Erinnerung an Kap. 2: in 2D haben wir Hauptspannungen aus M±R abgelesen, schnell und visuell über den Mohrschen Kreis. In 3D ist das Vorgehen formal das gleiche (Eigenwerte des Tensors), aber rechnerisch deutlich aufwendiger, weil der Tensor jetzt 3×3 ist und ein kubisches Polynom liefert.
Ziel des Kapitels in einem Satz: die 3D-Rechnung handhabbar machen. Drei Werkzeuge dafür. Block-Reduktion (wenn eine Achse schon Hauptachse ist), charakteristisches Polynom als Standard-Ansatz, und die Invarianten als Cross-Check. In den meisten Klausur-Tensoren reicht Block-Reduktion plus 2D-Mohr.
In 2D war ein Spannungszustand durch drei Zahlen vollständig beschrieben (σx,σy,τxy), in 3D durch sechs (σx,σy,σz,τxy,τxz,τyz). Drei Hauptspannungen statt zwei, drei Hauptrichtungen statt zwei. Die zentrale Idee bleibt aber dieselbe. Hauptachsen sind die Schnittflächen, an denen reine Normalspannung wirkt, kein Schub. Diese Eigenschaft ist unabhängig vom Koordinatensystem und beschreibt den Spannungszustand intrinsisch.
DefinitionHauptspannung 3D
Eigenwert von T. Drei reelle Hauptspannungen, unabhängig vom Koordinatensystem.
DefinitionHauptrichtung
Eigenvektor von T zur entsprechenden Hauptspannung. Drei Hauptrichtungen, paarweise orthogonal.
MerkeSymmetrie zahlt sich aus
Symmetrische Tensoren haben reelle Eigenwerte und orthogonale Eigenvektoren. Keine komplexen Zahlen, kein Vorzeichen-Chaos.
Eigenwerte erhält man aus der Bedingung det(T−λI)=0. Ausführliches Ausmultiplizieren liefert ein kubisches Polynom in λ mit drei Spannungs-InvariantenI1,I2,I3 als Koeffizienten. Die Invarianten heissen so, weil sie unabhängig vom Koordinatensystem sind: egal in welchem Koordinatensystem du den Tensor darstellst, I1,I2,I3 haben denselben Wert.
Diese Koordinatensystem-Unabhängigkeit ist nicht nur Theorie, sondern das Klausur-Werkzeug für den Cross-Check. Wenn du Hauptspannungen σI,σII,σIII berechnet hast, muss σI+σII+σIII=I1=σx+σy+σz gelten, gemessen am Original-Tensor. Stimmt das nicht, hast du dich verrechnet.
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Charakteristische Gleichung
det(T−λI)=0⟺λ3−I1λ2−I2λ−I3=0
Drei reelle Lösungen: die Hauptspannungen σI,σII,σIII. Vorzeichen aufpassen: I1-Term mit Plus, I2- und I3-Terme mit Minus.
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Erste Invariante (Spur)
I1=spur(T)=σx+σy+σz
Summe der Diagonal-Einträge. Unabhängig vom Koordinatensystem: gilt σI+σII+σIII=I1, beide Seiten am gleichen Tensor abgelesen.
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Zweite Invariante
I2=−σxσy−σyσz−σxσz+τxy2+τxz2+τyz2
Drei Diagonal-Produkte mit MINUS, drei Schub-Quadrate mit PLUS. Häufiger Vorzeichen-Fehler in der Klausur.
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Dritte Invariante (Determinante)
I3=det(T)
Determinante des Tensors. Es gilt σI⋅σII⋅σIII=I3 als Vorzeichen-Detektor.
FormelCharakteristische Gleichung
λ3−I1λ2−I2λ−I3=0
Drei reelle Wurzeln, die Hauptspannungen.
MerkeKoordinatensystem-Cross-Check σI+σII+σIII=I1, unabhängig vom Koordinatensystem. Schnellster Sanity-Check nach jeder Hauptspannungs-Rechnung.
PrüfungstippI3-Sanity σI⋅σII⋅σIII=I3. Vorzeichen-Fehler-Detektor, falls I1-Check schon passt.
