die formale Hauptachsen-Trafo.

Was die Trafo liefert. Die Hauptachsen-Trafo bringt das Trägheitstensor-Matrix in Diagonalform. Die Diagonalelemente sind die Hauptträgheitsmomente I1,I2I_1, I_2. Der zugehörige Achsen-Winkel θ\theta (Rotation um den Schwerpunkt) macht die Trafo-Achsen zu Hauptachsen. In den Hauptachsen-Koordinaten gilt dann die einfache Spannungsformel.

Pattern. Das ist exakt parallel zum Spannungstensor in Kap. 2: dort suchten wir Hauptspannungen σ1,σ2\sigma_1, \sigma_2 und Hauptrichtungen für eine 2×22 \times 2-Matrix {T}\{T\}. Hier suchen wir Hauptträgheitsmomente I1,I2I_1, I_2 und Hauptachsen für die 2×22 \times 2-Matrix {I}\{I\}. Mathematisch ist das dasselbe Eigenwert-Problem.

Querschnitt Symmetrie Skizzen-Achsen Hauptachsen?
Rechteck zwei Symmetrie-Achsen ja
Kreis, Quadrat unendlich viele ja
I-Profil zwei Symmetrie-Achsen ja
T-Profil eine Symmetrie-Achse ja (entlang Symmetrie)
U-Profil eine Symmetrie-Achse ja (entlang Symmetrie)
L-Profil keine nein, Trafo nötig
Dreieck (rechtwinklig) keine nein, Trafo nötig
Beliebig zusammengesetzt meist keine nein, Trafo nötig
Erkennung aus Symmetrien. Vor jeder Schiefe-Biegung-Aufgabe einmal durchgehen.
Merke Hauptachsen nötig
Bei Cyz0C_{yz} \neq 0 in den Skizzen-Achsen. Sonst nicht.
Prüfungstipp Symmetrie-Check zuerst
Eine Symmetrie-Achse durch Schwerpunkt erzwingt Cyz=0C_{yz} = 0.
Querverweis Brücke Kap. 2
→ Kap. 2 Hauptspannungen

2.2 I-Tensor als symmetrische 2×2-Matrix

Drei Werte definieren den I-Tensor. Für einen 2D-Querschnitt sind drei Größen relevant: Iy=Az2dAI_y = \int_A z^2\,dA, Iz=Ay2dAI_z = \int_A y^2\,dA und Cyz=AyzdAC_{yz} = -\int_A y\,z\,dA. Sie bilden eine symmetrische 2×22 \times 2-Matrix.

Achsen-Konvention beim Tensor. IyI_y ist das Trägheitsmoment um die yy-Achse, also integriert über das Quadrat des Abstands zur yy-Achse, das ist z2z^2. IzI_z ist das Trägheitsmoment um die zz-Achse, also integriert über y2y^2. Das mag zunächst verwirrend sein, ist aber Standard-Konvention.

Vorzeichen von CyzC_{yz}. CyzC_{yz} ist eine signierte Größe. Punkte mit gleichem Vorzeichen von yy und zz tragen positiv bei, Punkte mit unterschiedlichen Vorzeichen negativ. Bei einer Querschnitts-Geometrie, die hauptsächlich in den Quadranten (y>0,z>0y > 0, z > 0) und (y<0,z<0y < 0, z < 0) liegt, ist Cyz>0C_{yz} > 0. Bei der gegenläufigen Anordnung Cyz<0C_{yz} < 0.

Eigenwert-Problem. Die Hauptträgheitsmomente sind die Eigenwerte der I-Matrix. Sie ergeben sich aus der charakteristischen Gleichung (IyI)(IzI)Cyz2=0(I_y - I)(I_z - I) - C_{yz}^2 = 0. Mit der Mittelwert-Form: I1,2=(Iy+Iz)/2±((IyIz)/2)2+Cyz2I_{1,2} = (I_y + I_z)/2 \pm \sqrt{((I_y - I_z)/2)^2 + C_{yz}^2}. Diese Formel ist exakt parallel zur Hauptspannungs-Formel aus Kap. 2.

Hauptachsen-Winkel. Aus dem Eigenvektor-Problem folgt tan(2θ)=2Cyz/(IyIz)\tan(2\theta) = 2\,C_{yz}/(I_y - I_z). Der Winkel θ\theta ist der Drehwinkel von den Skizzen-Achsen zu den Hauptachsen. Wenn Cyz>0C_{yz} > 0 und Iy>IzI_y > I_z: θ<45°\theta < 45° (kleine Drehung). Wenn CyzC_{yz} groß im Vergleich zu IyIz|I_y - I_z|: θ\theta nahe 45°45°.

!!!
I-Tensor-Matrix
{I}=(IyCyzCyzIz)\{I\} = \begin{pmatrix} I_y & C_{yz} \\ C_{yz} & I_z \end{pmatrix}
Symmetrische 2x2-Matrix der Flächenträgheitsmomente. Diagonalelemente Iy,IzI_y, I_z, Off-Diagonal CyzC_{yz}.
!!!
Hauptträgheitsmomente
I1,2=Iy+Iz2±(IyIz2)2+Cyz2I_{1,2} = \frac{I_y + I_z}{2} \pm \sqrt{\left(\frac{I_y - I_z}{2}\right)^2 + C_{yz}^2}
Eigenwerte der I-Matrix. Mit Plus für I1I_1 (Maximum), Minus für I2I_2 (Minimum). Exakt parallel zu Hauptspannungs-Formel aus Kap. 2.
!!!
Hauptachsen-Winkel
tan(2θ)=2CyzIyIz\tan(2\theta) = \frac{2\,C_{yz}}{I_y - I_z}
Drehwinkel von Skizzen-Achsen zu Hauptachsen. Ein-Periodischkeit von tan(2θ)\tan(2\theta) erlaubt zwei Lösungen θ1,θ2=θ1+90°\theta_1, \theta_2 = \theta_1 + 90°.
Formel I-Matrix
{I}=(IyCyzCyzIz)\{I\} = \begin{pmatrix} I_y & C_{yz} \\ C_{yz} & I_z \end{pmatrix}
Symmetrisch, drei Werte definieren sie.
Formel Hauptmomente
I1,2=Iy+Iz2±RI_{1,2} = \frac{I_y + I_z}{2} \pm R
Mit R=((IyIz)/2)2+Cyz2R = \sqrt{((I_y-I_z)/2)^2 + C_{yz}^2}.
Formel Hauptwinkel
tan(2θ)=2Cyz/(IyIz)\tan(2\theta) = 2 C_{yz} / (I_y - I_z)
Aus Eigenvektor-Problem.
Prüfungstipp Spur und Determinante
I1+I2=Iy+IzI_1 + I_2 = I_y + I_z und I1I2=IyIzCyz2I_1 I_2 = I_y I_z - C_{yz}^2. Cross-Check nach Rechnung.

2.3 Mohr-Kreis für den I-Tensor

0
2.0
Abb. 2: Trägheits-Tensor und Mohr-Kreis bei Drehung des Skizzen-Frames.

Mohr-Kreis als geometrisches Werkzeug. Der Mohr-Kreis-Trick aus Kap. 2 (für Spannungen) lässt sich direkt auf den I-Tensor übertragen. Achsen: II horizontal, CC vertikal. Der Kreis hat Mittelpunkt IM=(Iy+Iz)/2I_M = (I_y + I_z)/2 auf der I-Achse und Radius R=((IyIz)/2)2+Cyz2R = \sqrt{((I_y - I_z)/2)^2 + C_{yz}^2}.

Konstruktion des Kreises. Zwei Punkte sind durch den Tensor festgelegt: (Iy,Cyz)(I_y, C_{yz}) und (Iz,Cyz)(I_z, -C_{yz}). Diese zwei Punkte liegen diametral auf dem Kreis (Verbindungslinie geht durch MM). Mit den zwei Punkten und dem Mittelpunkt ist der Kreis vollständig festgelegt.

Hauptträgheitsmomente. Schnittpunkte des Kreises mit der II-Achse: I1=IM+RI_1 = I_M + R (rechts) und I2=IMRI_2 = I_M - R (links). Das sind die maximalen und minimalen Trägheitsmomente, die durch Drehung um den Schwerpunkt erreichbar sind.

Hauptachsen-Winkel aus Mohr-Kreis. Der Punkt (Iy,Cyz)(I_y, C_{yz}) liegt auf dem Kreis mit Polarwinkel 2θ2\theta relativ zur positiven II-Achse vom Mittelpunkt MM aus. Daraus die Beziehung tan(2θ)=2Cyz/(IyIz)\tan(2\theta) = 2\,C_{yz}/(I_y - I_z), was im Mohr-Kreis-Bild der geometrische Anstieg der Verbindungs-Linie ist.

Wann Mohr-Kreis statt Formel. Wenn nur Hauptträgheitsmomente und Winkel gefragt sind (keine vollständige Trafo): Mohr-Kreis ist schneller als die Formel-Rechnung. Wenn die Tensor-Komponenten in einem gedrehten Koordinatensystem gefragt sind: Formel ist klarer. Im Klausur-Kontext kann Mohr-Kreis ein Zeit-Sparer sein.

!!!
Mohr-Kreis-Parameter für I-Tensor
IM=Iy+Iz2,R=(IyIz2)2+Cyz2I_M = \frac{I_y + I_z}{2}, \qquad R = \sqrt{\left(\frac{I_y - I_z}{2}\right)^2 + C_{yz}^2}
Mittelpunkt auf I-Achse und Radius des Kreises. I1,2=IM±RI_{1,2} = I_M \pm R.
Formel Kreis-Parameter
IM=(Iy+Iz)/2,R=((IyIz)/2)2+Cyz2I_M = (I_y+I_z)/2, R = \sqrt{((I_y-I_z)/2)^2 + C_{yz}^2}
Mittelpunkt auf I-Achse, Radius.
Merke Zwei Punkte
(Iy,Cyz)(I_y, C_{yz}) und (Iz,Cyz)(I_z, -C_{yz}). Diametral auf Kreis.
Prüfungstipp Mohr-Schnellweg
Für I1,I2,θI_1, I_2, \theta schneller als die Formel-Methode.
Querverweis Brücke Kap. 2
→ Kap. 2 Mohr-Kreis Spannungen

2.4 Voller Pfad zu I1I_1, I2I_2, θ\theta

Pattern in vier Schritten. Egal ob Mohr-Kreis oder Formel: die Hauptachsen-Trafo besteht aus vier Schritten, die in fester Reihenfolge ausgeführt werden müssen. Hier das Pattern in der direkten Anwendung.

Schritt 1: Iy,Iz,CyzI_y, I_z, C_{yz} berechnen. Aus der Querschnitts-Geometrie. Bei zusammengesetzten Profilen (Rechteck plus Rechteck etc.): pro Teilfläche die drei Werte berechnen, dann via Steiner zur gemeinsamen Schwerpunkts-Achse summieren. Bei einer einzelnen Form (Dreieck) direkt aus dem Integral.

Schritt 2: Mittelpunkt und Radius. IM=(Iy+Iz)/2I_M = (I_y + I_z)/2 und R=((IyIz)/2)2+Cyz2R = \sqrt{((I_y - I_z)/2)^2 + C_{yz}^2}. Beide aus den drei Werten von Schritt 1.

Schritt 3: Hauptträgheitsmomente. I1=IM+RI_1 = I_M + R (Maximum), I2=IMRI_2 = I_M - R (Minimum). Sanity-Check mit Spur und Determinante.

Schritt 4: Hauptachsen-Winkel. tan(2θ)=2Cyz/(IyIz)\tan(2\theta) = 2\,C_{yz}/(I_y - I_z). Daraus zwei Lösungen θ1\theta_1 und θ2=θ1+90°\theta_2 = \theta_1 + 90°. Die Wahl zwischen θ1\theta_1 und θ2\theta_2 hängt davon ab, ob man die Achse mit I1I_1 (max) oder I2I_2 (min) ausrichten will. Praktisch: Querschnitt mit dem Winkel drehen und prüfen, welche Konfiguration physikalisch passt.

Schritt Berechnung Output
1 Querschnitts-Integration plus Steiner Iy,Iz,CyzI_y, I_z, C_{yz}
2 IM=(Iy+Iz)/2I_M = (I_y+I_z)/2, R=...R = \sqrt{...} Mittelpunkt, Radius
3 I1,2=IM±RI_{1,2} = I_M \pm R Hauptträgheitsmomente
4 tan(2θ)=2Cyz/(IyIz)\tan(2\theta) = 2 C_{yz}/(I_y - I_z) Hauptachsen-Winkel
Vier Schritte zur Hauptachsen-Trafo. Pattern in fester Reihenfolge.
Merke Vier Schritte
1. Iy,Iz,CyzI_y, I_z, C_{yz}. 2. IM,RI_M, R. 3. I1,2I_{1,2}. 4. θ\theta.
Formel Pattern
I1,2=IM±R,  tan(2θ)=2Cyz/(IyIz)I_{1,2} = I_M \pm R,\;\tan(2\theta) = 2 C_{yz}/(I_y-I_z)
Endformeln nach Schritt 3 und 4.
Prüfungstipp Steiner nicht vergessen
Bei zusammengesetzten Profilen: pro Teilfläche Trägheitsmoment um EIGENEN Schwerpunkt plus Aidi2A_i \cdot d_i^2.
Querverweis Steiner
→ Kap. 6 Sec. 3 Steiner-Satz

2.5 Beispiel: Rechtwinkliges Dreieck (Üs8 Wiederholung)

Aufgabe (Üs8 Wiederholung). Gegeben sei ein rechtwinkliger Dreiecksquerschnitt mit Schwerpunkts-Achsen y,zy, z wie in der Skizze: Breite bb horizontal (obere Seite), Höhe hh vertikal (linke Seite), Hypotenuse von rechts oben nach links unten. yy-Achse zeigt nach unten, zz-Achse nach rechts.

Gesucht. a) Die axialen Trägheitsmomente Iy,IzI_y, I_z und das gemischte Trägheitsmoment CyzC_{yz} bezüglich der Schwerpunkts-Achsen. b) Die Hauptträgheitsmomente I1,I2I_1, I_2 und die Lage der Hauptachsen für das Seitenverhältnis h/b=2h/b = 2.

Pattern erkennen. Das Dreieck hat keine Symmetrie-Achse, daher Cyz0C_{yz} \neq 0. Die Skizzen-Achsen sind keine Hauptachsen. Wir müssen den vollen Vier-Schritte-Trafo durchführen.

Merke Aufgabe
Rechtwinkliges Dreieck b×hb \times h. Cyz0C_{yz} \neq 0, daher Trafo nötig.
Prüfungstipp Standard-Aufgabe
Üs8 Wiederholung. Klausur-Klassiker für Hauptachsen.

