1.1 Verschiebungsfeld

Während Kap. 1 bis 3 mit Spannungen den Last-Zustand beschrieben haben, beschreibt Kap. 4 die Antwort des Materials in Form von Längen- und Winkeländerungen. Die zentrale Grösse ist das Verschiebungsfeld u(x)\vec{u}(\vec{x}). Für jeden Punkt im Körper gibt es einen Verschiebungsvektor an, der angibt, wohin sich dieser Punkt unter Belastung verschiebt.

Bevor wir Verzerrungen ableiten können, brauchen wir das Verschiebungsfeld als Funktion. Es weist jedem materiellen Punkt mit Position x=(x,y,z)\vec{x} = (x, y, z)^\top einen Verschiebungsvektor u\vec{u} zu, der angibt, wohin sich dieser Punkt unter Belastung verschiebt. Das Feld besteht aus drei skalaren Komponenten u,v,wu, v, w, jeweils Funktionen aller drei Raum-Koordinaten.

!!!
Verschiebungsfeld u(x,y,z)\vec{u}(x, y, z)
u(x,y,z)=(u(x,y,z)v(x,y,z)w(x,y,z))\vec{u}(x, y, z) = \begin{pmatrix} u(x, y, z) \\ v(x, y, z) \\ w(x, y, z) \end{pmatrix}
Drei skalare Komponentenfelder. Jeder Punkt im Körper hat einen eindeutigen Verschiebungsvektor; das Feld dieser Vektoren beschreibt die Verformung vollständig. Aus diesen drei Funktionen werden alle Verzerrungs-Komponenten durch Ableiten gewonnen.

Das Verzerrungsfeld extrahiert daraus die lokalen Längen- und Winkeländerungen via Ableitungen, ähnlich wie der Spannungstensor lokale Kräfte aus globaler Belastung extrahiert.

Anschauung: ein Stab unter Zug verlängert sich. An jedem Punkt gibt es eine Verschiebung in Längsrichtung. Aber die Verzerrung (Längenänderung pro Länge) ist die Ableitung der Verschiebung nach der Position, nicht die Verschiebung selbst. Eine starre Translation des ganzen Körpers (alle Punkte um denselben Vektor verschoben) erzeugt keine Verzerrung, weil die Verschiebung räumlich konstant ist und ihre Ableitung null.

Definition Verschiebungsfeld
u(x)=(u,v,w)\vec{u}(\vec{x}) = (u, v, w)^\top als Vektorfeld. Gibt für jeden Punkt seine Verschiebung an.
Definition Verzerrung
Lokale Längen- und Winkeländerung, als Ableitung der Verschiebung.
Merke Starre Bewegung erzeugt keine Verzerrung
Räumlich konstante Verschiebung verschwindet beim Ableiten.

1.2 Lineare Normaldehnung und Schubverzerrung

Aus dem Verschiebungsfeld extrahieren wir zwei Arten von Verzerrungen. Die lineare Normaldehnung εx=ux\varepsilon_x = \frac{\partial u}{\partial x} misst die Längenänderung pro Länge in xx-Richtung an einem Punkt. Anschaulich: nimm eine kleine Strecke Δx\Delta x und schau, wie viel sie sich verlängert, dividiert durch ihre ursprüngliche Länge. Das ist genau ux\frac{\partial u}{\partial x}.

Die Schubverzerrung εxy=12(vx+uy)\varepsilon_{xy} = \tfrac{1}{2}(\frac{\partial v}{\partial x} + \frac{\partial u}{\partial y}) misst die Winkeländerung zwischen zwei ursprünglich senkrecht stehenden Linien (eine in xx, eine in yy). Der Ingenieur-Schubwinkel γxy\gamma_{xy} ist die anschauliche Winkeländerung selbst (in Radiant), während die Tensor-Komponente εxy\varepsilon_{xy} die Hälfte davon ist. Es gilt also γxy=2εxy\gamma_{xy} = 2\,\varepsilon_{xy}. Der Faktor 1/21/2 ist eine Tensor-Konvention, damit der Verzerrungstensor symmetrisch und mathematisch konsistent mit Eigenwert-Problemen ist. In der Anschauung benutzen Ingenieure typischerweise γ\gamma.

Erweiterung auf 3D analog für die anderen Achsen. Insgesamt sechs unabhängige Komponenten. Drei Diagonal-Werte εx,εy,εz\varepsilon_x, \varepsilon_y, \varepsilon_z (Längendehnungen in den drei Achsen) und drei Off-Diagonal-Werte εxy,εxz,εyz\varepsilon_{xy}, \varepsilon_{xz}, \varepsilon_{yz} (Winkeländerungen in den drei Ebenen).

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Lineare Normaldehnungen
εx=ux,εy=vy,εz=wz\varepsilon_x = \frac{\partial u}{\partial x}, \qquad \varepsilon_y = \frac{\partial v}{\partial y}, \qquad \varepsilon_z = \frac{\partial w}{\partial z}
Diagonal-Komponenten des Verzerrungstensors. Direkte Ableitungen des Verschiebungsfeldes.
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Schubverzerrungs-Komponenten (Tensor-Form)
εxy=12(vx+uy)εxz=12(wx+uz)εyz=12(wy+vz)\begin{aligned} \varepsilon_{xy} &= \tfrac{1}{2}(\frac{\partial v}{\partial x} + \frac{\partial u}{\partial y}) \\ \varepsilon_{xz} &= \tfrac{1}{2}(\frac{\partial w}{\partial x} + \frac{\partial u}{\partial z}) \\ \varepsilon_{yz} &= \tfrac{1}{2}(\frac{\partial w}{\partial y} + \frac{\partial v}{\partial z}) \end{aligned}
Off-Diagonalen. Symmetrisch in den Indizes (εij=εji\varepsilon_{ij} = \varepsilon_{ji}). Faktor 1/21/2 ist Tensor-Konvention.
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Ingenieur-Schubwinkel
γij=2εij\gamma_{ij} = 2\,\varepsilon_{ij}
Doppelte Tensor-Komponente. Anschauliche Winkeländerung in Radiant zwischen zwei ursprünglich senkrechten Materiallinien.
Definition Lineare Normaldehnung
εx=ux\varepsilon_x = \frac{\partial u}{\partial x}. Längenänderung pro Länge in xx-Richtung.
Definition Schubverzerrung (Tensor)
εxy=12(vx+uy)\varepsilon_{xy} = \tfrac{1}{2}(\frac{\partial v}{\partial x} + \frac{\partial u}{\partial y}), mit Faktor 1/21/2.
Definition Schubwinkel (Ingenieur)
γxy=2εxy=vx+uy\gamma_{xy} = 2\,\varepsilon_{xy} = \frac{\partial v}{\partial x} + \frac{\partial u}{\partial y}, ohne Faktor.
Merke Tensor- vs. Ingenieur-Form
Tensor-ε\varepsilon hat Faktor 1/21/2, Ingenieur-γ\gamma ohne. Symbol prüfen.
Prüfungstipp γ\gamma in Klausuren
Klausur-Aufgaben fragen meistens γxy\gamma_{xy}. Faktor 22 nicht vergessen.

