Bisher haben wir Spannung (Last) und Verzerrung (Antwort des Materials) getrennt behandelt. Das Stoffgesetz verbindet beide an einem Punkt im Material. Im linear-elastischen Bereich gilt das Hookesche Gesetz: Spannung proportional zur Dehnung.
Die Materialkonstante E heisst Elastizitätsmodul. Sie ist die Steigung der Spannungs-Dehnungs-Kurve im linearen Bereich. Einheit: [GPa]=[kN/mm2], gleich der Spannung. Typische Werte: Stahl E≈200 GPa, Aluminium E≈70 GPa, Beton E≈30 GPa.
Anwendung Stab unter Zug. Mit ε=Δl/l0 und σ=N/A folgt direkt eine Formel für die Längenänderung als Integral über die Stab-Länge. Der Querschnitt A(x) darf entlang x variieren.
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Hookesches Gesetz 1D
σ=Eε⇔AN(x)=ElΔl
Lineare Beziehung Spannung zu Dehnung. Gilt im elastischen Bereich. E ist die Steigung der σ-ε-Kurve.
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Längenänderung eines Stabes
Δl=E1∫0lA(x)N(x)dx
Bei konstantem Querschnitt vereinfacht sich das zu Δl=Nl/(EA). Bei abschnittsweise konstantem Querschnitt: Summe der Teilabschnitte.
Anschauungs-Beispiel (Üs5 H1). Ein Stab der Länge l0=125 mm mit Querschnittsfläche A0=500 mm2 wird mit P=40 kN belastet und um Δl=0,05 mm verlängert. Aus E=σ/ε=(P/A0)/(Δl/l0) folgt E=40000N/500mm2⋅125mm/0,05mm=200000N/mm2=200 GPa. Material: Stahl.
DefinitionElastizitätsmodul E
Steigung der σ-ε-Kurve im linearen Bereich. Materialkonstante, Einheit GPa.
Analog zur Normaldehnung gibt es ein Stoffgesetz für Schub. Ein Würfel verformt sich unter Schubspannung τxy um den Winkel γxy in Radiant. Die lineare Beziehung lautet τ=Gγ, mit dem SchubmodulG als Materialkonstante.
Brücke zu Kap. 4: γxy=2εxy, der Faktor 2 aus der Tensor- gegenüber Ingenieur-Konvention. Damit ist τxy=Gγxy=2Gεxy.
Typische Werte: Stahl G≈80 GPa, Aluminium G≈25 GPa. Verglichen mit E ist G um Faktor 2,5 bis 3 kleiner. Das ist kein Zufall, wie Sec. 1.3 zeigt.
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Schubgesetz
τxy=Gγxy=2Gεxy
G ist der Schubmodul. γ ist der Ingenieur-Schubwinkel, εxy die Tensor-Komponente (mit Faktor 1/2).
DefinitionSchubmodul G
Materialkonstante. Einheit GPa, gleich wie E.
FormelSchubgesetz
τ=Gγ
Schubspannung proportional zum Schubwinkel.
MerkeTypische G-Werte
Stahl 80 GPa, Aluminium 25 GPa. Faktor 2,5 bis 3 kleiner als E.
Wiederholung Kap. 4 Sec. 4.2: die Querkontraktionszahlν=−εquer/εlaengs misst das Verhältnis von Quer- zu Längsdehnung bei reinem Zug. Stahl ν≈0,3, Gummi ν→0,5, Kork ν≈0.
Zentrale Erkenntnis. Ein linear-elastisches isotropes Material hat nur zwei unabhängige Materialkonstanten, nicht drei. Aus E und ν folgt G automatisch durch eine Kopplungs-Beziehung.
Anschauliche Begründung. Reine Schubspannung in einem xy-Koordinatensystem entspricht reiner Zug-Druck-Belastung in einem 45°-gedrehten Koordinatensystem: in der einen Hauptachse Zug +τ, in der anderen Druck −τ. Die Längsdehnung dieser Hauptachsen-Belastung folgt aus 1D-Hooke mit Querkontraktion. Über die Kompatibilität der Verformungen lässt sich G aus E und ν herleiten. Resultat:
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Kopplung der Materialkonstanten
G=2(1+ν)E
Verbindet E, G und ν. Nur zwei der drei Konstanten sind unabhängig wählbar.
Cross-Check mit typischen Werten. Stahl: E=200 GPa, ν=0,3, also G=200/(2⋅1,3)≈77 GPa. Stimmt mit dem typischen Wert 80 GPa überein. Aluminium: E=70 GPa, ν=0,33, also G=70/(2⋅1,33)≈26 GPa. Auch konsistent.
1.4 Beispiel: Verschiebung bei variablem Querschnitt
Aufgabe (aus Übungsserie 5, Hausübung H2). Gegeben sei ein linear-elastischer Stab (Elastizitätsmodul E) mit variablem Querschnitt: Querschnittsfläche A1 im Bereich A-B (Länge l), Querschnittsfläche A2 im Bereich B-C (Länge 2l). Der Stab ist an der Stelle A eingespannt. An der Stelle C greift eine Kraft mit Betrag F1=2P an, an der Stelle B eine weitere Kraft mit Betrag F2=P (beide in negative x-Richtung).
