1.1 Die Grundfrage und ihre Anwendungen

Stell dir vor: ein leichter Sommerwind weht durch ein offenes Fenster. Wie viel Luft strömt pro Sekunde durch? Oder konkreter: Wasser durch ein Sieb, Wärme durch eine Hauswand, ein Geschoss von Magnetfeldlinien durch eine Spule. Diese eine Frage ist der Anker des ganzen Kapitels.

Wir geben dem Ganzen Namen, damit wir präzise reden können. Das Feld, dessen Stärke und Richtung wir an jedem Punkt kennen, ist ein Vektorfeld v:DR3R3\mathbf{v}: D \subset \mathbb{R}^3 \to \mathbb{R}^3. Das „Fenster“ ist eine Fläche SS im Raum, die ganz im Definitionsbereich DD liegt. Die durchströmende Menge pro Zeit nennen wir Fluss und schreiben sie als Φ\Phi (gross-Phi).

Du wirst denselben Begriff in vielen Anwendungen wiederfinden. Bei einer Strömung (Wasser, Luft, Gas) ist v\mathbf{v} die Geschwindigkeit, und der Fluss ist das Volumen pro Sekunde, das durch SS hindurchläuft. Bei der Wärmeleitung ist v\mathbf{v} die Wärmestromdichte, und der Fluss misst die Energie pro Sekunde. Auch elektrischer und magnetischer Fluss durch eine Fläche werden genau gleich definiert (Maxwell-Gleichungen kommen darauf zurück).

Wichtig: wir bestimmen den Fluss nicht punktweise, sondern aggregieren über die ganze Fläche. Eine Stelle, an der das Feld stark durchstösst, kann durch eine Stelle weiter weg ausgeglichen werden, an der es schwächer ist oder gar in die andere Richtung zeigt. Erst die Summe (in mathematisch sauberer Form: das Integral) ergibt Φ\Phi.

Definition Fluss Φ\Phi
Pro Zeit durch eine orientierte Fläche SS hindurchtretende Menge des Vektorfelds v\mathbf{v}. Anschaulich: Wasser durch Sieb, Wind durch Fenster.
Notation Buchstaben
v\mathbf{v} = Vektorfeld. SS = Fläche im Raum. DD = Definitionsbereich von v\mathbf{v}. Φ\Phi = der gesuchte Fluss (gross-Phi).
Merke Wann brauche ich das?
Strömungen (Volumen pro Zeit), Wärmefluss (Energie pro Zeit), elektrischer und magnetischer Fluss (Maxwell-Gleichungen). Alles dieselbe Konstruktion, andere physikalische Bedeutung.

1.2 Drei Abhängigkeiten beim einfachsten Fall

Bevor wir den allgemeinen Fluss formal angehen, machen wir uns das Leben kurz einfach: gleichmässiger Wind (das Feld ist überall derselbe Vektor) und ebenes Fenster (die Fläche ist eben, mit einer einzigen Durchtritts-Richtung). Wovon hängt der Fluss da anschaulich ab? Drei Sachen, die du sofort herausfindest, ohne irgendetwas zu rechnen.

Erstens: die Stärke v|\mathbf{v}| des Felds. Stärkerer Wind = mehr Luft pro Sekunde durchs Fenster. Doppelt so stark, doppelt so viel Fluss. Linear.

Zweitens: die Grösse der Fläche. Wir nennen sie OO (Oberflächeninhalt). Doppelt so grosses Fenster, doppelter Fluss. Auch linear.

Drittens: der Winkel α\alpha zwischen Wind und Fenster. Das ist der spannendste Punkt. Steht der Wind senkrecht aufs Fenster, knallt das Maximum durch. Weht der Wind parallel zur Scheibe, geht überhaupt nichts durch, weil er einfach daran vorbeistreicht. Dazwischen alles im Mix.

Merke Drei Abhängigkeiten
(1) Stärke v|\mathbf{v}|, (2) Grösse OO, (3) Winkel α\alpha zwischen Feld und Fläche. Stärke und Grösse linear; Winkel über cosα\cos\alpha, weil nur die senkrechte Komponente zählt.
Notation Symbole
v|\mathbf{v}| Betrag (Stärke) des Felds. OO Oberflächeninhalt der Fläche. α\alpha Winkel zwischen v\mathbf{v} und der Fläche-Normalen.

1.3 Spezialfall-Formel

Diese drei Abhängigkeiten lassen sich in eine schicke Formel pressen. Wir brauchen dafür einen Begriff, der die ausgezeichnete Richtung kodiert: den Normaleneinheitsvektor der Fläche, abgekürzt NEV.

Wir schreiben ihn n\mathbf{n}. Drei Eigenschaften: n\mathbf{n} steht senkrecht auf SS, hat Länge 11 (deshalb der Zusatz „Einheits“), und seine Richtung legen wir bewusst fest. Bei einem Fenster zum Beispiel: zeigt n\mathbf{n} nach draussen oder nach drinnen? Das entscheidet, in welche Richtung wir den Fluss messen wollen. Beide Wahlen sind erlaubt, sie unterscheiden sich nur im Vorzeichen.

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Fluss im homogenen Spezialfall
Φ  =  (vn)O\Phi \;=\; (\mathbf{v} \cdot \mathbf{n}) \cdot O
v\mathbf{v} homogen (überall gleich), SS eben mit Inhalt OO, n\mathbf{n} Einheitsvektor in der ausgezeichneten Richtung.

Anschaulich: das Skalarprodukt vn\mathbf{v} \cdot \mathbf{n} pickt aus v\mathbf{v} den Anteil heraus, der wirklich durch die Fläche zeigt, und liefert genau vcosα|\mathbf{v}|\cos\alpha (weil n=1|\mathbf{n}|=1). Das mal Fläche OO ergibt das Volumen pro Sekunde, das durch SS hindurchgeht.

Beobachtung als Sanity-Check: Wind senkrecht zu SS heisst α=0\alpha = 0, cosα=1\cos\alpha = 1, voller Fluss. Wind parallel zu SS heisst α=π/2\alpha = \pi/2, cosα=0\cos\alpha = 0, kein Fluss. Wind in Gegenrichtung heisst α=π\alpha = \pi, cosα=1\cos\alpha = -1, gleicher Betrag mit umgekehrtem Vorzeichen. Genau wie wir's anschaulich wollten.

Notation Normaleneinheitsvektor n\mathbf{n}
NEV. Eigenschaften: senkrecht auf SS, n=1|\mathbf{n}| = 1, Richtung wählen wir bewusst. Andere Wahl flippt nur das Vorzeichen von Φ\Phi.
Formel Spezialfall-Formel
Φ=(vn)O\Phi = (\mathbf{v} \cdot \mathbf{n}) \cdot O
Merke Sanity-Check
vS\mathbf{v} \perp S: voller Fluss. vS\mathbf{v} \parallel S: null Fluss. v\mathbf{v} in Gegenrichtung: negatives Vorzeichen. Folgt direkt aus cosα\cos\alpha.

2.1 Drei Verallgemeinerungen

Echte Aufgaben sind selten so brav wie ein gleichmässiger Wind durch ein ebenes Fenster. Was passiert, wenn das Feld nicht mehr überall gleich ist und die Fläche gewölbt? Drei Dinge ändern sich; die Spezialfall-Formel muss in jedem Punkt nachgebessert werden.

Erstens: v\mathbf{v} hängt vom Ort ab. Statt einem festen Vektor v\mathbf{v} haben wir das Feld v(r)\mathbf{v}(\mathbf{r}), an jedem Punkt r\mathbf{r} der Fläche möglicherweise anders. Wir gehen davon aus, dass wir v\mathbf{v} überall, wo wir es brauchen, ausrechnen können.