1.3 Verzerrungstensor

Bevor wir den Tensor explizit hinschreiben, leiten wir ihn aus dem Verschiebungsgradienten ab. Das macht klar, warum er symmetrisch ist und welche Anteile aus dem Verschiebungsfeld als reine Verzerrung und welche als reine Rotation interpretiert werden.

Der Verschiebungsgradient u\vec{\nabla} \vec{u} ist eine allgemeine 3×33 \times 3-Matrix mit allen neun partiellen Ableitungen. Im Allgemeinen ist diese Matrix nicht symmetrisch.

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Verschiebungsgradient u\vec{\nabla} \vec{u}
u=(uxuyuzvxvyvzwxwywz)\vec{\nabla} \vec{u} = \begin{pmatrix} \frac{\partial u}{\partial x} & \frac{\partial u}{\partial y} & \frac{\partial u}{\partial z} \\ \frac{\partial v}{\partial x} & \frac{\partial v}{\partial y} & \frac{\partial v}{\partial z} \\ \frac{\partial w}{\partial x} & \frac{\partial w}{\partial y} & \frac{\partial w}{\partial z} \end{pmatrix}
Neun partielle Ableitungen. Allgemein nicht symmetrisch.

Aufteilung in symmetrischen plus antisymmetrischen Teil. Jede quadratische Matrix MM zerfällt eindeutig in einen symmetrischen Teil 12(M+M)\tfrac{1}{2}(M + M^\top) und einen antisymmetrischen Teil 12(MM)\tfrac{1}{2}(M - M^\top). Auf den Verschiebungsgradienten angewandt:

!!!
Zerlegung u=E+W\vec{\nabla} \vec{u} = \underline{\underline{E}} + \underline{\underline{W}}
u=12(u+(u))=E Verzerrung+12(u(u))=W Rotation\vec{\nabla} \vec{u} = \underbrace{\tfrac{1}{2}\big(\vec{\nabla} \vec{u} + (\vec{\nabla} \vec{u})^\top\big)}_{=\,\underline{\underline{E}}\,\text{ Verzerrung}} + \underbrace{\tfrac{1}{2}\big(\vec{\nabla} \vec{u} - (\vec{\nabla} \vec{u})^\top\big)}_{=\,\underline{\underline{W}}\,\text{ Rotation}}
Symmetrischer Teil E\underline{\underline{E}} ist die Verzerrung, antisymmetrischer Teil W\underline{\underline{W}} ist die lokale Rotation.

Intuition: der antisymmetrische Teil W\underline{\underline{W}} beschreibt eine lokale Starrkörper-Rotation um einen Punkt (kleine Drehung), die keine Verzerrung erzeugt. Das passt zur Aside „Starre Bewegung erzeugt keine Verzerrung" aus Sec. 1.1. Nur der symmetrische Teil E\underline{\underline{E}} enthält die echte Längen- und Winkeländerung. Deshalb ist der Verzerrungstensor symmetrisch per Konstruktion. Er ist genau der „Deformations-Anteil" des Verschiebungsgradienten, ohne Rotation.

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Verzerrungstensor mit partiellen Ableitungen
E=(ux12(uy+vx)12(uz+wx)12(uy+vx)vy12(vz+wy)12(uz+wx)12(vz+wy)wz)\underline{\underline{E}} = \begin{pmatrix} \frac{\partial u}{\partial x} & \tfrac{1}{2}(\frac{\partial u}{\partial y} + \frac{\partial v}{\partial x}) & \tfrac{1}{2}(\frac{\partial u}{\partial z} + \frac{\partial w}{\partial x}) \\ \tfrac{1}{2}(\frac{\partial u}{\partial y} + \frac{\partial v}{\partial x}) & \frac{\partial v}{\partial y} & \tfrac{1}{2}(\frac{\partial v}{\partial z} + \frac{\partial w}{\partial y}) \\ \tfrac{1}{2}(\frac{\partial u}{\partial z} + \frac{\partial w}{\partial x}) & \tfrac{1}{2}(\frac{\partial v}{\partial z} + \frac{\partial w}{\partial y}) & \frac{\partial w}{\partial z} \end{pmatrix}
Symmetrischer Teil des Verschiebungsgradienten, explizit ausgeschrieben.

Beide Schreibweisen sind identisch. Die folgende ist nur kompakter notiert mit der ε\varepsilon-Abkürzung.

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Verzerrungstensor in xyzxyz
{E}xyz=(εxεxyεxzεxyεyεyzεxzεyzεz)\{\underline{\underline{E}}\}_{xyz} = \begin{pmatrix} \varepsilon_x & \varepsilon_{xy} & \varepsilon_{xz} \\ \varepsilon_{xy} & \varepsilon_y & \varepsilon_{yz} \\ \varepsilon_{xz} & \varepsilon_{yz} & \varepsilon_z \end{pmatrix}
Symmetrisch, sechs unabhängige Komponenten. Off-Diagonalen sind Tensor-Schub-Komponenten (Faktor 1/21/2 gegenüber Ingenieur-γ\gamma).

Brücke zu Kap. 3 und zur Eigenwert-Maschinerie. Genau wie der Spannungstensor unter Tensor-Trafos transformiert (Hauptspannungen, Mohr, Invarianten), tut das auch der Verzerrungstensor. Jedes Werkzeug aus Kap. 3 (Block-Reduktion, charakteristisches Polynom, Mohrsche Kreise, τmax\tau_{\max}-Formel) gilt 1:1 mit der formalen Substitution σijεij\sigma_{ij} \to \varepsilon_{ij}. Wir können also auf das gesamte Eigenwert-Maschinerie aus Kap. 3 zurückgreifen, ohne sie neu lernen zu müssen.

Definition Verzerrungstensor
Symmetrisch 3×33 \times 3, drei Diagonal- plus drei Off-Diagonal-Werte. Off-Diagonalen mit Faktor 1/21/2.
Merke Symmetrischer plus antisymmetrischer Teil
u=E+W\vec{\nabla} \vec{u} = \underline{\underline{E}} + \underline{\underline{W}}. W\underline{\underline{W}} ist Rotation ohne Verzerrung, E\underline{\underline{E}} ist die echte Verzerrung.
Merke Identisch zum Spannungs-Eigenwert-Problem
Hauptdehnungen via charakteristisches Polynom oder Block-Reduktion, exakt wie Hauptspannungen.
Querverweis Methodik
→ Kap. 3 Hauptspannungen

1.4 Beispiel: Verzerrungstensor aus 2D-Verschiebungsfeld

Aufgabe (aus Übungsserie 4, Hausübung H1). Für eine Scheibe wurde aus Messungen das folgende ebene Verschiebungsfeld ermittelt:

(u(x,y)v(x,y))=(u0+7103x+4103yv0+2103x1103y)\begin{pmatrix} u(x,y) \\ v(x,y) \end{pmatrix} = \begin{pmatrix} u_0 + 7 \cdot 10^{-3}\,x + 4 \cdot 10^{-3}\,y \\ v_0 + 2 \cdot 10^{-3}\,x - 1 \cdot 10^{-3}\,y \end{pmatrix}

Bestimme den Verzerrungstensor im xyxy-Koordinatensystem.