(a) Normalspannung σx in der Mitte des Abschnitts B-C bei x=2l berechnen. (b) Querschnittsflächen-Verhältnis A1/A2 bestimmen, so dass σx(x=l/2)=σx(x=2l). (c) Verschiebung des Punktes C in x-Richtung für A1=A und das unter (b) bestimmte Verhältnis.
Lösungsweg in 5 Schritten
Schritt 1: Normalkraft im Abschnitt B-C aus Freischnitt
Schnitt rechts vom Punkt B und Gleichgewicht des freigeschnittenen Stab-Endes. Es wirkt nur F1=2P in negative x-Richtung; die Schnittkraft N1 ist die innere Reaktion.
Aus ∑Fx=0: N1+F1=0⇒N1=−2P. Negativ heisst Druck.
σx(x=2l)=A2N1=−A22P
Schritt 2: Lagerkraft Ax aus Gleichgewicht am ganzen Stab
Beide Kräfte F1 und F2 wirken in negative x-Richtung. Die Einspannung bei A muss insgesamt F1+F2=3P in positive x-Richtung halten.
∑Fx=0⇒Ax=F1+F2=3P.
Ax=F1+F2=2P+P=3P
Schritt 3: Normalkraft im Abschnitt A-B und Spannung σx(x=l/2)
Schnitt zwischen A und B, Freischnitt der linken Seite. Es wirkt nur Ax=3P als Druck-Reaktion an der Einspannung.
N2=−Ax=−3P. Spannung im Abschnitt A-B:
σx(x=l/2)=A1N2=−A13P
Schritt 4: Querschnittsflächen-Verhältnis aus Gleichheits-Bedingung
Aufgabenteil (b) verlangt σx(x=l/2)=σx(x=2l). Beide sind negativ; einsetzen und auflösen.
Mit A1=A folgt A2=(2/3)A.
−A13P=−A22P⟹A2A1=23
Schritt 5: Verschiebung von C aus Aufsummieren der Längenänderungen
Beide Abschnitte haben konstante Spannung. Längenänderung jedes Teils via Hooke, dann addieren. Mit A1=A und A2=(2/3)A: σAB=−3P/A, σBC=−2P/((2/3)A)=−3P/A (gleich, wie verlangt).
Beide Abschnitte tragen gleichermassen zur Längenänderung bei.
ΔLtot=EσABl+EσBC2l=−EA3Pl−EA6Pl=−EA9Pl
FormelResultate
ΔLtot=−EA9Pl
Plus σx(2l)=−2P/A2, A1/A2=3/2.
MerkeDrei Schritte für Stab-Aufgaben
Freischnitt für Normalkraft, Hooke für Dehnung, Integration für Verschiebung.
Aufgabe (aus Übungsserie 5, Schnellübung S2). Die durch den Spannungstensor
{T}xy=(200744744150)MPa
beschriebenen Spannungen verformen einen ursprünglich rechteckigen Bereich der Grösse 400×300 mm in das skizzierte Trapez. Die obere Kante verschiebt sich um 5 mm nach rechts, die rechte Kante um 5 mm nach oben. Bestimme den Schubmodul G unter der Annahme linear-elastischen Materialverhaltens.
Lösungsweg in 3 Schritten
Schritt 1: Schubwinkel aus Geometrie
Bei kleinen Winkeln ist tan(γ)≈γ in Radiant. Der Gesamt-Schubwinkel γxy setzt sich aus zwei Teil-Winkeln zusammen: γ1 aus der Verschiebung der oberen Kante (5 mm Versatz auf 300 mm Höhe) und γ2 aus der Verschiebung der rechten Kante (5 mm Versatz auf 400 mm Breite).
Das 1D-Hooke-Gesetz σ=Eε reicht nur für reine Zug-Druck-Belastung in einer Achse. Real wirken auf einen Materialpunkt in 3D bis zu sechs unabhängige Spannungs-Komponenten (σx,σy,σz,τxy,τxz,τyz), und diese erzeugen kombinierte Verzerrungen.
Spannungs-Verzerrungs-Kopplung. Eine Zugspannung σx erzeugt nicht nur eine Längsdehnung εx, sondern wegen Querkontraktion auch εy und εz (negativ). Wirken zusätzlich σy oder σz, addieren sich ihre Beiträge zu jeder Komponente. Das ist Superposition.
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Lineare Normaldehnung in 3D
εx=E1[σx−ν(σy+σz)]
Eigene Zugspannung mit voller Wirkung, Querbeiträge mit Faktor −ν. Analog für εy und εz durch zyklisches Vertauschen.