Zweitens: n\mathbf{n} variiert mit der Stelle. Bei einer gewölbten Fläche zeigt der NEV in jedem Punkt in eine etwas andere Richtung. Auch hier: an jedem Punkt der Fläche lässt er sich aus der Geometrie berechnen (siehe Kap. VI.3).

Drittens: der Oberflächeninhalt OO wird zum Doppelintegral. Statt einer einzigen Zahl OO summieren wir winzige Flächenstücke auf, sogenannte Oberflächenelemente dO\mathrm{d}O. Geschrieben als SdO\iint_S \ldots \, \mathrm{d}O. Achtung Notation: in manchen Büchern findest du dafür auch dA\mathrm{d}A oder dS\mathrm{d}S. Bedeutet dasselbe, ist nur eine andere Schreibweise.

Merke Drei Schritte
(1) v\mathbf{v} ortsabhängig statt homogen. (2) n\mathbf{n} ortsabhängig statt konstant. (3) OO ersetzt durch SdO\iint_S \mathrm{d}O.
Notation Oberflächenelement dO\mathrm{d}O
Winziges Flächenstück auf SS, summiert per S\iint_S. Andere Notationen: dA\mathrm{d}A, dS\mathrm{d}S. Skalar (positive Grösse), die Richtung steckt in n\mathbf{n}.

2.2 Patch-Beitrag dF^\mathrm{d}\hat{F}

Trick: zerlege die Fläche in winzige Stückchen. Auf jedem dieser Mini-Patches ist die Fläche näherungsweise eben und das Feld näherungsweise konstant. Wie wenn du eine Pizza in winzige Stücke schneidest: jedes einzelne Stück ist so klein, dass die Krümmung der ganzen Pizza darauf keine Rolle mehr spielt.

Auf so einem Patch greift die Spezialfall-Formel aus 1.3 wieder: das Feld ist lokal homogen, die Fläche lokal eben, der NEV n\mathbf{n} punktweise definiert. Der Inhalt des Patches ist nicht mehr OO, sondern das winzige dO\mathrm{d}O. Der Patch-Beitrag zum Gesamtfluss heisst dF^\mathrm{d}\hat{F}:

Fluss-Beitrag eines Patches
dF^  =  (vn)dO\mathrm{d}\hat{F} \;=\; (\mathbf{v} \cdot \mathbf{n})\,\mathrm{d}O
Lokale Anwendung des Spezialfalls auf einen infinitesimalen Patch der Fläche.

Anschaulich: dF^\mathrm{d}\hat{F} ist die Menge, die in einer Sekunde durch das winzige Patch-Stück fliesst. Über die ganze Fläche aufsummieren ergibt den Gesamtfluss. Das machen wir gleich in 2.3.

Merke Lokal flach, dann aufsummieren
Auf winzigem Patch sieht alles eben aus. Spezialfall-Formel anwenden, dann per S\iint_S über alle Patches integrieren. Standard-Strategie der Integralrechnung.
Notation dF^\mathrm{d}\hat{F}
Fluss-Beitrag eines einzelnen Patches. Manche Bücher schreiben einfach dΦ\mathrm{d}\Phi. Wir folgen hier der Mitschrift mit dem Hut.

2.3 Allgemeine Definition

Aufsummieren über alle Patches gibt das Doppelintegral. Damit haben wir die offizielle, in der ganzen Vektoranalysis verwendete Definition.

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Fluss eines Vektorfelds durch eine Fläche
Φ  =  S(vn)dO\Phi \;=\; \iint_S (\mathbf{v} \cdot \mathbf{n})\,\mathrm{d}O
v\mathbf{v} Vektorfeld auf SS, n\mathbf{n} Normaleneinheitsvektor in die ausgezeichnete Richtung, dO\mathrm{d}O Oberflächenelement.

Anschaulich: an jedem Punkt nimmst du die senkrechte Komponente von v\mathbf{v}, gewichtest mit dem Patch-Inhalt dO\mathrm{d}O und integrierst über die ganze Fläche. Die Formel definiert den Fluss Φ\Phi von v\mathbf{v} durch SS in Richtung n\mathbf{n}.

Eine Forderung muss noch ausgesprochen werden: n\mathbf{n} bleibt für die ganze Fläche SS auf derselben Seite. Die Richtung darf von Punkt zu Punkt variieren (auf einer gewölbten Fläche tut sie das ja), aber sie darf nicht plötzlich auf die andere Seite springen.

Definition Fluss durch SS
Φ=S(vn)dO\displaystyle \Phi = \iint_S (\mathbf{v} \cdot \mathbf{n})\,\mathrm{d}O. Die ausgezeichnete Richtung steckt in n\mathbf{n}.
Formel Hauptdefinition
Φ=S(vn)dO\Phi = \iint_S (\mathbf{v} \cdot \mathbf{n})\,\mathrm{d}O
Merke Konvention
Geschlossene Fläche (Sphäre, Würfel): meist Aussennormale. Berandete Fläche: Anwendung wählt die Seite. Hauptsache, die Wahl ist explizit.

3.1 Anknüpfung an VI.3

Wir haben jetzt eine schöne Definition Φ=S(vn)dO\Phi = \iint_S (\mathbf{v} \cdot \mathbf{n})\,\mathrm{d}O. Wie integriert man das aber konkret? Weder n\mathbf{n} noch dO\mathrm{d}O stehen im Allgemeinen einfach da. Antwort: parametrisieren, genau so, wie wir's in Kap. VI.3 gelernt haben.

Eine Parametrisierung ist eine Funktion r:BR2R3\mathbf{r}: B \subset \mathbb{R}^2 \to \mathbb{R}^3, die jedem Paar (u,v)(u, v) aus einem ebenen Parameterbereich BB einen Punkt r(u,v)\mathbf{r}(u, v) auf der Fläche SS zuordnet. Die zwei Variablen heissen uu und vv. Der Parameterbereich BB ist eine Region in der Ebene, über die wir am Schluss integrieren werden.

Aus dieser Parametrisierung gewinnen wir zwei Tangentenvektoren. Die partiellen Ableitungen ru=r/u\mathbf{r}_u = \partial \mathbf{r}/\partial u und rv=r/v\mathbf{r}_v = \partial \mathbf{r}/\partial v zeigen entlang der u-Linie beziehungsweise v-Linie der Fläche und spannen lokal die Tangentialebene auf. Die zwei zentralen Resultate aus VI.3, die wir hier brauchen, lauten:

Bausteine aus Kap. VI.3
n=±ru×rvru×rvdO=ru×rvdudv\begin{aligned} \mathbf{n} &= \pm \frac{\mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v}{|\mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v|} \\ \mathrm{d}O &= |\mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v|\,\mathrm{d}u\,\mathrm{d}v \end{aligned}
Das Vorzeichen ±\pm in n\mathbf{n} wählt die Seite. Der Betrag ru×rv|\mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v| ist der Korrekturfaktor, der die Stauchung von BB auf SS ausgleicht.

Die linke Formel besagt: der NEV ist (bis aufs Vorzeichen) das normalisierte Kreuzprodukt der zwei Tangenten. Das ist sinnvoll, weil das Kreuzprodukt zweier Vektoren immer senkrecht auf beiden steht. Die rechte Formel sagt: das Patch-Stück dO\mathrm{d}O ist die Länge des unnormierten Kreuzprodukts mal dudv\mathrm{d}u\,\mathrm{d}v. Beide Formeln sind in Kap. VI.3 ausführlich hergeleitet.