2.6 Schritt 1+2: Trägheitsmomente im Hilfskoordinatensystem und Steiner-Übertragung

Aus Hilfskoordinatensystem in Schwerpunkts-Koordinatensystem

  1. Schritt 1.1: Hilfskoordinatensystem eta-xi an Eckpunkt
    Direktes Integrieren über das Dreieck im Schwerpunkt-Koordinatensystem ist ungeschickt, weil der Schwerpunkt nicht an einer geometrisch ausgezeichneten Stelle liegt. Bequemer: ein Hilfskoordinatensystem an einem Eckpunkt platzieren. Ursprung an der oberen-linken Ecke (rechtwinklige Ecke des Dreiecks). ξ\xi-Achse nach rechts (entlang oberer Kante), η\eta-Achse nach unten (entlang linker Kante).
    Hilfs-Koordinaten für die Integration.
    ξ[0,b],η[0,hbξ+h]\xi \in [0, b], \quad \eta \in [0, -\frac{h}{b}\xi + h]
  2. Schritt 1.2: IξI_\xi und IηI_\eta im Hilfskoordinatensystem
    Doppelintegrale über das Dreieck. Iξ=η2dAI_\xi = \iint \eta^2\,dA und Iη=ξ2dAI_\eta = \iint \xi^2\,dA. Mit der Hypotenusen-Funktion η(ξ)=h/bξ+h\eta(\xi) = -h/b\,\xi + h. Direkt aus der Üs8-Lösung: Iξ=bh3/12I_\xi = b\,h^3/12 und Iη=b3h/12I_\eta = b^3\,h/12. Diese sind die Trägheitsmomente um die Hilfs-Achsen am Eckpunkt.
    Trägheitsmomente im Hilfskoordinatensystem.
    Iξ=bh312,Iη=b3h12I_\xi = \frac{b\,h^3}{12}, \qquad I_\eta = \frac{b^3\,h}{12}
  3. Schritt 1.3: CηξC_{\eta\xi} im Hilfskoordinatensystem
    Gemischtes Moment Cηξ=ηξdAC_{\eta\xi} = -\iint \eta\,\xi\,dA. Mit Vorzeichen-Konvention: das Minus-Zeichen kommt aus der Definition. Rechnen mit dem Hilfskoordinatensystem: Cηξ=b2h2/24C_{\eta\xi} = -b^2\,h^2/24.
    Gemischtes Moment im Hilfskoordinatensystem.
    Cηξ=b2h224C_{\eta\xi} = -\frac{b^2\,h^2}{24}
  4. Schritt 2.1: Schwerpunkt des Dreiecks
    Der Schwerpunkt eines Dreiecks liegt im arithmetischen Mittel der Eckpunkts-Koordinaten. Bei unserem rechtwinkligen Dreieck mit Ecken (0,0),(b,0),(0,h)(0, 0), (b, 0), (0, h) im Hilfskoordinatensystem: Schwerpunkt SS bei (ξS,ηS)=(b/3,h/3)(\xi_S, \eta_S) = (b/3, h/3).
    Schwerpunkts-Position.
    ξS=b3,ηS=h3\xi_S = \frac{b}{3}, \qquad \eta_S = \frac{h}{3}
  5. Schritt 2.2: Steiner-Trafo zu Schwerpunkts-Achsen
    Trägheitsmomente bezüglich des Schwerpunkts: Iy=IηξS2AI_y = I_\eta - \xi_S^2 \cdot A (Steiner-Subtraktion, weil wir vom Eckpunkt zum Schwerpunkt wechseln). Analog für IzI_z und CyzC_{yz}. Mit Fläche A=bh/2A = b\,h/2 und Schwerpunkts-Position ξS=b/3\xi_S = b/3, ηS=h/3\eta_S = h/3.
    Drei Trägheitsmomente im Schwerpunkts-Koordinatensystem.
    Iy=IηξS2A=b3h12b29bh2=b3h12b3h18=b3h36Iz=IξηS2A=bh312h29bh2=bh336Cyz=Cηξ+ηSξSA=b2h224+h3b3bh2=b2h272\begin{aligned} I_y &= I_\eta - \xi_S^2\,A = \frac{b^3\,h}{12} - \frac{b^2}{9} \cdot \frac{b\,h}{2} = \frac{b^3\,h}{12} - \frac{b^3\,h}{18} = \frac{b^3\,h}{36} \\ I_z &= I_\xi - \eta_S^2\,A = \frac{b\,h^3}{12} - \frac{h^2}{9} \cdot \frac{b\,h}{2} = \frac{b\,h^3}{36} \\ C_{yz} &= C_{\eta\xi} + \eta_S\,\xi_S\,A = -\frac{b^2\,h^2}{24} + \frac{h}{3} \cdot \frac{b}{3} \cdot \frac{b\,h}{2} = \frac{b^2\,h^2}{72} \end{aligned}
Formel Hilfskoordinatensystem-Integrale
Iξ=bh3/12,  Iη=b3h/12,  Cηξ=b2h2/24I_\xi = bh^3/12,\;I_\eta = b^3 h/12,\;C_{\eta\xi} = -b^2 h^2/24
Direkt aus dem Doppelintegral.
Formel Schwerpunkts-Koordinatensystem
Iy=b3h/36,  Iz=bh3/36,  Cyz=b2h2/72I_y = b^3 h/36,\;I_z = bh^3/36,\;C_{yz} = b^2 h^2/72
Nach Steiner-Trafo. Standard-Werte für rechtwinkliges Dreieck.
Merke Schwerpunkt
ξS=b/3,  ηS=h/3\xi_S = b/3,\;\eta_S = h/3. Drittelpunkt bei rechtwinkligem Dreieck.
Prüfungstipp Profil-Tabelle
Standard-Werte. In Klausur direkt nutzen ohne Herleitung.

2.7 Schritt 3+4: Hauptträgheitsmomente und Hauptachsen-Winkel

I1I_1, I2I_2 und θ\theta für h/b=2h/b = 2

  1. Schritt 3.1: Werte für h/b = 2 einsetzen
    Mit b=h/2b = h/2 wird bh3/36=h4/72b\,h^3/36 = h^4/72 und b3h/36=(h/2)3h/36=h4/288b^3\,h/36 = (h/2)^3\,h/36 = h^4/288. Und b2h2/72=(h/2)2h2/72=h4/288b^2\,h^2/72 = (h/2)^2\,h^2/72 = h^4/288. Daraus die drei Trägheitsmomente in Einheiten von h4h^4.
    Numerische Trägheitsmomente.
    Iy=h4288,Iz=h472,Cyz=h4288I_y = \frac{h^4}{288}, \qquad I_z = \frac{h^4}{72}, \qquad C_{yz} = \frac{h^4}{288}
  2. Schritt 3.2: Mittelpunkt und Radius des Mohr-Kreises
    Mittelpunkt: IM=(Iy+Iz)/2=(h4/288+h4/72)/2=(h4/288+4h4/288)/2=5h4/576I_M = (I_y + I_z)/2 = (h^4/288 + h^4/72)/2 = (h^4/288 + 4\,h^4/288)/2 = 5\,h^4/576. Radius via Differenz und CyzC_{yz}: (IyIz)/2=(h4/2884h4/288)/2=3h4/576(I_y - I_z)/2 = (h^4/288 - 4\,h^4/288)/2 = -3\,h^4/576. Quadriert: 9h8/57629\,h^8/576^2. Plus Cyz2=(h4/288)2=h8/2882=4h8/5762C_{yz}^2 = (h^4/288)^2 = h^8/288^2 = 4\,h^8/576^2. Summe: 13h8/576213\,h^8/576^2. Wurzel: R=13h4/576R = \sqrt{13}\,h^4/576.
    Mohr-Kreis-Parameter.
    IM=5h4576,R=(3h4576)2+(h4288)2=13h4576I_M = \frac{5\,h^4}{576}, \qquad R = \sqrt{\left(\frac{-3\,h^4}{576}\right)^2 + \left(\frac{h^4}{288}\right)^2} = \frac{\sqrt{13}\,h^4}{576}
  3. Schritt 3.3: Hauptträgheitsmomente
    I1=IM+R=(5+13)/576h4I_1 = I_M + R = (5 + \sqrt{13})/576 \cdot h^4, das ist das Maximum. I2=IMR=(513)/576h4I_2 = I_M - R = (5 - \sqrt{13})/576 \cdot h^4, das Minimum. Numerisch: 133.606\sqrt{13} \approx 3.606, also I10.01494h4I_1 \approx 0.01494\,h^4 und I20.00242h4I_2 \approx 0.00242\,h^4.
    Hauptträgheitsmomente.
    I1=5+13576h4,I2=513576h4\boxed{I_1 = \frac{5 + \sqrt{13}}{576}\,h^4, \qquad I_2 = \frac{5 - \sqrt{13}}{576}\,h^4}
  4. Schritt 4.1: Hauptachsen-Winkel
    tan(2θ)=2Cyz/(IyIz)\tan(2\theta) = 2\,C_{yz}/(I_y - I_z). Brüche auf gleichen Nenner: Zähler 2Cyz=2h4/288=h4/1442\,C_{yz} = 2\,h^4/288 = h^4/144. Nenner IyIz=h4/2884h4/288=3h4/288=h4/96I_y - I_z = h^4/288 - 4\,h^4/288 = -3\,h^4/288 = -h^4/96. Quotient: (h4/144)/(h4/96)=96/144=2/3(h^4/144)/(-h^4/96) = -96/144 = -2/3. Daraus 2θ1=arctan(2/3)33.69°2\theta_1 = \arctan(-2/3) \approx -33.69°, also θ116.845°\theta_1 \approx -16.845°. Die zweite Hauptachse liegt 90°90° versetzt: θ2=θ1+90°=73.155°\theta_2 = \theta_1 + 90° = 73.155°.
    Hauptachsen-Winkel.
    θ1=16.845°,θ2=73.155°\boxed{\theta_1 = -16.845°, \qquad \theta_2 = 73.155°}
Formel I1I_1, I2I_2
I1,2=(5±13)/576h4I_{1,2} = (5 \pm \sqrt{13})/576 \cdot h^4
Üs8-Wiederholungs-Resultat für h/b=2h/b = 2.
Formel Theta
θ1=16.845°,  θ2=73.155°\theta_1 = -16.845°,\;\theta_2 = 73.155°
Zwei Hauptachsen, 90° versetzt.
Merke Spur-Check
I1+I2=Iy+Iz=5/288h4I_1 + I_2 = I_y + I_z = 5/288 \cdot h^4. ✓
Prüfungstipp Kontroll-Methode
Mohr-Kreis liefert dasselbe Resultat schneller.

3.1 Wieso erzeugt Querkraft Schubspannung

Querkraft braucht Gleichgewicht. Wenn ein Stab eine Querkraft QyQ_y erfährt (vertikale Schub-Kraft), muss diese Kraft im Querschnitt durch eine Verteilung von Schubspannungen aufgenommen werden. Eine Punktkraft am Querschnitt-Schwerpunkt wäre nicht-physikalisch, weil es keine konzentrierte Schub-Kraft an einem Punkt gibt. Stattdessen ist die Schubspannung über die Querschnitts-Fläche verteilt.

Geometrische Begründung über Längsgleichgewicht. Schneide den Stab quer ab und betrachte ein dünnes Längs-Element zwischen xx und x+dxx + dx entlang der Stab-Achse. Auf den zwei Stirnflächen wirken unterschiedliche Normalspannungen σx(x)\sigma_x(x) und σx(x+dx)\sigma_x(x + dx). Damit das Element im Längsgleichgewicht bleibt, muss die Differenz dieser Normalspannungen durch Schubspannungen auf der seitlichen Schnittfläche kompensiert werden. Das ist die geometrische Grundlage für die Existenz von Schubspannungen.

Wieso die Schubspannungs-Formel. Aus dem Längsgleichgewicht eines Streifens vom Faserrand ymaxy_{\max} bis zur Stelle yy folgt direkt: τxy(y)b(y)=(dMz/dx)Hz(y)/Iz=QyHz(y)/Iz\tau_{xy}(y) \cdot b(y) = (dM_z/dx) \cdot H_z(y)/I_z = -Q_y \cdot H_z(y)/I_z (mit der Differential-Beziehung Mz=QyM'_z = -Q_y). Daraus die Hauptformel.

Hauptformel für Schubspannung. τxy(y)=QyHz(y)/(Izb(y))\tau_{xy}(y) = -Q_y \cdot H_z(y) / (I_z \cdot b(y)). Hier ist QyQ_y die Querkraft, Hz(y)H_z(y) das statische Moment der abgeschnittenen Teilfläche zwischen yy und ymaxy_{\max}, IzI_z das Schwerpunkts-Trägheitsmoment, b(y)b(y) die Querschnitts-Breite an der Stelle yy.

Wann brauche ich das. Bei jeder Aufgabe, in der eine Querkraft im Stab wirkt und Schubspannungen gefragt sind. Das ist der Standardfall für jede Klausur-Aufgabe zu Schubspannungen (FS22 D3, FS24 D3, FS25 D3 u.a.).

0.50
0.0
10
Abb. 3: Längsgleichgewicht eines Stab-Streifens. Differenz der Normalspannungen erzeugt τ.
!!!
Hauptformel der Schubspannung im Vollquerschnitt
τxy(y)=QyHz(y)Izb(y)\tau_{xy}(y) = -\frac{Q_y \cdot H_z(y)}{I_z \cdot b(y)}
Aus Längsgleichgewicht eines Streifens. QyQ_y Querkraft, Hz(y)H_z(y) statisches Moment der Teilfläche, IzI_z Schwerpunkts-Trägheitsmoment, b(y)b(y) Breite an der Stelle yy.
Definition Schubspannung
Über Querschnitt verteilte Spannung aus Querkraft. Erfüllt Längsgleichgewicht.
Formel Hauptformel
τxy=QyHz/(Izb)\tau_{xy} = -Q_y\,H_z/(I_z\,b)
Querkraft, statisches Moment, Trägheitsmoment, Breite.
Merke Vier Größen
QyQ_y (Last), Hz(y)H_z(y) (Geometrie), IzI_z (Geometrie), b(y)b(y) (Geometrie).
Prüfungstipp Klausur-Standard
FS22, FS24, FS25 D3-Aufgaben fragen alle nach τxy\tau_{xy} oder τxz\tau_{xz} aus dieser Formel.

3.2 Statisches Moment HzH_z: Definition

Definition. Das statische Moment Hz(y)H_z(y) ist das Flächenmoment der abgeschnittenen Teilfläche zwischen yy und ymaxy_{\max} (oder zwischen yminy_{\min} und yy, je nach Schnitt-Richtung) um die Schwerpunkts-Achse zz. Mathematisch: Hz(y)=y>yAydAH_z(y) = \int_{y'>y \cap A} y'\,dA. Einheit: Länge³.

Anschauung. Stelle dir vor: schneide den Querschnitt bei der Stelle yy horizontal durch. Die obere Hälfte (Bereich y<yy' < y) hat eine bestimmte Fläche ΔA\Delta A und einen Schwerpunkt mit yy-Koordinate ySP(ΔA)y_{\text{SP}}(\Delta A) relativ zur Schwerpunkts-Achse. Das statische Moment ist das Produkt: Hz(y)=ΔAySP(ΔA)H_z(y) = \Delta A \cdot y_{\text{SP}}(\Delta A).

Alternative Schreibweise. Bei rechteckigen Teilflächen lässt sich der Schwerpunkt einfach finden, und die Schreibweise Hz=ΔAySPH_z = \Delta A \cdot y_{\text{SP}} ist viel schneller als die Integration. Das ist der Schlüssel zum schnellen Berechnen.

Vorzeichen. HzH_z hat Vorzeichen, das von der Wahl der Schnitt-Seite abhängt. Wenn die abgeschnittene Teilfläche oberhalb des Schnitts liegt (y<yy' < y bei yy-Achse nach unten), und wir die yy-Werte unterhalb der Schwerpunkts-Achse als positiv zählen, ist die abgeschnittene Teilfläche oberhalb der Schwerpunkts-Achse mit negativen yy-Werten, also Hz<0H_z < 0. Das Vorzeichen des HzH_z und der Querkraft QyQ_y kombinieren sich in der Hauptformel zum endgültigen Vorzeichen der Schubspannung.

Wann brauche ich HzH_z genau. Bei jeder Berechnung der Schubspannung. Es gibt verschiedene Methoden, HzH_z zu berechnen, je nach Querschnitt-Geometrie (siehe Sec. 3.3). Der Wahl der Methode beeinflusst die Geschwindigkeit der Berechnung.

!!!
Statisches Moment Definition
Hz(y)=ΔAydA=ΔAySP(ΔA)H_z(y) = \int_{\Delta A} y'\,dA = \Delta A \cdot y_{\text{SP}}(\Delta A)
Flächenmoment der abgeschnittenen Teilfläche. Erste Form ist das Integral, zweite die Schwerpunkts-Form (schneller).
0.00
10
20
Abb. 4: Statisches Moment Hz(y)H_z(y) und Schubspannung τ(y)\tau(y) im Vollquerschnitt.
Definition Statisches Moment HzH_z
Flächenmoment der abgeschnittenen Teilfläche um Schwerpunkts-Achse zz.
Formel Zwei Formen
Hz=ydA=ΔAySPH_z = \int y'\,dA = \Delta A \cdot y_{\text{SP}}
Integral oder Schwerpunkts-Produkt.
Merke Einheit
Länge³. Fläche mal Längen-Versatz.
Prüfungstipp Vorzeichen
Folgt aus Schnitt-Wahl und yy-Konvention. In der Hauptformel zusammen mit QyQ_y-Vorzeichen.

3.3 Vier Methoden zur HzH_z-Berechnung

Vier Methoden für unterschiedliche Geometrien. Die Wahl der richtigen Methode spart in der Klausur viele Minuten. Jede Methode passt zu einem typischen Querschnitts-Typ.

Methode (a): Direktes Integral. Hz(y)=yymaxyb(y)dyH_z(y) = \int_y^{y_{\max}} y'\,b(y')\,dy'. Verwende diese Methode bei Querschnitten mit variabler Breite b(y)b(y), also Kreis (mit b(y)=2R2y2b(y) = 2\sqrt{R^2 - y^2}), Dreieck (mit b(y)b(y) linear), oder Halbkreis. Bei rechteckigen Querschnitten ist diese Methode unnötig kompliziert.