Schub-Komponenten sind unabhängig.τxy erzeugt nur εxy, nicht εxz oder εyz. Das Schubgesetz ist diagonal: jede Schubspannung koppelt nur zu ihrer eigenen Schubverzerrung. Mit der Kopplung aus Sec. 1.3 (G=E/(2(1+ν))) lässt sich das auch in E und ν ausdrücken.
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Schubverzerrung in 3D
εxy=2Gτxy=E1+ντxy
Faktor 1/(2G)=(1+ν)/E für jede Schubkomponente. Schub-Schub-Kopplung diagonal.
MerkeSechs Spannungen, sechs Verzerrungen
Vollständiger 3D-Spannungs- und Verzerrungs-Zustand mit jeweils sechs unabhängigen Werten.
MerkeQuerkontraktion in jeder Achse σx erzeugt εx (Längs) plus −νεx in y und z (Quer). Linear superposiert mit den anderen σ.
PrüfungstippSchub und Normal entkoppelt
Schubspannung erzeugt nur Schubverzerrung. Keine Quer-Dehnung durch Schub.
Sechs Spannungs- und sechs Verzerrungs-Komponenten in Spaltenvektoren packen. Das Stoffgesetz wird zu einer Matrixgleichung ε=H⋅σ. Die 6×6-Matrix H heisst Nachgiebigkeitsmatrix (compliance) und packt alle Querkontraktionen und Schub-Beiträge in eine kompakte Form.
Drei Blöcke. Normal-Normal oben links: Diagonale 1/E, Off-Diagonalen −ν/E. Schub-Schub unten rechts: Diagonale (1+ν)/E, Off-Diagonalen null. Cross-Blöcke Normal-Schub und Schub-Normal: alles null.
Die SteifigkeitsmatrixK=H−1 liefert Spannung aus Verzerrung. Vorfaktor E/(1+ν), im Normal-Normal-Block sind die Diagonalen (1−ν)/(1−2ν) und die Off-Diagonalen ν/(1−2ν). Schub-Komponenten haben Faktor 1 (mit dem Vorfaktor zusammen also E/(1+ν)).
Achtung: Pol bei ν=0,5 wegen 1−2ν im Nenner. Das ist die Inkompressibilitätsgrenze; für ideal-inkompressible Materialien funktioniert die Steifigkeitsmatrix nicht direkt.
Stiffness. Aus Verzerrungen die Spannungen lesen. K=H−1.
Tensor-Kompaktform. Statt mit der 6×6-Matrix zu multiplizieren, lässt sich der Spannungstensor direkt aus dem Verzerrungstensor in einer kompakten Tensor-Schreibweise berechnen. Diese Form spart in der Klausur deutlich Zeit, weil keine Vektorisierung notwendig ist.
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Tensor-Kompaktform: σ aus ε
T=1+νE[E+1−2νν⋅spur(E)I]
Sehr kompakte Form. E ist der Verzerrungstensor (nicht der Elastizitätsmodul E, der ist hier Skalar). I ist die 3×3-Einheitsmatrix. spur(E)=εx+εy+εz ist die Volumendehnung. Funktioniert in jedem Koordinatensystem, nicht nur in Hauptachsen: σx=1+νE[εx+1−2ννspur(E)] direkt aus dem xyz-Tensor. Ehrlich gesagt wird diese Formel nicht einmal im Unterricht so erwähnt, aber in der Serie wird sie als gegeben erwartet. Ich kann es nur wärmstens empfehlen die Herleitung einmal selber durchzurechnen :)
Inverse Tensor-Form: ε aus σ. Symmetrisch zum direkten Weg: aus dem Spannungstensor lässt sich der Verzerrungstensor in Tensor-Schreibweise direkt zurückberechnen, ohne 6×6-Matrix-Inversion. Das ist die kompakte Form der Nachgiebigkeitsmatrix H.
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Tensor-Kompaktform: ε aus σ
E=E1+νT−Eνspur(T)I
Inverse Tensor-Form. Folgt direkt aus der skalaren Hooke-Gleichung εx=(1/E)[σx−ν(σy+σz)]=((1+ν)/E)σx−(ν/E)spur(T). Komponentenweise im xyz-Koordinatensystem, ohne Eigenwert-Schritt. Schub-Komponenten: εij=((1+ν)/E)τij, weil spur nur Diagonal-Komponenten betrifft.
DefinitionSteifigkeitsmatrix σ=Kε. Spannung aus Verzerrung.
Formelσ aus ε
T=1+νE[E+1−2ννspur(E)I]
Direkte Tensor-Form.
Formelε aus σ
E=E1+νT−Eνspur(T)I
Inverse Tensor-Form.
FormelBulk-Modulus
σm=KεV,K=3(1−2ν)E
Spur-Identität: hydrostatisch trennbar.
MerkePol bei ν=0,5
Inkompressibilitätsgrenze. 1−2ν→0 macht K und K singulär.
PrüfungstippKoordinatensystem-unabhängig
Beide Tensor-Formen gelten in jedem Koordinatensystem. Eine σ- oder ε-Komponente direkt aus dem xyz-Tensor ablesbar.