Lösungsweg in 4 Schritten

  1. Schritt 1: Lineare Normaldehnungen
    Aus den Diagonal-Ableitungen des Verschiebungsfeldes. εx=ux\varepsilon_x = \frac{\partial u}{\partial x} ist der Koeffizient von xx in uu, εy=vy\varepsilon_y = \frac{\partial v}{\partial y} der Koeffizient von yy in vv.
    Koeffizienten direkt ablesen.
    εx=ux=7103,εy=vy=1103\varepsilon_x = \frac{\partial u}{\partial x} = 7 \cdot 10^{-3}, \qquad \varepsilon_y = \frac{\partial v}{\partial y} = -1 \cdot 10^{-3}
  2. Schritt 2: Schubverzerrung mit Faktor 1/21/2
    εxy=12(vx+uy)\varepsilon_{xy} = \tfrac{1}{2}(\frac{\partial v}{\partial x} + \frac{\partial u}{\partial y}). Beide gemischten Ableitungen sind die Koeffizienten von xx in vv bzw. yy in uu.
    Koeffizienten ablesen, addieren, halbieren.
    εxy=12(vx+uy)=12(2+4)103=3103\varepsilon_{xy} = \tfrac{1}{2}(\frac{\partial v}{\partial x} + \frac{\partial u}{\partial y}) = \tfrac{1}{2}(2 + 4) \cdot 10^{-3} = 3 \cdot 10^{-3}
  3. Schritt 3: Verzerrungstensor zusammensetzen
    Zwei Diagonal- plus eine Off-Diagonal-Komponente (in 2D), Symmetrie εxy=εyx\varepsilon_{xy} = \varepsilon_{yx}.
    2×22 \times 2-Matrix.
    {E}xy=(7331)103\{\underline{\underline{E}}\}_{xy} = \begin{pmatrix} 7 & 3 \\ 3 & -1 \end{pmatrix} \cdot 10^{-3}
  4. Schritt 4: Sanity-Check via Spur-Invariante
    Die Spur εx+εy=6103\varepsilon_x + \varepsilon_y = 6 \cdot 10^{-3} ist die Volumendehnung im 2D-Sinn. Sie bleibt unter Drehung des Koordinatensystems gleich. Wenn die Hauptdehnungen später εI+εII=6103\varepsilon_I + \varepsilon_{II} = 6 \cdot 10^{-3} liefern, passt es.
    Spur-Wert für späteren Cross-Check notieren.
      spur(E)=6103  \boxed{\;\operatorname{spur}(\underline{\underline{E}}) = 6 \cdot 10^{-3}\;}
Formel Resultat
{E}xy=(7331)103\{\underline{\underline{E}}\}_{xy} = \begin{pmatrix} 7 & 3 \\ 3 & -1 \end{pmatrix} \cdot 10^{-3}
Verzerrungstensor der Scheibe.
Merke Tensor-Form behalten
Off-Diagonale mit Faktor 1/21/2.

2.1 Was misst der Tensor anschaulich

Bisher haben wir den Verzerrungstensor formal aus dem Verschiebungsgradienten abgeleitet. Was misst er anschaulich? Drei Aussagen, die jede Klausur-Aufgabe geometrisch lösbar machen.

Erstens. εx,εy,εz\varepsilon_x, \varepsilon_y, \varepsilon_z messen Längenänderungen pro Länge in den drei Achsen-Richtungen. Wird eine Materialfaser entlang der xx-Achse länger, ist εx>0\varepsilon_x > 0. Bleibt sie konstant, ist εx=0\varepsilon_x = 0. Negative Werte heissen Stauchung.

Zweitens. εxy,εxz,εyz\varepsilon_{xy}, \varepsilon_{xz}, \varepsilon_{yz} messen Winkeländerungen zwischen ursprünglich senkrechten Achsen-Richtungen. Verkleinert sich der rechte Winkel zwischen einer xx-Faser und einer yy-Faser, ist γxy>0\gamma_{xy} > 0 (Ingenieur-Konvention) und damit εxy>0\varepsilon_{xy} > 0. Vergrössert er sich, sind beide negativ.

Drittens. Eine reine Starrkörper-Rotation erzeugt keine Verzerrung: alle Tensor-Komponenten sind null, weil keine Längen und keine Winkel sich ändern. Das ist die direkte geometrische Konsequenz der symm/antisymm-Aufteilung aus Sec. 1.3, wo die Rotation in W\underline{\underline{W}} landet und gerade nicht im Verzerrungstensor E\underline{\underline{E}}.

Merke Drei-Punkte-Methodik
Längen-xx, Längen-yy, Winkel zwischen xx und yy. Drei Fragen, drei Tensor-Komponenten.
Merke Rotation in W\underline{\underline{W}}, nicht in E\underline{\underline{E}}
Reine Drehung produziert keine Verzerrung. Vorzeichen-Falle in Klausuren.

2.2 Aufgabe und Übersicht

Aufgabe (aus Übungsserie 4, Hausübung H2). Ein rechteckiges Blech verformt sich in der xyxy-Ebene wie skizziert. Die Verformungen sind übertrieben dargestellt; in Wirklichkeit handelt es sich um kleine Längen- und Winkeländerungen. Die Längen der Kanten ADAD, DCDC und ABAB bleiben unverändert. Das Verzerrungsfeld ist räumlich nicht konstant. Bestimme den Verzerrungstensor (im xyxy-Koordinatensystem) an den vier Eckpunkten AA, BB, CC, DD unter der Annahme k>0k > 0.

Vorgehen. An jedem Eckpunkt wenden wir die Drei-Punkte-Methodik aus Sec. 2.1 an: ändert sich die Länge in xx? Ändert sich die Länge in yy? Ändert sich der rechte Winkel zwischen den Kanten? Aus diesen drei Antworten ergibt sich der Tensor direkt.

Merke Was ist gegeben
Längen AD,DC,ABAD, DC, AB unverändert. Nur Kante BCBC wird gestreckt.
Prüfungstipp An jeder Ecke fragen
Längen-xx? Längen-yy? Winkel? Drei Antworten, ein Tensor.

2.3 Eckpunkt AA: Schub ohne Längenänderung

Die xx-Kante ABAB bleibt unverändert in der Länge, also εx=0\varepsilon_x = 0. Die yy-Kante ADAD ebenfalls, also εy=0\varepsilon_y = 0. Aber der ursprünglich rechte Winkel zwischen ihnen wird grösser. Per Konvention ist γxy>0\gamma_{xy} > 0 für eine Verkleinerung des Winkels; hier vergrössert er sich, also γxy<0\gamma_{xy} < 0 und damit εxy=k\varepsilon_{xy} = -k.

!!
Verzerrungstensor an AA
EA=(0kk0)\underline{\underline{E}}_A = \begin{pmatrix} 0 & -k \\ -k & 0 \end{pmatrix}
Reiner Schub: keine Längenänderung, nur Winkeländerung.
Formel Resultat AA
EA=(0kk0)\underline{\underline{E}}_A = \begin{pmatrix} 0 & -k \\ -k & 0 \end{pmatrix}
Reiner Schub.