Methode (b): Teilflächen-Schwerpunkt. Hz=ΔAySPH_z = \Delta A \cdot y_{\text{SP}}. Verwende diese Methode bei rechteckigen Teilflächen (Vollquerschnitt mit konstanter Breite, dünnwandige Profile). Hier ist ΔA\Delta A die abgeschnittene rechteckige Fläche und ySPy_{\text{SP}} ihr Schwerpunkt-y-Wert. Bei einem Rechteck b×hb \times h, geschnitten bei yy: ΔA=b(ymaxy)\Delta A = b \cdot (y_{\max} - y) und ySP=(ymax+y)/2y_{\text{SP}} = (y_{\max} + y)/2.

Methode (c): Aufaddieren von Teilflächen. Bei zusammengesetzten Profilen (T-Profil, U-Profil, I-Profil) lässt sich HzH_z als Summe schreiben: Hz=iΔAiySP,iH_z = \sum_i \Delta A_i \cdot y_{\text{SP},i}. Für das T-Profil aus Üs8 H2: bei einem Schnitt im Steg ist die abgeschnittene Teilfläche der ganze Flansch plus ein Teil des Stegs. Beide Anteile separat berechnen und summieren.

Methode (d): Subtraktion von einem Anchor. Wenn an einer Stelle y0y_0 das statische Moment Hz(y0)H_z(y_0) schon bekannt ist (z.B. aus einer früheren Aufgabe), kann man für andere Stellen den Differenz-Term ausrechnen: Hz(y)=Hz(y0)y0yyb(y)dyH_z(y) = H_z(y_0) - \int_{y_0}^y y'\,b(y')\,dy'. Diese Methode ist nützlich bei Mehrbereichs-Profilen, wo der Übergang zwischen Bereichen einen sauberen Anchor liefert.

Methode Anwendungsbereich Beispiel
(a) Direktes Integral Variable Breite b(y)b(y) Kreis, Dreieck, Halbkreis
(b) Teilflächen-Schwerpunkt ΔAySP\Delta A \cdot y_{\text{SP}} Rechteckige Teilflächen Rechteck-Vollquerschnitt, dünnwandige Wand
(c) Summe über Teilflächen Zusammengesetzte Profile T-Profil, U-Profil, I-Profil
(d) Subtraktion von Anchor Mehrbereichs-Profil mit bekanntem Wert Fortsetzung von Bereichs-Übergang
Vier Methoden zur HzH_z-Berechnung. Wahl der Methode aus dem Querschnitts-Typ.
Merke Vier Methoden
(a) Integral, (b) ΔAySP\Delta A \cdot y_{\text{SP}}, (c) Summe, (d) Subtraktion von Anchor.
Formel Schnellweg
Hz=ΔAySPH_z = \Delta A \cdot y_{\text{SP}}
Bei rechteckigen Teilflächen. Die schnellste Methode.
Prüfungstipp Methodenwahl
Variable Breite: (a). Rechteckig: (b). Zusammengesetzt: (c). Anchor da: (d).

3.4 Wann ist Hz=0H_z = 0

Drei kritische Anchor-Werte. An bestimmten Stellen verschwindet HzH_z exakt. Diese Stellen geben Anchor-Punkte für die Verteilung der Schubspannung und sparen oft Rechenarbeit. Die drei Standardfälle.

(i) Am Faserrand: Hz(±ymax)=0H_z(\pm y_{\max}) = 0. Wenn der Schnitt am oberen oder unteren Faserrand liegt, ist die abgeschnittene Teilfläche null oder die ganze Querschnittsfläche. Im ersten Fall trivial: ΔA=0Hz=0\Delta A = 0 \Rightarrow H_z = 0. Konsequenz: τxy(±ymax)=0\tau_{xy}(\pm y_{\max}) = 0 am Faserrand. Schubspannung ist null an Ober- und Unterkante.

(ii) Über die ganze Querschnittsfläche: AydA=0\int_A y\,dA = 0. Per Definition liegt der Schwerpunkt dort, wo das gewichtete Integral ydA\int y\,dA verschwindet. Daraus: wenn man von ymax-y_{\max} bis +ymax+y_{\max} integriert, wird Hz(ymax)=0H_z(-y_{\max}) = 0 identisch. Das ist wieder der Grenz-Fall, wo der Schnitt am unteren Faserrand liegt und die ganze Querschnittsfläche darüber hinzukommt.

(iii) An Symmetrie-Achsen. Bei einem symmetrischen Querschnitt mit horizontaler Symmetrie-Achse ist die obere und untere Hälfte gespiegelt. Bei einem Schnitt entlang der Symmetrie-Achse (also y=0y = 0, dem Schwerpunkt) ist die abgeschnittene obere Hälfte und ihr Schwerpunkt symmetrisch zur unteren Hälfte. Das ergibt nicht direkt Hz=0H_z = 0, sondern den Maximalwert von HzH_z (siehe nächste Subsection). Aber: bei Schnitt-Stellen, wo die obere und untere Querschnitts-Geometrie spiegelsymmetrisch ist, kann das Vorzeichen sich aufheben.

Maximum von Hz|H_z| und Position von τmax\tau_{\max}. Position des Maximums hängt vom Querschnitts-Typ ab. (1) Voll-Rechteck-Querschnitt: τmax\tau_{\max} liegt in der Schwerpunkts-Achse y=0y = 0, mit Wert 1.5Q/A1.5\,Q/A (Form-Faktor 1.5). (2) Symmetrisches T- oder I-Profil mit horizontaler Symmetrie-Achse durch Schwerpunkt und vertikalem Steg: τmax\tau_{\max} liegt im Steg auf der Schwerpunkts-Höhe y=0y = 0, weil dort Hz|H_z| maximal und b(y)b(y) klein ist. (3) Asymmetrisches oder offenes Profil (U-, L-Profil, einseitig offene Profile): τmax\tau_{\max} kann an einem Bereichsübergang liegen, z.B. an der Flansch-Wand-Verbindung, wenn dort der Sprung in b(y)b(y) einen lokalen Spitzenwert erzeugt. Beim Üs8-H3-U-Profil: τmax=Qh2/(3Iz)\tau_{\max} = Q\,h^2/(3\,I_z) am Flansch-Wand-Übergang (z,y)=(±h,h/3)(z, y) = (\pm h, -h/3), NICHT im Schwerpunkt.

Stelle Wert von HzH_z Konsequenz für τ\tau
Faserrand y=±ymaxy = \pm y_{\max} 00 (trivial) τxy(±ymax)=0\tau_{xy}(\pm y_{\max}) = 0
Über ganzen Querschnitt 00 (per Def. Schwerpunkt) Cross-Check der Rechnung
Schwerpunkts-Achse y=0y = 0 Maximum (positiv) τmax\tau_{\max} häufig hier
Symmetrie-Achse senkrecht zu Q 00 aus Symmetrie τ=0\tau = 0 aus Spiegelung
Drei Stellen mit Hz=0H_z = 0 und ihre Konsequenzen für die Schubspannung.
Merke Hz=0H_z = 0 Anchor
(i) Faserrand. (ii) Ganze Fläche. (iii) Symmetrie-Achse senkrecht zu QQ.
Formel Faserrand
τxy(±ymax)=0\tau_{xy}(\pm y_{\max}) = 0
Universell. Pflicht-Sanity-Check.
Merke Maximum bei y=0y = 0
τmax\tau_{\max} häufig am Schwerpunkt-y. Bei Rechteck: 1.5Q/A1.5 Q/A.
Prüfungstipp MC-Schnellfilter
Antworten mit τ0\tau \neq 0 am Faserrand sofort ausschließen.

3.5 Vorzeichen von HzH_z und τ\tau

Vorzeichen von HzH_z. Aus der Definition Hz=ΔAySPH_z = \Delta A \cdot y_{\text{SP}} folgt das Vorzeichen aus dem Vorzeichen von ySPy_{\text{SP}}. Wenn die abgeschnittene Teilfläche oberhalb der Schwerpunkts-Achse liegt (bei yy-Achse nach unten heißt das im Bereich y<0y' < 0), ist ySP<0y_{\text{SP}} < 0 und damit Hz<0H_z < 0 in dieser Konvention.

Wahl der Schnitt-Seite. Praktisch: man kann immer die Schnitt-Seite wählen, die einfacher zu berechnen ist. Bei einem Schnitt im oberen Drittel des Querschnitts: ΔA\Delta A kann entweder die obere kleine Fläche sein, oder die untere große Fläche. Wegen der Eigenschaft ganzydA=0\int_{\text{ganz}} y\,dA = 0 liefern beide Wahlen denselben Hz|H_z|, aber mit entgegengesetztem Vorzeichen.

Vorzeichen der Schubspannung. Aus τxy=QyHz/(Izb)\tau_{xy} = -Q_y \cdot H_z / (I_z \cdot b): bei Qy>0Q_y > 0 (Querkraft nach unten in Mech-II-Konvention) und Hz>0H_z > 0 (oberhalb des Schnitts genommen, ySPy_{\text{SP}} negativ und Vorzeichen-konvertiert): τxy>0\tau_{xy} > 0 (Schub nach oben, der linken Stab-Teil hebt). Vorzeichen folgt direkt.

Konvention im Mech-II-Lehrgang. Im Lehrtext und den Übungs-Lösungen wird häufig Hz(y)H_z(y) als positiver Wert für die obere abgeschnittene Teilfläche angegeben. Damit τxy=QHz/(Izb)\tau_{xy} = -Q\,H_z/(I_z\,b) negativ ist bei Q>0Q > 0. Das ist konsistent mit der Schub-Richtung. In der Klausur ist meist nur der Betrag τ|\tau| relevant.

Ablesen aus der Schub-Skizze. Im Querschnitt zeigen Pfeile die Schub-Richtung an: bei einer Querkraft nach unten zeigen die Schubspannungs-Pfeile in den vertikalen Wänden nach unten (gleiche Richtung wie QQ). In horizontalen Flanschen zeigen die Schubspannungs-Pfeile so, dass das Material entlang der Mittellinie nach innen oder aussen geschoben wird. Das genaue Bild folgt aus der Bilanz der Schub-Beiträge.

Größe Vorzeichen Bedeutung
Hz(y)H_z(y), oberhalb genommen >0> 0 in Mech-II-Konvention Standard-Wahl in Übungs-Lösungen
QyQ_y >0> 0 Querkraft nach unten
τxy\tau_{xy} aus Hauptformel <0< 0 Mit Mech-II-Vorzeichen-Konvention
τxy|\tau_{xy}| Betrag Klausur-Antwort meist als Betrag
Vorzeichen-Tabelle für HzH_z und τxy\tau_{xy} in der Mech-II-Konvention. yy-Achse nach unten, Qy>0Q_y > 0 heißt Querkraft nach unten.
Merke HzH_z Vorzeichen
Aus Wahl der Schnitt-Seite und yy-Konvention. Mech II: oberhalb positiv.
Formel Schub-Vorzeichen
τxy=QyHz/(Izb)\tau_{xy} = -Q_y H_z/(I_z b)
Bei Qy>0Q_y > 0 und Hz>0H_z > 0: τ<0\tau < 0.
Prüfungstipp Klausur-Standard
Betrag τ|\tau| meist genug. Vorzeichen nur bei expliziter Frage.

4.1 Hauptformel im Vollquerschnitt

Hauptformel. Für einen Vollquerschnitt (Rechteck-Block, Kreis, Dreieck mit ausreichender Wand-Dicke) lautet die Schubspannungs-Formel: τxy(y)=QyHz(y)/(Izb(y))\tau_{xy}(y) = -Q_y \cdot H_z(y) / (I_z \cdot b(y)). Alle vier Größen sind aus der Querschnitts-Geometrie und der Last bekannt.

Erklärung der Symbole:
QyQ_y ist die Querkraft (in yy-Richtung).
Hz(y)H_z(y) ist das statische Moment der abgeschnittenen Teilfläche zwischen yy und ymaxy_{\max}.
IzI_z ist das Schwerpunkts-Trägheitsmoment des ganzen Querschnitts.
b(y)b(y) ist die Querschnitts-Breite an der Stelle yy.

Wichtig: b(y)b(y) ist die Breite an y, nicht am Schwerpunkt der Teilfläche. Häufige Falle: b(y)b(y) wird mit bb (am Schwerpunkt der Teilfläche) verwechselt. Bei rechteckigem Vollquerschnitt ist b(y)=bb(y) = b konstant, also egal. Bei Dreieck oder Kreis ist b(y)b(y) variabel und muss an der jeweiligen Höhe ausgewertet werden.

Profilform der Schubspannung. Bei rechteckigem Vollquerschnitt: b(y)b(y) konstant, Hz(y)=b(ymax2y2)/2H_z(y) = b\,(y_{\max}^2 - y^2)/2 (parabolisch in yy). Daraus τxy(y)=Qy(ymax2y2)/(2Iz)1/1\tau_{xy}(y) = -Q_y\,(y_{\max}^2 - y^2)/(2\,I_z) \cdot 1/1. Profil ist parabolisch, null an den Faserrändern, Maximum in der Mitte (y=0y = 0).

Wann brauche ich diese Formel. Bei jedem Vollquerschnitt. Klausur-Aufgaben fragen typisch nach τmax\tau_{\max} oder nach dem Wert an einer spezifischen Stelle (Üs8 H1, FS25 D2 als Vorbereitung).

!!!
Hauptformel Vollquerschnitt
τxy(y)=QyHz(y)Izb(y)\tau_{xy}(y) = -\frac{Q_y \cdot H_z(y)}{I_z \cdot b(y)}
b(y)b(y) ist die Breite an der Schnittstelle yy, nicht am Schwerpunkt der Teilfläche.
Formel Hauptformel
τxy=QyHz/(Izb(y))\tau_{xy} = -Q_y H_z/(I_z b(y))
Vier Größen aus Last und Geometrie.
Merke b(y)b(y) an Schnittstelle
NICHT am Schwerpunkt der Teilfläche. Bei Rechteck: bb konstant. Bei Kreis: b(y)=2R2y2b(y) = 2\sqrt{R^2-y^2}.
Prüfungstipp Profilform
Bei Rechteck: parabolisch, Maximum in der Mitte.

4.2 b(y) für verschiedene Vollquerschnitte

Tabelle der Standard-Vollquerschnitte. Für die Hauptformel braucht man b(y)b(y) als Funktion der Höhe. Bei Standardprofilen sind diese Funktionen bekannt und sollten als Referenz präsent sein.

Querschnitt b(y)b(y) τmax\tau_{\max}
Rechteck b×hb \times h konstant bb bei y=0y = 0: 1.5Q/A1.5\,Q/A
Kreis Radius RR 2R2y22\sqrt{R^2 - y^2} bei y=0y = 0: 4Q/(3A)4\,Q/(3\,A)
Dreieck (Basis bb, Höhe hh, Spitze oben) linear, b(1y/ymax)b\,(1 - y/y_{\max}) etc. an spezifischer Position: 4Q/(3A)\sim 4\,Q/(3\,A)
Halbkreis (flache Seite oben) 2R2y22\sqrt{R^2 - y^2}, asymmetrisch im Schwerpunkt: 4Q/(3A)\sim 4\,Q/(3\,A)
b(y)b(y), Hz(y)H_z(y), τmax\tau_{\max} für vier Standard-Vollquerschnitte. AA = Querschnittsfläche, QQ = Qy|Q_y|.

Pattern. Bei symmetrischen Vollquerschnitten (Rechteck, Kreis) tritt τmax\tau_{\max} in der Schwerpunkts-Achse auf. Bei asymmetrischen (Dreieck, Halbkreis) verschiebt sich die Position des Maximums. Die Formel für τmax\tau_{\max} ist immer ein Vielfaches von Q/AQ/A, mit Faktor zwischen 1.0 und 1.5 typischerweise.

Form-Faktor. Der Faktor vor Q/AQ/A heißt manchmal Schub-Form-Faktor und gibt an, wie stark die Schubspannung gegenüber der mittleren Schubspannung Q/AQ/A überhöht ist. Bei Rechteck: 1.5. Bei Kreis: 4/3 ≈ 1.33. Bei dünnwandigen Profilen: oft viel höher (2 bis 3 oder mehr) wegen kleiner Wand-Dicke.

Klausur-Standardrechnung. Wenn IzI_z und b(y)b(y) aus Tabelle bekannt sind, kann man τmax\tau_{\max} direkt einsetzen ohne Umweg über HzH_z. Diese Schnellmethode ist in der Klausur Gold wert.

Formel Rechteck τmax\tau_{\max}
τmax=1.5Q/A\tau_{\max} = 1.5\,Q/A
Klassiker. In der Mitte des Rechteck-Vollquerschnitts.
Formel Kreis τmax\tau_{\max}
τmax=4Q/(3A)\tau_{\max} = 4\,Q/(3\,A)
In der Mitte des Kreis-Vollquerschnitts.
Merke Form-Faktor
Verhältnis τmax/τˉ\tau_{\max}/\bar\tau. Geometrie-abhängig. Standardwerte auswendig.
Prüfungstipp Pattern
Bei Symmetrie: τmax\tau_{\max} in der Mitte. Bei Asymmetrie: verschoben.