MerkeVorzeichen-Regel I2
Diagonal-Produkte minus, Schub-Quadrate plus. Klassiker-Fehler in jeder Mid-Term.
1.3 Block-Reduktion
Wenn der Tensor schon eine sogenannte schon-Hauptachse hat (passiert in Klausur-Aufgaben oft), zerfällt das 3D-Problem in einen trivialen 1×1-Block plus einen 2×2-Block, den wir mit der bekannten 2D-Mohr-Formel aus Kap. 2 Sec. 4.2 auflösen. Wenn du eine Tür offen findest, geh durch sie statt zu klettern.
Erkennung. Eine Achse ei ist genau dann bereits Hauptachse, wenn ALLE off-diagonalen Tensor-Komponenten in der entsprechenden Zeile UND der entsprechenden Spalte verschwinden. Beispiel: τxy=τyz=0, dann ist ey Hauptrichtung mit σy als Hauptspannung. Der xz-Untertensor (also (σxτxzτxzσz)) ist das eigentliche 2×2-Problem.
Vorgehen. 1) Tensor-Matrix anschauen. Gibt es eine Zeile UND zugehörige Spalte mit nur einem Diagonal-Eintrag (alle Off-Diagonalen 0)? 2) Wenn ja, dieser Diagonal-Eintrag ist bereits Hauptspannung, die Achse ist Hauptrichtung. 3) Verbleibende 2×2-Untermatrix mit Standard-Mohr-Formeln aus Kap. 2 lösen: M=(σa+σb)/2, R=(σa−σb)2/4+τab2, Hauptspannungen =M±R.
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2D-Mohr im verbliebenen 2×2-Block
σ1,2Block=2σa+σb±(2σa−σb)2+τab2
Standard-Formel aus Kap. 2 Sec. 4.2, hier auf den nach Block-Reduktion übrig bleibenden 2×2-Untertensor angewendet. Plus den schon bekannten dritten Eigenwert aus dem 1×1-Block.
DefinitionBlock-Reduktion
Tensor mit einer schon-Hauptachse zerfällt in 1×1 plus 2×2 Blöcke, separat lösbar. Verwandelt 3D-Eigenwert-Problem in 2D-Mohr.
MerkeErkennungs-Kriterium
Off-Diagonalen einer Zeile UND zugehörigen Spalte verschwinden. Achse ist Hauptachse, Diagonal-Eintrag ist Hauptspannung.
1.4 Beispiel: Hauptspannungen aus Tensor mit Block-Struktur
Aufgabe (aus Übungsserie 3, Hausübung H3). An einem Materialpunkt sei der Spannungszustand durch die Komponenten σx=4k, σy=−k, σz=k, τyz=3k, τxy=τxz=0 (mit k>0) gegeben. Bestimme alle drei Hauptspannungen σI≥σII≥σIII.
Lösungsweg in 5 Schritten
Schritt 1: Tensor aufstellen
Aus den gegebenen Komponenten den vollständigen Tensor schreiben, Symmetrie τyz=τzy ausnutzen.
Die volle 3×3-Matrix ergibt sich direkt aus den sechs unabhängigen Komponenten.
{T}xyz=4000−13031k
Schritt 2: Block-Struktur erkennen
Erste Zeile UND erste Spalte haben nur den Diagonal-Eintrag 4k, alle Off-Diagonalen sind null. Die x-Achse ist also trivial Hauptachse mit Hauptspannung 4k. Das 3D-Problem zerfällt in 1×1 (für x) plus 2×2 (für yz).
x-Block trivial, dann den 2×2-Untertensor in yz lösen.
σxHaupt=4k,Tyz=(−1331)k
Schritt 3: 2D-Mohr auf den yz-Block
Mittelpunkt M und Radius R aus der Standard-Mohr-Formel aus Kap. 2 Sec. 4.2, angewandt auf σy, σz, τyz. M ist Mittelwert der Diagonale, R kommt aus Pythagoras.
Beide Werte einsetzen.