Notation Parametrisierung
r(u,v)\mathbf{r}(u,v): Punkt der Fläche zu Parametern u,vu, v. BB: ebener Parameterbereich. ru,rv\mathbf{r}_u, \mathbf{r}_v: partielle Ableitungen, die Tangentenvektoren entlang der u- bzw. v-Linie.
Formel NEV aus Tangenten
n=±ru×rvru×rv\mathbf{n} = \pm \frac{\mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v}{|\mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v|}
Formel Patch-Inhalt
dO=ru×rvdudv\mathrm{d}O = |\mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v|\,\mathrm{d}u\,\mathrm{d}v

3.2 Die zentrale Beobachtung

Schau, was passiert, wenn du die zwei Bausteine aus 3.1 zusammen einsetzt. Im Integranden der Hauptdefinition steht ndO\mathbf{n}\,\mathrm{d}O. Wir setzen ein und sehen, dass sich der Betrag ru×rv|\mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v| exakt einmal aufhebt:

Aufhebung von Norm und Skala
ndO=±ru×rvru×rvru×rvdudv=±(ru×rv)dudv\begin{aligned} \mathbf{n}\,\mathrm{d}O &= \pm \frac{\mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v}{|\mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v|} \cdot |\mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v|\,\mathrm{d}u\,\mathrm{d}v \\ &= \pm (\mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v)\,\mathrm{d}u\,\mathrm{d}v \end{aligned}
Norm im Nenner kürzt sich gegen Norm im Faktor weg. Übrig bleibt das unnormierte Kreuzprodukt mit dem freien Vorzeichen ±\pm.
Merke Aufhebung
ndO=±(ru×rv)dudv\mathbf{n}\,\mathrm{d}O = \pm(\mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v)\,\mathrm{d}u\,\mathrm{d}v. Norm und Skala kürzen sich genau einmal heraus.
Formel Kompakt
ndO=±(ru×rv)dudv\mathbf{n}\,\mathrm{d}O = \pm(\mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v)\,\mathrm{d}u\,\mathrm{d}v

3.3 Hauptformel

Mit der Aufhebung wird die allgemeine Definition zu etwas, das man wirklich rechnen kann. Wir setzen ndO=±(ru×rv)dudv\mathbf{n}\,\mathrm{d}O = \pm(\mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v)\,\mathrm{d}u\,\mathrm{d}v in Φ=S(vn)dO\Phi = \iint_S (\mathbf{v} \cdot \mathbf{n})\,\mathrm{d}O ein und werten v\mathbf{v} am Punkt r(u,v)\mathbf{r}(u,v) aus. Heraus kommt die zentrale Berechnungsformel des Kapitels.

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Fluss über Parametrisierung (Hauptformel)
Φ=±Bv(r(u,v))(ru×rv)dudv\Phi = \pm \iint_B \mathbf{v}(\mathbf{r}(u,v)) \cdot (\mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v)\,\mathrm{d}u\,\mathrm{d}v
Doppelintegral über den ebenen Parameterbereich BB. Der Integrand ist das Spatprodukt der drei Vektoren v\mathbf{v}, ru\mathbf{r}_u, rv\mathbf{r}_v, ausgewertet am Flächenpunkt r(u,v)\mathbf{r}(u,v).

Anschaulich: das Flussintegral über die gewölbte Fläche SS wird zu einem gewöhnlichen Doppelintegral über den ebenen Bereich BB. Letzteres rechnest du mit Standard-Integrationsregeln. Das Vorzeichen ±\pm wählst du nach der Anwendung (siehe 3.5).

Ab jetzt arbeitest du fast immer mit dieser Formel. Die Integraldefinition aus 2.3 bleibt der konzeptionelle Anker; die Hauptformel ist das Werkzeug für die Rechnung.

Formel Hauptformel
Φ=±Bv(r(u,v))(ru×rv)dudv\Phi = \pm \iint_B \mathbf{v}(\mathbf{r}(u,v)) \cdot (\mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v)\,\mathrm{d}u\,\mathrm{d}v
Merke In Worten
Punktweise Skalarprodukt v(ru×rv)\mathbf{v} \cdot (\mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v) über den Parameterbereich BB doppelintegrieren. Vorzeichen nach gewünschter Richtung wählen.

3.4 Spatprodukt-Lesart

Der Integrand v(ru×rv)\mathbf{v} \cdot (\mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v) in der Hauptformel hat einen eigenen Namen: Spatprodukt. Was ist das? Drei Vektoren spannen ein Parallelepiped auf. Stell dir das wie einen verzerrten Schuhkarton vor: die drei Vektoren sind drei Kanten, die alle vom selben Eckpunkt ausgehen. Das Spatprodukt ist genau das Volumen dieses verzerrten Schuhkartons, mit Vorzeichen je nach Reihenfolge der Vektoren.

Anwendung im Fluss-Integranden: die zwei Tangentenvektoren ru\mathbf{r}_u und rv\mathbf{r}_v spannen einen winzigen Patch der Fläche auf (das ist genau das Patch-Stück mit Inhalt ru×rv|\mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v| aus 3.1). Der Vektor v\mathbf{v} kommt in dritter Richtung dazu. Das Spatprodukt liefert dann das Volumen, das in einer Sekunde durch genau diesen Patch fliesst, falls v\mathbf{v} ein Geschwindigkeitsfeld ist.

Definition Spatprodukt
a(b×c)\mathbf{a} \cdot (\mathbf{b} \times \mathbf{c}). Vorzeichenbehaftetes Volumen des Parallelepipeds aus den drei Vektoren. Bekannt aus der Linearen Algebra.
Merke Bild im Kopf
Verzerrter Schuhkarton, drei Kanten an einer Ecke. Volumen = Spatprodukt. Im Fluss: Wasser-Säulchen pro Patch.

3.5 Vorzeichenwahl

Wieso steht in der Hauptformel überhaupt ein ±\pm? Der Grund ist subtil, aber wichtig. Das Kreuzprodukt ru×rv\mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v hat schon eine Richtung (rechtshändig aus den zwei Tangenten). Aber diese Richtung kann genau die falsche sein im Sinne dessen, was du als ausgezeichnete n\mathbf{n}-Richtung haben wolltest.

Beispiel: du parametrisierst eine Sphäre mit Standard-Kugelkoordinaten. ru×rv\mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v zeigt vielleicht nach innen (also zum Mittelpunkt), aber für deine Aufgabe willst du den Fluss nach aussen. Dann musst du das Vorzeichen flippen.

Es gibt zwei zuverlässige Methoden, das Vorzeichen zu finden. Beide kommen aus der Mitschrift und liefern dasselbe Ergebnis.

Methode A: Punkt-Auswertung. Wähle einen Punkt der Fläche, an dem du die geometrische Richtung von n\mathbf{n} unmittelbar siehst (zum Beispiel den Nordpol einer Sphäre, einen Eckpunkt eines Kegels, einen Mittelpunkt einer Ebene). Berechne ru×rv\mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v an den Parametern dieses Punkts und vergleiche das Ergebnis mit deiner gewünschten Richtung. Stimmen sie überein, ist das Vorzeichen ++. Zeigen sie entgegengesetzt, ist es -.

Methode B: Rechte-Hand-Regel. Lege Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger der rechten Hand orthogonal zueinander. Daumen entlang ru\mathbf{r}_u, Zeigefinger entlang rv\mathbf{r}_v. Dein Mittelfinger zeigt dann in Richtung ru×rv\mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v. Stimmt das mit der gewünschten n\mathbf{n}-Richtung überein, ist das Vorzeichen ++, sonst -.