4.3 Profilform der Schubspannung im Rechteck

Klassische Parabel-Form. Bei einem Rechteck-Vollquerschnitt (bb horizontal, hh vertikal) folgt aus der Hauptformel das parabolische τxy\tau_{xy}-Profil: null an den Faserrändern y=±h/2y = \pm h/2, Maximum in der Mitte y=0y = 0. Diese Form ist DER Klassiker und sollte als Standard-Bild im Kopf sein.

Herleitung. Bei rechteckigem Vollquerschnitt mit konstanter Breite b(y)=bb(y) = b: ΔA=b(ymaxy)\Delta A = b\,(y_{\max} - y) (von der Schnittstelle bis zum oberen Faserrand). Der Schwerpunkt der Teilfläche bei ySP=(y+ymax)/2y_{\text{SP}} = (y + y_{\max})/2. Daraus Hz(y)=ΔAySP=b(ymaxy)(ymax+y)/2=b(ymax2y2)/2H_z(y) = \Delta A \cdot y_{\text{SP}} = b\,(y_{\max} - y)(y_{\max} + y)/2 = b\,(y_{\max}^2 - y^2)/2.

Schubspannung als Funktion von y. Mit Iz=bh3/12I_z = b\,h^3/12 und ymax=h/2y_{\max} = h/2: τxy(y)=Qyb(h2/4y2)/2/(bh3/12b)=6Qy(h2/4y2)/(bh3)\tau_{xy}(y) = -Q_y \cdot b\,(h^2/4 - y^2)/2 / (b\,h^3/12 \cdot b) = -6\,Q_y\,(h^2/4 - y^2) / (b\,h^3). Das ist die parabolische Verteilung.

Maximum. τxy(0)=6Qy(h2/4)/(bh3)=1.5Qy/(bh)=1.5Q/A\tau_{xy}(0) = -6\,Q_y\,(h^2/4) / (b\,h^3) = -1.5\,Q_y/(b\,h) = -1.5\,Q/A. Mit Betrag: τmax=1.5Q/A|\tau_{\max}| = 1.5\,Q/A. Position: y=0y = 0 (Schwerpunkts-Achse).

Visuelle Bemerkung. Das Profil sieht wie eine nach oben geöffnete Parabel aus, wenn man die Schubspannung horizontal nach rechts aufträgt (positive Werte). Mit Vorzeichen-Konvention: bei Q>0Q > 0 (nach unten) ist τ\tau negativ in der Mech-II-Konvention; bei Aufgaben mit Betrag spielt das keine Rolle.

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Schubspannungs-Profil im Rechteck-Vollquerschnitt
τxy(y)=6Qybh3(h24y2)=1.5QyA(14y2h2)\tau_{xy}(y) = -\frac{6\,Q_y}{b\,h^3}\left(\frac{h^2}{4} - y^2\right) = -\frac{1.5\,Q_y}{A}\left(1 - \frac{4\,y^2}{h^2}\right)
Parabolisch in yy. Null an Faserrändern y=±h/2y = \pm h/2, Maximum bei y=0y = 0 mit Betrag 1.5Qy/A1.5\,|Q_y|/A.
Formel Profil
τxy(y)=1.5Q/A(14y2/h2)\tau_{xy}(y) = -1.5 Q/A (1 - 4y^2/h^2)
Parabel mit Maximum bei y=0y=0.
Merke Drei Anchor-Werte
τ(0)=1.5Q/A\tau(0) = -1.5 Q/A. τ(±h/2)=0\tau(\pm h/2) = 0.
Prüfungstipp Rechteck-Klassiker
Auswendig wissen. τmax=1.5Q/A\tau_{\max} = 1.5 Q/A.

4.4 Maximum τ\tau und kritische Stelle

Maximum bei symmetrischen Vollquerschnitten. Bei jedem Vollquerschnitt mit horizontaler Symmetrie-Achse (Rechteck, Kreis, Quadrat) liegt τmax\tau_{\max} exakt in der Schwerpunkts-Achse y=0y = 0. Das ist Konsequenz der Tatsache, dass Hz(y)H_z(y) am Faserrand null ist und im Schwerpunkts-Niveau sein Maximum erreicht.

Kreis-Vollquerschnitt. Bei einem Kreis mit Radius RR: b(y)=2R2y2b(y) = 2\sqrt{R^2 - y^2}, Iz=πR4/4I_z = \pi\,R^4/4, A=πR2A = \pi\,R^2. Statisches Moment Hz(y)=(2/3)(R2y2)3/2H_z(y) = (2/3)(R^2 - y^2)^{3/2}. Schubspannung τxy(y)=QHz/(Izb)=Q(2/3)(R2y2)3/2/(πR4/42R2y2)=(4Q)/(3πR4)(R2y2)\tau_{xy}(y) = -Q\,H_z/(I_z\,b) = -Q\,(2/3)(R^2 - y^2)^{3/2}/(\pi\,R^4/4 \cdot 2\sqrt{R^2-y^2}) = -(4\,Q)/(3\,\pi\,R^4) \cdot (R^2 - y^2). Maximum bei y=0y = 0: τmax=(4Q)/(3πR2)=(4Q)/(3A)\tau_{\max} = -(4\,Q)/(3\,\pi\,R^2) = -(4\,Q)/(3\,A). Standardwert.

Asymmetrische Vollquerschnitte. Bei Dreieck (Spitze oben) liegt das Maximum nicht im Schwerpunkt, sondern wo Hz(y)/b(y)H_z(y)/b(y) maximal ist. Genaue Position folgt aus der Ableitung. Häufig liegt sie zwischen Schwerpunkt und Mittelpunkt der breiteren Seite.

Pattern für die Position. Differential der Schubspannung nach yy: dτ/dy=0d\tau/dy = 0 liefert die Position des Maximums. Bei symmetrischen Profilen: aus Symmetrie folgt y=0y = 0. Bei asymmetrischen: konkrete Rechnung nötig.

Klausur-Praxis. Wenn nach τmax\tau_{\max} gefragt ist, identifiziere zuerst die Position des Maximums (mittels Symmetrie oder Standard-Wert). Dann setze in die Hauptformel ein. Die meisten Klausur-Aufgaben (Mech II) nutzen symmetrische Vollquerschnitte, sodass der Standardweg ausreicht.

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Maximum τ\tau im Kreis-Vollquerschnitt
τmax=4Q3A=4Q3πR2(bei  y=0)\tau_{\max} = \frac{4\,Q}{3\,A} = \frac{4\,Q}{3\,\pi\,R^2} \quad (\text{bei}\;y = 0)
In der Mitte des Kreis-Vollquerschnitts. Kleiner als Rechteck-Wert (4/3<1.54/3 < 1.5), weil bei Kreis weniger Material an Faserrändern entfernt ist.
Formel Kreis τmax\tau_{\max}
τmax=4Q/(3A)=4Q/(3πR2)\tau_{\max} = 4Q/(3A) = 4Q/(3\pi R^2)
Standard-Wert für Vollkreis.
Merke Position
Bei Symmetrie: y=0y = 0. Bei Asymmetrie: aus dτ/dy=0d\tau/dy = 0.
Prüfungstipp Symmetrie-Schnellweg
Symmetrie-Achse erzwingt τmax\tau_{\max} dort. Spart Differentiation.

4.5 Beispiel: Rechteck-Vollquerschnitt mit Q

Aufgabe. Ein rechteckiger Vollquerschnitt mit Breite bb und Höhe hh ist eine vertikalen Querkraft QyQ_y ausgesetzt. Berechne die Schubspannung τxy(y)\tau_{xy}(y) im ganzen Querschnitt und bestimme die Position und den Wert des Maximums.

Standard-Rechnung in 4 Schritten

  1. Schritt 1: Geometrische Größen
    Trägheitsmoment um die Schwerpunkts-Achse zz: Iz=bh3/12I_z = b\,h^3/12 (Standard-Wert für Rechteck). Querschnittsfläche A=bhA = b\,h. Maximaler yy-Wert am Faserrand: ymax=h/2y_{\max} = h/2.
    Geometrie zusammenfassen.
    Iz=bh312,A=bh,ymax=h2I_z = \frac{b\,h^3}{12}, \qquad A = b\,h, \qquad y_{\max} = \frac{h}{2}
  2. Schritt 2: Hz(y)H_z(y) berechnen
    Methode (b): Hz(y)=ΔAySPH_z(y) = \Delta A \cdot y_{\text{SP}}. Abgeschnittene Teilfläche unterhalb der Stelle yy (zwischen Schnitt und unterem Faserrand ymax=h2y_{\max} =\frac{h}{2}): Länge (h2y)(\frac{h}{2} - y), Wand-Dicke bb, also ΔA=b(h2y)\Delta A = b\,(\frac{h}{2} - y). Schwerpunkts-y dieser Teilfläche: arithmetisches Mittel zwischen Schnitt und Faserrand, also ySP=(y+h2)2y_{\text{SP}} = \frac{(y + \frac{h}{2})}{2}. Produkt: Hz=b(h2y)(y+h2)2=(b2)((h2)2y2)=(b2)(h24y2)H_z = \frac{b\,(\frac{h}{2} - y)(y + \frac{h}{2})}{2} = (\frac{b}{2})((\frac{h}{2})^2 - y^2) = (\frac{b}{2})(\frac{h^2}{4} - y^2).
    Statisches Moment.
    Hz(y)=b2(ymax2y2)=b2(h24y2)H_z(y) = \frac{b}{2}(y_{\max}^2 - y^2) = \frac{b}{2}\left(\frac{h^2}{4} - y^2\right)
  3. Schritt 3: Schubspannung einsetzen
    Hauptformel mit b(y)=bb(y) = b konstant: τxy(y)=QyHz(y)/(Izb)=Qy(b/2)(h2/4y2)/(bh3/12b)\tau_{xy}(y) = -Q_y \cdot H_z(y)/(I_z \cdot b) = -Q_y \cdot (b/2)(h^2/4 - y^2)/(b\,h^3/12 \cdot b). Brüche zusammenfassen.
    Vollständige τxy\tau_{xy}-Formel.
    τxy(y)=6Qybh3(h24y2)\tau_{xy}(y) = -\frac{6\,Q_y}{b\,h^3}\left(\frac{h^2}{4} - y^2\right)
  4. Schritt 4: Maximum bei y = 0
    Bei y=0y = 0: τxy(0)=6Qy/(bh3)h2/4=1.5Qy/(bh)=1.5Qy/A\tau_{xy}(0) = -6\,Q_y/(b\,h^3) \cdot h^2/4 = -1.5\,Q_y/(b\,h) = -1.5\,Q_y/A. Mit Betrag: τmax=1.5Qy/A|\tau_{\max}| = 1.5\,|Q_y|/A. Form-Faktor 1.5 für Rechteck.
    Maximum.
    τmax=1.5QyA=1.5Qybh\boxed{|\tau_{\max}| = \frac{1.5\,|Q_y|}{A} = \frac{1.5\,|Q_y|}{b\,h}}
Formel Profil
τxy(y)=6Q(h2/4y2)/(bh3)\tau_{xy}(y) = -6 Q (h^2/4 - y^2)/(bh^3)
Vollständige Parabel-Verteilung.
Formel Maximum
τmax=1.5Q/A|\tau_{\max}| = 1.5 Q/A
Bei y=0y = 0. Form-Faktor 1.5.
Merke Sanity
τ(±h/2)=0\tau(\pm h/2) = 0 am Faserrand. Pflicht-Check.

4.6 Schritt-für-Schritt: Berechnung an Standard-Profilen

Geführter Walkthrough. Diese Animation führt die komplette Rechnung von Hz(y)H_z(y) und τxy(y)\tau_{xy}(y) in 9 Schritten vor: Geometrie, Schwerpunkt, AA, IzI_z, Schnitt, Teilfläche, statisches Moment, b(y)b(y), Schubspannung. Pro Schritt eine Formel mit eingesetzten Zahlenwerten plus die relevante Grösse als Markierung im Querschnitt.

Vier Profile zum Vergleich. Rechteck (einfachster Fall), I-Profil und T-Profil (composite, Steiner-Anteil im IzI_z), U-Profil (geöffnet nach unten). Q ist auf 1010 kN festgelegt; Geometrie pro Profil ist hardcoded, damit der Fokus auf der Rechnung bleibt. Wer freier spielen will, nutzt Fig. 3.

Abb. 5: Komplette HzH_z- und τ\tau-Berechnung Schritt für Schritt.
Merke 9 Schritte
Geometrie, Schwerpunkt, AA, IzI_z, Schnitt, Teilfläche, HzH_z, b(y)b(y), τ\tau.
Prüfungstipp Klausur-Niveau
Wer die 9 Schritte beherrscht, löst alle τ\tau-Aufgaben dieser Art.

5.1 Was bedeutet dünnwandig: ss, η\eta, yy

Was bedeutet dünnwandig. Ein Profil ist dünnwandig, wenn die Wand-Dicke tt klein ist gegenüber den anderen Querschnitts-Dimensionen. Als gute Größenordnung gilt t/h<0.1t/h < 0.1. Oft steht dafür kurz tht \ll h: Die Wanddicke ist deutlich kleiner als die übrigen Profilabmessungen. Beispiele: T-Profil, U-Profil, I-Profil mit dünnen Stegen und Flanschen, dünnwandige Rohre. Bei dünnwandigen Profilen kann man die Mittellinie des Profils als 1D-Kurve betrachten.

Drei Koordinaten-Systeme im Spiel. Bei dünnwandigen Profilen treten drei verschiedene Koordinaten auf, die nicht verwechselt werden dürfen.

(1) s: Bogenlänge entlang Mittellinie. Eindimensionale Variable, die entlang der Mittellinie des dünnwandigen Profils läuft. s=0s = 0 wird typisch an einem freien Ende oder an einer Symmetrie-Achse gewählt. Bei Mehrbereichs-Profilen (T-, U-Profil) wird pro Teilbereich (Flansch, Steg) ein eigener ss-Pfad definiert.

(2) η: lokale Hilfs-Koordinate. Bei der HzH_z-Berechnung wird ein Hilfskoordinatensystem verwendet, mit Ursprung an einer Bereichs-Grenze und einer Achse parallel zur Stab-Richtung. Diese η\eta-Variable ist im Grunde ein anderes Symbol für ss in der Integration, aber wird oft separat genannt um die Phase der Berechnung zu betonen.

(3) y, z: globale Querschnitts-Koordinaten. Mit Ursprung im Schwerpunkt SS des Profils. Hauptachsen-frei, in Mech-II-Konvention yy nach unten, zz aus Bild heraus. Diese Achsen werden für die finale Spannungs-Auswertung gebraucht.

Beziehung der Koordinaten. Bei einem dünnwandigen Profil gibt es eine Abbildung s(y,z)s \mapsto (y, z): jeder Punkt auf der Mittellinie hat globale Koordinaten. Bei einer vertikalen Wand ist zz konstant, yy variiert linear mit ss. Bei einem horizontalen Flansch ist yy konstant, zz variiert mit ss. Diese Abbildung ist bereichsweise linear.

User-Wunsch wörtlich. Die Koordinaten s, η, y, ξ verwirren oft. Hier die klare Trennung: ss ist die LAUFENDE Variable für Schubfluss-Berechnung. η,ξ\eta, \xi sind HILFSVARIABLEN bei HzH_z-Integration (oft am Rand des Bereichs angesetzt). y,zy, z sind die FINALEN GLOBALEN Achsen am Querschnitts-Schwerpunkt für die Spannungs-Auswertung.

Koordinate Definition Verwendung
ss Bogenlänge entlang Mittellinie Schubfluss-Berechnung, eindimensional
η,ξ\eta, \xi Lokales Hilfskoordinatensystem an Bereichsgrenze Bei HzH_z-Integration (Setzung)
y,zy, z Globale Achsen, Ursprung im Schwerpunkt Spannungs-Auswertung
Drei Koordinaten-Systeme bei dünnwandigen Profilen. Klar trennen, vor jeder Aufgabe einmal durchgehen.
Definition Dünnwandig
t/h<0.1t/h < 0.1. Wand-Dicke klein gegenüber Profil-Dimensionen.
Merke Drei Koordinaten
ss (Bogenlänge), η\eta (Hilfs), y,zy, z (global).
Prüfungstipp Klare Trennung
ss läuft, η\eta am Rand gesetzt, y,zy, z am Schwerpunkt.
Querverweis Sketches
→ Üs8 H2 T-Profil

5.2 Hauptformel τxs\tau_{xs} für dünnwandig

Hauptformel für dünnwandigen Schubfluss. Bei dünnwandigen Profilen wird die Schubspannung-Hauptformel zu τxs(s)=QyHz(s)/(Ize(s))\tau_{xs}(s) = -Q_y \cdot H_z(s) / (I_z \cdot e(s)). Im Vergleich zur Vollquerschnitts-Formel wird b(y)b(y) durch e(s)e(s) ersetzt (Wand-Dicke an der Stelle ss).