M=2−1+1k=0,R=(2−1−1)2+(3)2k=1+3k=2k
Schritt 4: Hauptspannungen des yz-Blocks
In 2D sind die Hauptspannungen die Schnittpunkte des Mohrschen Kreises mit der σ-Achse, also M±R.
Zwei Werte ±2k, plus den schon bekannten x-Wert 4k.
σyzHaupt=0±2k=±2k
Schritt 5: Sortieren nach σI≥σII≥σIII
EM-Konvention. Die drei Werte 4k, 2k, −2k absteigend ordnen. Maximum wird σI, Minimum wird σIII.
Endresultat:
σI=4k,σII=2k,σIII=−2k
FormelResultate
σI=4k,σII=2k,σIII=−2k
Block-Reduktion plus 2D-Mohr.
MerkeBlock-Reduktion in der Praxis
Erst Tensor scannen, dann 2×2 lösen. Vermeidet die kubische Gleichung.
PrüfungstippSortierungs-Regel
Konvention σI≥σII≥σIII. I für Maximum, III für Minimum.
Eine Hauptrichtungn ist die Richtung, in der der Spannungstensor T nur streckt, nicht dreht: T⋅n=σ⋅n. Das ist die Eigenvektor-Definition aus LinAlg, hier physikalisch interpretiert. Die zugehörige Hauptspannung σ ist der Streckfaktor (Eigenwert).
Anschaulich: bei einem allgemeinen Schnitt (n keine Hauptrichtung) zeigt der Spannungsvektor s=T⋅n schräg gegenüber n, mit Normal- UND Schubkomponente. Bei einem Hauptschnitt (n Hauptrichtung) zeigt s genau entlang n. Die Schubkomponente verschwindet, nur Normalspannung wirkt. Das ist die physikalische Bedeutung: Hauptrichtungen sind die Schnittflächen ohne Schub.
Brücke zur Klausur. In Aufgaben wird oft NICHT direkt nach den Hauptrichtungen gefragt, sondern danach, was an einer bestimmten Schnittfläche passiert (σn,τn). Die Hauptrichtungen sind dann das Hilfsmittel: kennt man sie, kennt man auch den maximalen σ-Wert (entlang nI) und den maximalen τ-Wert (45° versetzt zwischen Hauptrichtungen).
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Eigenwert-Gleichung
T⋅n=σ⋅nmit∣n∣=1
n ist Hauptrichtung, σ die zugehörige Hauptspannung. Drei Lösungen (σi,ni) für i=I,II,III, paarweise orthogonal.
DefinitionHauptrichtung
Eigenvektor des Spannungstensors. T⋅n=σ⋅n mit ∣n∣=1.
MerkeSchubfreier Schnitt
Auf einer Hauptrichtungs-Fläche wirkt nur Normalspannung, kein Schub.
MerkeDrei orthogonale Richtungen
Symmetrischer Tensor, drei Eigenvektoren paarweise senkrecht. Folgt aus LinAlg-Theorem für symmetrische Matrizen.
2.2 Vorgehen: (T−σiI)ni=0
Um die Hauptrichtung ni zur bekannten Hauptspannung σi zu finden, löst man das homogene Gleichungssystem (T−σiI)⋅ni=0. Per Konstruktion ist das System singulär (denn σi ist Eigenwert), die Lösungsmenge ist eindimensional. Plus die Normierungsbedingung ∣ni∣=1.
Schritte. 1) Setze σi ein, schreibe (T−σiI) als Matrix mit Zahlenwerten. 2) Reduziere die Matrix auf Echelon-Form (bzw. erkenne, welche Zeile linear abhängig ist). 3) Eine Komponente von ni frei wählen (der Faktor wird durch die Normierung am Ende fixiert). 4) Die anderen Komponenten aus den verbleibenden Gleichungen ablesen. 5) Auf ∣ni∣=1 normieren.
Praxis-Hinweis. In Klausur-Aufgaben mit Block-Struktur ist mindestens eine Hauptrichtung trivial (die Achse aus dem 1×1-Block). Die anderen zwei Hauptrichtungen liegen in der Ebene des 2×2-Blocks; wenn man eine berechnet hat, ist die andere senkrecht dazu in derselben Ebene. Spart einen Rechendurchgang.