2.4 Eckpunkt BB: Schub plus Streckung

Die xx-Kante ABAB bleibt konstant (εx=0\varepsilon_x = 0). Aber die yy-Kante BCBC wird in positiver yy-Richtung gestreckt (εy=k\varepsilon_y = k). Der Winkel öffnet sich genauso wie an AA, also wieder εxy=k\varepsilon_{xy} = -k.

!!
Verzerrungstensor an BB
EB=(0kkk)\underline{\underline{E}}_B = \begin{pmatrix} 0 & -k \\ -k & k \end{pmatrix}
Schub plus reine yy-Streckung.
Formel Resultat BB
EB=(0kkk)\underline{\underline{E}}_B = \begin{pmatrix} 0 & -k \\ -k & k \end{pmatrix}
Schub plus Streckung.

2.5 Eckpunkt CC: Streckung ohne Schubverzerrung

Die Kante DCDC bleibt konstant in der Länge (εx=0\varepsilon_x = 0). Die Kante BCBC wird in yy-Richtung gestreckt (εy=k\varepsilon_y = k). Wichtig: die scheinbare Drehung der Kante DCDC ist eine Starrkörper-Rotation, kein Schub. Der rechte Winkel an CC bleibt erhalten. Also εxy=0\varepsilon_{xy} = 0. Die Drehung wird vom antisymmetrischen Teil W\underline{\underline{W}} aus Sec. 1.3 absorbiert und tritt im Verzerrungstensor nicht auf.

!!
Verzerrungstensor an CC
EC=(000k)\underline{\underline{E}}_C = \begin{pmatrix} 0 & 0 \\ 0 & k \end{pmatrix}
Reine yy-Streckung. Die Drehung von DCDC ist Starrkörper-Anteil und landet in W\underline{\underline{W}}, nicht in E\underline{\underline{E}}.
Formel Resultat CC
EC=(000k)\underline{\underline{E}}_C = \begin{pmatrix} 0 & 0 \\ 0 & k \end{pmatrix}
Reine Streckung, Drehung in W\underline{\underline{W}}.
Merke Drehung absorbiert
Wenn der rechte Winkel erhalten bleibt, ist Schubverzerrung null. Drehung ist Starrkörper-Anteil.

2.6 Eckpunkt DD: reine Starrkörper-Bewegung

Die Kanten DCDC und ADAD bleiben beide konstant. Der Winkel an DD bleibt rechtwinklig. Keine Verformung: reine Starrkörper-Bewegung. Alle Tensor-Komponenten verschwinden.

!!
Verzerrungstensor an DD
ED=(0000)\underline{\underline{E}}_D = \begin{pmatrix} 0 & 0 \\ 0 & 0 \end{pmatrix}
Null-Tensor. Reine Starrkörper-Translation oder -Rotation, keine echte Verzerrung.
Formel Resultat DD
ED=(0000)\underline{\underline{E}}_D = \begin{pmatrix} 0 & 0 \\ 0 & 0 \end{pmatrix}
Reine Starrkörper-Bewegung.
Merke Vier Tensoren auf einen Blick
AA: reiner Schub. BB: Schub plus Streckung. CC: Streckung, keine Schubverzerrung. DD: null-Tensor.
Querverweis Folgt
→ Sec. 3 Hauptdehnungen

3.1 Analog zum Hauptspannungs-Problem

Das Hauptdehnungs-Problem ist mathematisch identisch zum Hauptspannungs-Problem. Formaler Austausch σijεij\sigma_{ij} \to \varepsilon_{ij}. Charakteristisches Polynom mit Verzerrungs-Invarianten als Koeffizienten. Block-Reduktion bei vorhandener Hauptachse. 2D-Mohr-Formel im 2×22 \times 2-Block. Die Tensor-Schubkomponente εmax\varepsilon_{\max} ist die halbe Differenz von Maximum und Minimum (analog zu τmax\tau_{\max}); der Ingenieur-Schubwinkel ist γmax=2εmax\gamma_{\max} = 2\varepsilon_{\max}.

Konsequenz: alles aus Kap. 3 gilt 1:1. Wir wiederholen die Werkzeuge nicht, sondern verweisen und nutzen sie.

!!!
Charakteristische Gleichung
det(EεI)=0    ε3I1Eε2I2EεI3E=0\det(\underline{\underline{E}} - \varepsilon\,\underline{\underline{I}}) = 0 \;\Longleftrightarrow\; \varepsilon^3 - I_1^E\,\varepsilon^2 - I_2^E\,\varepsilon - I_3^E = 0
Drei Verzerrungs-Invarianten als Koeffizienten, formal identisch zum Spannungs-Fall. Drei reelle Wurzeln: die Hauptdehnungen εI,εII,εIII\varepsilon_I, \varepsilon_{II}, \varepsilon_{III}.

Die Verzerrungs-Invarianten haben dieselbe Struktur wie die Spannungs-Invarianten in Kap. 3 Sec. 1.2 (formaler Austausch σijεij\sigma_{ij} \to \varepsilon_{ij}). Cross-Check εI+εII+εIII=I1E\varepsilon_I + \varepsilon_{II} + \varepsilon_{III} = I_1^E analog zur Spur-Identität bei den Hauptspannungen.

!!
Erste Verzerrungs-Invariante (Spur)
I1E=spur(E)=εx+εy+εzI_1^E = \operatorname{spur}(\underline{\underline{E}}) = \varepsilon_x + \varepsilon_y + \varepsilon_z
Spur des Verzerrungstensors. Unabhängig vom Koordinatensystem: gleich der Summe der Hauptdehnungen.
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Zweite Verzerrungs-Invariante
I2E=εxεyεyεzεxεz+εxy2+εxz2+εyz2I_2^E = -\varepsilon_x \varepsilon_y - \varepsilon_y \varepsilon_z - \varepsilon_x \varepsilon_z + \varepsilon_{xy}^2 + \varepsilon_{xz}^2 + \varepsilon_{yz}^2
Diagonal-Produkte mit minus, Off-Diagonal-Quadrate mit plus. Vorzeichen-Regel wie bei den Spannungs-Invarianten.
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Dritte Verzerrungs-Invariante (Determinante)
I3E=det(E)I_3^E = \det(\underline{\underline{E}})
Determinante des Verzerrungstensors. Es gilt εIεIIεIII=I3E\varepsilon_I \cdot \varepsilon_{II} \cdot \varepsilon_{III} = I_3^E.
Definition Hauptdehnung
Eigenwert von E\underline{\underline{E}}. Drei reelle Werte εIεIIεIII\varepsilon_I \geq \varepsilon_{II} \geq \varepsilon_{III}.
Definition Hauptrichtung
Eigenvektor von E\underline{\underline{E}} zur entsprechenden Hauptdehnung.
Merke Identisch zu Kap. 3
Block-Reduktion, char. Polynom, 2D-Mohr-Formel: alles 1:1 vom Spannungstensor.