Schubfluss qₛ als alternative Form. Definiere qs(s)=τxs(s)e(s)=QyHz(s)/Izq_s(s) = \tau_{xs}(s) \cdot e(s) = -Q_y \cdot H_z(s)/I_z. Der Schubfluss qsq_s ist UNABHÄNGIG von der lokalen Wand-Dicke. Das ist nützlich, wenn die Wand-Dicke entlang ss variiert (selten in Mech-II-Aufgaben, aber theoretisch möglich).

Vergleich Vollquerschnitt vs. Dünnwandig. Beide Formeln haben dieselbe Struktur. Bei Vollquerschnitt: b(y)b(y) ist die Querschnitts-Breite an der horizontalen Schnittstelle. Bei Dünnwandig: e(s)e(s) ist die Wand-Dicke am Punkt mit Bogenlänge ss. Konzeptionell die gleiche Größe, nur die Geometrie unterscheidet sich.

Wann diese Formel. Bei jedem dünnwandigen Profil mit Querkraft. Üs8 H2 (T-Profil) und Üs8 H3 (U-Profil) sind die Standard-Anwendungen. Klausur-Aufgaben FS22 D3, FS24 D3, FS25 D3 nutzen alle diese Formel.

τ konstant über die Wand-Dicke. Bei dünnwandigen Profilen wird angenommen, dass die Schubspannung über die Wand-Dicke konstant ist. Diese Annahme ist gut, wenn t/h1t/h \ll 1. Bei dickeren Wänden müsste man eine Variation über die Dicke berücksichtigen, was in Mech II nicht behandelt wird.

!!!
Hauptformel τxs\tau_{xs} für dünnwandiges Profil
τxs(s)=QyHz(s)Ize(s)\tau_{xs}(s) = -\frac{Q_y \cdot H_z(s)}{I_z \cdot e(s)}
Analog zur Vollquerschnitts-Formel, b(y)b(y) durch e(s)e(s) ersetzt. τ\tau konstant über Wand-Dicke.
!
Schubfluss qsq_s
qs(s)=τxs(s)e(s)=QyHz(s)Izq_s(s) = \tau_{xs}(s) \cdot e(s) = -\frac{Q_y \cdot H_z(s)}{I_z}
Unabhängig von lokaler Wand-Dicke. Nützlich bei variabler Wand-Dicke.
Formel Hauptformel
τxs=Qy  Hz(s)Iz  e(s)\tau_{xs} = \frac{-Q_y \;H_z(s)}{I_z\; e(s)}
Dünnwandig analog zur Vollquerschnitts-Formel.
Formel Schubfluss
qs=τxse(s)=QyHz/Izq_s = \tau_{xs} e(s) = -Q_y H_z/I_z
Wand-Dicke-unabhängig.
Merke beb \to e, ysy \to s
Vollquerschnitt zu dünnwandig: nur Symbole wechseln.
Prüfungstipp Konstant über Dicke
Annahme: τ\tau ist konstant über die Wand-Dicke (gut bei t/h1t/h \ll 1).

5.3 Was bedeutet e(s)

Wand-Dicke an der Stelle s. e(s)e(s) ist die Dicke der Wand des dünnwandigen Profils an der Position mit Bogenlänge ss entlang der Mittellinie. In den meisten Mech-II-Aufgaben ist e(s)=ee(s) = e konstant (alle Wände haben gleiche Dicke), oder zwischen Bereichen unterschiedlich aber innerhalb eines Bereichs konstant.

Variable Wand-Dicke. In Klausur-Aufgaben wie FS22 D2/D3 mit unterschiedlichen Wand-Dicken t1t_1 und t2t_2: pro Wand wird e(s)e(s) entsprechend gesetzt. Bei Bereichswechsel (z.B. Übergang Flansch zu Steg) springt e(s)e(s) unstetig. Das ist OK, weil die Schubfluss-Formel pro Bereich getrennt angewendet wird.

Bei Profilen mit veränderlicher Dicke entlang s. Selten in Mech II. Wenn doch: e(s)e(s) als Funktion in die Hauptformel einsetzen. Beispiel: ein konisches Profil. Solche Aufgaben sind in Klausuren atypisch, aber theoretisch möglich.

Häufiger Pattern. Bei Mech-II-Aufgaben wird ee entweder als konstant gesetzt (ein einziger Wert für das ganze Profil) oder pro Bereich konstant. Praktisch: für jede Wand des Profils einmal die Wand-Dicke notieren, dann pro Wand die Schubfluss-Formel anwenden.

!!
Schubspannung mit variabler Dicke
τxs(s)=qs(s)e(s)=QyHz(s)Ize(s)\tau_{xs}(s) = \frac{q_s(s)}{e(s)} = -\frac{Q_y \cdot H_z(s)}{I_z \cdot e(s)}
Bei variabler Wand-Dicke: zuerst Schubfluss qsq_s, dann durch e(s)e(s) dividieren.
Definition Wand-Dicke e(s)e(s)
Lokale Dicke der Wand entlang ss. Meist konstant pro Bereich.
Merke Pro Bereich
Bei T-/U-Profil: pro Wand eigenes ee. Bei Bereichswechsel: Sprung.
Prüfungstipp Tabelle vor Rechnung
Pro Wand: ee, Länge, ySPy_{\text{SP}}. Spart Vorzeichen- und Einsetz-Fehler.

5.4 Wann τxs\tau_{xs} vs. τxy\tau_{xy}: dick vs. dünnwandig

Faustregel. Bei Wand-Dicke t/h<0.1t/h < 0.1 (sehr dünn): dünnwandige Formel mit τxs\tau_{xs}. Bei Vollquerschnitt oder bei dicken Wänden: Vollquerschnitts-Formel mit τxy\tau_{xy}. Im Übergangsbereich (t/h0.1t/h \sim 0.1 bis 0.30.3) wird typischerweise die dünnwandige Formel als Approximation verwendet, mit dem Verständnis, dass sie nicht exakt ist.

Was unterscheidet die Formeln. Bei Vollquerschnitt: τxy(y)\tau_{xy}(y) ist die Schubspannung in yy-Richtung an der horizontalen Schnittstelle yy. Bei Dünnwandig: τxs(s)\tau_{xs}(s) ist die Schubspannung in der Wand-Längsrichtung (entlang ss) an der Position ss. Die Pfeil-Richtung der Schubspannung folgt der Wand-Mittellinie.

Konsequenz für die Skizze. Im Vollquerschnitt zeigen die Schubspannungs-Pfeile alle nach unten (gleiche Richtung wie QQ). Bei dünnwandigen Profilen können die Pfeile verschiedene Richtungen haben: in einem Steg nach unten, in einem horizontalen Flansch nach links oder rechts. Die Richtung folgt aus der Bilanz der Schub-Beiträge.

Welche Formel in der Klausur. Aus der Aufgabentext: 'dünnwandiger Querschnitt' oder Skizze mit dünnen Wänden \to dünnwandige Formel. 'Vollquerschnitt' oder Skizze mit massiver Wand \to Vollquerschnitts-Formel. Bei Zweifel: dünnwandige Formel ist konservative Approximation und meist akzeptabel.

Geometrie Faustregel Formel
Massiver Block (Rechteck, Kreis, Dreieck) tht \sim h (gleiche Größenordnung) τxy(y)=QHz/(Izb(y))\tau_{xy}(y) = -Q\,H_z/(I_z\,b(y))
Dünnwandig (T-, U-, I-Profil) t/h<0.1t/h < 0.1 τxs(s)=QHz/(Ize(s))\tau_{xs}(s) = -Q\,H_z/(I_z\,e(s))
Übergang 0.1<t/h<0.30.1 < t/h < 0.3 Dünnwandige Formel als Approximation
Wann welche Formel. Faustregel aus dem Wand-Dicken-Verhältnis.
Merke Faustregel
t/h<0.1t/h < 0.1: dünnwandig. tht \sim h: Vollquerschnitt.
Formel Variable
τxy(y)  vs  τxs(s)\tau_{xy}(y)\;\text{vs}\;\tau_{xs}(s)
yy Höhe, ss Bogenlänge.
Prüfungstipp Mech II Standard
Klausur-Aufgaben sind fast immer dünnwandig. FS22-FS25 D3 alle dünnwandig.

5.5 Hz(s)H_z(s) entlang der Mittellinie

Standard-Methode bei dünnwandig. Aus Sec. 3.3 Methode (b): Hz=ΔAySPH_z = \Delta A \cdot y_{\text{SP}}. Bei dünnwandigem Profil ist ΔA\Delta A die Mittellinien-Strecke mal Wand-Dicke: ΔA=es\Delta A = e \cdot s (für ein Stück der Länge ss mit Wand-Dicke ee). Der Schwerpunkt ySPy_{\text{SP}} ist der Mittelpunkt zwischen dem Anfang und der aktuellen Stelle.

Pro Bereich getrennt. Bei Mehrbereichs-Profilen (T-, U-Profil) wird pro Teilbereich (Flansch, Steg) eine eigene HzH_z-Formel aufgestellt. Bei der Übergangs-Stelle zwischen Bereichen muss HzH_z stetig sein (kein Sprung), wenn der Schubfluss kontinuierlich ist. Diese Stetigkeits-Bedingung ist ein wichtiger Sanity-Check.

Pattern für Standardprofile. T-Profil: zwei Bereiche (Flansch und Steg). HzH_z im Flansch wächst linear mit dem Mittellinien-Abstand. HzH_z im Steg ist eine Parabel (linear in ss mal mittlerer y-Wert quadratisch). U-Profil: drei Bereiche (linke Wand, Boden, rechte Wand). Pro Bereich eine Formel.

Konkrete Form bei Üs8 H2 T-Profil. Im Steg ab dem Übergangs-Punkt zum Flansch: Hz(y)=(b/2)(25h2/36y2)H_z(y) = (b/2)(25\,h^2/36 - y^2). Diese parabolische Form ist das Resultat aus dem ΔAySP\Delta A \cdot y_{\text{SP}}-Pattern, wenn man den ganzen Flansch plus den Steg-Anteil bis zur Stelle yy als abgeschnittene Teilfläche nimmt.

Konkrete Form bei Üs8 H3 U-Profil. Drei Bereiche, drei Formeln. Bereich 1 (linke Wand): Hz(1)=(t/2)(4h2/9y2)H_z^{(1)} = (t/2)(4\,h^2/9 - y^2). Bereich 2 (Boden): linear in zz. Bereich 3 (rechte Wand): spiegelbildlich zu 1. Stetigkeit an den Übergangs-Stellen liefert Cross-Checks.

!!!
Hz(s)H_z(s) bei dünnwandig
Hz(s)=iΔAiySP,i,ΔAi=eisi,ySP,i=MittellinieiH_z(s) = \sum_i \Delta A_i \cdot y_{\text{SP},i}, \qquad \Delta A_i = e_i \cdot s_i, \quad y_{\text{SP},i} = \text{Mittellinie}_i
Pro Teilbereich eine Komponente. Bei Mehrbereichs-Profilen alle aufaddieren bis zur aktuellen Stelle.
10
6.0
20
Abb. 6: Schubfluss q(s) entlang der Mittellinie eines dünnwandigen Profils.
Formel Pattern
Hz=ΔAiySP,iH_z = \sum \Delta A_i \cdot y_{\text{SP},i}
Pro Bereich. Bei dünnwandigen Profilen Methode (b) aus Sec. 3.3.
Merke Pro Bereich
T-Profil: 2 Bereiche. U-Profil: 3 Bereiche. I-Profil: 3 Bereiche.
Prüfungstipp Stetigkeit-Check
An Bereichsübergang: HzH_z stetig. Sanity-Pflicht.

5.6 Vorzeichen-Konventionen mit s

Vorzeichen aus s-Richtung. Die Wahl der ss-Richtung beeinflusst das Vorzeichen von τxs\tau_{xs}. Wenn ss in eine Richtung läuft, ist τxs\tau_{xs} positiv, wenn die Schubspannung in dieser Richtung wirkt; negativ, wenn entgegen. Das Vorzeichen aus der Hauptformel muss interpretiert werden als Richtung relativ zu ss.

Konvention für s-Anfangsrichtung. Typisch: s=0s = 0 am freien Ende des Profils (z.B. am oberen Faserrand bei einem Steg) und ss wächst nach innen. Damit ist die Anfangsschubspannung null (am freien Ende verschwindet HzH_z). Mit dieser Konvention sind die ersten Werte von τxs\tau_{xs} klein.

Pfeil-Richtung interpretieren. τxs(s)>0\tau_{xs}(s) > 0 heißt: Schub wirkt in Richtung steigender ss am Querschnitt. Bei einem Steg, in dem ss von oben nach unten läuft: τxs>0\tau_{xs} > 0 heißt Schub nach unten. Bei einem Flansch, in dem ss von links nach rechts läuft: τxs>0\tau_{xs} > 0 heißt Schub nach rechts.

Sanity-Check über die Q-Richtung. Wenn die Querkraft QyQ_y nach unten zeigt, müssen die Schubspannungs-Komponenten in den vertikalen Wänden im Mittel auch nach unten zeigen. Der Schubfluss qs=τxseq_s = \tau_{xs} \cdot e summiert sich über die Wände zur Querkraft. Diese Bilanz qsds=Qy\int q_s\,ds = Q_y ist immer erfüllt und kann als Cross-Check verwendet werden.

Üs8-Beispiel. Im Üs8 H2 T-Profil: ss läuft im Steg von oben (am Flansch) nach unten (zum freien Faserrand). Mit Q nach unten und der Mech-II-Vorzeichen-Konvention ist τxs\tau_{xs} positiv (Schub nach unten = in +s+s-Richtung). Pfeile in der Üs8-Skizze zeigen entsprechend nach unten.

Bereich ss-Richtung typisch τxs>0\tau_{xs} > 0 heißt
Vertikaler Steg Von oben nach unten Schub nach unten (gleiche wie QQ wenn Q>0Q > 0)
Horizontaler Flansch Von links nach rechts Schub nach rechts
Schräger Bereich (45°) Vom äußeren Ende zur Mitte Schub zur Mitte
Vorzeichen-Pattern für τxs\tau_{xs} in Standard-Bereichen. Vor jeder Aufgabe Skizze prüfen.
Merke Vorzeichen aus ss-Richtung
τxs>0\tau_{xs} > 0 heißt Schub in +s+s-Richtung.
Formel Bilanz
qsds=Qy\sum \int q_s\,ds = Q_y
Schubfluss summiert zur Querkraft.
Prüfungstipp Skizze prüfen
Schub-Pfeile nach Q-Richtung. Cross-Check vor Vorzeichen-Spiel.

5.7 Beispiel: T-Profil dünnwandig (Üs8 H2)

Aufgabe (Üs8 H2). Gegeben sei ein dünnwandiger Balken (bhb \ll h) mit T-förmigem Querschnitt. Eine Punktlast mit Betrag QQ wirkt entlang der Symmetrie-Linie in positiver yy-Richtung am freien Ende des Stabes. Schwerpunkt SS liegt h/6h/6 unter dem Flansch im Steg.

Gegeben. Querkraft QQ, Höhe hh, Wand-Dicke bb, Trägheitsmoment IzI_z.

Gesucht. a) Schubspannungs-Verteilung τxs\tau_{xs} entlang der Mittellinie (Skizze). b) Statisches Moment Hz(y)H_z(y) im Steg. c) Schubspannung τxy\tau_{xy} im Steg.

Merke Aufgabe
T-Profil, bhb \ll h. Q nach unten am Flansch. SS bei h/6h/6 unter Flansch.
Prüfungstipp Symmetrie
Eine Symmetrie-Achse: yy ist Hauptachse. Keine Trafo nötig.