Prüfungstipp Vorzeichen finden
A ru×rv\mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v am einfachen Punkt mit Wunsch-Richtung vergleichen. B Rechte-Hand-Regel (ru\mathbf{r}_u Daumen, rv\mathbf{r}_v Zeigefinger).
Merke Konvention
±(ru×rv)\pm(\mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v) muss in Richtung des angesetzten n\mathbf{n} zeigen. Stimmt das, ist ++. Stimmt es nicht, ist -.

4.1 Niemals normalisieren

Klassischer Klausur-Fauxpas: ru×rv\mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v in der Hauptformel auf Länge 11 bringen. Niemals tun. Gar nicht.

Warum so streng? Schau zurück auf die Aufhebung in 3.2. Im Schritt ndO=±(ru×rv)dudv\mathbf{n}\,\mathrm{d}O = \pm(\mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v)\,\mathrm{d}u\,\mathrm{d}v kürzt sich der Betrag ru×rv|\mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v| genau einmal heraus. Würdest du jetzt auch noch das verbleibende, unnormierte Kreuzprodukt durch seinen Betrag teilen, hättest du den Korrekturfaktor zweimal weggenommen. Effektiv integrierst du dann über eine andere, kleinere Fläche.

Faustregel: in der Parameter-Hauptformel darf das Kreuzprodukt seinen ungeschönten Betrag behalten. Das einzige Mal, wo n\mathbf{n} tatsächlich auf Länge 11 erscheint, ist die abstrakte Definition Φ=S(vn)dO\Phi = \iint_S (\mathbf{v} \cdot \mathbf{n})\,\mathrm{d}O, und dort wird n\mathbf{n} im selben Atemzug mit dem skalaren dO\mathrm{d}O multipliziert.

Merke Wichtigste Warnung des Kapitels
ru×rv\mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v in der Hauptformel nicht normalisieren. Der Betrag steckt als Korrekturfaktor in dO\mathrm{d}O und gehört zur Patch-Skalierung.

4.2 Wann es einfach wird

Manchmal hast du Glück. Liegt die Fläche flach in einer der drei Koordinatenebenen, sparst du dir das Parametrisieren komplett. Der NEV ist konstant, das Oberflächenelement reduziert sich auf das gewohnte Flächenelement der Ebene, und das Flussintegral wird zu einem ganz gewöhnlichen Doppelintegral.

Liegt SS parallel zur xyxy-Ebene, ist n=±e^z\mathbf{n} = \pm\hat{\mathbf{e}}_z überall derselbe Vektor. Die hier zz-Komponente von v\mathbf{v} ist der einzige relevante Anteil. Analog für yzyz-Ebene mit e^x\hat{\mathbf{e}}_x und xzxz-Ebene mit e^y\hat{\mathbf{e}}_y.

Lage von SS n\mathbf{n} dO\mathrm{d}O Vorgehen
parallel zu xyxy ±e^z\pm \hat{\mathbf{e}}_z dxdy\mathrm{d}x\,\mathrm{d}y direkt mit konstantem n\mathbf{n}
parallel zu yzyz ±e^x\pm \hat{\mathbf{e}}_x dydz\mathrm{d}y\,\mathrm{d}z direkt mit konstantem n\mathbf{n}
parallel zu xzxz ±e^y\pm \hat{\mathbf{e}}_y dxdz\mathrm{d}x\,\mathrm{d}z direkt mit konstantem n\mathbf{n}
andere Lage ortsabhängig ru×rvdudv|\mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v|\,\mathrm{d}u\,\mathrm{d}v parametrisieren und Hauptformel nutzen
Lage von SS und resultierendes Vorgehen
Merke Faustregel
SS parallel zu xyxy, yzyz oder xzxz: n\mathbf{n} konstant, keine Parametrisierung nötig. Sonst: parametrisieren und Hauptformel nutzen.

4.3 Vorzeichen-Disziplin in der Klausur

Drei Worte, die in jede Lösung gehören, ohne Ausnahme: „in welche Richtung“. Schreib in jede Aufgabe explizit rein, in welche Richtung dein gewählter n\mathbf{n} zeigt: nach aussen, nach oben, in +z+z-Richtung, weg von der Achse, was auch immer der Sachverhalt vorgibt.

Warum so penibel? Der Vorzeichenfehler ist die Nummer-eins-Fehlerquelle in Fluss-Aufgaben. Du machst eine inhaltlich saubere Rechnung, vergisst nur, deine Richtungswahl zu dokumentieren, und die Korrektur kann nicht entscheiden, ob dein Resultat +Φ+\Phi oder Φ-\Phi richtig ist. Ein Satz vorab kostet nichts und schliesst genau diese Mehrdeutigkeit aus.

Prüfungstipp Drei Worte hinschreiben
Vor jeder Rechnung: „Wir wählen n\mathbf{n} nach aussen / nach oben / in +z+z.“ Verhindert die häufigste Klausur-Punkte-Verlust-Quelle.

4.4 Verbindung zum Divergenzsatz

Eine Abkürzung, die du schon ahnst. Für geschlossene Oberflächen, also wenn SS ein ganzes Volumen umrandet (eine Kugel, ein Würfel, ein Kegelmantel mit Boden), gibt's eine viel schnellere Methode als die Parameter-Formel: den Divergenzsatz. Er kommt im nächsten Kapitel (VI.5).

Das Versprechen vorab: bei einer geschlossenen Hülle wird das Flussintegral zum Volumenintegral der Divergenz v\nabla \cdot \mathbf{v}. Statt eine schwer zu parametrisierende Hülle zu integrieren, integrierst du eine Skalarfunktion über das Volumen im Inneren. Bei vielen Vektorfeldern ist das drastisch einfacher. Mehr dazu in VI.5.

Merke Vereinfachung in VI.5
Geschlossene Oberflächen: Flussintegral = Volumenintegral der Divergenz v\nabla \cdot \mathbf{v}. Oft drastisch einfacher als die direkte Hauptformel.

5.1 Übersicht: die fünf Standard-Flächen

In Klausur-Aufgaben tauchen immer wieder dieselben Flächen auf: Ebenen parallel zu Koordinatenebenen, Sphären, Zylindermäntel, Graphen und Kegel. Die Tabelle hier listet die Standard-Parametrisierungen, das Kreuzprodukt ru×rv\mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v und die Default-Richtung. Die folgenden Subsections holen jede Geometrie einzeln raus mit Herleitung.

Fläche r(u,v)\mathbf{r}(u,v) ru×rv\mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v Richtung
Ebene parallel xyxy bei z=z0z=z_0 (xyz0)\begin{pmatrix} x \\ y \\ z_0 \end{pmatrix} (001)\begin{pmatrix} 0 \\ 0 \\ 1 \end{pmatrix} +z+z
Sphäre Radius RR R(sinvcosusinvsinucosv)R\begin{pmatrix} \sin v\cos u \\ \sin v\sin u \\ \cos v \end{pmatrix} R2sinvr^-R^2 \sin v\,\hat{\mathbf{r}} innen (Flip für aussen)
Zylindermantel Radius RR (RcosφRsinφz)\begin{pmatrix} R\cos\varphi \\ R\sin\varphi \\ z \end{pmatrix} R(cosφsinφ0)R\begin{pmatrix} \cos\varphi \\ \sin\varphi \\ 0 \end{pmatrix} aussen
Graph z=f(x,y)z = f(x,y) (xyf(x,y))\begin{pmatrix} x \\ y \\ f(x,y) \end{pmatrix} (fxfy1)\begin{pmatrix} -f_x \\ -f_y \\ 1 \end{pmatrix} nach oben
Kegelmantel Halbwinkel α\alpha (ssinαcosφssinαsinφscosα)\begin{pmatrix} s\sin\alpha\cos\varphi \\ s\sin\alpha\sin\varphi \\ s\cos\alpha \end{pmatrix} ssinα(cosαcosφcosαsinφsinα)s\sin\alpha\begin{pmatrix} -\cos\alpha\cos\varphi \\ -\cos\alpha\sin\varphi \\ \sin\alpha \end{pmatrix} innen (rs,rφr_s, r_\varphi)
Standard-Parametrisierungen für Flussintegrale
Merke Spickzettel
Diese Tabelle ist die wichtigste Cheat-Sheet-Seite des Kapitels. Print sie aus und klebe sie in deinen Klausurordner.
Prüfungstipp Default-Richtung verifizieren
Die Default-Richtung in der Tabelle ist nicht garantiert die in deiner Aufgabe gewünschte. Immer mit Methode A (Punkt-Auswertung) oder Rechte-Hand-Regel verifizieren. Siehe 3.5.