3.2 Auswerten: εn\varepsilon_n und γmax\gamma_{\max}

Praxis-Auswertung. Die Normaldehnung in eine Richtung n\vec{n} ist εn=(En)n\varepsilon_n = (\underline{\underline{E}} \cdot \vec{n}) \cdot \vec{n}. Das ist die direkte Verzerrungs-Antwort an einer Schnittfläche mit Normale n\vec{n}. Der zugehörige Schubanteil ist εnt\varepsilon_{nt} mit Pythagoras-Zerlegung wie beim Spannungsvektor in Kap. 1.

Maximaler Schubwinkel γmax\gamma_{\max}. Als Tensor-Wert ist εmax\varepsilon_{\max} die Off-Diagonal-Maximalkomponente im 45°45°-gedrehten Hauptachsensystem, also halbe Differenz Max minus Min. Anschaulich (Ingenieur-γ\gamma): γmax=2εmax=εIεIII\gamma_{\max} = 2\,\varepsilon_{\max} = \varepsilon_I - \varepsilon_{III}, ohne den Faktor 1/21/2. Das ist die maximale Winkeländerung im Material.

!!
Normaldehnung in Richtung n\vec{n}
εn=(En)n\varepsilon_n = (\underline{\underline{E}} \cdot \vec{n}) \cdot \vec{n}
Skalar. Lineare Dehnung an Schnittfläche mit Normale n\vec{n}.
!!!
Maximaler Schubwinkel (Ingenieur-Konvention)
γmax=εIεIII\gamma_{\max} = \varepsilon_I - \varepsilon_{III}
Halbe Differenz mal 22, weil Ingenieur-Konvention. Maximale Winkeländerung im Material.

Richtungen der maximalen Schubverformung. Die Richtungen, in denen γmax\gamma_{\max} auftritt, liegen 45°45° versetzt zu den extremen Hauptdehnungs-Richtungen. Konkret: wenn nI\vec{n}_I und nIII\vec{n}_{III} die Hauptrichtungen zu εI\varepsilon_I und εIII\varepsilon_{III} sind, dann liegen die Vektoren n\vec{n} und t\vec{t} der maximalen Schubverformung in der Ebene aufgespannt durch nI\vec{n}_I und nIII\vec{n}_{III}, jeweils unter 45°45° zu beiden.

!!
Richtungen der maximalen Schubverformung
n=12(nI+nIII),t=12(nI+nIII)\vec{n} = \tfrac{1}{\sqrt{2}}(\vec{n}_I + \vec{n}_{III}), \qquad \vec{t} = \tfrac{1}{\sqrt{2}}(-\vec{n}_I + \vec{n}_{III})
Beide liegen 45°45° zu den Hauptachsen nI\vec{n}_I und nIII\vec{n}_{III}, in der von ihnen aufgespannten Ebene.
Formel Lineare Dehnung in n\vec{n}
εn=(En)n\varepsilon_n = (\underline{\underline{E}} \cdot \vec{n}) \cdot \vec{n}
Skalare Antwort an Schnittfläche.
Formel γmax\gamma_{\max}
γmax=εIεIII\gamma_{\max} = \varepsilon_I - \varepsilon_{III}
Ingenieur-Konvention.
Merke Tensor- vs. Ingenieur-Form
Mohr-Radius ist εmax\varepsilon_{\max} (Tensor); Klausur-Antwort ist meistens γmax\gamma_{\max} (Ingenieur). Faktor 22.
Prüfungstipp 45°45°-Versatz
Max-Schub-Richtungen liegen zwischen den extremen Hauptrichtungen, immer 45°45° vom Hauptachsensystem entfernt.

3.3 Beispiel: Hauptdehnungen, Hauptrichtungen, γmax\gamma_{\max}

Aufgabe (Fortsetzung von Bsp. 1.4 aus Übungsserie 4, H1 b/c/d). Mit dem Verzerrungstensor aus Sec. 1.4,

{E}xy=(7331)103\{\underline{\underline{E}}\}_{xy} = \begin{pmatrix} 7 & 3 \\ 3 & -1 \end{pmatrix} \cdot 10^{-3},

bestimme (b) die Hauptdehnungen εI\varepsilon_I und εII\varepsilon_{II}, (c) die zugehörigen Hauptrichtungs-Winkel αI\alpha_I und αII\alpha_{II} bezüglich der xx-Achse, und (d) den maximalen Schubwinkel γmax\gamma_{\max}.

Lösungsweg in 5 Schritten

  1. Schritt 1: Mittelpunkt MM und Radius RR des Mohr-Kreises
    2D-Mohr-Formel für Hauptdehnungen identisch zur Hauptspannungs-Formel. MM ist Mittelwert der Diagonale, RR aus Pythagoras der halben Differenz und der Off-Diagonal-Komponente.
    Werte einsetzen.
    M=7+(1)2103=3103R=(7(1)2)2+32103=16+9103=5103\begin{aligned} M &= \frac{7 + (-1)}{2} \cdot 10^{-3} = 3 \cdot 10^{-3} \\ R &= \sqrt{\left(\tfrac{7-(-1)}{2}\right)^2 + 3^2} \cdot 10^{-3} = \sqrt{16 + 9} \cdot 10^{-3} = 5 \cdot 10^{-3} \end{aligned}
  2. Schritt 2: Hauptdehnungen εI,εII=M±R\varepsilon_I, \varepsilon_{II} = M \pm R
    Maximum und Minimum auf der ε\varepsilon-Achse des Mohr-Kreises.
    Zwei Werte.
    εI=M+R=8103,εII=MR=2103\varepsilon_I = M + R = 8 \cdot 10^{-3}, \qquad \varepsilon_{II} = M - R = -2 \cdot 10^{-3}
  3. Schritt 3: Sanity-Check via Spur-Invariante
    εI+εII=6103\varepsilon_I + \varepsilon_{II} = 6 \cdot 10^{-3} muss gleich εx+εy\varepsilon_x + \varepsilon_y aus Sec. 1.4 sein.
    Cross-Check.
    εI+εII=8+(2)=6103=spur(E)  \varepsilon_I + \varepsilon_{II} = 8 + (-2) = 6 \cdot 10^{-3} = \operatorname{spur}(\underline{\underline{E}}) \;\checkmark
  4. Schritt 4: Hauptrichtungs-Winkel αI\alpha_I via halbiertem Arctan
    tan(2αI)=2εxy/(εxεy)\tan(2\alpha_I) = 2\,\varepsilon_{xy} / (\varepsilon_x - \varepsilon_y). Halbieren liefert αI\alpha_I.
    Werte einsetzen.
    tan(2αI)=2εxyεxεy=237(1)=68=0,75αI=12arctan(0,75)18,4°,αII=αI+90°108,4°\begin{aligned} \tan(2\alpha_I) &= \frac{2\,\varepsilon_{xy}}{\varepsilon_x - \varepsilon_y} = \frac{2 \cdot 3}{7 - (-1)} = \frac{6}{8} = 0{,}75 \\ \alpha_I &= \tfrac{1}{2}\arctan(0{,}75) \approx 18{,}4°, \quad \alpha_{II} = \alpha_I + 90° \approx 108{,}4° \end{aligned}
  5. Schritt 5: Maximaler Schubwinkel γmax\gamma_{\max}
    Ingenieur-Konvention: γmax=εIεII\gamma_{\max} = \varepsilon_I - \varepsilon_{II} (in 2D, mit εIII=0\varepsilon_{III} = 0 als out-of-plane wenn nicht angegeben).
    Einsetzen.
      γmax=εIεII=8(2)=10103  \boxed{\;\gamma_{\max} = \varepsilon_I - \varepsilon_{II} = 8 - (-2) = 10 \cdot 10^{-3}\;}
Formel Resultate
εI=8103,  εII=2103\varepsilon_I = 8\cdot 10^{-3},\;\varepsilon_{II} = -2\cdot 10^{-3}
Plus αI18,4°\alpha_I \approx 18{,}4°, γmax=10103\gamma_{\max} = 10\cdot 10^{-3}.
Merke Spur-Invariante als Cross-Check
εI+εII=εx+εy\varepsilon_I + \varepsilon_{II} = \varepsilon_x + \varepsilon_y immer.