5.8 Schritt 1: Hz(y)H_z(y) im Steg berechnen

Methode (b): ΔAySP\Delta A \cdot y_{\text{SP}}

  1. Schritt 1.1: Drei Koordinaten klar trennen
    Wir definieren drei klar getrennte Koordinaten. (1) η\eta: Hilfskoordinatensystem mit Ursprung am oberen Faserrand des Flansches, läuft nach unten. Im Steg: η[0,h]\eta \in [0, h] (Steg-Mittellinien-Länge ist hh, Flansch-Dicke bhb \ll h vernachlässigt). (2) yy: globales Koordinatensystem mit Ursprung im Schwerpunkt SS. Beziehung y=ηh/6y = \eta - h/6. (3) ss: Bogenlänge im Steg von Flansch-Steg-Übergang nach unten, s=ηs = \eta im Steg.
    Koordinaten-Setzung.
    η  vom Top,y=ηh/6,s=η  im Steg\eta\;\text{vom Top}, \quad y = \eta - h/6, \quad s = \eta\;\text{im Steg}
  2. Schritt 1.2: Schnitt im Steg an Position y
    Schnitt im Steg an der globalen Höhe yy. Abgeschnittene Teilfläche unterhalb des Schnitts (vom Schnitt bis zum unteren Faserrand y=5h/6y = 5h/6): Steg-Stück Länge (5h/6y)(5h/6 - y), Wand-Dicke bb. Fläche ΔA=b(5h/6y)\Delta A = b\,(5h/6 - y). Schwerpunkts-y dieses Stücks: arithmetisches Mittel zwischen Schnitt-y und unteren Faserrand-y, also ySP=(y+5h/6)/2y_{\text{SP}} = (y + 5h/6)/2.
    Teilflächen-Größen.
    ΔA=b(5h6y),ySP=y+5h/62\Delta A = b\,\left(\frac{5h}{6} - y\right), \qquad y_{\text{SP}} = \frac{y + 5h/6}{2}
  3. Schritt 1.3: Hz(y)H_z(y) aus Methode (b)
    Hz=ΔAySP=b(5h/6y)(y+5h/6)/2H_z = \Delta A \cdot y_{\text{SP}} = b\,(5h/6 - y) \cdot (y + 5h/6)/2. Das Produkt (5h/6y)(y+5h/6)=(5h/6)2y2=25h2/36y2(5h/6 - y)(y + 5h/6) = (5h/6)^2 - y^2 = 25h^2/36 - y^2 ist die Standardform a2y2a^2 - y^2 aus Differenz und Summe.
    Direkter Ausdruck.
    Hz(y)=b(5h6y)y+5h/62=b2(25h236y2)H_z(y) = b\,\left(\frac{5h}{6} - y\right) \cdot \frac{y + 5h/6}{2} = \frac{b}{2}\left(\frac{25\,h^2}{36} - y^2\right)
  4. Schritt 1.4: Endformel
    Direkt aus Schritt 1.3. Parabolische Form in yy mit Faserrand-Nullstellen bei y=±5h/6y = \pm 5h/6 (entspricht den Faserrändern des Stegs vom Schwerpunkt aus gemessen, ±5h/6\pm 5h/6 ist die Schwerpunkts-Distanz zu den Steg-Enden im Üs8-H2-Koordinatensystem).
    Üs8-H2-Endformel.
    Hz(y)=b2(25h236y2)\boxed{H_z(y) = \frac{b}{2}\left(\frac{25\,h^2}{36} - y^2\right)}
  5. Schritt 1.5: Sanity-Checks an drei Anchor-Stellen
    Drei Pflicht-Checks. (1) Unterer Faserrand y=5h/6y = 5h/6: Hz=(b/2)(25h2/3625h2/36)=0H_z = (b/2)(25h^2/36 - 25h^2/36) = 0 ✓ (am freien Ende des Stegs verschwindet HzH_z). (2) Schwerpunkts-Höhe y=0y = 0: Hz=(b/2)(25h2/36)=25bh2/72H_z = (b/2)(25h^2/36) = 25\,b\,h^2/72, das ist der Maximum-Wert (im Schwerpunkt liegt das Maximum von Hz|H_z|). (3) Übergang Flansch-Steg y=h/6y = -h/6: Hz=(b/2)(25h2/36h2/36)=(b/2)(24h2/36)=bh2/3H_z = (b/2)(25h^2/36 - h^2/36) = (b/2)(24h^2/36) = b\,h^2/3, ein endlicher Wert (oberhalb des Stegs liegt noch der Flansch, daher nicht null).
    Anchor-Werte.
    Hz(5h/6)=0,Hz(0)=25bh272,Hz(h/6)=bh23H_z(5h/6) = 0, \quad H_z(0) = \frac{25\,b\,h^2}{72}, \quad H_z(-h/6) = \frac{b\,h^2}{3}
Formel Hz(y)H_z(y) Steg
Hz(y)=(b/2)(25h2/36y2)H_z(y) = (b/2)(25 h^2/36 - y^2)
Üs8-H2-Form. Parabolisch in yy.
Merke Maximum
Hz(0)=25bh2/72H_z(0) = 25 b h^2/72, im Schwerpunkt.
Prüfungstipp Faserrand-Check
Hz(±5h/6)=0H_z(\pm 5 h/6) = 0. Pflicht-Sanity.

5.9 Schritt 2: τxy\tau_{xy} aus Hauptformel

Schubspannung im Steg

  1. Schritt 2.1: Hauptformel aufstellen
    Die Hauptformel: τxy(y)=QHz(y)/(Izb(y))\tau_{xy}(y) = -Q \cdot H_z(y)/(I_z \cdot b(y)). Im Steg ist b(y)=bb(y) = b konstant (Wand-Dicke). Die Querkraft Qy=QQ_y = Q.
    Setup.
    τxy(y)=QHz(y)Izb\tau_{xy}(y) = -\frac{Q \cdot H_z(y)}{I_z \cdot b}
  2. Schritt 2.2: Hz(y)H_z(y) einsetzen
    Mit Hz(y)=(b/2)(25h2/36y2)H_z(y) = (b/2)(25\,h^2/36 - y^2) aus dem vorigen Schritt: τxy(y)=Q(b/2)(25h2/36y2)/(Izb)=Q(25h2/36y2)/(2Iz)\tau_{xy}(y) = -Q \cdot (b/2)(25\,h^2/36 - y^2)/(I_z \cdot b) = -Q\,(25\,h^2/36 - y^2)/(2\,I_z).
    Endformel.
    τxy(y)=Q(25h2/36y2)2Iz\boxed{\tau_{xy}(y) = -\frac{Q\,(25\,h^2/36 - y^2)}{2\,I_z}}
  3. Schritt 2.3: Vorzeichen interpretieren
    Bei Q>0Q > 0 und Hz>0H_z > 0: τxy<0\tau_{xy} < 0 in Mech-II-Konvention. Das heißt Schub auf der Stirnfläche in y-y-Richtung (also nach oben in y-Achse-nach-unten-Konvention). Konsistent mit dem Üs8-Bild: Schub-Pfeile im Steg zeigen nach oben (entgegen QQ-Richtung), weil die linke Stab-Hälfte den rechten Stab-Stück nach oben schiebt.
    Vorzeichen-Cross-Check.
    Q>0,Hz>0    τxy<0  (Schub gegen  Q-Richtung)Q > 0, H_z > 0 \;\Longrightarrow\; \tau_{xy} < 0\;(\text{Schub gegen}\;Q\text{-Richtung})
  4. Schritt 2.4: Maximum im Steg
    τxy|\tau_{xy}| ist maximal, wo Hz|H_z| maximal ist, also bei y=0y = 0. Maximum-Wert: τmax=Q25h2/(72Iz)=25Qh2/(72Iz)|\tau_{\max}| = Q \cdot 25\,h^2/(72 \cdot I_z) = 25\,Q\,h^2/(72\,I_z). Ohne Wert für IzI_z stehen die nicht reduzierbar; in der Klausur meist als Symbol bewiesen.
    Maximum.
    τmax=Q25h272Iz(bei  y=0)|\tau_{\max}| = \frac{Q \cdot 25\,h^2}{72\,I_z} \quad (\text{bei}\;y = 0)
Formel τxy\tau_{xy} Steg
τxy=Q(25h2/36y2)/(2Iz)\tau_{xy} = -Q (25 h^2/36 - y^2)/(2 I_z)
Üs8-H2-Form. Parabolisch in yy.
Formel Maximum
τmax=25Qh2/(72Iz)|\tau_{\max}| = 25 Q h^2/(72 I_z)
Bei y=0y = 0 im Steg.
Merke Antwort B (Üs8 H2)
Übereinstimmend mit der MC-Lösung.

5.10 Beispiel: U-Profil dünnwandig (Üs8 H3)

Aufgabe (Üs8 H3). Gegeben sei ein dünnwandiger Balken mit U-förmigem Querschnitt: oberer Flansch der Breite 2h2h und Dicke t/2t/2, zwei vertikale Wände der Höhe hh und Dicke tt (Skizze: t/2\downarrow t/2 am Flansch markiert die Flansch-Dicke, tt markiert die Wand-Dicke). Schwerpunkt CC liegt h/3h/3 unter dem Flansch. Querkraft QyQ_y wirkt nach unten am Schwerpunkt.

Gegeben. Querkraft QyQ_y, Höhe hh, Wand-Dicken tt und t/2t/2, Trägheitsmoment IzI_z als bekannt angenommen.

Gesucht. Verlauf der Schubspannung τxs\tau_{xs} entlang der Mittellinie. Position und Wert von τmax|\tau|_{\max}.

Merke Aufgabe
U-Profil 2h2h breit, hh hoch. Wand-Dicken: tt (Wände), t/2t/2 (Flansch). QQ am Schwerpunkt nach unten.
Prüfungstipp Schwerpunkt CC
CC liegt h/3h/3 unter Flansch. Aus Symmetrie: auf Mittel-Symmetrie-Achse.
Merke Verschiedene Wand-Dicken
Flansch t/2t/2, Wände tt. Gleiche Mittellinien-Länge ergibt gleiche Fläche hth\,t.

5.11 Schritt 1: Drei Teilflächen identifizieren und Schwerpunkt

Geometrische Vorbereitung

  1. Schritt 1.1: Drei Bereiche und ihre Flächen
    Bereich 1: linke vertikale Wand der Mittellinien-Länge hh und Dicke tt, also A(1)=htA^{(1)} = h\,t. Bereich 2: oberer Flansch der Mittellinien-Länge 2h2h und Dicke t/2t/2, also A(2)=2ht/2=htA^{(2)} = 2h \cdot t/2 = h\,t. Bereich 3: rechte vertikale Wand wie Bereich 1, A(3)=htA^{(3)} = h\,t. Wegen der unterschiedlichen Wand-Dicken haben alle drei Bereiche dieselbe Fläche hth\,t.
    Bereichs-Flächen.
    A(1)=A(3)=ht,A(2)=2ht2=htA^{(1)} = A^{(3)} = h\,t, \qquad A^{(2)} = 2h \cdot \frac{t}{2} = h\,t
  2. Schritt 1.2: Schwerpunkt aus drei gleichen Flächen
    Hilfs-System mit η\eta'-Achse vom Flansch-Top nach unten gemessen. Mittellinien-Schwerpunkts-Position pro Bereich: Linke Wand bei η1=h/2\eta'_1 = h/2 (Mitte zwischen Flansch-Top und Wand-unten). Flansch bei η2=0\eta'_2 = 0 (auf Flansch-Mittellinie, Dicke t/2ht/2 \ll h vernachlässigt). Rechte Wand bei η3=h/2\eta'_3 = h/2. Mit gleichen Flächen: arithmetisches Mittel der drei Schwerpunkte.
    Schwerpunkts-Berechnung.
    ηS=A(1)η1+A(2)η2+A(3)η3A(1)+A(2)+A(3)=hth/2+ht0+hth/23ht=h2t3ht=h3\eta'_S = \frac{A^{(1)}\,\eta'_1 + A^{(2)}\,\eta'_2 + A^{(3)}\,\eta'_3}{A^{(1)} + A^{(2)} + A^{(3)}} = \frac{h\,t \cdot h/2 + h\,t \cdot 0 + h\,t \cdot h/2}{3\,h\,t} = \frac{h^2\,t}{3\,h\,t} = \frac{h}{3}
  3. Schritt 1.3: Globales y-Koordinatensystem durch Schwerpunkt
    Mit Schwerpunkt bei η=h/3\eta' = h/3 vom Flansch-Top: globales yy erfüllt y=ηh/3y = \eta' - h/3. Damit liegt der Flansch bei y=h/3y = -h/3, das untere Faserrand-Ende der Wände bei y=hh/3=2h/3y = h - h/3 = 2h/3. Wände erstrecken sich von y=h/3y = -h/3 bis y=2h/3y = 2h/3.
    Schwerpunkts-Koordinatensystem.
    y=ηh3:Flansch bei  y=h3,  Wand-Ende bei  y=2h3y = \eta' - \frac{h}{3}: \quad \text{Flansch bei}\;y = -\frac{h}{3}, \;\text{Wand-Ende bei}\;y = \frac{2h}{3}
  4. Schritt 1.4: Schwerpunkts-y jedes Bereichs
    Schwerpunkt der linken Wand: Mittelpunkt zwischen y=h/3y = -h/3 (oben) und y=2h/3y = 2h/3 (unten), also ySP(1)=(h/3+2h/3)/2=h/6y^{(1)}_{\text{SP}} = (-h/3 + 2h/3)/2 = h/6. Schwerpunkt vom Flansch: ySP(2)=h/3y^{(2)}_{\text{SP}} = -h/3 (Flansch-Höhe). Schwerpunkt rechte Wand spiegelbildlich: ySP(3)=h/6y^{(3)}_{\text{SP}} = h/6.
    Schwerpunkts-y-Koordinaten der Bereiche.
    ySP(1)=h6,ySP(2)=h3,ySP(3)=h6y^{(1)}_{\text{SP}} = \frac{h}{6}, \qquad y^{(2)}_{\text{SP}} = -\frac{h}{3}, \qquad y^{(3)}_{\text{SP}} = \frac{h}{6}
  5. Schritt 1.5: Cross-Check Schwerpunkt im globalen Koordinatensystem
    Im globalen Koordinatensystem muss AiySP(i)=0\sum A_i\,y^{(i)}_{\text{SP}} = 0 gelten (per Definition Schwerpunkt). Einsetzen: hth/6+ht(h/3)+hth/6=h2t(1/62/6+1/6)=0h\,t \cdot h/6 + h\,t \cdot (-h/3) + h\,t \cdot h/6 = h^2\,t \cdot (1/6 - 2/6 + 1/6) = 0 ✓.
    Sanity-Check.
    AiySP(i)=ht(h6h3+h6)=0  \sum A_i\,y^{(i)}_{\text{SP}} = h\,t \left(\frac{h}{6} - \frac{h}{3} + \frac{h}{6}\right) = 0\;\checkmark
Merke Drei Bereiche
1: linke Wand. 2: Flansch. 3: rechte Wand. Alle mit Fläche hth\,t wegen unterschiedlicher Dicken.
Formel Flächen
A(1)=A(2)=A(3)=htA^{(1)} = A^{(2)} = A^{(3)} = h\,t
Total 3ht3\,h\,t.
Formel Schwerpunkt
ηS=h/3\eta'_S = h/3
Vom Flansch-Top aus gemessen.
Prüfungstipp Sanity-Check
AiySP(i)=0\sum A_i y^{(i)}_{\text{SP}} = 0 im globalen Koordinatensystem. Pflicht-Verifikation.