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Eigenvektor-Gleichung
(T−σiI)ni=0,∣ni∣=1
System ist singulär. Eine Komponente frei wählen, die anderen ablesen, dann normieren.
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Orthogonalität der Hauptrichtungen
nI⋅nII=0,nI⋅nIII=0,nII⋅nIII=0
Hauptrichtungen sind paarweise orthogonal (Symmetrie des Tensors). Praktisch: zwei berechnen, die dritte als Kreuzprodukt.
DefinitionEigenvektor-Gleichung (T−σiI)⋅ni=0 mit ∣ni∣=1. Singuläres System, eine Komponente frei.
MerkeVorzeichen unbestimmt n und −n beschreiben dieselbe Hauptrichtung. ±-Notation üblich.
PrüfungstippKreuzprodukt-Trick nIII=nI×nII spart einen Durchgang.
2.3 Beispiel: Hauptrichtungen über Eigenvektor-Berechnung
Aufgabe (aus Übungsserie 3, Hausübung H2). Gegeben sei ein Spannungstensor im xyz-Koordinatensystem,
{T}xyz=3k0τxz02k0τxz0σz.
Die Komponenten σz und τxz sind unbekannt; alle anderen Komponenten sind gegeben. Bekannt seien zudem zwei Hauptspannungen: σα=5k und σβ=−3k (zu sortieren). Bestimme (a) σz und τxz unter der Annahme τxz>0, und (b) alle drei Hauptspannungen mit Sortierung sowie die zugehörigen Hauptrichtungen.
Lösungsweg in 7 Schritten
Schritt 1: Block-Struktur erkennen
Zweite Zeile UND zweite Spalte haben nur 2k auf der Diagonale, alle Off-Diagonalen 0. Die y-Achse ist also trivial Hauptachse mit Hauptspannung 2k. Die anderen zwei Hauptspannungen sind 5k und −3k und liegen in der xz-Ebene.
σy=2k bekannt. xz-Block enthält die anderen zwei Hauptspannungen.
σyHaupt=2k,{5k,−3k}=Hauptspannungen des xz-Blocks
Schritt 2: 2D-Mohr-Formel auf den xz-Block invertieren
Bekannte 5k und −3k sind die Wurzeln M±R des xz-Blocks. Daraus M und R rückrechnen: Summe der zwei Wurzeln gibt 2M, halbe Differenz gibt R.
Mittelpunkt und Radius:
M=25k+(−3k)=k,R=25k−(−3k)=4k
Schritt 3: M zurück auf σz umrechnen
Mittelpunkt-Definition M=(σx+σz)/2=(3k+σz)/2 gleich gefundenem M=k setzen, dann σz auflösen.
Eine Gleichung in einer Unbekannten:
M=2σx+σz=23k+σz=k⟹σz=−k
Schritt 4: R zurück auf τxz umrechnen
Radius-Definition R2=((σx−σz)/2)2+τxz2. Mit σx−σz=4k und R=4k auflösen.
τxz2=R2−((σx−σz)/2)2=16k2−4k2=12k2. Annahme τxz>0, also positive Wurzel.
Setze σ=5k in (T−σI)nI=0 ein. Singuläres System lösen. Erste Zeile: −2n1+23n3=0⇒n1=3n3. Zweite Zeile: −3n2=0⇒n2=0. Dritte Zeile konsistent zur ersten. Normierung ∣nI∣2=3n32+n32=1⇒n3=±1/2, n1=±3/2.
Hauptrichtung in der xz-Ebene:
nI=±3/201/2
Schritt 7: Hauptrichtungen nII und nIII
σII=2k entspricht der y-Achse direkt (aus Block-Reduktion). σIII=−3k liegt in der xz-Ebene und muss senkrecht zu nI sein. Senkrechter Einheitsvektor zu (3/2,0,1/2) in xz ist (−1/2,0,3/2).
Drei Hauptrichtungen vollständig:
nII=±010,nIII=±−1/203/2
FormelResultate σz,τxz
σz=−k,τxz=23k
Aus 2D-Mohr-Inversion.