4.1 Volumendehnung als Spurinvariante

Die Volumendehnung εV\varepsilon_V ist die relative Volumenänderung pro ursprünglichem Volumen, ΔV/V0\Delta V / V_0, an einem Punkt im Material. Bei kleinen Verzerrungen gilt εV=εx+εy+εz=spur(E)\varepsilon_V = \varepsilon_x + \varepsilon_y + \varepsilon_z = \operatorname{spur}(\underline{\underline{E}}). Das ist die erste Spannungs-Invariante I1I_1, hier auf den Verzerrungstensor angewandt.

Die Volumendehnung hängt nicht davon ab, wie wir das Koordinatensystem drehen. Rechnerisch liegt das daran, dass die Spur eines Tensors invariant ist. Physikalisch heisst das: Die Achsenwahl ändert nur die Beschreibung, nicht die tatsächliche Volumenänderung. Bei εV>0\varepsilon_V > 0 wächst das lokale Volumen, bei εV<0\varepsilon_V < 0 schrumpft es, und bei εV=0\varepsilon_V = 0 bleibt es konstant.

!!!
Volumendehnung als erste Verzerrungs-Invariante
εV=spur(E)=εx+εy+εz=εI+εII+εIII\varepsilon_V = \operatorname{spur}(\underline{\underline{E}}) = \varepsilon_x + \varepsilon_y + \varepsilon_z = \varepsilon_I + \varepsilon_{II} + \varepsilon_{III}
Spur des Verzerrungstensors. Unabhängig vom Koordinatensystem. In den Hauptachsen ist εV\varepsilon_V die Summe der drei Hauptdehnungen.
Definition Volumendehnung
ΔV/V0=spur(E)\Delta V / V_0 = \operatorname{spur}(\underline{\underline{E}}), relative Volumenänderung.
Merke Erste Verzerrungs-Invariante
εV=I1E\varepsilon_V = I_1^E, unabhängig vom Koordinatensystem.
Prüfungstipp Inkompressibel
εV=0\varepsilon_V = 0 heisst volumenkonstante Verformung. Tritt z.B. in plastischer Deformation auf.

4.2 Querkontraktionszahl

Bei einem Stab unter reinem axialen Zug in xx-Richtung dehnt er sich in xx (εx>0\varepsilon_x > 0) und kontrahiert in yy und zz (εy,εz<0\varepsilon_y, \varepsilon_z < 0). Das Verhältnis dieser Querkontraktion zur Längsdehnung heisst Querkontraktionszahl oder Poissonzahl ν\nu. Definition: ν=εquer/εlaengs\nu = -\varepsilon_{\text{quer}}/\varepsilon_{\text{laengs}}. Das Minuszeichen sorgt dafür, dass ν\nu meistens positiv ist (Material wird dünner, wenn länger).

Werte für reale Materialien: Stahl ν0,3\nu \approx 0{,}3, Aluminium ν0,33\nu \approx 0{,}33, Gummi ν0,5\nu \to 0{,}5 (inkompressibel), Kork ν0\nu \approx 0 (kontrahiert kaum). Theoretischer Bereich 1<ν<0,5-1 < \nu < 0{,}5. Bei ν=0,5\nu = 0{,}5 ist das Material exakt inkompressibel: der Volumenverlust durch Querkontraktion kompensiert genau die Volumenzunahme durch Längsdehnung.

Volumendehnung bei reinem Zug. Wenn εy=εz=νεx\varepsilon_y = \varepsilon_z = -\nu\,\varepsilon_x, dann εV=εx(12ν)\varepsilon_V = \varepsilon_x(1 - 2\nu). Bei ν=0,5\nu = 0{,}5 ist (12ν)=0(1 - 2\nu) = 0 und εV\varepsilon_V verschwindet. Bei ν=0\nu = 0 (Kork) ist εV=εx\varepsilon_V = \varepsilon_x, voll kompressibel.

!!
Querkontraktionszahl
ν=εquerεlaengs\nu = -\frac{\varepsilon_{\text{quer}}}{\varepsilon_{\text{laengs}}}
Verhältnis Quer- zu Längsdehnung mit Vorzeichenumkehr. Materialkonstante. Stahl ν0,3\nu \approx 0{,}3, Gummi ν0,5\nu \to 0{,}5.
!!
Volumendehnung bei reinem Zug in xx
εV=εx(12ν)\varepsilon_V = \varepsilon_x(1 - 2\nu)
Bei ν=0,5\nu = 0{,}5 verschwindet εV\varepsilon_V (inkompressibel). Bei ν=0\nu = 0 ist εV=εx\varepsilon_V = \varepsilon_x.
Definition Querkontraktionszahl
ν=εquer/εlaengs\nu = -\varepsilon_{\text{quer}}/\varepsilon_{\text{laengs}}. Stahl 0,3\approx 0{,}3, Gummi 0,5\to 0{,}5.
Formel εV\varepsilon_V bei reinem Zug
εV=εx(12ν)\varepsilon_V = \varepsilon_x(1 - 2\nu)
Kontroll-Formel.
Merke Inkompressibilitätsgrenze
ν=0,5    εV=0\nu = 0{,}5 \;\Longrightarrow\; \varepsilon_V = 0.
Querverweis Folgt
→ Kap. 5 Stoffgesetze

4.3 Beispiel: Volumendehnung bei reinem Zug

Aufgabe (Standard-Lehrbuch-Beispiel zur Querkontraktion). Ein Stahlquader (Querkontraktionszahl ν=0,3\nu = 0{,}3) wird in xx-Richtung mit einer linearen Längsdehnung εx=1103\varepsilon_x = 1 \cdot 10^{-3} belastet. Es wirkt nur reine Axiallast, alle anderen Spannungen sind null. Bestimme (a) die Querdehnungen εy\varepsilon_y und εz\varepsilon_z, (b) den vollständigen Verzerrungstensor, und (c) die Volumendehnung εV\varepsilon_V.