5.12 Schritt 2: Hz(s)H_z(s) und τxs\tau_{xs} pro Bereich

Drei Bereiche, drei Formeln

  1. Schritt 2.1: Hz(1)(y)H_z^{(1)}(y) in der linken Wand (Bereich 1)
    Schnitt im linken Wand bei globaler Höhe yy. Abgeschnittene Teilfläche unterhalb des Schnitts (vom Schnitt bis zum unteren Faserrand y=2h/3y = 2h/3): Wand-Stück Länge (2h/3y)(2h/3 - y), Dicke tt, Fläche ΔA=t(2h/3y)\Delta A = t\,(2h/3 - y). Schwerpunkts-y dieses Stücks: Mittelpunkt zwischen yy und 2h/32h/3, also ySP=(y+2h/3)/2y_{\text{SP}} = (y + 2h/3)/2. Damit: Hz(1)(y)=ΔAySP=t(2h/3y)(y+2h/3)/2=(t/2)(4h2/9y2)H_z^{(1)}(y) = \Delta A \cdot y_{\text{SP}} = t\,(2h/3 - y)(y + 2h/3)/2 = (t/2)(4h^2/9 - y^2).
    HzH_z in Bereich 1.
    Hz(1)(y)=t2(4h29y2)H_z^{(1)}(y) = \frac{t}{2}\left(\frac{4\,h^2}{9} - y^2\right)
  2. Schritt 2.2: τxs(1)\tau_{xs}^{(1)} in der linken Wand
    Wand-Dicke in Bereich 1: e(1)=te^{(1)} = t (vertikale Wand). Hauptformel mit K=Qy/IzK = Q_y/I_z: τxs(1)(y)=QyHz(1)/(Ize(1))=K(t/2)(4h2/9y2)/t=(K/2)(4h2/9y2)\tau_{xs}^{(1)}(y) = -Q_y\,H_z^{(1)}/(I_z\,e^{(1)}) = -K\,(t/2)(4h^2/9 - y^2)/t = -(K/2)(4h^2/9 - y^2). Parabolisch in yy, null an Faserrändern y=±2h/3y = \pm 2h/3, Maximum bei y=0y = 0.
    τxs\tau_{xs} in Bereich 1.
    τxs(1)(y)=K2(4h29y2),K=QyIz\tau_{xs}^{(1)}(y) = -\frac{K}{2}\left(\frac{4\,h^2}{9} - y^2\right), \qquad K = \frac{Q_y}{I_z}
  3. Schritt 2.3: Hz(2)(z)H_z^{(2)}(z) im Flansch (Bereich 2)
    Schnitt im Flansch bei Position zz (relativ zum Symmetrie-Mittelpunkt). Abgeschnittene Teilfläche zur einen Flansch-Seite hin: linke Wand komplett plus Flansch-Stück von z=hz = -h (Wand-Übergang) bis zz. Beitrag der linken Wand: A(1)ySP(1)=hth/6=h2t/6A^{(1)} \cdot y^{(1)}_{\text{SP}} = h\,t \cdot h/6 = h^2\,t/6. Beitrag des Flansch-Stücks: Länge (z(h))=z+h(z - (-h)) = z + h, Dicke t/2t/2, Fläche (z+h)t/2(z+h)\,t/2, Schwerpunkts-y: y=h/3y = -h/3 (Flansch-Höhe). Beitrag: (z+h)(t/2)(h/3)(z+h)(t/2)(-h/3). Summe: Hz(2)(z)=h2t/6+(z+h)(t/2)(h/3)=h2t/6(z+h)ht/6=(h2hzh2)t/6=htz/6H_z^{(2)}(z) = h^2\,t/6 + (z+h)(t/2)(-h/3) = h^2\,t/6 - (z+h)\,h\,t/6 = (h^2 - h\,z - h^2)\,t/6 = -h\,t\,z/6.
    HzH_z im Flansch.
    Hz(2)(z)=htz6H_z^{(2)}(z) = -\frac{h\,t\,z}{6}
  4. Schritt 2.4: τxs(2)\tau_{xs}^{(2)} im Flansch mit Wand-Dicke t/2t/2
    Hier liegt der zentrale Faktor-2-Effekt der unterschiedlichen Wand-Dicken. Wand-Dicke in Bereich 2: e(2)=t/2e^{(2)} = t/2 (Flansch ist halb so dick wie die Wände). Hauptformel: τxs(2)(z)=QyHz(2)/(Ize(2))=K(htz/6)/(t/2)=Khz/62/1=Khz/3\tau_{xs}^{(2)}(z) = -Q_y\,H_z^{(2)}/(I_z\,e^{(2)}) = -K\,(-h\,t\,z/6)/(t/2) = K\,h\,z/6 \cdot 2/1 = K\,h\,z/3. Der Faktor 2 entsteht dadurch, dass im Flansch durch t/2t/2 statt tt dividiert wird.
    τxs\tau_{xs} im Flansch, Faktor-2-Verstärkung.
    τxs(2)(z)=K(htz/6)t/2=Khz/61/2=Khz3\tau_{xs}^{(2)}(z) = -\frac{K \cdot (-h\,t\,z/6)}{t/2} = \frac{K\,h\,z/6}{1/2} = \frac{K\,h\,z}{3}
  5. Schritt 2.5: τxs(3)\tau_{xs}^{(3)} in der rechten Wand (Symmetrie)
    Aus der Spiegelsymmetrie des U-Profils: rechte Wand spiegelbildlich zur linken. Mit angepasster ss-Richtung folgt τxs(3)=τxs(1)\tau_{xs}^{(3)} = -\tau_{xs}^{(1)}. Schub-Richtung gespiegelt zu Bereich 1.
    τxs\tau_{xs} in Bereich 3.
    τxs(3)(y)=K2(4h29y2)=τxs(1)(y)\tau_{xs}^{(3)}(y) = \frac{K}{2}\left(\frac{4\,h^2}{9} - y^2\right) = -\tau_{xs}^{(1)}(y)
Formel Bereich 1
τxs(1)=K(4h2/9y2)/2\tau_{xs}^{(1)} = -K (4h^2/9 - y^2)/2
Parabolisch im linken Wand.
Formel Bereich 2
τxs(2)=Khz/3\tau_{xs}^{(2)} = K h z/3
Linear im Flansch, ungerade in zz.
Merke Pattern K=Qy/IzK = Q_y/I_z
Gemeinsamer Faktor in allen drei Bereichen.

5.13 Schritt 3: τmax\tau_{\max} identifizieren

Maximum aus drei Bereichen

  1. Schritt 3.1: Maximum im Bereich 1
    τxs(1)|\tau_{xs}^{(1)}| ist maximal, wo 4h2/9y2|4h^2/9 - y^2| maximal ist. Im Wertebereich der linken Wand (h/3y2h/3-h/3 \leq y \leq 2h/3) ist die Parabel zwischen y=h/3y = -h/3 (oben am Flansch) und y=2h/3y = 2h/3 (unten freier Faserrand). Maximum bei y=0y = 0: τxs(1)(0)=K4h2/18=(2/9)Kh2|\tau_{xs}^{(1)}(0)| = K \cdot 4h^2/18 = (2/9)\,K\,h^2.
    Maximum in Bereich 1.
    τxs(1)max=2Kh29  bei  y=0|\tau_{xs}^{(1)}|_{\max} = \frac{2\,K\,h^2}{9}\;\text{bei}\;y = 0
  2. Schritt 3.2: Maximum im Flansch (Bereich 2)
    τxs(2)(z)=Khz/3\tau_{xs}^{(2)}(z) = K\,h\,z/3 ist linear in zz. Im Flansch-Bereich (hzh-h \leq z \leq h, halbiertes Profil hz0-h \leq z \leq 0 links, 0zh0 \leq z \leq h rechts; aber tatsächlich nimmt zz hier den Wert am Übergang zur Wand an): Maximum bei z=h|z| = h, also τxs(2)max=Kh2/3|\tau_{xs}^{(2)}|_{\max} = K\,h^2/3.
    Maximum im Flansch.
    τxs(2)max=Kh23  bei  z=h|\tau_{xs}^{(2)}|_{\max} = \frac{K\,h^2}{3}\;\text{bei}\;|z| = h
  3. Schritt 3.3: Maximum lokalisieren
    Vergleich der beiden Kandidaten: Kh2/3=(3/9)Kh2>(2/9)Kh2K\,h^2/3 = (3/9)\,K\,h^2 > (2/9)\,K\,h^2. Also liegt das Maximum im Flansch, an den Übergangs-Stellen zu den Wänden (z=±hz = \pm h).
    Endposition.
    τmax=Kh23  bei  (z,y)=(±h,h/3)|\tau|_{\max} = \frac{K\,h^2}{3}\;\text{bei}\;(z, y) = (\pm h, -h/3)
  4. Schritt 3.4: Endformel
    Mit K=Qy/IzK = Q_y/I_z rückeinsetzen.
    Endwert.
    τmax=Qyh23Iz\boxed{|\tau|_{\max} = \frac{Q_y\,h^2}{3\,I_z}}
Formel τmax|\tau|_{\max}
τmax=Qyh2/(3Iz)|\tau|_{\max} = Q_y h^2/(3 I_z)
Üs8-H3-Endresultat.
Merke Position
(z,y)=(±h,h/3)(z, y) = (\pm h, -h/3). Flansch-Wand-Verbindung.
Prüfungstipp Pattern
Bei dünnwandigen Mehrbereichs-Profilen: Maximum an Bereichsübergängen, nicht im Schwerpunkt.

5.14 3D-Visualisierung der Schubspannungen

Vom 2D-Diagramm zum räumlichen Bild. Die bisherigen Figuren in Sec. 3 bis Sec. 5 zeigen τ\tau als Zahlenwert oder als Pfeil-Verteilung im Querschnitts-Schnittbild. Diese 3D-Animation hebt vier Aspekte hervor, die im 2D-Schnittbild nicht sichtbar sind: woher τ\tau überhaupt kommt, wie sich Vollquerschnitt und Dünnwand-Profile in der Pfeil-Richtung unterscheiden, und warum bei Holzbalken Längsbruch ein eigenständiger Versagensmechanismus ist.

Vier Modi, ein Cantilever-Beam. Die Animation zeigt einen Kragarm der Länge 1 m mit Tip-Last QQ. Über das Modus-Dropdown rechts oben werden vier Pädagogik-Sichten ein- und ausgeblendet, ohne dass die Szene neu aufgebaut wird. Profil-Picker (Rechteck, I-, U-, T-Profil) erlaubt direkten Vergleich Vollquerschnitt gegen Dünnwand. Die ausführliche Modus-Beschreibung steht in der Beschreibung links oben in der Figur.

Abb. 8: 3D-Visualisierung. Wieso entsteht Schub, wieso unterscheidet sich Voll- gegen Dünnwand-Profil, wieso bricht Holz längs.
Merke Vier Modi
Längsgleichgewicht, τ-Feld, Schubfluss, Längsbruch. Wechsel über Modus-Dropdown.
Formel Schubspannung
τxy(y)=QHz(y)Izb(y)\tau_{xy}(y) = -\frac{Q\,H_z(y)}{I_z\,b(y)}
Vollquerschnitt-Hauptformel.
Prüfungstipp OrbitControls
Maus drag dreht, Scroll zoomt, Maus rechts panned. Pro Modus die Profile vergleichen.

6.1 Konzept des Schubmittelpunkts

Was ist der Schubmittelpunkt. Der Schubmittelpunkt SMSM ist der Punkt im Querschnitt, an dem die Querkraft angreifen muss, damit der Stab keine Verdrehung erfährt. Bei symmetrischen Profilen liegt SMSM auf der Symmetrie-Achse, oft im Schwerpunkt. Bei asymmetrischen Profilen (U-Profil, L-Profil) liegt SMSM ausserhalb des Profils.

Wann ist das wichtig. Wenn die Querkraft NICHT durch den Schubmittelpunkt angreift, sondern z.B. durch den Schwerpunkt SS (mit SSMS \neq SM), entsteht zusätzlich ein Torsionsmoment T=QdT = Q \cdot d (mit dd = Abstand SSMS - SM). Dieses Torsionsmoment führt zu einer Verdrehung des Stabes um seine Längsachse, was strukturell relevant sein kann.

Bei symmetrischen Profilen. Bei einem T-Profil oder einem I-Profil mit zwei Symmetrie-Achsen liegt SMSM im Schwerpunkt. Eine Querkraft am Schwerpunkt erzeugt keine Torsion. Das ist der Standardfall in einfachen Aufgaben.

Bei asymmetrischen Profilen. Bei einem U-Profil oder L-Profil hat SMSM einen Versatz vom Schwerpunkt. Beim U-Profil mit Öffnung nach rechts liegt SMSM links der linken Wand, ausserhalb des Profils. Eine Querkraft am Schwerpunkt SS erzeugt dann automatisch ein Torsionsmoment.

Mech-II-Relevanz. Üs8 hat keine Schubmittelpunkts-Aufgabe direkt, aber das Konzept ist wichtig für das Verständnis: bei U-förmigen oder L-förmigen Profilen kann eine vertikale Last am Schwerpunkt zusätzlich Torsion erzeugen, was bei der Spannungs-Analyse berücksichtigt werden muss.

!!
Torsion durch versetzte Querkraft
Tq=Qd,d=rSrSMT_q = Q \cdot d, \qquad d = |\vec{r}_S - \vec{r}_{SM}|
Torsionsmoment gleich Querkraft mal Abstand zwischen Schwerpunkt und Schubmittelpunkt. Null wenn Querkraft am SMSM angreift.
0.0
10
Abb. 7: Schubmittelpunkt: warum die Lastlinie durch M gehen muss.
Definition Schubmittelpunkt SMSM
Punkt im Querschnitt, an dem Querkraft angreifen muss, damit Stab nicht verdreht.
Formel Torsion bei Versatz
Tq=QdT_q = Q \cdot d
dd = Abstand SSMS - SM. Null wenn Q am SM.
Merke Symmetrie-Pattern
Eine Symmetrie-Achse: SMSM darauf. Zwei: SMSM im Schwerpunkt.
Prüfungstipp U-Profil Spezial
SMSM ausserhalb des Profils, links der Öffnung.

6.2 Berechnung Δz=T/Q\Delta z = T/Q

Methode. Bei einem dünnwandigen Profil mit Querkraft QyQ_y am Schwerpunkt: berechne die Schubfluss-Verteilung wie in Sec. 5. Aus der Schubfluss-Verteilung folgt das Torsionsmoment TqT_q um den Schwerpunkt. Der Versatz Δz\Delta z vom Schwerpunkt zum Schubmittelpunkt: Δz=Tq/Q\Delta z = T_q/Q.

Schritt 1: Schubfluss-Verteilung. Aus Sec. 5 ist qs(s)=QyHz(s)/Izq_s(s) = -Q_y\,H_z(s)/I_z bekannt für jeden Bereich des Profils.

Schritt 2: Torsionsmoment um Schwerpunkt. Tq=iqs(i)ridsT_q = \sum_i \int q_s^{(i)} \cdot r_i\,ds, wobei rir_i der senkrechte Abstand der Mittellinie des Bereichs ii vom Schwerpunkt ist. Das ist eine integrierte Version des Hebel-Moments.

Schritt 3: Versatz. Δz=Tq/Qy\Delta z = T_q/Q_y. Das ist die Position des Schubmittelpunkts relativ zum Schwerpunkt entlang der zz-Achse (oder allgemein senkrecht zur Richtung der Querkraft).

Beispiel U-Profil. Beim U-Profil mit Öffnung nach rechts, Steg-Höhe hh, Flansch-Breite bf=2hb_f = 2h, alle Wand-Dicke tt: die Schwerpunkts-Position vom Steg-Mitte ist zS=4h/5z_S = 4h/5 (siehe Sec. 2.6-Pattern). Der Schubmittelpunkt liegt bei zSM=12h/13z_{SM} = -12h/13 vom Steg-Mitte (also links vom Steg, ausserhalb des Profils). Daraus Δz=zSMzS=12h/134h/5=112h/651.72h\Delta z = z_{SM} - z_S = -12h/13 - 4h/5 = -112h/65 \approx -1.72\,h. Der SM liegt also etwa 1.72h1.72\,h links vom Schwerpunkt. Eine vertikale Last muss durch diesen Punkt gehen, um Torsion zu vermeiden.

!!
Schubmittelpunkt-Versatz
Δz=TqQy,Tq=iqs(i)rids\Delta z = \frac{T_q}{Q_y}, \qquad T_q = \sum_i \int q_s^{(i)} \cdot r_i\,ds
TqT_q ist das Torsionsmoment der Schubfluss-Verteilung um den Schwerpunkt. rir_i ist der senkrechte Abstand der Mittellinie des Bereichs ii vom Schwerpunkt.
Formel Δz\Delta z
Δz=Tq/Qy\Delta z = T_q/Q_y
Versatz vom Schwerpunkt.
Merke Aus Schubfluss
Berechnung über Hebel-Moment der Schubfluss-Verteilung.
Prüfungstipp Pattern
Wie Schwerpunkts-Berechnung, mit Schubfluss als Gewicht.

6.3 Beispiel: Schubmittelpunkt für U-Profil

Geometrie. Dünnwandiges U-Profil mit Öffnung nach rechts: ein vertikaler Steg der Höhe hh auf der linken Seite, zwei horizontale Flansche der Breite bfb_f am oberen und unteren Ende des Stegs, alle mit konstanter Wand-Dicke tt. Schwerpunkt SS liegt auf der horizontalen Symmetrie-Achse (Mitte des Stegs), etwas innerhalb des U-Profils (genauer: bei zS=bf2/(2bf+h)z_S = b_f^2/(2\,b_f + h) vom linken Steg gemessen).

Pattern aus Symmetrie. Die horizontale Symmetrie-Achse erzwingt SMSM auf dieser Achse. Wir suchen also nur die zz-Koordinate von SMSM (entlang der horizontalen Symmetrie-Achse).

Schubfluss-Verteilung. Bei vertikaler Querkraft QyQ_y am Schwerpunkt: im vertikalen Steg parabolischer τxs\tau_{xs}, in den horizontalen Flanschen linearer τxs\tau_{xs}. Beträge folgen aus Sec. 5-Pattern.