2.4 Beispiel: Hauptspannungen aus Verzerrungstensor
Aufgabe (aus Übungsserie 5, Hausübung H3). An einem Materialpunkt im Inneren eines Körpers wurde mit Hilfe von Tomographiebildern der folgende Verzerrungstensor im xyz-Koordinatensystem bestimmt:
{E}xyz=403000302ε0mit ε0=10−4
Bestimme die zugehörigen Hauptspannungen unter der Annahme linear-elastischen Stoffverhaltens (Elastizitätsmodul E, Querkontraktionszahl ν=1/3).
Lösungsweg in 5 Schritten
Schritt 1: Hauptdehnungen via Block-Reduktion
Die mittlere Zeile und Spalte sind null. Damit ist εy=0 schon eine Hauptdehnung mit Hauptrichtung ey. Die verbleibenden zwei Hauptdehnungen folgen aus dem 2×2-Block {{4,3},{3,2}}ε0 via charakteristisches Polynom oder Mohr-Formel.
Die Spur muss unabhängig vom Koordinatensystem sein: spur(E)=εx+εy+εz in der ursprünglichen Form gleich der Summe der Hauptdehnungen.
Beide Wege liefern 6ε0.
εI+εII+εIII=5ε0+ε0+0=6ε0=4+0+2✓
Schritt 3: Tensor-Kompaktform mit ν=1/3 vereinfachen
Mit ν=1/3 folgen 1+ν=4/3, 1−2ν=1/3, also ν/(1−2ν)=1 und der Vorfaktor E/(1+ν)=3E/4. Die Tensor-Form wird zu σi=(3E/4)(εi+6ε0) in den Hauptachsen, weil spur(E)=6ε0.
Vereinfachte Form festhalten.
σi=43E(εi+6ε0)
Schritt 4: Hauptspannungen einsetzen
Drei Hauptdehnungen einzeln in die Formel einsetzen. Vor jedem Einsetzen den Term εi+6ε0 ausrechnen.
Erwärmung um ΔT verlängert den Körper. Pro Längeneinheit ist die thermische Dehnung εth=αΔT. Die Materialkonstante α heisst thermischer Ausdehnungskoeffizient, Einheit 1/K. Typische Werte: Stahl α≈12⋅10−6/K, Beton α≈10⋅10−6/K, Aluminium α≈23⋅10−6/K.
Wichtig: Wärmedehnung wirkt isotrop auf alle drei Normalkomponenten gleichermassen, nicht auf Schub. Ein Material erwärmt sich symmetrisch, dehnt sich in alle Richtungen gleich, und ändert keine Materialwinkel. Im Verzerrungstensor bedeutet das: nur die Diagonale bekommt einen αΔT-Beitrag, die Off-Diagonalen bleiben unbeeinflusst.
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Lineare thermische Dehnung
εth=αΔT
Pro Materialpunkt und Achsen-Richtung. Isotrop in alle drei Normalrichtungen, kein Beitrag zu Schub.
PrüfungstippStahl, Beton, Alu α≈12,10,23⋅10−6/K. Stahl und Beton bewusst nahe, daher Stahlbeton ohne thermisch induzierte Risse.
3.2 Stoffmatrix mit Wärmebeitrag
Erweiterte Form der Stoffmatrix: ε=Hσ+εth. Die thermische Verzerrung wird additiv ergänzt. In der Vektorform: αΔT auf den ersten drei Einträgen (Normalkomponenten), nullen auf den drei Schub-Einträgen.
Anschauung: das Material wird zuerst frei erwärmt (rein thermische Dehnung αΔT in jeder Achse), dann zusätzlich durch externe Kräfte mechanisch verformt. Beide Effekte addieren sich linear.
Vollständige Form. Mechanisch und thermisch additiv überlagert. Nur die ersten drei Komponenten (Normaldehnungen) erhalten den αΔT-Beitrag.
Skalare Form pro Komponente. Aus der Matrix-Form folgen die drei skalaren Hooke-Gleichungen mit Wärmebeitrag, die in Klausur-Aufgaben direkt einsetzbar sind.
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Skalare Hooke-Gleichung mit Wärmebeitrag
εx=E1[σx−ν(σy+σz)]+αΔT
Analog für εy und εz. Schub-Komponenten unverändert ohne αΔT. Ganz einfach gesagt: Wenn Aufgabe explizit Wärmedehnung erwähnt dann einfach den αΔT addieren und sonst ist αΔT=0.
FormelSkalare Form
εx=E1[σx−ν(σy+σz)]+αΔT
Drei Mal: x, y, z. Schub bleibt ohne αΔT.
MerkeAdditive Superposition
Mechanisch und thermisch trennen, dann zusammenfügen.
Schlüsselkonzept. Wenn ein Material erwärmt wird, aber nicht ausweichen kann (etwa zwischen starren Wänden eingeklemmt), entsteht eine Spannung, ohne dass eine resultierende Verzerrung sichtbar wird. Anschein-Paradox: σ ohne ε.