Lösungsweg in 4 Schritten

  1. Schritt 1: Querdehnungen aus ν\nu
    Bei reinem Zug in xx kontrahiert das Material in yy und zz gleichermassen (Symmetrie um die Zugachse). εy=εz=νεx\varepsilon_y = \varepsilon_z = -\nu\,\varepsilon_x.
    Einsetzen.
    εy=εz=νεx=0,31103=0,3103\varepsilon_y = \varepsilon_z = -\nu\,\varepsilon_x = -0{,}3 \cdot 1 \cdot 10^{-3} = -0{,}3 \cdot 10^{-3}
  2. Schritt 2: Vollständigen Verzerrungstensor schreiben
    Nur Diagonal-Komponenten, weil reine Axial-Last keinen Schub erzeugt. Off-Diagonalen alle null.
    3×33 \times 3-Matrix.
    {E}xyz=(10000,30000,3)103\{\underline{\underline{E}}\}_{xyz} = \begin{pmatrix} 1 & 0 & 0 \\ 0 & -0{,}3 & 0 \\ 0 & 0 & -0{,}3 \end{pmatrix} \cdot 10^{-3}
  3. Schritt 3: Volumendehnung als Spur
    εV=εx+εy+εz\varepsilon_V = \varepsilon_x + \varepsilon_y + \varepsilon_z, oder direkt εV=εx(12ν)\varepsilon_V = \varepsilon_x(1 - 2\nu).
    Beide Wege liefern dasselbe.
    εV=(10,30,3)103=0,4103=εx(12ν)=1(10,6)103=0,4103  \begin{aligned} \varepsilon_V &= (1 - 0{,}3 - 0{,}3) \cdot 10^{-3} = 0{,}4 \cdot 10^{-3} \\ &= \varepsilon_x(1 - 2\nu) = 1 \cdot (1 - 0{,}6) \cdot 10^{-3} = 0{,}4 \cdot 10^{-3} \;\checkmark \end{aligned}
  4. Schritt 4: Interpretation
    εV>0\varepsilon_V > 0 bedeutet Volumenzunahme. Stahl ist nicht inkompressibel, Volumen wächst um 0,040{,}04 Prozent.
    Resultate zusammenfassen.
      εy=εz=0,3103,εV=0,4103  \boxed{\;\varepsilon_y = \varepsilon_z = -0{,}3\cdot 10^{-3},\quad \varepsilon_V = 0{,}4 \cdot 10^{-3}\;}
Formel Resultate
εV=0,4103\varepsilon_V = 0{,}4 \cdot 10^{-3}
Gleich εx(12ν)\varepsilon_x(1 - 2\nu).
Merke ν\nu als Volumen-Schalter
(12ν)(1 - 2\nu) sagt, wie viel der Längsdehnung ins Volumen geht.
Querverweis Querverweis
→ Kap. 3 Hauptspannungen-Methodik

5.1 Gleichgewichts-Differentialgleichungen

Diese Section dient primär der Intuition und der Vollständigkeit. Sie zeigt, warum ein Spannungsfeld im Inneren eines Körpers nicht beliebig sein kann, sondern bestimmten räumlichen Differentialgleichungen genügen muss. Klausur-Aufgaben dieses Typs erscheinen typischerweise einmal pro Prüfung. Methodisch sind sie eng verwandt mit dem Verzerrungs-Kapitel, weil beide auf räumlichen partiellen Ableitungen aufbauen.

Newton II auf ein infinitesimales Würfelvolumen im Inneren des Körpers angewendet liefert drei räumliche Differentialgleichungen für das Spannungsfeld. Der Würfel hat sechs Schnittflächen mit je drei Spannungs-Komponenten; das Gleichgewicht in jeder der drei Achsen-Richtungen liefert eine Gleichung.

Anschauung. Wenn die Spannungen räumlich variieren, müssen die Variationen in benachbarten Richtungen so zueinander passen, dass das Volumenelement im Gleichgewicht bleibt. Das ist Mechanik im Kleinen: Newton II auf jeden Punkt im Material angewandt.

!!!
Gleichgewichts-DGLs im Inneren (3D)
σxx+τxyy+τxzz+fx=0τxyx+σyy+τyzz+fy=0τxzx+τyzy+σzz+fz=0\begin{aligned} \frac{\partial \sigma_x}{\partial x} + \frac{\partial \tau_{xy}}{\partial y} + \frac{\partial \tau_{xz}}{\partial z} + f_x &= 0 \\ \frac{\partial \tau_{xy}}{\partial x} + \frac{\partial \sigma_y}{\partial y} + \frac{\partial \tau_{yz}}{\partial z} + f_y &= 0 \\ \frac{\partial \tau_{xz}}{\partial x} + \frac{\partial \tau_{yz}}{\partial y} + \frac{\partial \sigma_z}{\partial z} + f_z &= 0 \end{aligned}
Drei Gleichungen, ein Punkt-Gleichgewicht pro Achse. f=(fx,fy,fz)\vec{f} = (f_x, f_y, f_z)^\top ist die Volumenkraft pro Volumeneinheit (z.B. Schwerkraft ρg\rho \vec{g}). Bei vernachlässigbarer Volumenkraft entfallen die fif_i-Terme.
!!
Spezialfall ebener Spannungszustand ohne Volumenkraft
σxx+τxyy=0,τxyx+σyy=0\frac{\partial \sigma_x}{\partial x} + \frac{\partial \tau_{xy}}{\partial y} = 0, \qquad \frac{\partial \tau_{xy}}{\partial x} + \frac{\partial \sigma_y}{\partial y} = 0
Ebener Spannungszustand (σz=τxz=τyz=0\sigma_z = \tau_{xz} = \tau_{yz} = 0) ohne Volumenkraft. Zwei DGLs in den drei verbleibenden Komponenten σx,σy,τxy\sigma_x, \sigma_y, \tau_{xy}.
Definition Gleichgewicht im Inneren
Newton II auf ein infinitesimales Volumenelement. Drei DGLs (3D), zwei (ebene Spannung).
Merke Spannungsfeld nicht frei
Räumliche Variation von σ\sigma und τ\tau ist über die DGLs gekoppelt.
Prüfungstipp Volumenkraft prüfen
Wenn keine Schwerkraft erwähnt, f=0\vec{f} = 0 annehmen.

5.2 Beispiel: Spannungsfeld aus Schubspannung und Randbedingungen

Aufgabe (aus Übungsserie 4, Hausübung H3). Man betrachte einen rechteckigen Teilbereich (Abmessungen a×ba \times b) einer mechanisch belasteten dünnen Scheibe. Spannungen in Dickenrichtung sind vernachlässigbar (ebener Spannungszustand). Von den Spannungen in der xyxy-Ebene ist die räumliche Variation der Schubspannung bezüglich des xyxy-Koordinatensystems bekannt:

τxy(x,y)=4ab2y2\tau_{xy}(x, y) = \frac{4a}{b^2}\,y^2.