5.2 Ebene parallel zu einer Koordinatenebene

Die einfachste Standard-Fläche. Liegt SS in einer Ebene parallel zu einer der drei Koordinatenebenen, ist der NEV überall derselbe Vektor und die Parametrisierung trivial. Drei Fälle, je nach Ebene.

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Parallel zu xyxy bei z=z0z = z_0
r(x,y)=(x,y,z0)rx×ry=(0,0,1)=e^zΦ=Dvz(x,y,z0)dxdy\begin{aligned} \mathbf{r}(x, y) &= (x, y, z_0) \\ \mathbf{r}_x \times \mathbf{r}_y &= (0, 0, 1) = \hat{\mathbf{e}}_z \\ \Phi &= \iint_D v_z(x, y, z_0)\,\mathrm{d}x\,\mathrm{d}y \end{aligned}
DR2D \subset \mathbb{R}^2 ist die Projektion von SS in die xyxy-Ebene. vzv_z ist die zz-Komponente von v\mathbf{v}.
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Parallel zu yzyz bei x=x0x = x_0
r(y,z)=(x0,y,z)ry×rz=(1,0,0)=e^xΦ=Dvx(x0,y,z)dydz\begin{aligned} \mathbf{r}(y, z) &= (x_0, y, z) \\ \mathbf{r}_y \times \mathbf{r}_z &= (1, 0, 0) = \hat{\mathbf{e}}_x \\ \Phi &= \iint_D v_x(x_0, y, z)\,\mathrm{d}y\,\mathrm{d}z \end{aligned}
Analog zur xyxy-Ebene mit getauschten Achsen. vxv_x ist die xx-Komponente.
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Parallel zu xzxz bei y=y0y = y_0
r(x,z)=(x,y0,z)rx×rz=(0,1,0)=e^yΦ=Dvy(x,y0,z)dxdz\begin{aligned} \mathbf{r}(x, z) &= (x, y_0, z) \\ \mathbf{r}_x \times \mathbf{r}_z &= (0, -1, 0) = -\hat{\mathbf{e}}_y \\ \Phi &= -\iint_D v_y(x, y_0, z)\,\mathrm{d}x\,\mathrm{d}z \end{aligned}
Achtung: rx×rz\mathbf{r}_x \times \mathbf{r}_z zeigt in y-y. Wenn die ausgezeichnete Richtung +y+y ist, kommt ein Minuszeichen oder du tauschst die Reihenfolge zu rz×rx\mathbf{r}_z \times \mathbf{r}_x.
Formel Parallel xyxy
Φ=Dvzdxdy\Phi = \iint_D v_z\,\mathrm{d}x\,\mathrm{d}y
Formel Parallel yzyz
Φ=Dvxdydz\Phi = \iint_D v_x\,\mathrm{d}y\,\mathrm{d}z
Formel Parallel xzxz
Φ=±Dvydxdz\Phi = \pm\iint_D v_y\,\mathrm{d}x\,\mathrm{d}z
Merke Faustregel
Liegt SS parallel zu einer Koord-Ebene: NEV ist Einheitsvektor in ±\pm Achsenrichtung. Fluss reduziert sich auf das Doppelintegral der Feldkomponente in dieser Achsenrichtung.

5.3 Sphäre Radius RR

Die Sphäre vom Radius RR um den Ursprung parametrisiert man mit Standard-Kugelkoordinaten. Polarwinkel vv misst von der +z+z-Achse weg (v=0v=0 am Nordpol, v=πv=\pi am Südpol), Azimut uu läuft um die zz-Achse. Achtung: in der Physik heissen die Symbole oft θ\theta (Polarwinkel) und φ\varphi (Azimut); inhaltlich identisch.

!!
Sphäre Radius RR
r(u,v)=R(sinvcosu,  sinvsinu,  cosv)\mathbf{r}(u, v) = R\,(\sin v\cos u,\;\sin v\sin u,\;\cos v)
u[0,2π]u \in [0, 2\pi] Azimut um die zz-Achse. v[0,π]v \in [0, \pi] Polarwinkel vom Nordpol weg.
!!
Kreuzprodukt für die Sphäre
ru×rv=R2sinv(sinvcosu,  sinvsinu,  cosv)=R2sinvr^\begin{aligned} \mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v &= -R^2\sin v\,(\sin v\cos u,\;\sin v\sin u,\;\cos v) \\ &= -R^2\sin v\,\hat{\mathbf{r}} \end{aligned}
r^\hat{\mathbf{r}} ist der radiale Einheitsvektor an dem Punkt. Das Kreuzprodukt zeigt nach innen (zum Mittelpunkt) für die Standard-Reihenfolge u,vu, v. Für die Aussennormale flippe das Vorzeichen oder vertausche zu rv×ru\mathbf{r}_v \times \mathbf{r}_u.

Anschaulich: das Kreuzprodukt ist ein radialer Vektor der Länge R2sinvR^2 \sin v, allerdings mit Vorzeichen 1-1, also nach innen zeigend. Diese Länge R2sinvR^2 \sin v ist genau das skalare Oberflächenelement: am Äquator (v=π/2v = \pi/2, sinv=1\sin v = 1) maximal, an den Polen (v=0v = 0 oder π\pi) verschwindet es. Das passt zur Geometrie, weil ein dudv\mathrm{d}u\,\mathrm{d}v-Patch nahe dem Pol viel kleiner ist als am Äquator.

Vorzeichen-Hinweis: in dieser Reihenfolge zeigt ru×rv\mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v nach innen. Für die Aussennormale (Standard-Wahl bei geschlossenen Hüllen) flippe das Vorzeichen oder kehre die Faktoren zu rv×ru\mathbf{r}_v \times \mathbf{r}_u um. Die Mitschrift macht das in ihrem Beispiel zur Sphäre genau so.

Formel Sphäre r(u,v)\mathbf{r}(u,v)
R(sinvcosu,sinvsinu,cosv)R(\sin v\cos u, \sin v\sin u, \cos v)
Formel Kreuzprodukt (innen)
ru×rv=R2sinvr^\mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v = -R^2\sin v\,\hat{\mathbf{r}}
Notation Symbol-Konventionen
Mathematik: uu Azimut, vv Polarwinkel. Physik: φ\varphi Azimut, θ\theta Polarwinkel. Inhaltlich identisch, nur andere Buchstaben.
Merke Sanity-Check
ru×rv=R2sinv|\mathbf{r}_u \times \mathbf{r}_v| = R^2\sin v. Aufintegriert über u[0,2π],v[0,π]u \in [0,2\pi], v \in [0,\pi] ergibt 4πR24\pi R^2 (bekannte Sphärenoberfläche).

5.4 Zylindermantel Radius RR

Der Mantel eines Kreiszylinders mit Radius RR und Höhe z[a,b]z \in [a, b] parametrisiert man mit Zylinderkoordinaten. Azimut φ\varphi läuft um die zz-Achse, zz direkt entlang der Achse.