FormelHauptspannungen sortiert
σI=5k,σII=2k,σIII=−3k
EM-Konvention, absteigend.
MerkeStrategie
Vorgegebene Hauptspannungen plus 2D-Mohr-Inversion.
PrüfungstippSortierung beachten
Aufgaben-Numerierung kann von EM-Konvention abweichen. Erst sortieren, dann mit σI,σII,σIII rechnen.
In 2D war Mohr ein einziger Kreis mit Radius R=(σI−σII)/2. In 3D gibt es drei Kreise: einen zwischen σI und σII, einen zwischen σII und σIII, und einen zwischen σI und σIII (der grösste). Jeder Kreis beschreibt die σ-τ-Wertepaare für Schnittnormalen, die in der Ebene zweier Hauptachsen liegen.
Anschauliche Bedeutung der drei Kreise:
Alle möglichen σ-τ-Wertepaare für irgendeinen 3D-Schnitt liegen im Bereich ZWISCHEN den drei Kreisen, nicht innerhalb eines kleineren Kreises und nicht ausserhalb des grössten.
Der grösste Kreis (zwischen σI und σIII) umschliesst die anderen zwei und liefert das absolute Maximum der Schubspannung.
Versagens-Konnex. Für Schubversagen ist τmax die zentrale Grösse. Materialien wie Stahl versagen oft duktil unter Schub bei einem kritischen τ-Wert (Tresca-Kriterium, kommt in Kap. 5). Damit ist der grosse Mohr-Kreis der relevante für Versagensvorhersagen, nicht die zwei kleineren.
DefinitionMohr 3D
Drei Kreise im σ-τ-Diagramm, einer pro Hauptspannungs-Paar.
MerkeDrei Kreise, einer dominant
Grösster ist Maximum-Minimum-Paar (σI und σIII), Radius gleich τmax.
Die maximale Schubspannung in 3D ist der Radius des grössten Mohrschen Kreises, also die halbe Differenz von Maximum (σI) und Minimum (σIII). Die mittlere Hauptspannung σII steht NICHT in dieser Formel.
Vorzeichen-Hinweis. Wenn σIII negativ ist (Druck), wird die Differenz σI−σIII grösser als beide Beträge einzeln. Das ist physikalisch sinnvoll. Ein kombinierter Zug-Druck-Zustand erzeugt grössere Schubspannungen als reiner Zug oder reiner Druck gleicher Magnitude.
Klausur-Praxis.τmax ist ein Standard-Klausurthema. Vorgehen: Hauptspannungen ausrechnen oder gegeben, sortieren, σI−σIII durch zwei. Drei Schritte, im Idealfall eine Minute Klausurzeit.
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Maximale Schubspannung 3D
τmax=21(σI−σIII)=21(max(σi)−min(σj))
Beide Formen äquivalent. σI−σIII nach Sortierung; max−min ohne Sortierungs-Voraussetzung. Radius des grössten Mohrschen Kreises, σII irrelevant.
Formelτmax-Formel
τmax=21(σI−σIII)
Halbe Differenz Maximum minus Minimum.
MerkeσII spielt keine Rolle
Nur die Extremen σI,σIII stehen in der Formel.
PrüfungstippEbener Spannungszustand σz=0 implizit. Achte, ob das σIII oder σII wird; das ändert τmax.
3.3 Beispiel: τmax und 3D-Mohr-Diagramm
Aufgabe (Fortsetzung von Beispiel 1.4 aus Übungsserie 3, H3 b und c). Mit den Hauptspannungen σI=4k, σII=2k, σIII=−2k aus dem Beispiel in Sec. 1.4: bestimme (a) die maximale Schubspannung τmax im Materialpunkt, und (b) skizziere die drei Mohrschen Kreise im σ-τ-Diagramm und identifiziere τmax im Diagramm.
Lösungsweg in 3 Schritten
Schritt 1: Hauptspannungen identifizieren
σI (Maximum) und σIII (Minimum) für die τmax-Formel ablesen. σII wird für τmax nicht gebraucht.
Direkt aus Beispiel 1.4 übernommen.