Auflösung. Beide Anteile existieren tatsächlich: Das Material würde sich thermisch ausdehnen (εth=αΔT), darf aber nicht. Die Wand erzeugt eine Druckspannung, deren mechanischer Verzerrungsanteil εmech=−αΔT die thermische Dehnung kompensiert. Die Gesamtverzerrung ist null. Die Spannung allerdings bleibt real und kann das Material zerstören.
Vorgehen für Klausur-Aufgaben. Setze die Gesamtverzerrung in der eingeklemmten Richtung gleich null; löse die Stoffgleichung nach der unbekannten Spannung auf. Übungsserie 5 S1 ist der Standard-Fall.
Aufgabe (aus Übungsserie 5, Schnellübung S1). Ein elastischer Quader der Höhe h, Breite a und Tiefe b wird durch die Kraft P in einen Hohlraum derselben Querschnittsfläche A=ab gepresst und dann um ΔT erwärmt. Sowohl der Stempel wie auch die Wände können als starr angenommen werden (Reibung mit der Wand vernachlässigbar). Gegeben: E, ν, α, ΔT.
(a) Wie gross sind die auftretenden Spannungen? (b) Welche Verschiebung erfolgt in Richtung der Kraft?
Lösungsweg in 7 Schritten
Schritt 1: Randbedingungen aus Geometrie
Die Wände sind starr in x und z. Der Quader kann sich nicht in diese Richtungen ausdehnen. In y-Richtung wirkt nur der Stempel mit der externen Kraft P, dort ist keine Wand: y-Richtung frei.
Geometrische Bedingungen.
εx=0,εz=0,εyfrei
Schritt 2: σy direkt aus Stempel-Gleichgewicht
Die Kraft P drückt den Quader von oben mit Fläche A=ab. Spannung in y-Richtung folgt direkt aus Druck-Definition mit Druck-Vorzeichen.
Eine Komponente bekannt.
σy=−abP
Schritt 3: Symmetrie σx=σz
Geometrie und Belastung sind symmetrisch in x und z (gleiche Wand-Steifigkeit, gleiche Wärme-Belastung, kein unsymmetrisches Moment). Damit muss auch die Spannungs-Reaktion symmetrisch sein. Eine Unbekannte gespart.
Symmetrie ausnutzen.
σx=σz
Schritt 4: Stoffgleichung für εx=0 aufstellen
Skalare Hooke-Gleichung mit Wärmebeitrag in x-Richtung. σy einsetzen, Symmetrie σz=σx einsetzen. Eine Gleichung in einer Unbekannten σx.
Gleichung formieren.
0=E1[σx−ν(σy+σx)]+αΔT=E(1−ν)σx−νσy+αΔT
Schritt 5: Auflösen nach σx=σz
Algebraisch nach σx umstellen, σy=−P/(ab) einsetzen.
Spannungen in den eingeklemmten Achsen.
σx=σz=−1−ν1[abνP+EαΔT]
Schritt 6: εy aus Stoffgleichung in freier Richtung
y-Stoffgleichung mit allen drei Spannungen einsetzen, dann mit Symmetrie σx=σz und der Lösung aus Schritt 5 vereinfachen.
Nach Auflösung steht.
εy=−abEP(1−1−ν2ν2)+(1+1−ν2ν)αΔT
Schritt 7: Verschiebung uy aus Integration
εy ist räumlich konstant (alle Grössen unabhängig von y). Damit ist uy(y)=εy⋅y. Randbedingung: am unteren Ende uy(0)=0, also C=0.
Lineare Verschiebung mit der Höhe.
uy(y)=[−abEP(1−1−ν2ν2)+(1+1−ν2ν)αΔT]y
FormelHauptresultat
σx=σz=−1−ν1[abνP+EαΔT]
Plus σy=−P/(ab), εy und uy aus Schritt 6/7.
MerkeMechanik plus Wärme
Beide Effekte sind anwesend. Die Mechanik-Komponente entsteht durch die Wand-Reaktion, nicht durch externe Kraft.
PrüfungstippGrenzfall ΔT=0
Ohne Erwärmung: σx=σz=−νP/((1−ν)ab). Reine Mechanik mit Querkontraktion gegen Wand.
Wiederholung Mech I: Lagerreaktionen folgen aus Gleichgewicht. Wenn die Anzahl unabhängiger Reaktionen grösser ist als die Anzahl Gleichgewichts-Gleichungen, ist das System statisch unbestimmt. Die Geometrie allein bestimmt die Reaktionen nicht eindeutig.
Beispiel Verbundstütze. Stahlträger und Betonmantel parallel, ein Dach drückt von oben mit Gesamtkraft K. Eine Gleichgewichts-Gleichung: KS+KB=K. Aber zwei Unbekannte: KS und KB. Ohne weitere Gleichung nicht eindeutig lösbar.