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Zylindermantel
r(φ,z)=(Rcosφ,  Rsinφ,  z)\mathbf{r}(\varphi, z) = (R\cos\varphi,\; R\sin\varphi,\; z)
φ[0,2π]\varphi \in [0, 2\pi] Azimut, z[a,b]z \in [a, b] Höhe. Nur der Mantel, kein Boden, kein Deckel. Wenn die Aufgabe nach geschlossener Hülle verlangt, addiere die zwei Kreisscheiben separat.
!!
Kreuzprodukt für den Zylindermantel
rφ×rz=R(cosφ,  sinφ,  0)\mathbf{r}_\varphi \times \mathbf{r}_z = R\,(\cos\varphi,\;\sin\varphi,\;0)
Zeigt radial nach aussen (Aussennormale). Länge RR, also rφ×rz=R|\mathbf{r}_\varphi \times \mathbf{r}_z| = R, was zu dO=Rdφdz\mathrm{d}O = R\,\mathrm{d}\varphi\,\mathrm{d}z passt.

Im Vergleich zur Sphäre ist die Geometrie hier deutlich einfacher: das Oberflächenelement dO=Rdφdz\mathrm{d}O = R\,\mathrm{d}\varphi\,\mathrm{d}z ist konstant (kein sin\sin-Faktor), weil der Mantel überall gleich gekrümmt ist. Das Kreuzprodukt zeigt in jedem Punkt direkt nach aussen, parallel zum Radius an dieser Stelle.

Aufintegriert ergibt rφ×rz|\mathbf{r}_\varphi \times \mathbf{r}_z| über φ[0,2π],z[a,b]\varphi \in [0,2\pi], z \in [a,b] die Mantelfläche 2πR(ba)2\pi R (b-a).

Formel Zylindermantel r(φ,z)\mathbf{r}(\varphi, z)
(Rcosφ,Rsinφ,z)(R\cos\varphi, R\sin\varphi, z)
Formel Kreuzprodukt
rφ×rz=R(cosφ,sinφ,0)\mathbf{r}_\varphi \times \mathbf{r}_z = R(\cos\varphi, \sin\varphi, 0)
Merke Aussennormale ohne Vorzeichen-Flip
Standard-Reihenfolge φ\varphi vor zz liefert direkt die Aussennormale. Kein Flip nötig, wenn nach aussen gewünscht.

5.5 Graph z=f(x,y)z = f(x, y)

Wenn die Fläche der Graph einer Funktion f:BR2Rf: B \subset \mathbb{R}^2 \to \mathbb{R} ist, ist die Parametrisierung extrem natürlich: u=xu = x, v=yv = y, und zz ist die Höhe f(x,y)f(x,y) darüber.

!!
Graph z=f(x,y)z = f(x, y)
r(x,y)=(x,  y,  f(x,y))\mathbf{r}(x, y) = (x,\; y,\; f(x,y))
(x,y)BR2(x, y) \in B \subset \mathbb{R}^2. BB ist der Definitionsbereich von ff in der xyxy-Ebene.
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Kreuzprodukt für den Graphen
rx×ry=(fx,  fy,  1)\mathbf{r}_x \times \mathbf{r}_y = (-f_x,\; -f_y,\; 1)
fx=f/xf_x = \partial f/\partial x und fy=f/yf_y = \partial f/\partial y sind die partiellen Ableitungen von ff. Die zz-Komponente ist +1+1, also zeigt das Kreuzprodukt nach oben.
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Reduzierte Fluss-Formel für Graphen
Φ=±Bv(x,y,f(x,y))(fx,fy,1)dxdy\Phi = \pm\iint_B \mathbf{v}(x, y, f(x,y)) \cdot (-f_x, -f_y, 1)\,\mathrm{d}x\,\mathrm{d}y
++ wenn die ausgezeichnete Richtung nach oben ist; - wenn nach unten.

Anschaulich: fx-f_x und fy-f_y kodieren, wie steil die Fläche in xx- und yy-Richtung kippt. Bei fx=fy=0f_x = f_y = 0 (Fläche horizontal) ist das Kreuzprodukt (0,0,1)(0, 0, 1), also reiner e^z\hat{\mathbf{e}}_z. Das passt zur Spezialfall-Formel aus 5.2 (Ebene parallel zu xyxy).

Diese Parametrisierung ist die einfachste, wenn die Fläche als Graph beschrieben werden kann. Beispiele: Parabolschüssel z=x2+y2z = x^2 + y^2, schräge Ebene z=ax+by+cz = ax + by + c, Hügel z=ex2y2z = e^{-x^2 - y^2}.

Formel Graph r(x,y)\mathbf{r}(x,y)
(x,y,f(x,y))(x, y, f(x,y))
Formel Kreuzprodukt
rx×ry=(fx,fy,1)\mathbf{r}_x \times \mathbf{r}_y = (-f_x, -f_y, 1)
Merke Brücke zur Ebene
fx=fy=0f_x = f_y = 0 (horizontale Fläche): Graph-Formel reduziert sich auf (0,0,1)=e^z(0,0,1) = \hat{\mathbf{e}}_z. Spezialfall-Konsistenz mit 5.2.
Prüfungstipp Wann Graph-Form?
Wenn die Fläche eindeutig als z=f(x,y)z = f(x,y) schreibbar ist. Für vollständige Sphären, Zylindermäntel, Möbiusbänder funktioniert es nicht (Graph nicht eindeutig).

5.6 Kegelmantel

Der Kegelmantel mit Spitze im Ursprung, Achse entlang der zz-Achse, Halbwinkel α\alpha (zwischen Achse und Mantellinie) und Höhe bis hh parametrisiert man mit slant-Distanz ss entlang der Mantellinie und Azimut φ\varphi um die zz-Achse.

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Kegelmantel mit Halbwinkel α\alpha
r(s,φ)=(ssinαcosφ,  ssinαsinφ,  scosα)\mathbf{r}(s, \varphi) = (s\sin\alpha\cos\varphi,\; s\sin\alpha\sin\varphi,\; s\cos\alpha)
s[0,h/cosα]s \in [0, h/\cos\alpha] Slant-Distanz vom Ursprung entlang der Mantellinie, φ[0,2π]\varphi \in [0, 2\pi] Azimut. Der Bereich endet, wo die Höhe z=scosαz = s\cos\alpha den Wert hh erreicht.
!!
Kreuzprodukt für den Kegelmantel
rs×rφ=ssinα(cosαcosφ,  cosαsinφ,  sinα)\mathbf{r}_s \times \mathbf{r}_\varphi = s\sin\alpha\,(-\cos\alpha\cos\varphi,\;-\cos\alpha\sin\varphi,\;\sin\alpha)
Vorsicht: in dieser Reihenfolge zeigt das Kreuzprodukt zur Achse hin (innen) und nach oben. Für Aussennormale flippe das Vorzeichen oder kehre die Reihenfolge zu rφ×rs\mathbf{r}_\varphi \times \mathbf{r}_s.

Direction-Check: setze α=π/4\alpha = \pi/4 und φ=0\varphi = 0 ein. Punkt der Fläche: (s/2,0,s/2)(s/\sqrt{2}, 0, s/\sqrt{2}), also +x,+z+x, +z Quadrant. Kreuzprodukt: s/2(1/2,0,1/2)=(s/2,0,s/2)s/\sqrt{2} \cdot (-1/\sqrt{2}, 0, 1/\sqrt{2}) = (-s/2, 0, s/2). Das zeigt in x,+z-x, +z, also zur zz-Achse hin und nach oben. Nicht nach aussen.