Des Weiteren gelten: σx=0\sigma_x = 0 für alle Punkte auf der Geraden x=0x = 0, sowie σy=0\sigma_y = 0 für alle Punkte auf der Geraden y=b/2y = b/2. Bestimme die Verteilung der Normalspannungen σx(x,y)\sigma_x(x, y) und σy(x,y)\sigma_y(x, y).

Lösungsweg in 4 Schritten

  1. Schritt 1: DGLs auf den ebenen Fall reduzieren
    Ebener Spannungszustand bedeutet σz=τxz=τyz=0\sigma_z = \tau_{xz} = \tau_{yz} = 0. Die dritte DGL wird trivial, die ersten zwei verlieren ihre z\partial_z-Terme. Volumenkraft f=0\vec{f} = 0 angenommen, weil die Aufgabe keine Schwerkraft erwähnt.
    Es bleiben zwei DGLs für die in-plane Komponenten.
    σxx+τxyy=0,τxyx+σyy=0\frac{\partial \sigma_x}{\partial x} + \frac{\partial \tau_{xy}}{\partial y} = 0, \qquad \frac{\partial \tau_{xy}}{\partial x} + \frac{\partial \sigma_y}{\partial y} = 0
  2. Schritt 2: Erste DGL nach σx\sigma_x integrieren
    Aus der ersten DGL folgt xσx=yτxy\partial_x \sigma_x = -\partial_y \tau_{xy}. Die rechte Seite ist die yy-Ableitung von τxy\tau_{xy}, die wir aus der Aufgabe ablesen. Anschliessend nach xx integrieren, Integrationskonstante als g(y)g(y).
    Erst yτxy\partial_y \tau_{xy} ausrechnen, dann nach xx integrieren.
    τxyy=8ab2y  σxx=8ab2y  σx(x,y)=8ab2yx+g(y)\begin{aligned} \frac{\partial \tau_{xy}}{\partial y} &= \frac{8a}{b^2}\,y \\ \Longrightarrow\; \frac{\partial \sigma_x}{\partial x} &= -\frac{8a}{b^2}\,y \\ \Longrightarrow\; \sigma_x(x, y) &= -\frac{8a}{b^2}\,y\,x + g(y) \end{aligned}
  3. Schritt 3: Zweite DGL nach σy\sigma_y integrieren
    τxy\tau_{xy} hängt nicht von xx ab (nur y2y^2), also xτxy=0\partial_x \tau_{xy} = 0. Damit yσy=0\partial_y \sigma_y = 0, also σy\sigma_y unabhängig von yy, also σy(x,y)=h(x)\sigma_y(x, y) = h(x).
    Eine zweite Integration mit Konstante h(x)h(x).
    τxyx=0    σyy=0    σy(x,y)=h(x)\frac{\partial \tau_{xy}}{\partial x} = 0 \;\Longrightarrow\; \frac{\partial \sigma_y}{\partial y} = 0 \;\Longrightarrow\; \sigma_y(x, y) = h(x)
  4. Schritt 4: Randbedingungen einsetzen
    Die Randbedingung σx(0,y)=0\sigma_x(0, y) = 0 für alle yy liefert g(y)=0g(y) = 0. Die Randbedingung σy(x,b/2)=0\sigma_y(x, b/2) = 0 für alle xx liefert h(x)=0h(x) = 0. Beide Funktionen verschwinden, das Spannungsfeld ist eindeutig bestimmt.
    Endresultat:
      σx(x,y)=8ab2yx,σy(x,y)=0  \boxed{\;\sigma_x(x, y) = -\frac{8a}{b^2}\,y\,x, \qquad \sigma_y(x, y) = 0\;}
Formel Resultat
σx=8ab2yx,  σy=0\sigma_x = -\tfrac{8a}{b^2}\,y\,x,\;\sigma_y = 0
Aus den beiden Gleichgewichts-DGLs plus zwei Randbedingungen.
Merke Vorgehen DGL-Klausur
Ebene DGLs hinschreiben, Komponente einsetzen, integrieren, Randbedingungen fixieren.
Prüfungstipp Volumenkraft prüfen
Wenn keine Schwerkraft erwähnt, f=0\vec{f} = 0 annehmen.
Querverweis Methodik
→ Sec. 5.1 Gleichgewichts-DGLs

Aufgaben mit Musterlösungen

Drei Multiple-Choice-Aufgaben aus alten Klausuren. Antwort-Optionen 1:1 aus der jeweiligen Original-Klausur übernommen. Markiere deine Antwort, klick Lösung prüfen, dann erscheint der vollständige Lösungsweg.

Aufgabe 1

Aus Klausur FS24, Frage B1. Für eine Scheibe wurde aus Messungen das folgende ebene Verschiebungsfeld ermittelt: u(x,y)=l1000 ⁣[1+ln ⁣(yl+1)]u(x,y) = \frac{l}{1000}\!\left[1 + \ln\!\left(\tfrac{y}{l} + 1\right)\right], v(x,y)=l1000 ⁣[1+(yl)2+3 ⁣(xl)]\quad v(x,y) = \frac{l}{1000}\!\left[1 + \left(\tfrac{y}{l}\right)^2 + 3\!\left(\tfrac{x}{l}\right)\right] mit l>0l > 0. Bestimme γxy\gamma_{xy} (Verkleinerung des Winkels zwischen ex\boldsymbol{e}_x und ey\boldsymbol{e}_y) am Punkt mit den Koordinaten x=0x = 0 und y=ly = l.

Aufgabe 2

Aus Klausur FS24, Frage B2. Gegeben sei der Verzerrungstensor E\underline{\underline{E}} im ξ\xi-η\eta-Koordinatensystem: {E}ξη=(2111)104\{\underline{\underline{E}}\}_{\xi\eta} = \begin{pmatrix} 2 & 1 \\ 1 & 1 \end{pmatrix} \cdot 10^{-4}. Bestimme die Komponente εxy\varepsilon_{xy} des Verzerrungstensors im xx-yy-Koordinatensystem. Die xx-Achse ist um 45°45° im Uhrzeigersinn aus der ξ\xi-Achse gedreht (entsprechend ist η\eta um 45°45° gegen den Uhrzeigersinn aus xx).

Aufgabe 3

Aus Klausur FS25, Frage B2. Für einen würfelförmigen Bereich mit der Kantenlänge ll (0xl0 \leq x \leq l, 0yl0 \leq y \leq l, 0zl0 \leq z \leq l) innerhalb eines Bauteils ist das Verschiebungsfeld u(x,y,z)\vec{u}(x,y,z) mit u0>0u_0 > 0 gegeben: u(x,y,z)=(2x2/l+z3y2/lx+z2z3/l2)u0l\vec{u}(x,y,z) = \begin{pmatrix} 2\,x^2/l + z \\ -3\,y^2/l - x + z \\ 2\,z^3/l^2 \end{pmatrix} \cdot \frac{u_0}{l}. Bestimme die Koordinaten (Positionsvektor x\vec{x} im xx-yy-zz-Koordinatensystem) der Stelle im Würfel, an welcher die grösste Volumenausdehnung auftritt.
MerkeErst selbst rechnen, dann Lösung prüfen!