σI=4k,σII=2k,σIII=−2k
Schritt 2: τmax-Formel anwenden
Halbe Differenz Maximum minus Minimum.
Einsetzen und ausrechnen:
τmax=2σI−σIII=24k−(−2k)=26k=3k
Schritt 3: Mohrsche Kreise konstruieren
Drei Kreise im σ-τ-Diagramm. Jeder Kreis hat als Endpunkte zwei der drei Hauptspannungen auf der σ-Achse. Der grösste (zwischen σI und σIII) liefert τmax als Radius.
Mittelpunkte und Radien: Kreis I-II M=3k,R=k; Kreis II-III M=0,R=2k; Kreis I-III M=k,R=3k (grösster). Höchster Punkt des grossen Kreises bei (M,R)=(k,3k), also τmax=3k.
Kreis I-III: M=k,R=3k=τmax
Formelτmax=3k
τmax=21(σI−σIII)=3k
Halbe Differenz Maximum minus Minimum.
MerkeσII irrelevant für τmax
Nur die Extremen zählen. σII definiert nur die zwei kleineren Mohr-Kreise.
Drei Multiple-Choice-Aufgaben aus alten Klausuren. Die Antwort-Optionen sind 1:1 aus der jeweiligen Original-Klausur übernommen, gleiche Reihenfolge, gleiche Distraktoren. Markiere deine Antwort, klick Lösung prüfen, dann erscheint der vollständige Lösungsweg.
Aufgabe 1
Aus Klausur FS24, Frage A3. Gegeben sei der Spannungstensor im xyz-Koordinatensystem {T}xyz=62126−11−10k mit k>0. Bestimme den Betrag ∣τ∣ der resultierenden Schubspannung, die auf eine Schnittfläche mit der Flächennormalen {n}xyz=(0,1,0)⊤ wirkt.
Lösungsweg
Schritt 1: Spannungsvektor s=T⋅n
Cauchy-Hauptsatz aus Kap. 1, jetzt 3D angewendet. Da n nur in der zweiten Komponente ungleich null ist, trägt nur die zweite Spalte des Tensors bei.
Zweite Spalte direkt: (2,6,−1)k.
s=T⋅n=26−1k
Schritt 2: Normalspannung σn=s⋅n
Projektion von s auf n. Komponentenweises Skalarprodukt: nur die zweite Komponente trägt bei (mit 1⋅6=6), die anderen mal 0.
Reine zweite Komponente:
σn=s⋅n=6k
Schritt 3: ∣s∣2 via Pythagoras
Pythagoras-Zerlegung des Spannungsvektors aus Kap. 1: ∣s∣2=σn2+∣τ∣2. Erst ∣s∣2 ausrechnen.
Komponenten quadrieren und addieren:
∣s∣2=(22+(6)2+(−1)2)k2=(4+6+1)k2=11k2
Schritt 4: ∣τ∣2 aus Pythagoras
∣τ∣2=∣s∣2−σn2. Standard-Zerlegung des Spannungsvektors in Normal- und Schubanteil.
Differenz bilden:
∣τ∣2=∣s∣2−σn2=11k2−6k2=5k2
Schritt 5: Wurzel und Antwort identifizieren
∣τ∣ ist nicht-negativ, Wurzel ohne Vorzeichen-Frage. Vergleich mit den 8 Optionen: Option b. Distraktoren entstehen aus typischen Fehlern. (a) vergisst eine Komponente in ∣s∣2, (c) rechnet σn statt ∣τ∣, (e) und (f) mischen Faktoren falsch.
Korrekte Antwort: b.
∣τ∣=5k
Aufgabe 2
Aus Klausur FS22, Frage B2. Gegeben sei der Verzerrungstensor E im xyz-Koordinatensystem: {E}xyz=24042000−1⋅10−4. Bestimme den kleinsten Eigenwert ε3 des Verzerrungstensors. Hinweis: das Hauptdehnungs-Problem ist mathematisch identisch zum Hauptspannungs-Problem (formaler Austausch σij→εij); Block-Reduktion und Mohr-Formel gelten 1:1.