Daher: für die meisten Aufgaben mit Aussennormalen-Konvention ist hier ein Vorzeichen-Flip nötig. Alternativ kannst du für α=π/4\alpha = \pi/4 die Mitschrift-Konvention mit dem xy-Radius ρ\rho als Parameter (statt der Slant-Distanz ss) verwenden: r(ρ,φ)=(ρcosφ,ρsinφ,ρ)\mathbf{r}(\rho, \varphi) = (\rho\cos\varphi, \rho\sin\varphi, \rho) mit rρ×rφ=(ρcosφ,ρsinφ,ρ)\mathbf{r}_\rho \times \mathbf{r}_\varphi = (-\rho\cos\varphi, -\rho\sin\varphi, \rho) (ebenfalls innen). Achtung: die zwei Variablen ss (Slant) und ρ\rho (xy-Radius) unterscheiden sich um sinα\sin\alpha, in unserem Fall 1/21/\sqrt{2}.

Formel Kegelmantel r(s,φ)\mathbf{r}(s,\varphi)
(ssinαcosφ,ssinαsinφ,scosα)(s\sin\alpha\cos\varphi, s\sin\alpha\sin\varphi, s\cos\alpha)
Prüfungstipp Vorzeichen prüfen
Standard-Reihenfolge gibt Innennormale. Für Aussennormale: Vorzeichen flippen oder Reihenfolge zu rφ×rs\mathbf{r}_\varphi \times \mathbf{r}_s tauschen.
Merke Beispiel α=π/4\alpha=\pi/4
Mitschrift-Form mit xy-Radius ρ\rho: r(ρ,φ)=(ρcosφ,ρsinφ,ρ)\mathbf{r}(\rho, \varphi) = (\rho\cos\varphi, \rho\sin\varphi, \rho). Kreuzprodukt: rρ×rφ=(ρcosφ,ρsinφ,ρ)\mathbf{r}_\rho \times \mathbf{r}_\varphi = (-\rho\cos\varphi, -\rho\sin\varphi, \rho).
Notation Vorsicht: zwei verschiedene ss
Allgemein: ss = Slant-Distanz entlang der Mantellinie. Mitschrift bei α=π/4\alpha=\pi/4: Variable ist der xy-Radius ρ\rho. Differenz: Faktor sinα=1/2\sin\alpha = 1/\sqrt{2}.

6.1 Übersicht: wo der Fluss in der Physik auftaucht

Der Fluss ist eines der vielseitigsten Werkzeuge der Vektoranalysis. Die Tabelle listet die wichtigsten Anwendungsgebiete und welche physikalische Grösse Φ\Phi jeweils misst. Die Subsections darunter holen jede einzeln raus mit konkreten Formeln.

Anwendung Vektorfeld v\mathbf{v} Φ\Phi misst
Inkompressible Strömung Geschwindigkeit u\mathbf{u} Volumen pro Zeit
Massenfluss ρu\rho\,\mathbf{u} Masse pro Zeit
Wärmeleitung (Fourier) q=kT\mathbf{q} = -k\nabla T Energie pro Zeit
Elektrischer Fluss (Gauss) E\mathbf{E} Qinnen/ε0Q_{\text{innen}}/\varepsilon_0 bei geschlossener Hülle
Magnetischer Fluss (Faraday) B\mathbf{B} Bei berandeter Fläche induziert Spannung über Φ˙B-\dot\Phi_B
Wo der Fluss in der Physik auftaucht
Merke Eine Konstruktion, viele Bedeutungen
Dieselbe Formel Φ=SvndO\Phi = \iint_S \mathbf{v} \cdot \mathbf{n}\,\mathrm{d}O liefert je nach physikalischer Bedeutung von v\mathbf{v} Volumen-, Massen-, Energie-, Ladungs- oder Spannungs-Fluss.

6.2 Strömung und Massenfluss

Bei einer inkompressiblen Strömung mit Geschwindigkeitsfeld u(r)\mathbf{u}(\mathbf{r}) misst der Fluss durch eine Fläche SS direkt das Volumen pro Sekunde, das durch SS hindurchläuft.

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Volumenfluss
ΦV=SundO\Phi_V = \iint_S \mathbf{u} \cdot \mathbf{n}\,\mathrm{d}O
Einheit: m³/s. u\mathbf{u} Strömungsgeschwindigkeit. ΦV\Phi_V ist das Volumen pro Sekunde, das durch SS in Richtung n\mathbf{n} fliesst.

Wenn die Strömung kompressibel ist (Dichte ρ\rho ortsabhängig), ist nicht das Volumen, sondern die Masse pro Zeit die natürliche Grösse. Wir setzen v=ρu\mathbf{v} = \rho\,\mathbf{u} und erhalten den Massenfluss.

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Massenfluss
Φm=SρundO\Phi_m = \iint_S \rho\,\mathbf{u} \cdot \mathbf{n}\,\mathrm{d}O
ρ\rho ist die lokale Dichte, ρu\rho\,\mathbf{u} die Massenstromdichte. Über geschlossene Hüllen mit der Kontinuitätsgleichung verbunden, kommt in VI.6.
Formel Volumenfluss
ΦV=SundO\Phi_V = \iint_S \mathbf{u} \cdot \mathbf{n}\,\mathrm{d}O
Formel Massenfluss
Φm=SρundO\Phi_m = \iint_S \rho\,\mathbf{u} \cdot \mathbf{n}\,\mathrm{d}O
Folgt Kap. VI.6 Kontinuitätsgleichung

6.3 Wärmeleitung (Fourier)

In einem Körper mit Temperaturfeld T(r)T(\mathbf{r}) fliesst Wärme von warm nach kalt. Das Fouriersche Gesetz beschreibt diesen Fluss als Vektorfeld.

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Wärmestromdichte (Fouriersches Gesetz)
q(r)  =  kT(r)\mathbf{q}(\mathbf{r}) \;=\; -k\,\nabla T(\mathbf{r})
q\mathbf{q} ist die Wärmestromdichte (Energie pro Fläche pro Zeit). k>0k > 0 ist die Wärmeleitfähigkeit (material-abhängig). Negatives Vorzeichen: Wärme fliesst gegen den Temperaturgradienten, also von warm nach kalt.
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Energiefluss durch eine Fläche
ΦE=SqndO=kSTndO\begin{aligned} \Phi_E &= \iint_S \mathbf{q} \cdot \mathbf{n}\,\mathrm{d}O \\ &= -k\iint_S \nabla T \cdot \mathbf{n}\,\mathrm{d}O \end{aligned}
Einheit: Watt (W). ΦE\Phi_E ist die Energie pro Sekunde, die durch SS in Richtung n\mathbf{n} fliesst. Beispiel-Anwendung: Wärmeverlust durch eine Hauswand pro Sekunde.

Anwendung: für eine Wand zwischen warmem Innenraum und kaltem Aussenraum ist T\nabla T in Wandrichtung von innen nach aussen positiv. Mit n\mathbf{n} nach aussen wird qn>0\mathbf{q} \cdot \mathbf{n} > 0, also Wärme fliesst nach aussen (ΦE>0\Phi_E > 0). Wie das mit der Wärmeleitungsgleichung in VI.6 zusammenhängt, sehen wir dort.

Formel Fouriersches Gesetz
q=kT\mathbf{q} = -k\,\nabla T
Formel Wärmefluss
ΦE=kSTndO\Phi_E = -k\iint_S \nabla T \cdot \mathbf{n}\,\mathrm{d}O
Notation Symbole
q\mathbf{q} Wärmestromdichte (W/m²). kk Wärmeleitfähigkeit (W/(m·K)). TT Temperaturfeld (K). ΦE\Phi_E Energiefluss (W).