Idee. Die zusätzliche Gleichung kommt nicht aus der Statik, sondern aus der Verformung: am Kontaktpunkt müssen sich beide Teile gleich weit verschieben (sonst entsteht eine Lücke oder Überlappung). Diese Bedingung heisst Verträglichkeit.
DefinitionStatisch unbestimmt
Reaktionen aus Statik allein nicht eindeutig bestimmt. Verformung als zusätzliche Gleichung.
MerkeVerformungs-Verträglichkeit
Verbundene Teile müssen sich am Kontaktpunkt gleich weit verschieben.
Verträglichkeitsbedingung. An einem Kontaktpunkt zwischen verbundenen Bauteilen müssen die Verschiebungen aller Teile gleich sein. Sonst entsteht eine Lücke (Trennung) oder eine Überlappung (Eindringen), beides physikalisch unmöglich.
Vorgehen in 4 Schritten. Diese Methodik passt für jede statisch unbestimmte Aufgabe.
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Verträglichkeitsbedingung am Kontakt
Δl1=Δl2⟺E1A1N1L1=E2A2N2L2
Hooke einsetzen liefert eine Gleichung in den unbekannten Schnittkräften. Funktioniert für Stäbe, Federn, Säulen unter Axiallast.
Aufgabe (aus Übungsserie 5, Hausübung H4). Ein Teil eines Daches wird durch eine Stahl-Beton-Verbundstütze der Länge H getragen, die einem betonummantelten Stahlprofil entspricht. Stahl: E-Modul ES, Querschnittsfläche AS. Beton: E-Modul EB, Querschnittsfläche AB. Die Stütze ist mit dem Dach so verbunden, dass alle Materialpunkte (Stahl und Beton) im Kontaktquerschnitt die gleiche axiale Verschiebung erfahren. Das Dach übt auf die Stütze eine Gesamtkraft K aus.
(a) Welche Kräfte müssen die Teilquerschnitte AS und AB übernehmen? (b) Welche Gesamtlängenänderung erfährt die Verbundstütze? (c) Vertikalverschiebung als Funktion der eingezeichneten x-Koordinate.
Lösungsweg in 7 Schritten
Schritt 1: Gleichgewicht am Kontakt
Das Dach drückt mit Gesamtkraft K nach unten. Stahl und Beton tragen jeweils KS und KB. Vertikales Gleichgewicht am oberen Kontaktquerschnitt liefert die erste Gleichung.
Erste Gleichung: Summe der Teilkräfte gleich Gesamtkraft.
K=KS+KB
Schritt 2: Verträglichkeitsbedingung
Stahl und Beton sind durch das starre Dach im oberen Kontaktquerschnitt verbunden. Beide werden um denselben Betrag Δl verkürzt (Druck). Sonst entstünde eine Lücke oder Überlappung.
Zweite Gleichung: gleiche Längenänderung.
ΔlS=ΔlB
Schritt 3: Hooke in die Verträglichkeit einsetzen
Beide Komponenten haben dieselbe Höhe H. Δl=NL/(EA) mit Druckvorzeichen N=−Ki. Verträglichkeit wird zur Gleichung in KS und KB.
Vorzeichen der Druck-Reaktion kürzt sich heraus.
ESASKSHKS=EBABKBH=EBABESASKB
Schritt 4: Auflösen nach KS und KB
Verhältnis aus Schritt 3 in Gleichgewicht aus Schritt 1 einsetzen. Eine Unbekannte; Ausrechnen liefert beide Kräfte.
Material versagt nicht wenn σ irgendwo gross wird, sondern bei einem kritischen Spannungs-Zustand. Verschiedene Materialien versagen verschieden: Stahl beginnt zu fliessen (Plastizität), Beton bricht spröde, Holz spaltet entlang Fasern.
Idee Vergleichsspannung. Aus dem mehrachsigen Spannungstensor wird eine skalare Vergleichsspannungσv berechnet, die mit einer Materialfestigkeit σF oder σ0 verglichen werden kann. Versagen tritt ein, wenn σv≥σF.
Zwei klassische Theorien aus dem Maschinenbau: Tresca (intuitiv: maximale Schubspannung) und von Mises (energetisch: Distortionsanteil). Beide reduzieren den 3×3-Tensor auf einen Skalar, aber mit unterschiedlichen Annahmen.
DefinitionVergleichsspannung σv
Skalare Funktion des Spannungstensors. Versagen bei σv≥σF.
MerkeZwei klassische Theorien
Tresca (Schub) und von Mises (Distortion). Beide erprobt für duktile Metalle.
Tresca-Idee. Stahl beginnt zu fliessen, wenn die maximale Schubspannung im Material einen kritischen Wert übersteigt. Atomebenen gleiten entlang der Maximal-Schub-Richtung. Versagen ist dann ein Schub-Phänomen.
Aus Kap. 3 Sec. 1: τmax=(σmax−σmin)/2=(σI−σIII)/2. Tresca verdoppelt: σvTresca=2τmax=σI−σIII.