Standardformel (Mech-II-Lehrbuch). Für ein dünnwandiges U-Profil mit gleicher Wand-Dicke tt, Steg-Höhe hh und Flansch-Breite bfb_f ergibt sich nach Standard-Berechnung der Schubmittelpunkts-Versatz vom Schwerpunkt zur offenen Seite hin: eSM=3bf2/(6bf+h)e_{SM} = 3\,b_f^2/(6\,b_f + h) vom Steg-Mitte-Punkt aus, oder äquivalent Δz=bf2h2/(4Iz)|\Delta z| = b_f^2 \cdot h^2 / (4\,I_z) in der allgemeinen Form mit IzI_z als gesamtem Trägheitsmoment des U-Profils.

Lage relativ zum Profil. Der Schubmittelpunkt liegt OUTSEITS des U-Profils auf der OFFENEN Seite (in der Skizze: rechts von der vertikalen Symmetrie-Achse, ausserhalb des U). Eine vertikale Last muss also über einen Hebel ausserhalb des Profils angreifen, um Torsion zu vermeiden.

Merke U-Profil SMSM
Liegt links der linken Wand, ausserhalb des Profils.
Prüfungstipp Konzept genügt
Mech-II-Klausuren fragen selten nach exakter Δz\Delta z-Formel.

7.1 Symmetrie-Tricks

Drei Konsequenzen der Symmetrie. Eine Symmetrie-Achse durch den Schwerpunkt ist das mächtigste Werkzeug zur Vereinfachung von Schiefer-Biegung- und Querkraft-Aufgaben. Drei Konsequenzen, die sofort in Anwendung gebracht werden können.

(a) Schwerpunkt liegt auf jeder Symmetrie-Achse. Bei einem T-Profil mit vertikaler Symmetrie-Achse: zS=0z_S = 0 automatisch (auf der Symmetrie-Achse). Spart die Berechnung der zz-Komponente des Schwerpunkts. Bei zwei Symmetrie-Achsen: SS ist der Schnittpunkt, also direkt bestimmt.

(b) Cyz=0C_{yz} = 0 bei Symmetrie-Achse. Eine Symmetrie-Achse erzwingt das Verschwinden des Deviationsmoments CyzC_{yz}. Konsequenz: Skizzen-Achsen sind Hauptachsen, keine Hauptachsen-Trafo nötig. Spart den ganzen Sec.-2-Schritt.

(c) τ-Verteilung symmetrisch. Bei einer Querkraft entlang einer Symmetrie-Achse erzeugt die Schubspannung-Verteilung ein symmetrisches Profil: τxs(s)\tau_{xs}(s) in einer Wand ist gespiegelt zu τxs(s)\tau_{xs}(s) in der gespiegelten Wand. Das halbiert die Rechnung in symmetrischen Profilen.

Anwendung in der Klausur. Vor jeder Aufgabe einmal das Profil scannen: gibt es Symmetrie-Achsen? Wenn ja: alle drei Konsequenzen anwenden, das spart oft 50% der Rechenarbeit. Bei Profilen ohne Symmetrie (L-Profil, Dreieck) ist die volle Rechnung nötig.

Konsequenz Was wegfällt Wie viel Zeit gespart
(a) Schwerpunkt auf Symmetrie-Achse Eine Komponente der Schwerpunkts-Berechnung ca. 30%
(b) Cyz=0C_{yz} = 0 Die ganze Hauptachsen-Trafo ca. 50% bei unsymmetrischen Profilen
(c) Symmetrische τ\tau-Verteilung Halbe Schubfluss-Berechnung ca. 30%
Drei Symmetrie-Konsequenzen. Vor jeder Aufgabe identifizieren.
Merke Drei Konsequenzen
(a) SS auf Achse. (b) Cyz=0C_{yz} = 0. (c) τ\tau symmetrisch.
Prüfungstipp Klausur-Schnellscan
Vor Rechnung Symmetrien identifizieren. Mit jedem Treffer Zeit sparen.

7.2 Hz=0H_z = 0 Sanity-Checks

Wiederholung Sec. 3.4. Drei kritische Anchor-Werte: Hz(±ymax)=0H_z(\pm y_{\max}) = 0 am Faserrand. Hz=0H_z = 0 über die ganze Querschnittsfläche. Hz=0H_z = 0 an Symmetrie-Achsen senkrecht zur Querkraft.

Klausur-Strategie für MC-Bilder. Bei MC-Aufgaben mit Schubspannungs-Profil-Bildern (Üs8 H2 a, S2): zuerst die Anchor-Werte prüfen. τ\tau am Faserrand muss null sein, sonst ist die Antwort sofort auszuschließen. Diese Schnellfilterung eliminiert oft 4 von 8 Antworten.

τmax\tau_{\max} Position. Maximum von τ|\tau| liegt dort, wo Hz(y)/b(y)|H_z(y)|/b(y) maximal ist. Bei Vollquerschnitten typisch im Schwerpunkt y=0y = 0. Bei dünnwandigen Profilen mit konstantem b=eb = e wieder im Schwerpunkt (oder am Bereichsübergang, je nach Geometrie).

Cross-Check für Antworten. Wenn die Klausur-Antwort die Form τmax=cQh2/Iz\tau_{\max} = c \cdot Q\,h^2/I_z hat (mit Konstante cc): vergleiche mit Standardwerten. Bei Rechteck-Vollquerschnitt: cc entspricht 1.5 mal Q/AQ/A also c=1.5h2/IzAc = 1.5\,h^2 / I_z \cdot A. Für A=bhA = bh und Iz=bh3/12I_z = bh^3/12 folgt c=1.5(h2/(bh3/12))(bh)1=...c = 1.5 \cdot (h^2/(bh^3/12)) \cdot (bh)^{-1} = ... Hier passt's, aber genau prüfen.

Anchor Wert Klausur-Anwendung
Faserrand y=±ymaxy = \pm y_{\max} τ=0\tau = 0 Antworten mit τ0\tau \neq 0 am Rand ausschließen
Schwerpunkt y=0y = 0 τ\tau Maximum (oft) Antwort-Form-Kontrolle
Symmetrie-Achse Q\perp Q τ=0\tau = 0 aus Symmetrie Erwartete Bild-Symmetrie
Anchor-Werte und ihre Konsequenzen für die Antwort-Auswahl.
Merke Drei Anchor
τ(ymax)=0\tau(y_{\max}) = 0, max bei y=0y = 0, Symmetrie-Achse Q\perp Q liefert τ=0\tau = 0.
Prüfungstipp MC-Filter
Antworten mit τ0\tau \neq 0 am Faserrand ausschliessen. Spart Zeit.

7.3 Vorzeichen aus Skizze

Pfeil-Richtungen aus dem Bild. In Mech-II-Klausur-Aufgaben gibt das Bild meist die Last-Richtungen, Achsen-Konventionen, und Beobachtungs-Positionen vor. Vorzeichen folgen direkt aus diesem Bild, wenn man sauber identifiziert.

(a) Vorzeichen von QyQ_y. Bild zeigt Querkraft-Pfeil. Wenn Pfeil nach unten zeigt und yy-Achse nach unten zeigt: Qy>0Q_y > 0. Wenn yy-Achse nach oben zeigt: Qy<0Q_y < 0 trotz Pfeil nach unten. Skizze prüfen.

(b) Vorzeichen von MzM_z. Aus dem Schnittmoment am Stab in der Standard-Konvention. Bei Last nach unten am Cantilever-Endbereich: Stab biegt nach unten durch, obere Faser unter Zug. In Mech-II: Mz<0M_z < 0 (negative Faserseite oben unter Zug heißt σx=Mzy/Iz\sigma_x = -M_z\,y/I_z mit y<0y < 0 und σx>0\sigma_x > 0, also Mz<0M_z < 0).

(c) Drehrichtung von MyM_y. Bei einem schrägen Last (z.B. Üs8 H1) wird MyM_y um die yy-Achse gemessen. Drehung CCW um yy ist positives MyM_y. In Mech-II-Konvention erzeugt My>0M_y > 0 Zug auf der Faserseite mit z>0z > 0.

(d) Schubfluss-Richtung. In Wänden parallel zu QQ: Schub in Richtung QQ. In Wänden senkrecht zu QQ (Flansche): Schub von einer Seite zur anderen, mit Vorzeichen aus der Bilanz. Pattern für T-Profil: Steg-Schub nach unten, Flansch-Schub von der Mitte zu den Wänden hin.

Klausur-Praxis. Vor jeder Rechnung das Bild mit allen relevanten Pfeilen versehen: Last-Richtungen, Achsen-Pfeile, erwartete Schub-Richtungen in Wänden. Die intuitiven Pfeile geben die Vorzeichen vor und helfen Rechen-Fehler aufzudecken.

Merke Bild prüfen
Pfeile, Achsen-Richtung, erwartete Faser-Spannung.
Prüfungstipp Bild als Schiedsrichter
Bei Konflikt mit Formel: Bild gewinnt. Vorzeichen-Konvention prüfen.

7.4 Standard-Resultate auswendig

Auswendige Werte. Für die Klausur sind einige Standard-Werte als Anchor-Wissen Pflicht. Sie tauchen direkt in MC-Antworten auf oder dienen als Cross-Check für eigene Rechnungen.

Größe Wert Verwendung
IzI_z Rechteck b×hb \times h bh3/12b\,h^3/12 Standard-Trägheitsmoment
IzI_z Kreis Radius RR πR4/4\pi\,R^4/4 Vollkreis
IzI_z Dreieck Schwerpunkts-Achsen bh3/36b\,h^3/36 rechtwinkliges Dreieck
τmax\tau_{\max} Rechteck Vollquerschnitt 1.5Q/A1.5\,Q/A in der Mitte
τmax\tau_{\max} Kreis Vollquerschnitt 4Q/(3A)4\,Q/(3\,A) in der Mitte
Mz,max|M_{z,\max}| einfacher Balken Streckenlast qL2/8q\,L^2/8 in Mitte
vmaxv_{\max} Cantilever Endlast FF FL3/(3EIz)F\,L^3/(3\,E\,I_z) am freien Ende
Schwerpunkt rechtwinkliges Dreieck (b/3,h/3)(b/3, h/3) vom Eckpunkt Standardform
Auswendige Standard-Werte für Mech-II-Klausuren. Pflicht-Wissen vor jeder Klausur.
Merke Pflicht-Werte
bh3/12bh^3/12, πR4/4\pi R^4/4, 1.5Q/A1.5 Q/A, qL2/8qL^2/8. Auswendig wissen.
Prüfungstipp Sanity-Maßstab
Eigene Rechnung gegen Standard-Werte abgleichen. Diskrepanz >10×> 10\times: Fehler.

7.5 Klausur-Strategie für σx\sigma_x und τ\tau-Aufgaben

Vorgehen-Pattern. Bei jeder Schiefe-Biegung- oder Querkraft-Aufgabe die folgende systematische Reihenfolge: (1) Aufgabe lesen und Bild zeichnen, (2) Symmetrien identifizieren, (3) Hauptachsen-Trafo wenn nötig, (4) Schnittmomente und Querkräfte aus Statik, (5) Spannungs- bzw. Schubspannungs-Formel anwenden, (6) Maximum oder spezifischen Punkt auswerten.

Häufige Fallen. Vergessen, dass Cyz0C_{yz} \neq 0 bei unsymmetrischen Profilen. Vergessen, b(y)b(y) an der Schnittstelle zu nehmen statt am Schwerpunkt der Teilfläche. Vorzeichen-Verwechslung bei der Last-Zerlegung in yy- und zz-Komponenten. Falsche Wahl Vollquerschnitt vs. dünnwandig.

Zeitmanagement. Bei MC-Aufgaben (~ 1-2 Minuten pro Aufgabe in einer 60-Minuten-Klausur): erst die Symmetrie-Schnellfilter anwenden, um Antworten auszuschließen. Dann die quantitative Rechnung nur für die übrigen Antworten. Wer sofort in lange Rechnungen einsteigt, verliert oft Zeit.

Cross-Checks vor Antwort. Vor dem Markieren der Antwort: (a) Faserrand-Wert ist null, (b) Symmetrie der Verteilung passt zum Profil, (c) Größenordnung passt zu Standard-Anchor-Werten, (d) Vorzeichen passt zur Last-Richtung. Vier Schritt-Checks in unter einer Minute.

Wenn die Aufgabe zu komplex wirkt. Manchmal sind Klausur-Aufgaben mit langen Beschreibungen schreckhaft, aber die Lösung ist Standard. Erst die Klausur-Aufgabe in das Pattern aus Sec. 1.5 (Üs8 H1) oder Sec. 5.7 (Üs8 H2) einordnen. Dann die schon bekannten Schritte ausführen.

Schritt Aktion
1 Aufgabe lesen, Bild zeichnen mit Achsen und Last-Pfeilen
2 Symmetrien identifizieren (a, b, c aus Sec. 7.1)
3 Hauptachsen-Trafo wenn nötig (sonst überspringen)
4 Schnittmomente N,My,Mz,QyN, M_y, M_z, Q_y aus Statik
5 Spannungs-/Schubspannungs-Formel anwenden
6 Maximum oder spezifischen Punkt auswerten, Cross-Checks
Sechs-Schritte-Pattern für jede Klausur-Aufgabe.
Merke Sechs Schritte
Bild, Symmetrien, Trafo, Statik, Formel, Auswertung. Universelles Pattern.
Prüfungstipp Cross-Checks
Faserrand 0, Symmetrie passt, Größenordnung, Vorzeichen. Vor jeder Antwort.
Querverweis Übungs-Klausuren
→ s99 Aufgaben FS22, FS24, FS25

Aufgaben mit Musterlösungen

Vier Multiple-Choice-Aufgaben aus Klausur FS22 und FS24. Themen: Trägheitsmoment am V-Profil (FS24 D1), dünnwandige Schubspannung am Hat-Profil mit Vorzeichen-Trick (FS24 D3), Trägheitsmoment am asymmetrischen T-Profil (FS22 D2), Querkraft-Schub am asymmetrischen T-Profil (FS22 D3). Aufgaben 1:1 aus den Klausuren. Markiere deine Antwort, klick Lösung prüfen, dann erscheint der vollständige Lösungsweg, Schritt für Schritt mit Skizze, Formel und Falle.

Aufgabe 1

Aus Klausur FS24, Frage D1. Gegeben sei ein aus zwei gleichen Rechtecken zusammengesetzter Querschnitt (V-Form, beide Rechtecke unter 45° zur Horizontalen). Das maximale Flächenträgheitsmoment I1I_1 und das minimale Flächenträgheitsmoment I2I_2 eines einzelnen Rechtecks sind bekannt. Berechne Iz=Ay2dAI_z = \int_A y^2\,dA für den dargestellten zusammengesetzten Querschnitt. Die zz- und yy-Achsen gehen durch den gemeinsamen Schwerpunkt SS.

Aufgabe 2

Aus Klausur FS24, Frage D3. Gegeben sei der dargestellte dünnwandige Querschnitt mit konstanter Wand-Dicke tt. Eine Querkraft Qy>0Q_y > 0 greift am Schwerpunkt SS an. Punkt PP liegt am inneren Eck-Punkt des oberen-linken Flansches: dort wo der horizontale obere-linke Flansch in die linke Innenwand übergeht, also bei (z,y)=(a,a)(z, y) = (-a, -a). Der obere Flansch endet rechts von PP bei einem freien Schlitz, in horizontaler Distanz a/2a/2. Bestimme die Schubspannung τxzP\tau_{xz}^P. Hinweis: IzI_z darf als bekannt angenommen werden.

Aufgabe 3

Aus Klausur FS22, Frage D2. Dünnwandiger Querschnitt mit zwei oberen Stützen (jede Höhe aa, Wand-Dicke t1=tt_1 = t, bei z=±a/2z = \pm a/2), einem horizontalen Querstrich und einem unteren vertikalen Steg (Höhe aa, Wand-Dicke t2=2tt_2 = 2\,t). Schwerpunkts-Position ηs=a\eta_s = a vom oberen Faserrand (also auf der Querstrich-Höhe). Bestimme das Flächenträgheitsmoment Iz=Ay2dAI_z = \int_A y^2\,dA.

Aufgabe 4

Aus Klausur FS22, Frage D3. Gleicher dünnwandiger Querschnitt wie ex3 (asymmetrisches T-Profil mit zwei oberen Stützen h×t1=th \times t_1 = t, horizontalem Querstrich der Breite 2a2a und unterem Steg a×t2=2ta \times t_2 = 2t). Eine vertikale Querkraft Qy>0Q_y > 0 wirkt am Schwerpunkt. Bestimme die Schubspannung τxzP\tau_{xz}^P am Punkt PP, der auf dem Querstrich zwischen der linken Stütze und dem unteren Steg liegt (also bei z(a/2,0)z \in (-a/2, 0), y=0y = 0 auf der zz-Achse). IzI_z kann als bekannt angenommen werden.
MerkeErst selbst rechnen, dann Lösung prüfen!