6.4 Elektromagnetismus: Gauss und Faraday

Drei der vier Maxwell-Gleichungen sind Aussagen über Flüsse. Sie verbinden integrale Ladungs- und Strom-Bilanzen mit den Feldern E\mathbf{E} und B\mathbf{B}. Hier die kompakten Formeln; ausführliche physikalische Bedeutung steht in deinem Physik-Skript.

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Gauss-Gesetz für E\mathbf{E} (Elektrostatik)
VEdA  =  Qinnenε0\oiint_{\partial V} \mathbf{E} \cdot \mathrm{d}\mathbf{A} \;=\; \frac{Q_{\text{innen}}}{\varepsilon_0}
Über eine geschlossene Hülle V\partial V. QinnenQ_{\text{innen}} ist die im Volumen VV eingeschlossene Ladung. ε0\varepsilon_0 Vakuum-Permittivität. Ladungen sind Quellen von E\mathbf{E}.
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Gauss-Gesetz für B\mathbf{B}
VBdA  =  0\oiint_{\partial V} \mathbf{B} \cdot \mathrm{d}\mathbf{A} \;=\; 0
Magnetfeld hat keine Quellen. Es gibt keine magnetischen Monopole. Jede Feldlinie ist geschlossen.
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Faraday: induzierte Spannung
Vind=dΦBdtΦB=SBdA\begin{aligned} V_{\text{ind}} &= -\frac{\mathrm{d}\Phi_B}{\mathrm{d}t} \\ \Phi_B &= \iint_S \mathbf{B} \cdot \mathrm{d}\mathbf{A} \end{aligned}
Eine zeitliche Änderung des magnetischen Flusses durch eine berandete Fläche SS erzeugt eine Spannung im Rand. Negatives Vorzeichen: Lenz-Regel.

Notations-Hinweis: dA\mathrm{d}\mathbf{A} ist hier ndO\mathbf{n}\,\mathrm{d}O (vektorielles Flächenelement); in der Mitschrift wird das auch dO\mathrm{d}\vec{O} geschrieben. Inhaltlich identisch.

Praktisch: in Klausur-Aufgaben stehen die Maxwell-Gleichungen oft als Eingangs-Information; die eigentliche Rechnung ist immer ein Flussintegral oder ein Volumenintegral, also brauchst du die Werkzeuge aus Section 3 (parametrisieren) oder Section 4.4 (Divergenzsatz).

Formel Gauss für E\mathbf{E}
EdA=Q/ε0\oiint \mathbf{E} \cdot \mathrm{d}\mathbf{A} = Q/\varepsilon_0
Formel Gauss für B\mathbf{B}
BdA=0\oiint \mathbf{B} \cdot \mathrm{d}\mathbf{A} = 0
Formel Faraday
Vind=Φ˙BV_{\text{ind}} = -\dot\Phi_B
Notation dA\mathrm{d}\mathbf{A} vs dO\mathrm{d}\vec{O}
dA=ndO=dO\mathrm{d}\mathbf{A} = \mathbf{n}\,\mathrm{d}O = \mathrm{d}\vec{O}. Alle drei Schreibweisen meinen dasselbe vektorielle Flächenelement.

6.5 Hydrostatik und Archimedes

In einer Flüssigkeit mit Druckfeld p(r)p(\mathbf{r}) wirkt auf die Oberfläche eines eingetauchten Körpers eine Kraft. Diese Auftriebskraft lässt sich als Flussintegral schreiben.

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Auftriebskraft als Fluss
FAuftrieb  =  KpndO\mathbf{F}_{\text{Auftrieb}} \;=\; -\oiint_{\partial K} p\,\mathbf{n}\,\mathrm{d}O
K\partial K ist die Oberfläche des eingetauchten Körpers KK. n\mathbf{n} ist die Aussennormale. Negatives Vorzeichen: der Druck drückt auf die Oberfläche, die Reaktion ist der Auftrieb.

Über den Divergenzsatz und das hydrostatische Druckfeld p(r)=p0+ρgzp(\mathbf{r}) = p_0 + \rho g z ergibt sich daraus das berühmte Archimedes-Prinzip: der Auftrieb ist gleich dem Gewicht der verdrängten Flüssigkeit. Konkrete Herleitung kommt in VI.6; hier merken wir uns nur den Fluss-Charakter der Formel.

Formel Auftriebskraft
F=KpndO\mathbf{F} = -\oiint_{\partial K} p\,\mathbf{n}\,\mathrm{d}O
Merke Vorgriff Archimedes
Mit Divergenzsatz auf pnp\,\mathbf{n}: Auftrieb = Gewicht der verdrängten Flüssigkeit. Konkrete Herleitung in VI.6.
Folgt Kap. VI.6 Hydrostatischer Auftrieb

7.1 Wie greife ich eine Fluss-Aufgabe an?

Bevor du mechanisch parametrisierst, lohnt sich ein Blick auf die Aufgaben-Geometrie. Die folgenden fünf Strategien sparen oft die halbe Rechnung. Lege dir die Reihenfolge zu, dann wirst du nie wieder eine Sphären-Aufgabe direkt mit der Hauptformel quälen, wenn der Divergenzsatz das in zwei Zeilen erledigt.

Strategie 1: Spezialfall checken. Liegt die Fläche flach in einer Koordinatenebene? Dann reduziert sich der Fluss auf ein Doppelintegral der entsprechenden Feldkomponente, ohne Parametrisierung. Siehe Section 4.2 und 5.2.

Strategie 2: Symmetrie ausnutzen. Bei radial symmetrischen Problemen (sphärisch oder zylindrisch) verschwinden oft Komponenten aus Symmetrie-Gründen, oder du integrierst über zwei Hälften, von denen die zweite gleich der ersten ist. Beispiel: ein konstantes Feld v=(a,0,0)\mathbf{v} = (a, 0, 0) durch eine Sphäre vom Radius RR liefert Null aus Symmetrie.

Strategie 3: Fläche zerlegen. Bei zusammengesetzten Flächen (Würfel-Oberfläche, Kegel mit Boden, Halbsphäre mit Kreisscheibe) rechne jedes Stück einzeln und summiere. Auf jedem Stück ist die Geometrie meist eine Standard-Form aus Section 5.

Strategie 4: Fehlendes Stück hinzufügen. Wenn die Fläche fast geschlossen ist, ergänze die fehlenden Stücke (z. B. die Kreisscheibe an der Öffnung einer Halbkugel), nutze auf der so geschlossenen Hülle den Divergenzsatz, und subtrahiere am Ende den Fluss durch die Hilfsstücke. Für Hilfsstücke wähle Geometrien aus Section 5, die einfach zu integrieren sind.

Strategie 5: Divergenzsatz prüfen. Geschlossene Hülle plus stetig differenzierbares Feld: Divergenzsatz ist meist drastisch schneller als die direkte Hauptformel. Berechne v\nabla \cdot \mathbf{v} zuerst; ist es null oder eine einfache Konstante, ist das Volumenintegral fast geschenkt. Mehr in VI.5.

Merke Fünf Strategien
(1) Spezialfall checken. (2) Symmetrie ausnutzen. (3) Fläche zerlegen. (4) Fehlendes Stück hinzufügen. (5) Divergenzsatz prüfen.
Prüfungstipp Strategien zuerst, dann rechnen
Erst zwei Sekunden Geometrie und Feld anschauen. Erst wenn keine Abkürzung greift: Hauptformel aus Section 3.
Querverweis Verweise
→ VI.5 Divergenzsatz

Aufgaben mit Musterlösungen

Übungsaufgaben werden in Kürze ergänzt.

Die Aufgaben für dieses Kapitel werden in einer zukünftigen Version ergänzt.

MerkeErst selbst rechnen, dann Lösung prüfen!