Konsequenz. Nur die grösste und die kleinste Hauptspannung zählen. Die mittlere σII hat keinen Einfluss. Das ist eine starke Vereinfachung; reale Versagens-Daten zeigen einen Einfluss von σII.
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Tresca-Vergleichsspannung
σvTresca=σI−σIII=2τmax
Differenz der extremen Hauptspannungen. Die mittlere σII wird ignoriert.
Von-Mises-Idee. Material versagt nicht durch hydrostatischen Druck (gleichmässiges σ in alle Richtungen erzeugt nur Volumenänderung, keine Distortionsverzerrung), sondern durch den Distortionsanteil der Spannung. Hydrostatischer Anteil: σm=(σx+σy+σz)/3=spur(T)/3. Deviator: T−σmI.
Die Vergleichsspannung wird so gewählt, dass im 1D-Zugversuch σvM=σ herauskommt. Das ist eine Norm-Bedingung; die Formel ist eindeutig festgelegt.
Direkt aus den Tensor-Komponenten in jedem Koordinatensystem berechenbar. Klausur-Standard, weil keine Hauptspannungs-Rechnung nötig.
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Von-Mises in Hauptachsen-Form
σvM=21(σI−σII)2+(σII−σIII)2+(σIII−σI)2
Wenn die Hauptspannungen schon berechnet sind, ist diese Form kompakter. Symmetrisch in den drei Hauptspannungen.
Sanity-Checks. (a) 1D-Zug σx=σ>0, alle anderen null: σvM=σ2=∣σ∣=σ. Stimmt mit Norm-Forderung. (b) Reiner Schub τxy=τ, alle anderen null: σvM=3τ2=3τ. Reine Schub-Belastung wird stärker bewertet als reiner Zug, Faktor 3. (c) Hydrostatisch σx=σy=σz=p: alle Differenz-Terme null, alle Mischterme heben sich, σvM=0. Konsistent mit der Distortions-Idee.
DefinitionVon Mises
Vergleichsspannung aus Distortionsanteil. Hydrostatisch wird ignoriert.
Formelxyz-Form
σvM=σx2+⋯+3(τxy2+…)
Klausur-Standard.
FormelHauptachsen-Form
σvM=21∑(σi−σj)2
Wenn Hauptspannungen schon bekannt.
MerkeHydrostatisch versagt nicht σx=σy=σz⇒σvM=0.
PrüfungstippCross-Check via 1D
1D-Zug mit σ: σvM=σ. Schnelltest jeder Formel.
Drei Multiple-Choice-Aufgaben aus alten Klausuren. Antwort-Optionen 1:1 aus der jeweiligen Original-Klausur übernommen. Markiere deine Antwort, klick Lösung prüfen, dann erscheint der vollständige Lösungsweg.
Aufgabe 1
Aus Klausur FS24, Frage A4. Gegeben sei der Spannungstensor im x-y-z-Koordinatensystem: {T}xyz=62126−11−10k mit k>0. Bestimme die von Mises Vergleichsspannung σˉvM für diesen Spannungstensor.
Lösungsweg
Schritt 1: Komponenten ablesen
Diagonale aus Diagonal-Einträgen, drei unabhängige Schub-Komponenten aus den Off-Diagonalen.
Sechs Werte.
σx=6k,σy=6k,σz=0τxy=2k,τxz=k,τyz=−k
Schritt 2: Quadrate ausrechnen
Jedes Quadrat einzeln, weil sie in der Formel separat eintreten.
σxσy, σxσz, σyσz. Aufgrund der Null-Werte vereinfacht sich vieles.
Drei Werte.
σxσy=6⋅6k2=6k2,σxσz=0,σyσz=0
Schritt 4: Einsetzen in xyz-Formel
Alle Beiträge mit den richtigen Vorzeichen kombinieren. Die Quadrat-Summe der Schub-Terme erhält Faktor 3.
Quadrat der Vergleichsspannung.
σvM2=(6+6+0−6−0−0)k2+3(4+1+1)k2=6k2+18k2=24k2
Schritt 5: Wurzel ziehen und Antwort identifizieren
24=26. Vergleich mit den 8 Optionen. Antwort d.
Distraktoren: (b) und (h) ergeben sich bei Vorzeichen-Fehlern in den Mischtermen; (a), (c) und (f) kommen bei vergessenem Faktor 3 vor den Schub-Quadraten oder bei rechnerischen Schludrigkeiten.
σˉvM=24k=26k
Aufgabe 2
Aus Klausur FS25, Frage A3 (mit A1-Tensor). Der unter A1 gegebene Spannungstensor {T}xyz=1202−1000−1k mit k>0 wird in einer praktischen Anwendung gemessen. Dabei wächst k=k(t) monoton an, wenn die Belastung erhöht wird. Bei welchem Wert von k(t) kommt es zum Versagen, wenn das Material bei einer von Mises Vergleichsspannung von σ0 versagt?