Lösungsweg
Schritt 1: Block-Struktur erkennen
Dritte Zeile UND dritte Spalte haben nur −1 auf der Diagonale, alle Off-Diagonalen 0. Die z-Achse ist trivial Hauptachse mit ε=−1⋅10−4.
Ein Eigenwert direkt bekannt; den xy-Block separat lösen.
εzHaupt=−1⋅10−4
Schritt 2: 2×2-Block in xy extrahieren
Der gekoppelte Teil ist die xy-Untermatrix. Hauptdehnungs-Mohr-Formel angewandt, formal identisch zur Hauptspannungs-Formel.
Komponenten ablesen: εx=2, εy=2, εxy=4 (alle in 10−4).
Exy=(2442)⋅10−4
Schritt 3: Mittelpunkt M und Radius R des xy-Blocks
M = Mittelwert der Diagonale, R aus Pythagoras der halben Diagonal-Differenz und der Off-Diagonal-Komponente.
M=(2+2)/2=2. Halbe Differenz =0. R=02+42=4. Beide in 10−4.
M=22+210−4=2⋅10−4,R=02+4210−4=4⋅10−4
Schritt 4: Hauptdehnungen des xy-Blocks
M±R liefert die zwei Eigenwerte der 2×2-Matrix. Plus den schon bekannten z-Wert.
2+4=6 und 2−4=−2. Drei Eigenwerte gesamt: 6,−1,−2 (in 10−4).
Drei Werte 6,−1,−2 absteigend sortieren: 6>−1>−2. Der kleinste ist ε3.
ε3=−2⋅10−4 entspricht Option g. Distraktoren: (c), (e) und (d) rechnen R falsch (Diagonal-Differenz nicht halbiert oder Vorzeichen-Fehler), (b) nimmt den z-Wert direkt, (f) lässt den z-Wert weg.
ε3=−2⋅10−4
Aufgabe 3
Aus Klausur FS25, Frage C1. In einem Materialversuch konnten mit Hilfe von Tomographiebildern alle Komponenten des Verzerrungstensors im (ex,ey,ez)-Koordinatensystem bestimmt werden: {E}xyz=10001000−1ε0. Bestimme die maximale Schubspannung τmax im Material unter der Annahme linear elastischen Materialverhaltens (Elastizitätsmodul E, Querkontraktionszahl ν=0). Hinweis: bei ν=0 entkoppelt das Stoffgesetz, jede Hauptdehnung gibt direkt eine Hauptspannung über σ=E⋅ε.
Lösungsweg
Schritt 1: Hauptdehnungen direkt ablesen
Verzerrungstensor ist diagonal, alle Off-Diagonalen sind null. Jede der drei Achsen ex,ey,ez ist Hauptrichtung. Hauptdehnungen sind die Diagonal-Einträge.
Zwei gleiche Werte +ε0 und einer negativ −ε0. Sortiert nach εI≥εII≥εIII.
εI=εII=ε0,εIII=−ε0
Schritt 2: Stoffgesetz mit ν=0 liefert σi=E⋅εi
Bei ν=0 koppelt die Querkontraktion nicht. Jede Hauptdehnung gibt eine Hauptspannung direkt über das 1D-Hookesche Gesetz, weil die Hauptachsen für E und für T identisch sind und in den Hauptachsen das Stoffgesetz rein-diagonal wird.
Drei Hauptspannungen aus drei Hauptdehnungen:
σi=E⋅εi(ν=0)⟹σI=σII=Eε0,σIII=−Eε0
Schritt 3: τmax-Formel anwenden
τmax-Formel aus Sec. 3.2: halbe Differenz von Maximum und Minimum.
Differenz bilden:
τmax=2σI−σIII=2Eε0−(−Eε0)=22Eε0=Eε0
Schritt 4: Antwort identifizieren
Vergleich mit den 9 Optionen.
τmax=Eε0 entspricht Option g. Distraktoren: (d) und (f) vergessen den Faktor 2 in der Differenz; (a) und (c) rechnen mit falschen Brüchen; (e) nimmt fälschlich an, dass diagonale Verzerrungen keine Schubspannung erzeugen; (b) und (h) verdoppeln/verdreifachen falsch.