Lösungsweg
Schritt 1: Komponenten ablesen
Tensor aus FS25 A1. Diagonale aus Diagonal-Einträgen, drei Schub-Komponenten aus den Off-Diagonalen.
Sechs Werte. Hier sind nur eine Schub-Komponente und die Diagonale relevant.
σx=k,σy=−k,σz=−kτxy=2k,τxz=0,τyz=0
Schritt 2: Quadrate ausrechnen
Jeweils das Quadrat. Vorzeichen verschwindet beim Quadrieren.
Aus Klausur FS22, Frage C2. In einem Versuch mit kombinierter Zug-Torsionsbeanspruchung einer dünnwandigen Rohrprobe werden die aufgebrachten Spannungen (ebener Spannungszustand in der θ-z-Ebene) durch den Spannungstensor {T}rθz=000001000100240⋅MPa beschrieben. Gleichzeitig wurden die axiale Dehnung εz=1⋅10−3 und die Winkeländerung γθz=1⋅10−3 gemessen. Bestimme die Querkontraktionszahl ν unter der Annahme linear-elastischen isotropen Materialverhaltens. Die Materialprobe war zu Beginn des Versuchs unverformt und spannungsfrei. Hinweis: 2G=E/(1+ν).
Lösungsweg
Schritt 1: Spannungs-Komponenten ablesen
Tensor im rθz-Koordinatensystem. Diagonale: σr=0, σθ=0, σz=240 MPa. Off-Diagonale: nur τθz=100 MPa, alle anderen Schub-Komponenten null.
Drei Spannungs-Werte.
σr=0,σθ=0,σz=240MPa,τθz=100MPa
Schritt 2: Elastizitätsmodul E aus axialer Dehnung
Skalare Hooke-Gleichung: εz=(1/E)[σz−ν(σr+σθ)]. Mit σr=σθ=0 verschwindet der Querkontraktions-Term, und es folgt direkt E=σz/εz.
E aus Mess-Werten.
E=εzσz=1⋅10−3240MPa=240000MPa=240GPa
Schritt 3: Schubmodul G aus Winkeländerung
Schubgesetz τθz=Gγθz. Direkt nach G auflösen.
G aus Mess-Werten.
G=γθzτθz=1⋅10−3100MPa=100000MPa=100GPa
Schritt 4: Hinweis 2G=E/(1+ν) anwenden
Die Kopplung gibt eine Gleichung in ν. Auflösen.
ν direkt.
2G1+νν=1+νE=2GE=200240=1,2=0,2=51
Schritt 5: Antwort identifizieren
Vergleich mit den 8 Optionen. Antwort e.
Distraktoren: (a), (c), (g) sind verschiedene E-Werte (180, 200, 150 GPa); (b), (d), (f), (h) sind negative Vorzeichen-Fehler. Realistisch: ν=1/5 entspricht etwa Beton-Niveau.
ν=51=0,2
Aufgabe 4
Aus Klausur FS20, Frage C2. Ein elastischer Quader (Höhe h, Breite a, Tiefe b im unverformten Zustand) wird durch die Kraft P=σ0A>0 in einen Hohlraum derselben Querschnittsfläche A=ab gepresst. Sowohl der Stempel als auch die schraffiert dargestellten Wände können als starr angenommen werden (Reibung mit der Wand vernachlässigbar). Wie gross ist die axiale Dehnung des Quaders entlang der y-Richtung (Vorzeichenkonvention: εy>0 für Verlängerung) unter der Annahme linear-elastischen Stoffverhaltens (Elastizitätsmodul E, Querkontraktionszahl ν=1/4)?
Lösungsweg
Schritt 1: Randbedingungen aus Geometrie
Wände starr in x und z, also εx=εz=0. y-Richtung frei, dort wirkt der Stempel.
Geometrische Bedingungen plus bekannte Spannung in y.
εx=εz=0,σy=−abP=−σ0
Schritt 2: Symmetrie σx=σz
Geometrie und Belastung sind symmetrisch in x und z. Auch ohne Wärmedehnung gilt σx=σz, weil nur die Wand-Reaktionen gleich sein können.
Eine Unbekannte gespart.
σx=σz
Schritt 3: Stoffgleichung für εx=0 aufstellen
Skalare Hooke-Gleichung in x-Richtung ohne αΔT. σy=−σ0 und σz=σx einsetzen.
Eine Gleichung in σx.
0=E1[σx−ν(−σ0+σx)]=E(1−ν)σx+νσ0
Schritt 4: Auflösen nach σx=σz
Linear nach σx umstellen, dann ν=1/4 einsetzen.
Wand-Reaktion in beide Querrichtungen.
σx=σz=−1−ννσ0=−3/41/4σ0=−31σ0
Schritt 5: εy aus Stoffgleichung in freier Richtung
Distraktoren: (a) ist σx ohne Querkontraktion; (b) ist εy ohne Wand-Reaktion (fälschlich nur σy); andere Werte stammen aus Vorzeichen- oder Faktor-Fehlern bei ν.